Die Dreharbeiten zu „SHOOTER“ waren angefüllt mit Verfolgungsjagden, Schusswechseln und hochkarätigen Action-Sequenzen – und boten daher viele der logistischen Herausforderungen, die Regisseur Antoine Fuqua besonders schätzt. Die Drehorte erstreckten sich von British Columbia, wo die atemberaubenden Gebirgslandschaften eine eindrucksvolle Kulisse lieferten, bis in Großstädte wie Washington, D.C., Philadelphia und Baltimore; dazu kamen ständig ausgefeilte Stunts und Action-Choreographien, die das gesamte Vorhaben noch komplizierter machten.
Fuqua arbeitete durchweg sehr eng mit einem Team von Fachleuten zusammen, die auf visuellem Gebiet renommiert sind für ihre Fähigkeit, packende, spannende Actionszenen zu erschaffen, darunter Kameramann Peter Menzies, Jr. („Lara Croft: Tomb Raider“, „Stirb langsam – Jetzt erst recht“) und Produktionsdesigner Dennis Washington („Auf der Flucht“).
Zu den visuell überwältigendsten und aufregendsten Szenen des Films gehören die Sequenzen auf dem Gipfel eines verschneiten Gletschers, wo Swagger endlich auf die Männer trifft, die ihn zu Fall bringen wollen. Gedreht wurde dafür auf dem Gipfel des Rainbow Glacier, in der Nähe des Urlaubsortes Whistler in British Columbia, inmitten einer atemberaubenden Naturkulisse, deren Gegebenheiten das Filmemachen jedoch nicht gerade vereinfachen.
Der Drehort war ausschließlich per Hubschrauber zugänglich; so bestand die Schwierigkeit zunächst schlicht darin, Schauspieler und Stab für die fünftägigen Dreharbeiten auf den Gletscher hinaufzubringen. „Allein die Anreise war unglaublich kompliziert“, berichtet di Bonaventura. „Die Hubschrauber können nur vier oder fünf Personen gleichzeitig befördern, wir brauchten aber 70 bis 80 Mitwirkende dort oben – dazu eine Menge schwerer Ausrüstung. Also musste praktisch eine Luftbrücke eingerichtet werden, wobei die Piloten aber nur eine bestimmte Anzahl von Stunden im Einsatz sein konnten.“
Der Produzent fährt fort: „Wir mussten kalkulieren, was für eine Ausstattung jeder Beteiligte brauchen würde, um mehrere Tage am Rande des Gletschers überleben zu können. Außerdem mussten wir herausfinden, wie wir sanitäre Anlagen mitten im Nirgendwo aufstellen konnten und wie wir verhindern würden, dass unsere Schauspieler dort erfrieren. Natürlich wussten wir auch, dass das Wetter schnell umschlagen und bedrohlich werden konnte, also haben wir ständig auf das Beste gehofft. Es war wirklich ein beeindruckendes Abenteuer.“
Für Antoine Fuqua musste der Drehort seine Wirkung entfalten, denn er war einfach zu perfekt, um nicht bis ins Kleinste ausgenutzt zu werden. „Ich habe ständig wiederholt: ‚Ich muss auf diesem Gletscher drehen, ich muss auf diesem Gletscher drehen’“, erinnert sich der Regisseur. „Dieser Ort ist absolut spektakulär. Wenn man dort ist, hoch über den Wolken und inmitten dieser endlosen Eisfläche, fühlt man sich wie auf einem anderen Planeten. Visuell konnte ich mir einfach keinen anderen Drehort für diese Szene vorstellen.“
Natürlich scheute der Regisseur keinerlei zusätzliche Anstrengung, um die Sicherheit der Schauspieler und des Stabes auch unter den widrigsten Bedingungen zu gewährleisten: „Man muss sich dessen bewusst sein, dass - wenn man erst einmal mit dem Hubschrauber nach oben gebracht wurde – man buchstäblich auf diesem Gletscher festsitzt, der echte Gefahren birgt“, erklärt Fuqua. „Jederzeit kann ein Sturm losbrechen, man muss auf die Spalten aufpassen. Sicherheit war oberstes Gebot. Jeder war stets per Seil gesichert und wir haben uns Zeit gelassen. Jede Einstellung beanspruchte 50 bis zu 75 Prozent mehr Zeit.“
Die Kameraarbeit selbst war auf dem Gletscher ein wagemutiges Unterfangen. „Ich musste wirklich in einen Hubschrauber steigen und ihn ziemlich oft als Dolly einsetzen, um mich fortzubewegen“, fährt Fuqua fort. „Es war eine echte Herausforderung, den Hubschrauber auf dem Boden auszubalancieren, ohne hart auf das Eis aufzusetzen. Weges des Gletschers kann einem auch die Perspektive leicht abhanden kommen. Dinge, die weit entfernt scheinen, befinden sich in der Nähe, und etwas, das sich scheinbar direkt vor dir befindet, ist eigentlich ganz weit weg. Den ganzen Tag lang steht man auf diesem weißen Laken aus Eis, deine Augen beginnen zu brennen und es wird immer schwieriger, die Dinge aus dem richtigen Blickwinkel zu betrachten. Umso mehr muss man sich dann konzentrieren.“
Weitere ausgefeilte Szenen mit Hubschraubern, etlichen bewaffneten Söldnern und vielen großen Explosionen wurden in Mission, British Columbia, gedreht, etwa 90 Minuten von Vancouver entfernt gelegen, wo sich Bob Lee Swaggers Berghütte befinden soll. So beeindruckend schön der Ort auch war, wurde er dennoch als „Mission: Impossible“ bezeichnet, denn die Filmemacher stießen dort auf viele Schwierigkeiten, angefangen beim unbeständigen Wetter bis hin zum äußerst unebenen Terrain. An diesem Ort aber verwirklichten auch Stunt-Koordinator John Stoneham und das visuelle Team einige ihrer besten Arbeiten, indem sie etliche große Explosionen im „Napalm-Style“ vorbereiteten und durchführten, die noch mehr zum Spannungsaufbau des Films beitragen.
Ein weiterer Drehort in Kanada war die historische Wüstengemeinde von Ashcroft in British Columbia, die als Kulisse für Szenen diente, die im Film dann am Horn von Afrika bei Eritrea spielen. Dieses ausgedörrte Gebiet ist umgeben von hohen Bergen und bot den perfekten Hintergrund, vor dem Produktionsdesigner Dennis Washington ein US-Militärcamp im afrikanischen Land Djibouti erbauen konnte.
Nach den erfolgreichen Dreharbeiten in Kanada konnte es Regisseur Fuqua kaum erwarten, auf US-amerikanischem Boden weiterzudrehen. „Ich persönlich drehe sehr gerne vor Ort, denn so entwickle ich einen Bezug zur realen Umgebung“, erzählt der Regisseur. Zu den augenfälligsten Wahrzeichen, die im Film zu erkennen sind, gehören die Capital Mall, der Reflection Pool und die Constitution Avenue in Washington, D.C. sowie die Independence Hall in Philadelphia.
Laut Fuqua habe die Mitwirkung des FBI während der Dreharbeiten in den USA entscheidend zur Authentizität des Films beigetragen: „Das FBI hat uns wirklich auf großartige Weise unterstützt“, berichtet der Regisseur. „In Philadelphia haben sie uns einfach ihre Tür geöffnet, womit ich nicht wirklich gerechnet hätte, besonders nach dem 11. September. Wir konnten uns in den Büroräumen völlig frei bewegen, haben den Verantwortlichen ASAC (Assistant Special Agent in Charge) getroffen und uns mit der Abteilung für Gewaltverbrechen unterhalten. Einige der FBI-Agenten, die dem Secret Service angehörten, standen während unserer Dreharbeiten in Philadelphia tatsächlich jeden Tag freiwillig und aus eigenem Antrieb um sechs Uhr morgens auf und kamen ans Set, um uns zu sagen, was wir richtig und was wir falsch machten – sie wollten uns einfach helfen. Außerdem hatten wir Gelegenheit, direkt vor der Independence Hall zu drehen, was ohne das FBI gar nicht möglich gewesen wäre, denn die Büros befinden sich auf der anderen Straßenseite direkt gegenüber.“
Während die ausgefeilte Logistik der Produktion noch mehr Intensität und Spannung verliehen, verlief für Fuqua der rote Faden stets über die Charaktere – und über die Erfahrungen von Bob Lee Swagger, der sich aus einer unmöglichen Lage befreien und die Gerechtigkeit wieder herstellen will. Der Regisseur fasst zusammen: „Die Dreharbeiten zu den großen Sequenzen dieses Films verliefen manchmal wie die Vorbereitung zu einer Schlacht. Man musste alles perfekt koordinieren – die Explosionen, die Sicherheit der Mitwirkenden, der coole Look, die besten Kamerawinkel und Einstellungen, einfach alles. Doch obwohl all diese Einzelheiten sehr wichtig sind, liegt das Geheimnis der Spannung dennoch hauptsächlich in der Performance der Schauspieler.“