Seit mehr als zwei Jahrzehnten zählt Eddie Murphy zu den erfolgreichsten und beliebtesten Leinwandkomikern. Unübertroffen ist seine Fähigkeit, für ein einzelnes Projekt gleich in mehrere verschiedene Rollen zu schlüpfen. In MENSCH, DAVE! sind Murphys außergewöhnliche körperliche und komödiantische Talente mehr gefragt denn je. Er spielt zwei Rollen – ein menschengroßes Raumschiff, das von einer mehr als hundertköpfigen Crew von winzigen Außerirdischen betrieben wird, und den Kapitän, der das Kommando an Bord hat und dessen Züge als Vorbild für das Design des Raumschiffs dienten.
„Eddie macht in diesem Film das, was Eddie immer schon am besten gemacht hat“, sagt Regisseur Brian Robbins. Lange bevor Murphy zu „Big Dave“ und „Little Dave“ wurde, hatten die Drehbuchautoren Rob Greenberg und Bill Corbett die Idee zu der Geschichte über ein Raumschiff in menschlicher Form, dessen Inneres der Kosmos für eine Mannschaft winziger Personen ist. Die beiden hatten sich im College an der Yale School of Drama kennengelernt. Sie gingen im Anschluss getrennte Wege und hatten jeweils Erfolg als Drehbuchautor: Corbett schrieb für die Kultserie „Mystery Science Theater 3000“ und Greenberg wurde für die Erfolgsserien „Frazier“ und „How I Met Your Mother“ angestellt. Jahre sprachen sie darüber, endlich einmal gemeinsam an einem Stoff zu arbeiten. Dann trafen sie „Dave“.
Die verrückte Idee von einer Welt innerhalb einer Welt zu erzählen, war nur der Anfang. Greenberg und Corbett verbrachten viel Zeit damit, die Grundidee auszuarbeiten und sie im Rahmen ihres komischen und weit hergeholten Kontexts so real wie möglich wirken zu lassen. „Eine großartige und alberne Idee zu haben, ist eine Sache. Aber daraus eine gute Geschichte zu formen, die witzig ist und sich real anfühlt, das ist die Herausforderung“, meint Corbett. „Uns war es wichtig, unser Raumschiff mit starken Figuren und Persönlichkeiten zu bevölkern. Jede von ihnen soll eine ganz persönliche Reise hin zu zumindest ein bisschen Humanisierung unternehmen.“ „Niemand hat sich jemals dieser Idee angenommen – zumindest nicht in dem Ausmaß, wie wir es gemacht haben“, erklärt Greenberg. „Wir wollten diese große verrückte Grundidee so weit wie möglich in der Realität verankern. Uns ging es um glaubwürdige Beziehungen und Emotion, ohne natürlich die komischen Möglichkeiten des Stoffs außer Acht zu lassen.“
Produzent David T. Friendly, zu dessen zahlreichen Filmarbeiten auch die Blockbuster-Komödie Dr. Dolittle (Dr. Dolittle, 1998) mit Eddie Murphy gehört, wurde auf Greenbergs und Corbetts Idee zu einer Familienkomödie aufmerksam. „Nachdem ich den ersten Akt gelesen hatte, wusste ich, dass ich diesen Film machen wollte“, erinnert sich Friendly. „Ich fühlte mich an die besten Fish-out-of-water- Komödien erinnert und war gerührt von den romantischen Möglichkeiten. Vor allem aber wartete auf fast jeder Seite eine neue Überraschung auf mich.“
Gleichzeitig lag das Drehbuch auch auf dem Tisch der Produzenten Jon Berg und Todd Komarnicki, damals noch Partner in der Produktionsfirma Guy Walks Into a Bar. Ihnen ging es bei der Lektüre nicht anders als Friendly. Das ungewöhnliche Konzept und die Verbindung von Slapstick und Emotion sprach sie sofort an. „Todd (Komarnicki) las das Skript während eines Nachtflugs zurück nach New York“, erzählt Berg. „Zwei Stunden, nachdem das Flugzeug gestartet war, begann er wie verrückt, Nachrichten zu schreiben, die er sofort nach der Landung abschickte: ,Wir müssen das kaufen, wir müssen diesen Film machen.’“ Komarnicki fügt hinzu: „Ich weiß, dass das alle sagen, die die Werbetrommel für ihre Projekte rühren müssen, aber für mich war die Lektüre des Drehbuchs ein singuläres Erlebnis. Ich wusste, dass wir mit an Bord sein wollten und alles unternehmen würden, um den Film gemacht zu bekommen.“
Zu dieser Zeit legte Regisseur Brian Robbins gerade letzte Hand an seine Komödie Norbit (Norbit, 2007) mit Eddie Murphy in der Hauptrolle an. Weil er gerade damit beschäftigt war, einen der großen Komödienhits des Jahres 2007 fertig zu stellen, war Robbins noch nicht auf das Drehbuch zu MENSCH, DAVE! aufmerksam geworden. Dafür hatte Murphy das Skript in die Hände bekommen und wollte keine Zeit verschwenden. „Eddie schaute bei mir vorbei und fragte mich, was ich danach machen würde“, erinnert sich Robbins. „Ich antwortete: ,Keine Ahnung, Abendessen vielleicht?’ Und er sagte: ,Quatsch, nicht heute Abend – was wird dein nächster Film sein?’ Dann drückte er mir MENSCH, DAVE! in die Hand.“ Ganz im Sinne der Drehbuchautoren Greenberg und Corbett sagt Robbins: „Zunächst einmal wollten wir einen witzigen Film machen. Aber genauso wichtig war es, dem Film viel Emotion, etwas Liebenswertes zu verleihen. Die Verbindungen zwischen den Figuren verleihen MENSCH, DAVE! seinen Herzschlag. Darum spielt sich die Komödie ab.“
Die komplexe Logistik des Projekts war zunächst einmal etwas abschreckend. „Es war kompliziert, diesen Film auf die Beine zu stellen“, meint Robbins. „Da gibt es erst einmal eine komplette Welt in Daves bzw. Eddies Kopf, in der diese Minimenschen existieren. Dann haben wir noch Dave, wie er sich in der realen Welt bewegt. Und dazu kommt noch, dass Eddie draußen das Raumschiff und drinnen den Kapitän spielt.“ Er fügt hinzu: „Anfangs war ich nervös. Ich musste mir erst einmal klar machen, wie man all diese Elemente zusammenbringen könnte. Wie sollte sich Dave benehmen, wie sollte er sein – er ist ja weder ein Mensch noch ein Roboter, er ist ein Raumschiff!“
Während Robbins sich diesen Herausforderungen stellte, hatte Murphy keinerlei Probleme, in seine Rollen als Raumschiff Dave und dessen Kapitän zu schlüpfen. „Es hat am ersten Tag vielleicht 45 Minuten gedauert, dann hatte Eddie seine beiden Figuren absolut perfekt verinnerlicht“, erinnert sich der Regisseur. „Beide Rollen legte er so an, dass sie sich mit nichts vergleichen lassen, was er jemals zuvor gemacht hat.“
Produzent Todd Komarnicki war hin und weg von Murphys außergewöhnlichen komödiantischen Talenten. Er scheut sich nicht, Murphy in einem Atemzug mit den Giganten des Genres zu nennen. „In MENSCH, DAVE! zeigt Eddie klassischen Slapstick der alten Schule, wie man ihn von Buster Keaton und Charlie Chaplin kennt. Wenn man ihn als Raumschiff – oder besser: Dave – sieht, wie er sich durch New York bewegt und zu verstecken versucht, dass er nicht einer von uns ist, dann ist diese Darstellung beseelt von Unschuld und Reinheit. Durch seine Augen lässt er tief in seine Seele blicken.“
Perfekt gibt Murphy die Steifheit eines leblosen Objekts wider und vertraut dabei auf seine Athletik, die schon in vielen seiner denkwürdigen Darstellungen zum Tragen gekommen war. „Er hat die Anmut eines Tänzers und die zielgerichtete Konzentration eines Boxers“, sagt Friendly. Und Komarnicki meint: „Eddies technische Präzision ist absolut unverkennbar. Er erweckt Daves Mangel an Kontrolle zu Leben, als er gehen, einen Baseball werfen oder tanzen lernt. All das sind Dinge, die wir als selbstverständlich ansehen, aber Eddie als Dave gelingt es, sie neu und absolut wundersam wirken zu lassen.“
Eddies Kollegen waren ebenfalls beeindruckt von seiner Verkörperung zweier Charaktere. Elizabeth Banks, die als feurige und schöne Künstlerin und alleinerziehende Mutter buchstäblich auf Dave trifft, sagt: „Wir Schauspieler benutzen gerne den Ausdruck, Kontrolle über unser Instrument zu besitzen – mit diesem Instrument ist natürlich unser Körper gemeint. Ich kann nur sagen, dass ich niemals mit einem Schauspieler gearbeitet habe, der mehr Kontrolle über seinen Körper hat als Eddie. Alles, was er macht, ist sorgfältig geplant und durchgeführt – jede Geste, jede Bewegung seiner Hände und seines Munds – er hat all das perfekt unter Kontrolle.“ Friendly merkt an, Elizabeth Banks, Gabrielle Union, Scott Caan, Ed Helms, Kevin Hart und der Rest der Besetzung hatten merklichen Anteil daran, dass Murphy das Beste aus sich herausholen konnte.
Umgekehrt war es nicht anders. „Eddie ist besser, wenn man ihn mit lustigen Menschen umgibt – und sie sind besser, wenn sie mit ihm spielen“, meint er. Banks, die als Gina eine entscheidende emotionale Verbindung zu Murphys Dave aufbaut, war eine der letzten, die besetzt wurde. Aber das Warten habe sich gelohnt, sagen die Filmemacher übereinstimmend. „Elizabeth ist eine Vollblutkomödiantin, wie man sie nur ganz selten findet“, erklärt Komarnicki. „Sie hat jene Qualität, die eine Lucille Ball ausgezeichnet hat. Sie beherrscht das Komödienfach aus dem Effeff, beweist dabei Geistesgegenwart und verfügt über beeindruckende Improvisationsfähigkeiten.“
Banks beschreibt Gina als „Großstadttype mit künstlerischer Ader und einer Vorliebe fürs Tanzen“. Ihr gefiel es, wie die Beziehung zwischen Gina und Dave zunehmend vertieft wird, besonders in der Szene, in der sich die beiden über eines der Gemälde Ginas unterhielten. „Dave ist verdattert, weil er beim Betrachten des Gemäldes etwas Fremdartiges verspürt, als Gina ihm erzählt, dass dieses Stück Kunst direkt von Herzen kommt. Ich war begeistert, wie Eddie die ersten Anflüge von Emotion, die seine Figur erlebt, dargestellt hat“, erinnert sich Banks. „Die Szene besitzt eine gewisse Reinheit, eine einfache Unschuld – und hält jede Menge Lacher parat.“
Ginas elfjähriger Sohn Josh ist der erste Mensch, der Dave kennenlernt. Josh ist nicht besonders beliebt an seiner Schule und freundet sich schnell mit Dave an. Er macht den merkwürdigen Neuankömmling mit einigen besonderen Spezialitäten vertraut: einen Rummelplatz, eigenartige Fleischröhren, die die Menschen „Hotdogs“ nennen. Der wiederum revanchiert sich, indem er Josh und seiner Klasse eines der ultimativen ungelösten Physikmysterien beibringt: Einsteins einheitliche Feldtheorie, die der berühmte Physiker bis zu seinem Tode vergeblich zu entschlüsseln versucht hatte. „Josh glaubt von Anfang an an Dave“, berichtet Austyn Lind Myers, der in MENSCH, DAVE! sein Filmdebüt gibt.
Während sich Dave mit Hilfe von Josh und Gina seinen Weg durch den Big Apple bahnt, beginnt sich die Crew im Inneren des Raumschiffs grundlegend zu verändern. Die rechte Hand des Kapitäns, der sogenannte Nr. 2, fürchtet Chaos und Anarchie und plant einen Putsch gegen seinen Vorgesetzten. Produzent Jon Berg merkt an, dass Ed Helms, der als Nr. 2 zu sehen ist, eine ungewöhnliche Premiere feiern durfte. „Er ist der erste Schauspieler, der bei Eddie Murphy am Steuerknüppel sitzt“, lacht Berg. „Und er erhält die Gelegenheit, einen außer Kontrolle geratenen Egomanen zu spielen, wie man es selten auf der Leinwand erlebt.“
Helms hatte großes Vergnügen, Nr. 2 zu spielen, dessen Größe mikro sein mag, dessen Ambitionen aber makro sind. „Sein Name ist Ausdruck seines Rangs an Bord des Raumschiffs. Und das ist Nr. 2 und eben nicht Nr. 1“, sagt der Schauspieler mit einem Augenzwinkern. „Das bedeutet, dass er der zweite Befehlshaber ist und damit über allen anderen Crewmitgliedern steht – mit einer Ausnahme.“ Diese Ausnahme ist der Kapitän, der auf der Reise Daves durch New York City gemeinsam mit vielen anderen an Bord eine merkwürdige, unbekannte Sensation erlebt, die man Emotion nennt. Nur Nr. 2 ist immun dagegen. „Nr. 2 hält den Kapitän für unzuverlässig und empfänglich für menschliche Schwächen“, merkt Helms an. „Er muss einfach etwas unternehmen.“
Nr. 3, ansässige Kulturoffizierin an Bord und gespielt von Gabrielle Union, bringt dem Kapitän unverkennbar mehr Sympathien entgegen. Ihre lange gehegten Gefühle für den Kommandanten können nicht mehr länger unterdrückt werden, nachdem sie durch das Schiff, in dem sie arbeitet, Kontakt zu Gina, Josh und damit merkwürdigem menschlichen Verhalten bekommt. Dazu gehören laut Union „Glück, Trauer, Eifersucht, alternative Lebensstile und der Verzehr einer komischen Substanz, die man als Pizza kennt“.
Auf ihre offiziellen Pflichten an Bord angesprochen, lacht Union, dass es zu den Hauptpflichten von Nr. 3 gehöre, „herauszufinden, was Doritos sind und dem Rest der Crew zu erklären, was oder wer Barack Obama ist“. Und ihr Werkzeug, um sich in der Kultur und Geschichte der ihr fremden Welt zurecht zu finden? „Google, Yahoo... und Perez Hilton.“
Ein weiteres wichtiges Mitglied der Crew ist Nr. 17, gespielt von Kevin Hart, der sich um nur „innere“ Angelegenheiten zu kümmern hat. In einer Szene des dritten Akts rückt Nr. 17 in den Mittelpunkt des Geschehens, als er sich aus dem Ohr von Dave abseilt und in der Kaffeetasse des Polizeibeamten Dooley, gespielt von Scott Caan, landet.
Ausgerechnet dieser Polizist ist es, der den merkwürdigen Geschehnissen um Dave in New York City auf heißer Fährte ist. Zum Glück für Nr. 17 ist Dooleys Kaffee nicht zu heiß und zudem mit Milch und Zucker angereichert. Getrennt von seinem Kapitän und seinen Kollegen an Bord, macht sich Nr. 17 auf eigene Faust auf den Weg durch den Big Apple... in der Brusttasche von Dooleys Hemd.
Der Humor und die Emotion des Films entstehen durch die Erlebnisse von Dave und der Crew des Raumschiffs in New York City – die Sehenswürdigkeiten und die ureigene Energie der Stadt lassen auch Außerirdische nicht unberührt. Weil die Stadt eine so wichtige Rolle in der Geschichte von MENSCH, DAVE! spielt, mussten gewisse Szenen, wie Produzent David T. Friendly betont, unbedingt vor Ort gedreht werden. „Einer der Helden des Films ist die City of New York mit all ihrem Chaos, ihrer Farbigkeit und Verrücktheit“, sagt er. Es passt, dass einige dieser Szenen auf Liberty Island spielen, dem Willkommensymbol für viele Einreisende in die USA. Einreisende wie Dave.