Donnerstag | 31. Mai 2012 | 08:57 Uhr
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    Thriller, Action, Krimi, Mystery | USA 2007
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      • | Über den militärischen Drill

      • Das Geheimnis der Hochspannung, die in „SHOOTER“ erzeugt wird, liegt in der absolut realistischen und akkurat dargestellten Figur des militärisch ausgebildeten Scharfschützen, die mit dieser Genauigkeit noch nie zuvor in einem Film porträtiert wurde. Dafür unterzog sich Schauspieler Mark Wahlberg einem intensiven „boot camp“. In diesem Trainingslager erlernte er einige der außergewöhnlichen Fähigkeiten der weltbesten Präzisionsschützen – darunter die Zen-ähnliche Technik, die auch Bob Lee Swagger beherrscht, um die eigenen Gefühle, Ängste und Anspannungen zu kontrollieren, während man per Laser das Ziel anvisiert, das es mit einem einzigen, schier unmöglich erscheinenden Schuss zu treffen gilt.

        Wahlberg war schon zu Beginn der Produktion im Vorteil, da er als bereits hoch trainierter Athlet über außergewöhnliche physische Kraft, Ausdauer und Koordination verfügt. Um aus ihm jedoch einen erfahrenen Schützen zu machen – jemanden, der z.B. auf Anhieb ein Ziel in 1000 Metern Entfernung genau treffen kann -, engagierte die Produktion einen der Besten der Branche: Patrick Garrity, Elitesoldat und Scharfschütze der U.S. Marines, der sowohl in Übersee bei lebenswichtigen Einsätzen aktiv war und auch als hoch spezialisierter Ausbilder selbst Scharfschützen trainiert.

        Garrity war sofort mit Feuereifer bei der Sache und entwarf für Wahlberg ein hochanspruchsvolles Trainingsprogramm, das dem Schauspieler, der bekanntermaßen hart im Nehmen ist, ziemlich viel abverlangte. Wahlberg sollte so nicht nur sehr gut schießen lernen, sondern auch ein Gespür dafür entwickeln, welches mentale und physische Engagement für die extrem gefährlichen Aufträge eines Scharfschützen notwendig ist – ganz zu schweigen von dem Mut, den solche Fachmänner haben müssen. Sein Training begann am Front Sight Firearms Training Institute in der Nähe von Las Vegas im US-Bundesstaat Nevada, wo sich Wahlberg einem Belastbarkeitstest unterzog, in dessen Verlauf er u.a. vom höchsten Bungee Jumping-Turm in den USA herunter springen musste. Für Wahlberg war dieses Training eine Offenbarung.
        „Das Front Sight Institute ist die hochkarätigste Ausbildungsstätte im Bereich Feuerwaffen, die ich jemals gesehen habe“, berichtet der Schauspieler. „Irgendwann war ich mit einer 75 Kilo schweren Ausrüstung unterwegs, trug dieses riesige Scharfschützen-Gewehr und musste dann in voller Montur auf diesen dünnen Balken gehen, der in vielen Metern Höhe in die Luft ragte. Noch vor einigen Jahren hätte ich so etwas wahnsinnig gerne getan – jetzt aber bin ich Vater und habe vieles, wofür es sich zu leben lohnt!“

        Wahlberg fügt hinzu: „Dieses Training hat mir wirklich die Augen dafür geöffnet, wie wichtig es ist, sich abzusichern und klug vorzugehen, statt – wie ich es früher war – nur übermütig und leichtsinnig zu sein.“

        Als kampferprobter Marine ist Patrick Garrity nicht leicht zu beeindrucken, doch Wahlberg erwarb sich durch harte Arbeit und Beharrlichkeit schon bald seinen Respekt: „Ich denke, Mark ist für diese Rolle hervorragend geeignet“, meint der erfahrene Scharfschütze. „Er hat sogar den Look eines jungen Soldaten, kantige Gesichtszüge und das richtige Auftreten. Anfangs war er noch etwas zu locker und wusste vielleicht nicht, was ihn erwarten würde. Aber ich habe ein zweitätiges Programm für ihn entworfen, und er hat sich mit großem Eifer an die Arbeit gemacht. Er verfügt über eine sehr schnelle Auffassungsgabe, und das hat mir meinen Job sehr viel leichter gemacht.“

        Regisseur Antoine Fuqua beobachtete das Training und war von Wahlbergs Talent und Hingabe ebenfalls sehr beeindruckt: „Es war unglaublich, wie gut Mark die Ausbildung gemeistert hat und wie akkurat er schon bald zielen konnte“, berichtet Fuqua. „Er ist einfach ein Naturtalent. Anfangs waren wir etwas besorgt, denn Mark ist Linkshänder, und da die meisten Schusswaffen auf Rechtshänder ausgelegt sind, musste er für den Film lernen, damit umzugehen – was wirklich schwierig ist – und außerdem abwechselnd mit Links und mit Rechts schießen. Aber Mark war großartig. Schon am ersten Tag hat er einige Male ins Schwarze getroffen.“

        Nachdem er wusste, dass Mark es schaffen würde, entwarf Garrity ein Trainingsprogramm, das in dieser Intensität bisher keinem anderen Schauspieler jemals abverlangt wurde. Er begann damit, Wahlberg die Grundzüge der Geschichte der Marine-Scharfschützeneinheit zu vermitteln; diese Einheit war in vielen US-amerikanischen Schlachten mit ihren Präzisionsschüssen auf ausgewählte Ziele ausschlaggebend für den Kampferfolg. Dann widmete sich Garrity umgehend dem praktischen Teil und unterwies Wahlberg in den verschiedenen Schusspositionen, im Umgang mit dem Zielfernrohr für Schüsse über sehr weite Entfernungen hinweg, im Einschätzen des Einflusses der Windstärke auf einen Schuss sowie in all den anderen elementaren Faktoren, die einen herausragenden Scharfschützen ausmachen.

        Ein Bereich, auf den sich Garrity bei Wahlberg besonders konzentrierte, war das sogenannte „schnelle Nachladen“. Garrity erklärt: „Das müssen Marine-Scharfschützen im Schlaf beherrschen: sie geben den Schuss ab, bewegen dann den Repetier-Bolzen sehr schnell - laden also sehr schnell nach - und visieren das Ziel umgehend wieder an. Um Swaggers professionelle Handhabung der Waffensysteme richtig darstellen zu können, musste Mark das auch können.“

        Die beiden Männer arbeiteten auch an einer weiteren Grundlage für exzellente Schützen: die Atemtechnik. „Ich habe ihm mein Ritual beigebracht, mich hinter dem Gewehr niederzulassen, eine gute Position einzunehmen, den Atemzyklus zu beachten, das Auge zu entspannen und dann den Abzug zu betätigen“, berichtet Garrity. „Wenn der Abzug betätigt wurde, sitzen die weiteren Schritte – Bolzen betätigen, nachladen und sofort wieder das Ziel anvisieren – und laufen wie bei einer gut einstudierten Choreographie ab. Ob jemand sein Handwerk beherrscht, kann man schon an der Art erkennen, wie man sich auf den Schuss vorbereitet. Eines der Schlüsselelemente für einen gelungenen Präzisionsschuss ist der Atemzyklus. Je mehr man atmet, desto mehr Sauerstoff fließt in die Blutkörperchen – und das macht es möglich, sich zu entspannen und den Pulsschlag zu beruhigen.“

        Außerdem trainierte Garrity mit Wahlberg auch Schüsse aus extrem großer Entfernung – denn das ist eine der Spezialitäten von Bob Lee Swagger. „Ich bin mit ihm zu einer unbekannten Schießanlage – wir nennen den Übungsplatz „Sniper’s Point“ – mitten in der Wüste gefahren, wo wir mit kurzen Distanzen begonnen haben. Später probierten wir es mit über ca. 750 Metern. Ich glaube, beim ersten Schuss aus dieser Entfernung hat er das Ziel verfehlt, doch schon beim nächsten Versuch traf er. Das Gleiche passierte aus 1000 Metern Entfernung – das entspricht der Länge von fast zehn Fußballfeldern. Ich war ziemlich begeistert, dass ich jemanden innerhalb von nur zwei Tagen dazu bringen konnte, aus so einer großen Entfernung eine mannshohe Zielscheibe zu treffen. Mark hängte sich ans Telefon und begann all seine Freunde anzurufen: ‚Du wirst nicht glauben, was ich gerade geschafft habe! Ich habe auf 1000 Meter voll ins Schwarze getroffen!’“, lacht Garrity.

        Um jedes Detail auszuloten, bekam Wahlberg von Garrity auch Erklärungen zu den sogenannten „ghillie suits“, den Tarnanzügen, die von professionellen Scharfschützen getragen werden und mit ihrem Camouflageeffekt die natürliche Vegetation nachahmen. „Wenn man als Scharfschütze ausgebildet wird, lernt man zuallererst, wie man einen „ghillie suit“ anfertigt“, berichtet Garrity, der auch seine eigenen Erfahrungen einbrachte, damit die im Film verwendeten Tarnanzüge originalgetreu nachempfunden werden konnten.

        Während seiner Ausbildung bei Front Sight stellte Wahlberg fest, dass Garritys Fachwissen auch während der Dreharbeiten zu „SHOOTER“ von unschätzbarem Wert sein würden, und überzeugte die Produzenten, den Elitesoldaten zusätzlich als militärtechnischen Berater für den Film zu engagieren. Indem er sich bei der Darstellung von Bob Lee Swagger eng an Garritys Erfahrung und Vorgehensweise als Vorbild orientierte, konnte Wahlberg der Rolle noch weitaus mehr Authentizität verleihen.

        Garrity zögerte nicht, sich auch dieser Herausforderung zu stellen: „Das war meine Chance, in einem Film zu zeigen, was Scharfschützen wirklich können. Es sind so viele Mythen und Legenden über die Arbeit von Scharfschützen im Umlauf, und deswegen hoffe ich, dass wir mit „SHOOTER“ den Menschen ein präziseres Bild präsentieren können.“

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