Mittwoch | 30. Mai 2012 | 21:59 Uhr
Sie befinden sich hier: KINO | Startseite > Datenbank > Filmdetails > Filminfos
  • FILMDETAILS | Into the Wild
  • Into the Wild

    Abenteuer, Drama | USA 2007
    WERBUNG
      • | Produktion - Die Jugend

      • Anstatt Liebe, Berühmtheit, Geld, Vertrauen oder Fairness, gebt mir Wahrheit.
        (Henry David Thoreau)

        Christopher McCandless’ Anziehungskraft in Jon Krakauers Buch geht über seine physischen Abenteuer hinaus. Er war ein unter ständiger Hochspannung stehender junger Mann, beseelt von einem unbeugsamen Idealismus, der mit den Ansprüchen der heutigen Zeit nicht leicht zu vereinbaren war. Für die Rolle suchte Sean Penn einen Schauspieler mit derselben Art von entwaffnendem Charme, wie ihn McCandless besaß. Außerdem sollte er dem hübschen und charismatischen jungen Mann ähnlich sehen, den man auf den Fotografien sieht, die von ihm existieren. Darüber hinaus suchte er jemanden, der bereit war, mit kompromisslosem Einsatz die tragende Rolle zu spielen, die über Erfolg oder Misserfolg seines Films entscheiden würde.

        All diese Eigenschaften fand er bei dem 22-jährigen Emile Hirsch, der Penn in Catherine Hardwickes Film DOGTOWN BOYS beeindruckte, und der vor kurzem seinen Ruf als einer der vielversprechendsten Nachwuchstalente mit seiner Hauptrolle in Nick Cassavetes’ ALPHA DOG – TÖDLICHE FREUNDSCHAFT festigte. Penn traf Hirsch in den folgenden vier Wochen immer wieder und versuchte herauszubekommen, wie groß seine Einsatzbereitschaft war: „Ich wusste, dass er die Rolle spielen konnte, aber die Frage war: könnte er sie jeden Tag acht Monate lang unter harten Bedingungen spielen? Und war er bereit, sich während der Produktion und auf der Leinwand von einem Jungen zu einem Mann zu entwickeln? Ich er-forschte seinen Charakter und wurde nach und nach immer zuversichtlicher, obwohl ich immer noch das Gefühl hatte, dass es eine riskante Sache war. Schließlich wollten wir es gemeinsam versuchen und Emile überzeugte mich im höchsten Maße. Er hat etwas geradezu Elektrisierendes, und mit seinen Augen erzählt dir Emile so viel über Chris McCandless.“

        Produzent Bill Pohlad: „Emile hat unglaubliche Arbeit geleistet. Er bezwang einen wilden Fluss mit dem Kanu, kletterte auf Berge, das hatte er vorher noch niemals getan. Er war davon begeistert und beschwerte sich nie. Gleichzeitig gelang es ihm, Chris überzeugend, geradezu wesensgleich zu porträtieren. Er hat wirklich eine Verwandlung durchgemacht.“

        Hirsch erinnert sich, dass er von Chris McCandless’ Schicksal aus dem Fernsehen erfuhr. „Ich war damals so etwa neun Jahre alt, als das Fernsehen eine Sendung über ihn brachte, und ich war gefesselt und fasziniert von diesem Typen, der nach Alaska ging. Die Geschichte hinterließ einen tiefen Eindruck in mir, obwohl ich noch ein Kind war. Als Sean mich kontaktierte, las ich das Buch und die Erinnerungen von damals kamen zurück.“

        Jon Krakauers Buch vermochte Hirsch noch mehr für McCandless zu faszinieren: „Ich liebte seinen Abenteuergeist und sein Spiel mit der Gefahr, genauso wie seine Intelligenz, seine Disziplin und seine philosophische Suche nach Freiheit und Wahrheit. Ich liebte die Idee, etwas völlig Anderes mit seinem Leben anzufangen. Ich glaube auch, dass Chris eine harte Zeit hinter sich hatte, und versuchte diese Gefühle und Erfahrungen während seiner Abenteuer zu verarbeiten. Er ist ein faszinierender Charakter, und ich wusste, dass ich bereit sein würde, in dieser Rolle sehr weit zu gehen.“

        Hirsch, wie auch Krakauer und Penn sind sich einig, dass Christophers Tod ein klarer Un-glücksfall war. „Ich bin davon überzeugt, dass er zurückkommen wollte,“ meint Hirsch. „Er war auf der Suche nach einer totalen spirituellen Reinigung, aber er wollte nicht sterben.“

        Für Hirsch wurde jener Augenblick, als McCandless seine alte Identität abstreift und sich den neuen Namen Alexander Supertramp zulegt, der Schlüssel zur Rolle. „Als Alexander Super-tramp sieht er sich als den umher wandernden Abenteurer, der alles tun kann, der jeden Berg erklimmen und jedes Ziel erreichen kann. Ich glaube, Menschen können sich wirklich mit der Idee identifizieren, dass sie alles überwinden wollen, was sie je zurückgehalten hat. Wir alle haben Momente, in denen wir uns fragen was passieren würde, wenn wir aussteigen würden. Jeder denkt darüber nach, aber es gibt so viele Dinge, die uns davon abhalten. Chris war einer, der es wirklich herausfinden wollte, und er hat etwas sehr Spezielles ge-funden.“

        Als er Penns Drehbuch las, war für ihn klar, dass er die Rolle spielen würde: „Ich dachte, dass Sean den roten Faden durch die Geschichte gefunden hatte. Für mich las es sich wie eine klassische amerikanische Reise, bei der du auf allerlei faszinierende Leute und Ideen triffst.“

        Je mehr er mit Penn über dessen Regieansatz sprach, desto mehr wurde ihm die Ehre bewusst, für die Rolle ausgewählt worden zu sein. „Es war sehr aufregend für mich, dass Sean seit zehn Jahren an diesem Projekt arbeitete, dass er mit der McCandless-Familie ge-sprochen hatte, um besser zu verstehen, wie Chris war, und dass er sich so verpflichtet fühlte, Integrität, Sensibilität und Kreativität in die Geschichte fließen zu lassen.“

        Während der Vorbereitung auf die Rolle verbrachte Hirsch auch erstaunlich viel Zeit mit den Eltern und der Schwester von Chris. Insbesondere Carine McCandless’ zutiefst persönliche Beobachtungen über ihren verlorenen Bruder waren für Hirsch von unschätzbarem Wert. „Sie war wirklich Chris’ beste Freundin, und keiner kannte ihn besser als Carine. Sie waren ein Art Yin und Yang füreinander. Ich denke, einer der rätselhaftesten Aspekte der Geschichte ist die Tatsache, dass Chris keine Nachricht für seine Schwester hinterließ, als er sich auf den Weg machte. Aber das, was sie mir mitteilte, war enorm. Sie half mir wirklich, ihn besser zu verstehen.“

        Nach Alaska zu gehen hinterließ einen tiefen, bleibenden Eindruck bei Hirsch, zumal auch die Produktion mit Christophers intensiven und erschütternden letzten Tagen dort begann. „Als ich dort war in den Kleidungsstücken, die Chris wirklich getragen hat, und den Rucksack trug, den Chris getragen hat, der wirklich sehr schwer war, wunderte ich mich ständig, wie er es überhaupt geschafft hat in der Kälte, dem Schnee und der Härte dieser Umgebung.“

        Für Hirsch waren die Szenen in Alaska eine Art Feuerprobe, die ihn auf eine Weise an seine Grenzen brachte, wie Christopher McCandless es wohl zu schätzen gewusst hätte. Tatsächlich ließ Penn Hirsch am ersten Tag in Alaska auf die Spitze eines überaus steilen, schneebedeckten Hügels klettern, unter Bedingungen, wie sie wahrscheinlich auch McCandless vorgefunden hatte. Als andere Crew-Mitglieder Hirsch helfen wollten, hielt Penn sie zurück. „Ich denke, er wollte testen, wie sehr ich wirklich zum Schritt in die Wildnis bereit war,“ amüsiert Hirsch sich rückblickend darüber.

        „Emile zeigte enorme Disziplin. Hier war ein Junge, der gerade mal alt genug war, sich ein Bier in einer Bar zu kaufen. Er sollte ausgehen und Spaß mit Mädchen haben. Das konnte er für ganze acht Monate nicht tun. Ich habe ihm zugesehen, wie er vor meinen Augen an dieser Herausforderung wuchs“, erinnert sich Penn.

        Über McCandless’ letzte Tage sagt Hirsch: „Er muss furchtbare Angst gehabt haben. Ich denke, Chris stieß an die Grenze der kalten, gefühllosen Härte der Natur. Er wusste genau, was auf dem Spiel stand.“ Doch Hirsch erfuhr auch Augenblicke von unglaublicher Ruhe und Einsicht, die, wie er annimmt, auch Christopher erlebt haben musste: „Als ich so viel Zeit in dem Bus verbrachte, der zu Chris’ letztem Zuhause wurde, wuchs er mir wirklich ans Herz. Ich entdeckte all diese erstaunlichen Dinge in der Natur um mich herum, und der Bus wurde zu einer Art Symbol dafür, durch die Welt zu ziehen, auch wenn man bewegungslos bleibt.“

        Mit fortschreitenden Dreharbeiten fand Hirsch zu seiner Größe, von Alaska in die sengende Hitze von Lake Mead und zum Grand Canyon. Dort lernte er Kajak fahren in den legendären Stromschnellen des Flusses. Hirsch gibt zu, dass er auch Panik hatte: „Ich erinnere mich, wie ich zum ersten Mal mit dem Kajak eine Welle erwischte und gerade noch Luft bekam. Da regte sich mein Überlebensdrang und ich begann wie wild zu paddeln. Ich hatte unglaublich viel Wasser geschluckt, aber ich hatte es geschafft. Abends ging ich ins Bett mit dem Gefühl, ein Held zu sein.“

        Als es von Drehort zu Drehort ging, erfreute sich Hirsch vor allem, abgelegene Teile Amerikas zu sehen, in denen er nie zuvor gewesen war, und einer solchen Vielzahl an individuellen und wundervoll exzentrischen Menschen zu begegnen. Einer der für ihn interessantesten Menschen, die er auf seinem Weg traf, war der Künstler Leonhard Knight, der den Salvation Mountain in Slab City erschaffen hat, und der im Film sich selbst spielt: „Es war so erfrischend, jemanden zu treffen, der nicht den Zynismus besaß, der in unserer Kultur so allgegenwärtig ist, jemanden, der einfach völlig aufrichtig war. Das ist es, was Chris wohl bewegt hat.“

        Produzent Art Linson deutet an, dass das, was Hirschs Spiel so berührend macht, die Bereit-schaft ist, in die Grauzonen von McCandless’ Leben und Tod einzutauchen: „Ich glaube, sowohl Sean als auch Emile teilen die gleiche Geisteshaltung wie Chris, was ihnen erlaubte, einen sehr komplexen emotionalen Charakter zu erschaffen. Das war die viel schwierigere Aufgabe als einfach seine Abenteuer einzufangen.“

      • | Userwertung

      Wertung: 7.0/10 (4 votes)

      • | Cinefacts bei Facebook
      Facebook Logo
        • | WEITERE INFOS
            •   AKTIONEN