García Márquez gibt der Stadt, in der seine Geschichte passiert, zwar keinen Namen, aber allen wird nach kurzer Motivsuche schnell klar, dass es sich um Cartagena handeln müsste, diese üppige, postkoloniale Stadt voller Gegensätze und prallem Leben. Und ein Anruf des kolumbianischen Vizepräsidenten bestätigte schnell den Wunsch, an einigen der wirklichen, von Márquez beschriebenen Orte drehen zu können. „Cartagena ist eine magische Stadt“, schwärmt Dylan Russel, Ausführender Produzent. „Wir haben über andere Städte nachgedacht, aber begriffen sehr schnell, dass Cartagena die einzige Stadt sein konnte, weil sie allen Beschreibungen im Roman entspricht.“
Inzwischen lebt der Autor jetzt meist in Mexiko, aber seine ersten Kurzgeschichten hat er in Cartagena geschrieben und dort und im benachbarten Barranquilla als Kolumnist und Zeitungsreporter gearbeitet. DIE LIEBE IN DEN ZEITEN DER CHOLERA wurde eindeutig von den schläfrigen Plazas, den massiven, verschnörkelten Kirchen und den verfallenden Anwesen inspiriert. Produzent Scott Steindorff erinnert sich: „Mike Newell und ich wussten, wie viel besser es wäre, auch dort zu drehen, wo die Geschichte im Roman spielt. Das Land Kolumbien und die Stadt Cartagena waren begeistert, dass wir dort drehen wollten. Uns öffneten sich alle Türen. Es war einfach großartig, dort drehen zu können.“ Scott LaStaiti, Ausführender Produzent, fügt hinzu: „Es war einfach wichtig, den Film auch an den Schauplätzen zu drehen, die Márquez erdacht hat. Und die Kathedrale, in der die Hochzeit, die Beerdigung und die Messen der Beschreibung nach stattfinden, existiert wirklich.“
Newell, Steindorff, das große Ensemble und die Crew der Produktion von DIE LIEBE IN DEN ZEITEN DER CHOLERA zogen für einige Monate in die karibische Hafenstadt, um bei Tropenhitze und Monsunregen den Ort wieder entstehen zu lassen, den der Roman weltberühmt gemacht hat. Produktionsdesigner Wolf Kroeger überwachte den Prozess, in dem die vielen Plazas der Stadt und ihre Häuser so verändert wurden, dass sie so alt aussahen wie gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Es war ein glücklicher Umstand, dass Casting Director Felipe Aljure, der mit Susie Figgis bereits beim Film MISSION zusammengearbeitet hat, mit an Bord kam. Ihm gelang es, 84 des insgesamt 96 Schauspieler zählenden Ensembles in Kolumbien zu verpflichten. Als den Filmemachern klar wurde, wie vielseitig seine Produktionserfahrungen waren und wie gut er sich mit den Drehorten auskannte, machten sie ihn zum Regisseur der Second Unit. „Felipe ist einer der Filmleute in Kolumbien mit den besten Beziehungen“, berichtet LaStaiti. „Er half, wo immer wir das brauchten, und nutzte sowohl seine politischen Kenntnisse als auch seine Erfahrungen als Filmemacher. Oft war er unsere Rettung.“
Es wurde in der Stadt selbst und der weiteren Umgebung an 83 verschiedenen Drehorten gefilmt: in Häusern und herrschaftlichen Anwesen, auf Flüssen und in den Bergen. Manche Schauplätze waren ideal, andere mussten künstlich auf alt getrimmt werden. So wurde ein Schlepper in einen Raddampfer verwandelt und Telefonmasten als Palmen verkleidet. Newell vergleicht die Dreharbeiten mit dem Versuch, eine Zivilisation aus dem Urwald zu stampfen. „Man hat sehr viel zu tun, pausenlos. Alles macht man selbst. Aber der Lohn dafür ist auch umso größer, wenn von jedem einzelnen soviel Herz und Seele in einem Projekt stecken.“ Besonders aufregend war für Newell, an den realen, im Buch beschriebenen Orten zu drehen. „Ich empfand es als etwas ganz Besonderes, in Cartagena zu drehen. Es ist ein Ort voller Sinnlichkeit. Die Luft ist prickelnd und duftet, die Atmosphäre ist irgendwie fiebrig. Es ist sehr warm, sehr menschlich. Hier herrschen Lebendigkeit, Liebe, Leidenschaft wie man sie nirgends sonst finden wird. DIE LIEBE IN DEN ZEITEN DER CHOLERA ist zwar eine allgemein gültige Liebesgeschichte, aber eben auch eine sehr kolumbianische Geschichte.“
Obwohl nach 1986, als Roland Joffe MISSION realisierte, keine weiteren Kinoproduktionen mehr in Kolumbien gedreht wurden, gibt es im Land durch Regisseure wie Werner Herzog und Francesco Rosi durchaus Leute mit Produktionserfahrung. So wurden aus Cartagena 650 Mitarbeiter verpflichtet, die langsam in ihre Aufgaben an einer großen Produktion hineinwuchsen. Vor Ort wurden die Trailer für Ensemble und Crew mit Containern eingeschifft, die täglichen Muster zur Postproduktion nach Miami geschickt und entwickelt, und der Schnitt wurde schließlich in London gemacht. „Oft kam es uns so vor, als müssten wir das Rad neu erfinden. Selbst die Trailer für Catering und Make-up waren eigentlich Schiffscontainer“, erzählt LaStaiti. „Es war atemberaubend, wie Kolumbien und Cartagena auf uns reagierten, trotz der großen Herausforderungen und des Drucks, den wir ausübten. Wir sperrten Straßen ab, blockierten den Verkehr, verursachten Lärm, aber die Menschen blieben immer freundlich.“
Die Mitglieder des Produktionsteams stammten genau wie das Ensemble aus allen Ecken der Welt: ein Designteam mit seinem Direktor aus Großbritannien, das Kamera-Team, angeführt von Affonso Beato, kam aus Brasilien, andere wesentliche Positionen wurden mit Personal aus Mexiko, Brasilien und Kolumbien besetzt. Über die Hälfte der Crew kam aus Kolumbien. „Wir hatten einige hervorragend ausgebildete Techniker aus Bogotá, aber dann hatten wir auch lokale Kräfte ohne jede Filmerfahrung aus Cartagena. Sie wuchsen mit ihren Aufgaben.“ Newell beschreibt, wie engagiert diese Crewmitglieder aus Cartagena mitmachten. „Ihr Wunsch, Teil der Produktion zu sein, war sehr groß. Aussehen und Atmosphäre des Films sind Zeugnis ihrer Liebe und ihres enormen Einsatzes. Es war ihr Wunsch, dass der Film als Symbol ihrer Stadt und ihres Landes gesehen werden kann.“
„Ob bei den Kostümen, dem Make-up, dem Licht... alle erfüllten ihre Arbeit bewundernswert“, berichtet Giovanna Mezzogiorno. „Die Erfahrungen mit den Kolumbianern, Brasilianern und Mexikanern im Team waren einzigartig. Sie beschwerten sich trotz der schweren Arbeit nie. Sie respektierten alles. Ihnen ist zu verdanken, dass wir so konzentriert arbeiten konnten. Eine wundervolle Crew.“ „;Die Liebe in den Zeiten der Cholera’ ist einer der berühmtesten kolumbianischen Romane, durchdrungen vom Geist des Landes“, sagt Mike Newell. „Wenn es uns gelungen ist, das wiederzugeben, dann hoffe ich, dass die Welt einen Blick auf das Wesen dieses unglaublichen Ortes werfen kann, auf diese Kultur, in die wir uns alle verliebt haben.“