Drama,
Komödie
| Finnland / Großbritannien / Island 2005
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| Schwule im Fussball
Wer auch immer verkündet, dass Schwulsein heutzutage gesellschaftlich kein Problem mehr sei, den möge man auf den Spitzensport verweisen.
Obwohl statistisch einer von elf Spielern schwul sein müsste und man allein in der Bundesliga fast 2 komplett schwule Mannschaften zusammenstellen könnte, gibt es bis heute keinen einzigen ‚geouteten’ deutschen Profifußballer.
Homophobe Äußerungen aus den Fanblöcken, wahrscheinlich auch in der eigenen Kabine, sind alltäglich, der Druck des Sportbusiness ist enorm und der Sportler riskiert im Falle eines Outings, nicht mehr an seinen sportlichen Leistungen, sondern nur noch an seiner sexuellen Orientierung gemessen zu werden.
Die Tabuisierung der Homosexualität im Fußball geht allerdings sogar so weit, dass auch nach dem Karriereende bislang kein Sportler den Mut hatte, sein Schwulsein öffentlich zu machen.
Profifußballer riskieren ihre Karriere, wenn sie versuchen, schwule Beziehungen aufzubauen oder andere Männer über Onlineportale zu treffen. Man weiß von Agenturen, die ihnen für gesellschaftliche Anlässe Damenbegleitung vermitteln – auch eine Scheinheirat ist eine ernsthafte Option. Journalisten, die von der verheimlichten sexuellen Orientierung der Sportler wissen, halten dicht und kommen so leichter an Insiderinformationen. Die Möglichkeit der Erpressung liegt auf der Hand.
Bekannt geworden ist der Fall des Briten Justin Fashanu. Er ist der einzige Profifußballer weltweit, der sich geoutet hat. Ein Magazin bezahlte ihm damals viel Geld für die Schlagzeile, und obwohl Fashanu nach kurzer Zeit seine Karriere beendete, war er noch Jahre später ein Thema für die Boulevardblätter. Nach einer Hetzkampagne aufgrund vermeintlicher sexueller Belästigung eines Minderjährigen, die sich wenig später als dubiose Verleumdung herausstellte, erhängte sich der Fußballer in seiner Garage.
Angesichts des großen, meist voyeuristischen Interesses an dem Thema Homosexualität im Fußball ist die Angstschwelle entsprechend groß, sich zu seinem Schwulsein zu bekennen.
Bei den lesbischen Sportlerinnen ist das nicht großartig anders. Obwohl es dort intern viel selbstverständlicher ist, zur eigenen sexuellen Orientierung zu stehen, gilt nach außen genauso wie bei den Männern die Auflage, über dieses Thema nicht zu sprechen und die Öffentlichkeit zu täuschen.
Grund für diese besondere Tabuisierung der Homosexualität sehen Wissenschaftler vor allem im außergewöhnlich betonten körperlichen Aspekt des Sports – gerade, wo Berührungen, Umarmungen o.ä. leicht ‚erotisch’ oder ‚sexuell’ wirken könnten, muss klar sein, dass dies auf keinen Fall schwul oder lesbisch konnotiert werden kann.
Angelehnt an die auch von den Offiziellen des Fußballbusiness unterstützten Kampagnen gegen rassistische Äußerungen auf dem Fußballplatz versucht das ‚Bündnis aktiver Fußballfans’ (BAFF) seit einiger Zeit, diese Diskussion auch auf Sexismus und Homophobie auszuweiten. Auch viele, mittlerweile gut organisierte lesbische und schwule Fans wie die ‚Hertha Junxx’ unterstützen dieses Anliegen. Für den DFB ist das allerdings nach wie vor kein Thema. Hier geht man noch nach außen hin davon aus, dass es keine schwulen Spieler gibt – also seien anti-homophobe Kampagnen nicht zwingend.
Im Dezember 2006 erschien eine Ausgabe des Magazins RUND mit dem Titel: „Einer von elf Profis ist schwul. Das riskante Leben eines homosexuellen Spielers – ‚ein Outing wäre mein Tod’“ und sorgte für einigen Wirbel. In zweijähriger Recherche konnten die Journalisten drei schwule Bundesliga-Profis ausfindig machen, zu ihrem verheimlichten Leben befragen und inkognito zitieren. Ihr Leidensdruck erscheint enorm – in einem Fall ist noch nicht einmal die Ehefrau eingeweiht.
Ändern wird sich an dieser Situation wahrscheinlich erst etwas, wenn sich der erste Profifußballer oder Ex-Fußballer outet – und den Medienrummel riskiert und aushält.