Mittwoch | 30. Mai 2012 | 21:58 Uhr
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  • No Country for Old Men

    Thriller, Drama | USA 2007
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      • | Produktion: Die Besetzung

      • Das Herz von „NO COUNTRY FOR OLD MEN“ sind seine Charaktere, die Männer und Frauen, die im sich rasant verändernden Westen leben, an einem Ort, dessen Gesetzlosigkeit eine „schöne neue Welt“ hat entstehen lassen, die sich um den internationalen Drogenhandel dreht und in der die alten Regeln nicht mehr zu gelten scheinen. Vor diesem Hintergrund wird Sheriff Bell zum Dreh- und Angelpunkt der Geschichte; er ist ein stoischer, philosophierender Gesetzeshüter, der einen knochentrockenen Humor und felsenfeste moralische Grundsätze hat, und nun übermannt wird von der neuen Generation von Kriminellen, die der Drogenhandel hervorgebracht hat, sowie von der Welle der Gewalt, die das von ihm so geliebte Land überzieht. Sheriff Bell ist überwältigt von dieser neuen Realität und verkörpert die akute, herzzerreißende Sehnsucht nach der weitaus ehrenhafteren Lebensweise früherer Zeiten.

        „Der Film handelt – kaum überraschend angesichts des Buchtitels – teilweise von Sheriff Bells Sichtweise auf den Lauf der Dinge, von seinen Ansichten über das Älterwerden und dem Wandel der Zeiten“, sagt Joel Coen.

        „Meiner Meinung nach ist das der Grund dafür, dass das Buch zum Teil in den 80er Jahren spielt, und nicht in unserer heutigen Zeit im engeren Sinn“, fügt Ethan hinzu. „Es erzählt von einer Zeit, als der grenzüberschreitende Drogenhandel zunehmend brutaler wurde, und das gibt dem Sheriff Anlass zum Reflektieren.“

        Bei der Suche nach einem Schauspieler, der diesen packenden und dennoch reflektierenden Charakter verkörpern konnte, kam den Coens schon bald Tommy Lee Jones in den Sinn. „Es gibt wirklich nur ganz, ganz wenige Darsteller, die eine solche Rolle tragen können“, sinniert Joel. „Sheriff Bell ist die Seele des Films, und auf fundamentale Weise ist auch diese Gegend Amerikas ein Bestandteil der Figur des Sheriffs, also brauchten wir einen Schauspieler, der das genau versteht.“

        Er fährt fort: „Diese Rolle verlangt auch nach einer Subtilität, über die nur ein sehr, sehr guter Schauspieler verfügt. Die Liste solcher Schauspieler ist ebenfalls recht kurz; und wenn man dann beide Kriterien verknüpft, stößt man auf Tommy Lee Jones. Da er selber Texaner ist, gehört dieser Landstrich auch zu seinem innersten Wesen.“

        Für Jones war diese Rolle unwiderstehlich, obwohl er zunächst zögerte. „Ich denke, ich habe bereits den ein oder anderen texanischen Gesetzeshüter gespielt“, grübelt Jones bescheiden, „also habe ich gründlich nachgedacht, bevor ich zusagte. Doch die Faszination, mit Cormac McCarthys Stoff arbeiten zu können, war absolut begeisternd.“

        Tatsächlich sollte Sheriff Bell eine Figur werden, die sich durch und durch von anderen Gesetzeshütern unterscheidet, die Jones zuvor gespielt hat. Besonders bewegt war der Schauspieler vom Versuch des Sheriffs, mit der absurden Realität klarzukommen, dass die ihn umgebende Welt immer schlimmer wird, obwohl er alles daran gesetzt hat, eben diese Welt besser werden zu lassen. Tommy Lee Jones meint: „Im Verlauf der Geschichte sieht sich Sheriff Bell in die Ecke gedrängt von dieser neuen, monströsen Form der Kriminalität, die er bekämpfen muss. Doch er beginnt zu begreifen, dass es grundsätzlich sinnlos ist, mit Desillusionierung und Enttäuschung zu reagieren.“

        Für die Coens war die Besetzung der Rolle von Llewellyn Moss eine etwas größere Herausforderung als die des Sheriffs. Moss ist ein Vietnam-Veteran und aufrechter, gutherziger Kerl aus Texas, der niemals das Gesetz übertreten hätte – bis er auf einen Haufen schmutzigen Drogengeldes stößt, das einer Gruppe toter Männer zu gehören scheint.

        „Moss ist ein Durchschnittstyp, der sich in ungewöhnlichen Umständen wieder findet, und in einem unüberlegten Moment beschließt, einen Geldhaufen zu behalten, der ihm gar nicht gehört“, erklärt Ethan Coen. „Dann verbringt er den Rest des Films damit zu versuchen, den Folgen dieser Handlung auszuweichen. Deshalb ist er der eigentliche Mittelpunkt der Action dieses Films.“

        Joel fügt hinzu: „In dieser Story gibt es einen guten Kerl und einen bösen Typen; Moss steht genau dazwischen.“

        Doch das goldene Mittelmaß zu finden war weitaus schwieriger, als irgendjemand erwartet hatte. „Wir glaubten anfangs, es wäre wirklich leicht, die Rolle des Moss zu besetzen“, lacht Ethan. „Denn wir hatten uns gedacht, dass wir einfach einen guten, sauberen jungen Mann brauchten. Aber es stellte sich heraus, dass es gar nicht leicht ist, einen solchen Typen zu spielen, ohne langweilig zu wirken und ohne selbst aus dieser Gegend zu stammen.“

        Schließlich fanden die Coens einen Schauspieler, der über eine dynamische Präsenz und einen ausgeprägten Western-Touch verfügt: Josh Brolin, der sich als Kinodarsteller etabliert hat. „Josh ist auf einer Ranch aufgewachsen, also hatte er ein Gespür dafür, woher Moss stammt“, erklärt Ethan. „Er war für diese Rolle ein Naturtalent.“

        Brolin ist auf dem Land in Mittelkalifornien aufgewachsen und fühlte eine unmittelbare Affinität zu dieser Rolle: „Moss ist tatsächlich eine Mischung aus einer Menge Typen, mit denen ich selbst aufgewachsen bin. Es sind Männer mit Prinzipien, und doch denke ich, dass sie unter den gleichen Umständen genau das tun würden, was Moss getan hat.“

        Die dritte Spitze des moralischen Dreiecks des Films bildet Anton Chigurh, der eiskalte, unnahbare Schurke, der keinen Zeugen am Leben lässt. Diese einzigartig düstere Figur verlangte nach einem Darsteller, der extreme Intensität vermitteln kann. „Im Roman wird Chigurh als jemand beschrieben, der eigentlich gar keinen Humor hat“, sagt Joel. „Doch darüber hinaus bleibt sein Hintergrund ziemlich im Unklaren. Er ist unerbittlich, und doch umgibt ihn eine geheimnisvolle Aura. Man weiß nicht so genau, woher er wirklich kommt.“

        Joel Coen fährt fort: „Für diese Rolle brauchten wir einen Schauspieler, der Chigurh echte Substanz verleiht, ohne jedoch allzu viel über ihn zu verraten, um die geheimnisumwitterte Aura zu bewahren – also war das Javier Bardem.“

        Bardem hat sich schnell als eines der größten internationalen Filmtalente etabliert; für seine Darstellung des kubanischen Dichters Reinaldo Arenas in „Bevor es Nacht wird“ bekam er eine Oscar-Nominierung; für die Rolle des ans Bett gefesselten Helden in „Das Meer in mir“ wurde er auf dem Filmfestival in Venedig mit dem Preis als Bester Schauspieler ausgezeichnet. Mit der Rolle des Chigurh sah sich Bardem mit seiner bisher größten Herausforderung konfrontiert: einen mythischen Schurken darzustellen, in dessen Seele scheinbar kein einziger Lichtstrahl vorzudringen vermag.
        Bardem sagt: „Eines der Themen dieses Films ist die große Gewaltwelle, die unsere Welt erfasst hat, und Chigurh symbolisiert diese Gewalt, denn auch er hat keine Wurzeln, geht immer noch einen Schritt weiter und ist nicht aufzuhalten.“ Bei der Ausgestaltung seiner Rolle arbeitete Bardem sehr eng mit den Coen-Brüdern zusammen: „Die Gespräche mit Joel und Ethan haben meine gesamte Perspektive verändert, und die Rolle wurde weitaus interessanter, vielschichtiger und auch witziger.“

        An der Seite dieses Männer-Trios stehen zwei ebenso mitreißende Frauen. Die Rolle von Moss’ Ehefrau Carla Jean spielt die schottische Schauspielerin Kelly Macdonald, die für ihre kraftvolle Performance im HBO-Film „The Girl in the Café“ für einen Emmy und einen Golden Globe nominiert war und die Filmemacher bereits beim Vorsprechen überraschte: „Gerade als wir sagten, man könne sich Texas nicht mit den Mitteln der Schauspielerei aneignen, haben wir Kelly Macdonald besetzt - eine schottische Schauspielerin aus Glasgow“, lacht Joel. „Ich hatte einfach nicht daran geglaubt, dass sie ein West-Texas-Girl würde spielen können – doch beim Vorsprechtermin hat sie uns eines Besseren belehrt.“

        Macdonald selbst war besonders davon beeindruckt, wie Carla Jean auf den Drehbuchseiten als willensstarke junge Frau dargestellt wird, die scheinbar gleichberechtigt an der Seite ihres Ehemannes steht: „Es ist eine wirklich zärtliche Beziehung“, bemerkt die Schauspielerin. „Man bekommt das Gefühl, dass beide echt gut zusammenpassen, und sie kann ebenso viel geben wie er einstecken kann. Das war es, was mir vermittelt wurde, als ich das Drehbuch las. Zwischen den Eheleuten gibt es viel freundlichen Ulk und Neckerei, aber man spürt auch die wahre Liebe, die sie verbindet.“

        Auch Tommy Lee Jones war mit der Besetzung zufrieden: „Kelly hat den westtexanischen Akzent perfekt verinnerlicht“, kommentiert er, was aus dem Munde eines gebürtigen Texaners wirklich großes Lob bedeutet. „Zwischen den Takes war sie dieses süße Mädel aus Schottland, doch sobald die Kamera lief, verwandelte sie sich in diese schöne, toughe Texanerin. Ich war sehr beeindruckt.“

        Eine weitere wichtige Filmbeziehung findet sich zwischen Sheriff Bell und seiner Ehefrau Loretta, deren Charakter ausschlaggebend ist, um die Figur von Bell zu definieren. Loretta wird von der für einen Oscar und einen Golden Globe nominierten Schauspielerin Tess Harper dargestellt, die selbst aus Arkansas stammt. Schon seit ihrem Auftritt in „Tender Mercies“ waren die Gebrüder Coen zu Fans ihrer Schauspielkunst geworden, und betonen ihre Fähigkeit, „innerhalb sehr kurzer Zeit sehr viel zu vermitteln“.

        Harper sagt über ihre Rolle: „Loretta ist der Fels in der Brandung, sie gibt dem Sheriff die Bodenhaftung, die er braucht. Sie ist sein sicherer Hafen inmitten des heftigen Sturms.“

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