Der Film beginnt Ende des 19. Jahrhunderts in Cartagena, einer üppig wachsenden, spätkolonialen, kolumbianischen Hafenstadt mit scharfen Grenzen zwischen Ober- und Unterschicht. Und in genau dieser Zeit erblickt Florentino Ariza die schöne Fermina Daza zum ersten Mal, als er ihrem Vater ein Telegramm aushändigt. In diesem kurzen Augenblick beginnt eine emotionale Reise von drei Menschen, die mit den Zeiten altern – während der industriellen Revolution, dem zerstörerischen Krieg und den sich wiederholenden Wellen von Cholera Epidemien. Schon in Márquez’ Buchtitel wird die Krankheit zur Analogie für die Liebe. Manche überleben, manche werden vernichtet.
Florentino ist zwar Kolumbianer, trotzdem gilt der spanische Charakterdarsteller Javier Bardem (DAS MEER IN MIR) als ideale Besetzung. So nachhaltig wie er kann kaum einer die Innigkeit von Gefühlen vermitteln, diese Trauer und Verzweiflung, wenn sie unerhört bleiben. Kein anderer kann den Zustand seiner Sehnsucht so intensiv andeuten wie er. Seine minimalistischen Mittel überzeugen mehr als jede vergrößerte Geste. Den jungen Florentino spielt der Kolumbianer Unax Ugalde (GOYAS GEISTER), dessen noch kindliches Gesicht den Eindruck von Unschuld und der Verwirrung durch unbekannte Gefühle andeutet. Sobald Florentino älter ist und Bardem die Rolle übernimmt, weicht die noch schwärmerische Liebe des Jungen der tiefen Emotionalität des Erwachsenen – eine Liebe fürs Leben und darüber hinaus.
„Wenn man einen Film dreht, dessen Geschichte auf einem derartig faszinierenden Roman basiert, der so komplex und magisch ist, so voller kleiner Details, die den Unterschied zwischen einem guten Buch und einem Meisterwerk markieren, dann übernimmt man damit eine große Verantwortung“, betont Javier Bardem. „Und weil das Buch so ein Meisterwerk ist, begleitet es einen das ganze Leben lang. Es wird auf der ganzen Welt gelesen und jeder hat seine eigenen Bilder von Florentino, Fermina und Juvenal.“ Bardem hatte das Buch gleich nach seinem Erscheinen 1985 gelesen. „Als ich hörte, dass ein Drehbuch zu DIE LIEBE IN DEN ZEITEN DER CHOLERA die Runde machte, horchte ich auf. Glücklicherweise meldete sich Mike Newell bei mir. Wir trafen uns, und ich machte eine Erfahrung, die der Liebe auf den ersten Blick gleicht. Ich spürte sofort, dass ich mit diesem Mann zusammen arbeiten wollte und dass das eine großartige Erfahrung werden würde. Mike ist die reinste Inspirationsquelle.“ Nach einem Freudenfest in Barcelona, begann Bardem sich in die Rolle des Florentino Ariza einzuarbeiten. „Die Verantwortung war riesig. Schon, weil ich mit der Figur alt werden musste. Zuerst ist Florentino 24, am Ende ein 74-jähriger, alter Mann.“
Florentino wächst ohne Vater bei seiner rührend für ihn sorgenden Mutter Tránsito Ariza auf, die im Film von Fernanda Montenegro (CENTRAL STATION), der brasilianischen Grand Dame von Bühne, Film und Fernsehen, gespielt wird. Sie liebt und bewundert ihren Sohn, den nur eine Leidenschaft erfüllt – seine Dichtkunst. Er arbeitet als Telegrammbote, und als er dabei Fermina Daza begegnet, bekommt er für seine Vorliebe für Poesie und schöne Worte endlich ein Ziel. Er schreibt ihr Briefe, beschreibt seine aufgewirbelten Emotionen, wirbt um sie und beschwört sie. Und als sie ihn erhört, hat er ihr längst ewige Treue geschworen.
Bei der Suche nach einer Schauspielerin, die eine so vielschichtige Figur wie die der Fermina darstellen konnte, einigte sich die Produktion schnell auf die Italienerin Giovanna Mezzogiorno. Sie ist ein Star des italienischen Kinos und hat durch Filme wie EIN LETZTER KUSS und DAS FENSTER GEGENÜBER auch internationalen Ruhm erlangt. Fermina, die sich in der großen Liebesgeschichte von einer sehr jungen in eine betagte Frau verändern wird, stellt einen vielschichtigen Charakter dar: Sie ist bedingungslos, solange sie ihren Gefühlen trauen kann, resolut gegen sich und andere, wenn Zweifel auftauchen, weich und hart, sanft und barsch, und jemand, der nach außen hin immer die Fassung wahrt. Regisseur Mike Newell, der gern von ihrer großen Schönheit schwärmt, sieht in Giovanna Mezzogiorno eine engagierte Schauspielerin: „Sie wurde den Anforderungen der Rolle durch ihr Einfühlungsvermögen, ihre genauen Vorstellungen und ihre große Kreativität vollkommen gerecht. Erstaunlich, wie sie mit Fermina erwachsen und älter wird.“ Bei Mezzogiorno klingt das alles bescheidener: „Javier Bardem, Benjamin Bratt, Mike Newell und ich wuchsen während der Produktion zusammen. Wir haben uns gegenseitig geholfen und unterstützt. Wenn ich meiner Rolle gerecht wurde, dann habe ich alles ihnen zu verdanken.“
Lorenzo Daza, Vater von Fermina, hat nur ein Ziel für seine Tochter. Er will sie reich verheiraten und ist deshalb mit ihr nach Cartagena gezogen. Wenn Fermina sich dann ausgerechnet in den armen Schlucker Florentino Arzia verliebt, wird er, der Maultierhändler mit Verbindungen zur Unterwelt, rabiat. John Leguizamo (MOULIN ROUGE), der die Rolle des zwielichtigen Aufsteigers übernommen hat, erklärt: „Dieser Lorenzo macht sich verrückt mit seinen Plänen. Er kümmert sich sehr um ‚sein Juwel’. Seine Tochter ist alles, was ihm geblieben ist. Das erklärt seine Eifersucht und den übertriebenen Beschützerinstinkt. Und wenn er sieht, wie sie mit dem armen Dichter, der es nie zu etwas bringen wird, flirtet, sieht er rot.“ Er bringt sie in ein Dorf zu Verwandten tief im kolumbianischen Urwald. Aber Florentino und Fermina finden trotzdem einen Weg, die heimliche Korrespondenz mit Liebesbriefen fortzusetzen. Und später ist es Fermina selbst, die Florentino eine Absage erteilt. Sie ist erwachsener geworden und erkennt, wie sehr sich ihr Traum von der Liebe und die Realität unterscheiden.
Für Florentino hat sich dagegen nichts verändert. „Er wird sein ganzes Leben darauf warten, der geliebten Frau nahe zu sein“, erklärt Bardem. „Ihn erfüllt absolute Liebe, dieses ultimative Bedürfnis, alles mit jemandem zu teilen, tief und eindeutig. Immer wird er dieser einen großen Liebe treu bleiben, auf seine Art. Das ist auch so, wenn er unzählige Bettgeschichten erlebt, einige davon ganz glücklich, andere schwierig. Fermina wird er nie vergessen. Er zweifelt nicht daran, dass er ihr eines Tages ganz nahe sein wird.“ Gabriel García Márquez hat faszinierende, sehr farbige Charaktere geschaffen, bestätigt Giovanna Mezzogiorno. „Sie leben so intensiv wie viele Menschen nicht in zehn Leben. Und diese Intensität stellt eine große Anforderung an uns.“
Fermina wird einen der schillerndsten, bekanntesten Männer der Stadt heiraten, den in Europa ausgebildeten Arzt Juvenal Urbino, der seine Erfahrungen und sein Können in den Dienst der Stadt stellt und sich vor allem der Bekämpfung der immer wieder ausbrechenden Cholera widmet. „Fermina hat die Wünsche ihres Vaters erfüllt, ob ihr das klar wird oder nicht“, sagt Newell. „Sie ist in dieser Geschichte am wenigsten durchschaubar. Sie ist absolut unabhängig und lehnt jeden ab, der sich ihr aufdrängt. Ihre Bestimmtheit und ihr starker Wille zerstören ihre Sehnsucht nach Glück.“ Benjamin Bratt spielt Dr. Juvenal Urbino. „Für mich ist es ein ganz ursprünglicher Wunsch, Liebe mit Glück zu identifizieren“, sagt der Schauspieler. „Aber auch in diesem Film ist es wie im Leben: nur selten stimmt beides überein. Trotzdem streben wir danach, weil wir damit die Hoffnung auf inneren Frieden verbinden. Liebe kann schrecklich frustrierend sein. Sie kann Freude und Trost bedeuten. Sie kann unerfüllt sein wie bei Florentino. Sie kann Schmerz und Verzweiflung bedeuten. Aber immer hoffen wir, sie eines Tages leben zu können. Genauso ergeht es den Figuren im Film, die sich alle danach sehnen.“
Florentinos Mutter Tránsito Ariza will nur das große Glück für ihren Sohn. Sie nutzt alle ihre Mittel, um ihm über das Unglücksgefühl enttäuschter Liebe hinwegzuhelfen. „Sie ist eine wundervolle Mutter, eine echte Mama Latina, für die der Sohn eine Art Gott ist“, erklärt Fernanda Montenegro. „Als ich das Buch vor vielen Jahren gelesen habe, hätte ich nie geglaubt, eines Tages in dieser Rolle in Cartagena zu sein und für diese große Produktion zu spielen. Manchmal ist das Leben wie ein Wunder.“ Lotario Thurgot, Florentinos deutscher Chef gespielt von Liev Schreiber, versucht ebenfalls, dem unglücklichen Liebhaber zu helfen und führt ihn in die Vergnügungsviertel der Stadt. „Er ist der Leiter des Telegrafenamtes, in dem Florentino arbeitet, und versessen auf Frauen. Für Lotario gibt es andere Wege zum Glück als die Liebe“, erklärt Schreiber.
Langsam steigt Florentino in der Gesellschaft auf. Seine Zeit verbringt er jetzt mit betont physischen Frauengeschichten, während er Fermina gegenüber die Treue seines Herzens bewahrt. Er baut an seiner Karriere. Zuerst ist er Angestellter bei der Karibischen Flussgesellschaft seines Onkels (Hector Elizondo), die den Magdalena Fluss mit ihren Schiffen beherrscht. Trotzdem lebt Florentino nur für die Hoffnung, endlich mit Fermina zusammen zu sein, auch wenn seine Liebe beinahe sein ganzes Leben lang unerfüllt bleibt. An seiner Rolle gefiel Javier Bardem besonders die Tatsache, dass seine Figur seiner Liebe emotional absolut treu bleibt, obwohl er sich im Laufe der Geschichte mit mehr als 600 Damen vergnügt. „Ich hoffe, diese merkwürdige Reinheit dieser Figur erfasst zu haben, eine Reinheit die bleibt, auch wenn er diese vielen Sexgeschichten hat. So hat Márquez ihn sich vorgestellt, und schließlich ist es der Autor, der meine Rolle am Ende besser kennt als irgend jemand sonst. Ich bin dankbar, wenn ich das Wesen dieser Figur wirklich getroffen habe.“
Um dem internationalen Schauspielerensemble eine gemeinsame Sprache zu vermitteln, wurde für die Dialoge Julie Adams engagiert, die die verschiedenen Akzente zu einem einheitlichen Englisch im Stil des in der Karibik gesprochenen Costeno verdichtete. „Es gab alle Nuancen“, erinnert sich John Leguizamo. „Wir kamen alle aus anderen Teilen der Welt und lernten vor allem über die Sprache gemeinsame Verhaltensweisen. Andere Lehrer achteten auf typische Bewegungen der Menschen aus dieser Zeit, die wir uns aneigneten.“ Alle Schauspieler beteiligten sich an einem dreiwöchigen Workshop. „Für mich war die Arbeit mit Mike, Javier, Ben und den Lehrern für Sprache und Bewegung wie eine Reise“, erzählt Giovanna Mezzogiorno. „Mir hat diese Erfahrung sehr geholfen, die Figur der Fermina zu entwickeln.“
Auch Regisseur Mike Newell wurde für die Schauspieler zur Inspiration während der Vorbereitungen. Mit all seinen Erfahrungen verhalf er ihnen zu einer Einheit zwischen den Figuren im Buch und denen im Film. „Mike fordert sehr viel. Alles eigentlich, was ein Schauspieler geben kann“, sagt Javier Bardem. „Es ist ein gutes Gefühl, dass einen ständig jemand beobachtet, der wichtige und interessante Ideen vermittelt. Man muss sein Ego beiseite lassen und sich der Tatsache stellen, für die Rolle tief in sein Inneres zu gehen. Mike kümmert sich sehr um uns und jeder weiß: er kann ins Becken springen und es wird voll Wasser sein. Immer ist Mike da. Das ist sehr beruhigend. Der Schauspieler kann mit jeder Einstellung wachsen.“
„Was für ein Glück, hier dabei sein zu können“, begeistert sich John Leguizamo. „Alle im Ensemble bemühten sich beim Erzählen der Geschichte um Poesie. Dieser Film ist kein typisches Historienstück, in dem alle vornehm sprechen und die Ausstattung kostbar ist. Die Geschichte ist sehr vielschichtig und verströmt Vitalität und Leben. Wir versuchten eher, alles etwas salopp und verrückter zu machen, einfach dichter am wirklichen Leben.“ Und Giovanna Mezzogiorno fügt hinzu: „Mike war an Realität und Intensität interessiert. Er schuf reine Schönheit und Romantik. Damit ist er, glaube ich, sehr dicht ans Original von García Márquez herangekommen.“