Der preisgekrönte Kameramann Luc Montpellier traf Sarah Polley zum ersten Mal, als er ihren Kurzfilm I SHOUT LOVE (2001) fotografierte. Damals stellten die beiden fest, dass sie die gleiche Sensibilität besaßen. Sie arbeiteten ein weiteres Mal bei der TV-Serie THE SHIELD STORIES zusammen, einer Episode, die Sarah Polley schrieb und inszenierte.
Luc Montpellier verstand, welche tragende Rolle der Winter im Verlauf der Geschichte spielte, und er wollte die leuchtende Schönheit dieser Jahreszeit einfangen, anstatt sich auf ihre Härte zu konzentrieren. „Meine Absicht war es, die Beziehung von Grant und Fiona in ein kühles winterliches Licht zu tauchen und mich von warmen, romantischen Klischees fern zu halten“, erläutert er. „Wie eine Serie von Fotos spielen diese Szenen mit präzise komponierten Bildausschnitten zusammen, in denen die Schauspieler sich völlig frei bewegen konnten. Dieser fotografische Stil ändert sich, wenn wir in Meadowlake ankommen. Hier enthüllt die Steadicam das Unbehagen, das Grant erfüllt, wenn er hier mit dem Kummer dessen konfrontiert wird, was seine Frau durchleiden muss.“
Die größte Herausforderung für Luc Montpellier war jedoch, die menschliche Subtilität in einer Beziehung, die von Alzheimer geplagt wird, zu verdeutlichen. „Was ist Erinnerung? Um das zu beantworten, nahm ich Segmente mit meiner Handkamera Paillard Bolex H-16 auf und konvertierte das Material auf Super-16. Das Bildfeld, das die Bolex erfasste, gab den Bildern eine indifferente Anmutung, manchmal ausgesprochen klar und deutlich, an anderen Stellen von Emotionen vernebelt. Das spiegelt meine Ansicht von Erinnerung wider. Sarah und ich arbeiteten dann am Computer zusammen, um diese Sequenzen digital zu verfremden und den Look der Erinnerungen weiter zu erforschen.“
DIE DREHORTE
Obwohl Environment Canada feststellte, dass der Januar 2006 als der mildeste Januar in der Geschichte vieler Landstriche in Ontario Rekorde schrieb, begann der erste Drehtag am Lake of Bays nahe Bracebridge, Ontario, bei frostigen minus 33 Grad Celsius. Die Produzentin Jennifer Weiss erinnert sich: „Die Wimpern von uns allen waren mit Eiskristallen überzogen. Wir drehten an einem zugefrorenen See, und es war umwerfend. Von Anfang an wollten wir das ländliche Kanada in einem sehr filmischen Stil einfangen. Die Drehorte, besonders die der Außenaufnahmen, waren für das Verständnis dieser Menschen und ihrer Lebensumstände, die sie gewählt haben, von besonderer Bedeutung. Sie haben sich entschieden, ihr Leben einfach zu gestalten. Aber das Leben ist nicht immer einfach – und es hat immer eine Geschichte.“
Alice Munros Arbeit zeugt von der Gesellschaft und der Kultur in den ländlichen Bezirken und Kleinstädten im kanadischen Ontario. Für die Produktionsdesignerin Kathleen Climie bedeutete das, die Orte ihrer Jugend wieder zu besuchen. „Marians Haus ist ein perfektes Beispiel, auch wenn dieses Haus im Drehbuch nicht gesondert beschrieben wird“, sagt sie. „Ich wusste genau, wie das Haus aussehen musste. Als wir es uns anschauten, stellte sich heraus, dass es dem Haus ganz frappierend ähnelte, in dem Sarah aufgewachsen war – der gleiche Grundriss, die gleiche vorstädtische Nachbarschaft.“ Kathleen Climie liebt es, sich in die Köpfe ihrer Figuren zu versetzen, bevor sie den Raum gestaltet, den sie bewohnen. Marians Innenbereich ist sehr strukturiert. Die Hütte von Fiona ist sehr gemütlich. „Fiona hat Vorhänge, Marian dagegen Faltenwürfe“, erläutert sie. Der Umzug nach Meadowlake erforderte eine sanfte Veränderung der Perspektive. „Der Ort Meadowlake verkörpert den Wechsel in Fionas Leben von Außen nach Innen, von der Realität zu einer Erinnerung an die Realität und von der Natur zu einer übergroßen Wand, auf der Natur nachgestellt wird – im Besuchsbereich der Pflege-Einrichtung.“