Emmerich arbeitete eng mit den Kreativen hinter der Kamera zusammen, um eine unerbittliche Urwelt zu erschaffen, die den Zuschauern ein völlig neues Erlebnis bietet. Obwohl sich der Film in Bezug auf den Schauplatz nicht eindeutig festlegt, handelte es sich für Emmerich von vornherein um Afrika. „Dort befand sich die Wiege der Menschheit“, stellt er fest. „Wegen der Anforderungen unserer Geschichte haben wir allerdings unser ganz eigenes Afrika geschaffen.“ Der Film entstand überwiegend an realen Schauplätzen in Neuseeland und Afrika, wo im südafrikanischen Kapstadt und auch vor mondbeschienenen Landschaften in Namibia gedreht wurde.
Ursprünglich wollte das Team nur wenige Tage in Neuseeland drehen, aber nur sechs Wochen vor Drehstart entdeckte Emmerich auf Motivsuche per Helikopter das sprichwörtliche „Eden“. „Wir saßen den ganze Morgen lang im Helikopter, und ich war auf dem Rückweg zum Hotel, als mich eine dringende Nachricht erreichte: ,Steig sofort wieder in den Helikopter. Roland möchte, dass du dir etwas anschaust“, erinnert sich Produzent Wimer. „Mir lag schon der Spruch auf der Zunge: ,Wir können die Schauplätze derart kurzfristig vor Drehstart nicht mehr ändern.‘ Doch dann stieg ich mit dem Helikopter auf, und als wir über eine bestimmte Bergkuppe flogen, lag vor mir der perfekte Schauplatz – so wie er im Drehbuch beschrieben und in allen Storyboards gezeichnet war. Er war derart vollkommen, dass wir dort einfach drehen mussten.“
Die eisige weiße Landschaft vor den schwarzen Felsformationen der wilden Naturkulisse bilden einen atemberaubenden Kontrast zum satten Grün des südafrikanischen Tropendschungels, das den Mittelteil des Films dominiert, und dem bleichen Orange und Rot der namibischen Wüste, wo der dritte Akt des Films gedreht wurde. Diese Panoramen machten Neuseeland einfach unwiderstehlich, trotz der Unbeständigkeit des Wetters dort, durch die das Team neben traumhaften Sonnentagen auch mit Nebel und Schneestürmen rechnen musste.
Dazu Wimer: „Unter anderem wollten wir durch diese Bilder deutlich machen, wie schwierig die Lebensbedingungen unserer Helden damals waren – um gleichzeitig auch zu zeigen, wie grandios, spirituell und zeitlos schön ihre Umgebung war. Auch deswegen haben wir dort gedreht: Es war so außergewöhnlich, so gewaltig, dass es tatsächlich unwirklich erschien.“
Die unberührte Landschaft steht unter Naturschutz, was dem Filmteam auferlegte, wirklich nichts außer Fußspuren zu hinterlassen. „Wir verwendeten Geländewagen mit Vierrad-Antrieb, kleine Buggys, die kaum Reifenspuren hinterlassen, sodass der Boden nicht aufgerissen wurde“, kommentiert der für die neuseeländischen Drehorte verantwortliche Jared Connon. „Außerdem setzten wir vor allem Helikopter ein, um Requisiten und Setteile für das Dorf der Mammut-Jäger einzufliegen und auch wieder abzutransportieren.“
Die Waiorau Snow Farm liegt auf 1500 Meter Höhe in der Nähe der Stadt Wanaka auf der Südinsel. Dort befinden sich fünf wesentliche Locations des Films, vor allem das Dorf der Mammut-Jäger, Bakus Felsen, der Ort, wo das Mammut erlegt wird, und das Grasland. Etwa ein Drittel des Films entstand an diesen Schauplätzen. In Neuseeland wurde außerdem im Mount Aspiring National Park und am Poolburn-Damm gedreht.
Für Emmerich war die Waiorau Snow Farm die denkbar beste Kulisse für den Film, wie er ihn sich vorstellte. „In dieser Landschaft kann man die Kamera auf eine Bergspitze stellen und nach allen Seiten drehen – als ob man auf der Mondoberfläche filmen würde“, berichtet er begeistert. „Man fühlt sich wie in der Urzeit. Weil unsere Helden im Film eine weite Reise machen, benötigen wir überwältigende Panoramen, um den Kontrast zu den neuen Welten zu verdeutlichen, die sie entdecken. Zu diesem Zweck sollen die Landschaften so unterschiedlich wie nur möglich aussehen.“
Vor Drehstart bat das Filmteam die Ngāi Tahu (den bedeutendsten Māori-Stamm der Südinsel), den Drehort mit einer traditionellen Māori-Zeremonie zu segnen. „Die Ureinwohner leben dort schon sehr viel länger als die heutige Bevölkerung“, erklärt Schauspieler Cliff Curtis, der selbst Māori ist. „Es ist also sehr wichtig, eine spirituelle Beziehung zum Land herzustellen. Wir vom Filmteam hatten alle das Gefühl, dass es nur recht und billig war, diese Beziehung zu würdigen – gerade und vor allem bei dem Sujet, das wir uns vorgenommen hatten.“
Beim Bau des Yagahl-Dorfes richteten die Filmemacher sich nach der Lebensart des Stammes und nach dem Land, auf dem er zu Hause ist. „Den Mammut-Jägern steht wenig Material zur Verfügung“, sagt Emmerich. „Sie verwenden Mammutknochen, Stoßzähne und Felle, um ihre Hütten zu bauen. Da wir sie uns als gläubige Menschen vorstellen, legte ich Wert darauf, ihren Behausungen ein besonderes Gepräge zu geben, das ihre außergewöhnliche Kreativität spiegelt.“
Produktionsdesigner Jean-Vincent Puzos gestaltete die Hütten der Mammut-Jäger sehr glaubwürdig und optisch ansprechend aus Knochen und Fellen. „Das Innere der Hütte der Alten Mutter besteht aus 10.000 Mammutknochen, die von einem Mammut-Skelett herunterhängen“, berichtet er. „Das bildet die Kulisse für den Beginn des Films, als die Alte Mutter eine Zeremonie vollzieht – wir wollten ihr eine ausgesprochen kosmische Dimension geben.“
Nach intensiven Studien vor allem in archäologischen Fachpublikationen entwarf Puzos 20 verschiedene Mammut-Skelette. „Die Knochen sind ein wenig überdimensioniert, damit sie auf der Leinwand besonders beeindruckend wirken“, sagt Puzos. „Wir beschlossen, die Hütte der Alten Mutter mit Schädeln und Knochen auszustatten, die mit Schnitzereien verziert sind – das sorgt in der Eröffnungszeremonie für die angemessene spirituelle Atmosphäre.“
Statt echter Knochen verwendete man Holz: Puzos’ Modellierteam arbeitete im Produktionshauptquartier im südafrikanischen Kapstadt einen Monat lang an den Skeletten, während ein weiteres Team Mammutfelle und -leder aus Tierhäuten herstellte. Die fertigen Knochen und Felle wurden dann per Luftfracht ins neuseeländische Wanaka geflogen, wo man zum Bau des Dorf-Sets fünf Arbeitswochen benötigte.
Wimer erinnert sich: „In mehreren Räumen schmirgelten Heerscharen von Mitarbeitern die hölzernen Mammut-Knochen ab. Gestaltet wurden sie in Kapstadt, dann auseinandergenommen und zum Drehort geflogen. Wir mussten den Behörden tatsächlich versichern, dass es sich nicht um echte Mammutknochen handelt“, lacht er.
„Logistisch war das extrem kompliziert, aber der fantastische Look hat das alles wettgemacht.“
Bei der Ausstattung des übrigen Dorfes improvisierte das Team mit verschiedenen Materialien, die es in Neuseeland vorfand. „Die Farmer sammelten Knochen für uns“, sagt Ausstatterin Emelia Weavind. „Und wir fanden eine Menge traumhaftes Seegras, das wir in Tic’Tics Hütte verwenden.“
Puzos entwarf auch den wichtigen weißen Speer, den Jägerhäuptling Tic’Tic an seinen Nachfolger übergeben muss. Der Speer sollte praktisch verwendbar sein, aber ungewöhnlich aussehen. Heraus kam ein etwa 1,80 Meter langer Speer mit abnehmbarem, reich verziertem Schnitzwerk aus Elfenbein an der Spitze.
Ähnlich wie die Ausstatter bemühten sich auch die Kostümbildnerinnen Odile Dicks-Mireaux und Renee April um einfache Kleidung, die ihren Trägern gerecht wird. Dicks-Mireaux recherchierte zunächst im Londoner British Museum sowie in Sammlungen in Kapstadt. Allerdings stellte sie fest: „In Bezug auf Kleidung findet man im British Museum kaum etwas. Aus dieser Zeit gibt es nur einige Felszeichnungen in Südafrika. Also ließen wir uns vom Drehbuch inspirieren. Den verschiedenen Stämmen ordneten wir jeweils bestimmte Farben zu: Die Mammut-Jäger haben praktisch farblose Kostüme und passen sich ganz der Landschaft an. Wir entwickelten die Idee, Springbock-Fell abzuschaben – daraus ergibt sich eine interessante Struktur.“
Die Kostümbildnerinnen stellten sich mit den Yagahl-Kostümen auf das kalte, unfreundliche Wetter dieses Lebensraums ein. „Sandalen kennen sie nicht“, sagt April. „Sie tragen mehrere Felle übereinander, um sich zu wärmen. Also schneiderten wir schwere Kostüme aus Antilopenfellen, die das Mammut-Fell ersetzen.“ Angesichts der Witterung musste moderne Kleidung die authentischen Kostüme ergänzen. „Unter dem Fell trugen die Schauspieler Thermalanzüge, weil es am Drehort bitterkalt war“, grinst April.
Strait merkte bald, dass ihm die Kombination aus Kostümen, Frisur, Make-up und Umgebung das Einfühlen in seine Rolle deutlich erleichterte. „Wenn man in Neuseeland auf einer Bergspitze steht und die Dreadlocks bis auf die Brust herunterreichen, fällt es wirklich nicht schwer, sich als Mammut-Jäger auszugeben“, sagt er. „Mein Bart war echt, aber ich trug eine Perücke, und meine Haut wurde so dunkel geschminkt, als ob ich mein Leben lang unter freiem Himmel gelebt hätte. Diese Prozedur dauerte jeden Morgen ziemlich lange, aber das Resultat hat sich wirklich gelohnt.“
Für die Sklavenjäger entwarf Dicks-Mireaux Kostüme, die den eher primitiven Mammut-Jägern besonders exotisch vorkommen müssen. „Wir wählten entsprechend ein komplettes Kontrastprogramm zu den Brauntönen der Mammut-Jägerkleidung“, sagt sie. „Also verwenden wir für die Leinen-, Jute- und Wollstoffe der Sklavenjäger vor allem Blau- und Rottöne. Um sie als Reiterstamm besonders zu charakterisieren, sind ihre Kostüme mit Pferdeschwänzen dekoriert. Außerdem entwarfen wir Masken für sie und eine Art urzeitlicher Rüstung aus Gamsleder – dabei orientierten wir uns an Vorbildern afrikanischer Stämme.“
Bei der Gestaltung der Kostüme für die Stämme der Naku, Hoda und Flussmenschen, denen die Mammut-Jäger auf ihrer Reise begegnen, ließ sich Dicks-Mireaux auch von heutigen afrikanischen Stammeskulturen inspirieren. „Die Naku kleiden sich eher farbenfroh, und sie tragen Halsketten aus Tonperlen – um auszudrücken, dass sie weiter entwickelt sind als die Mammut-Jäger“, sagt sie.
Für die Schlussszenen, in denen D’Leh mit dem Gott und seinen Priestern konfrontiert wird, entwarf April weinrote Kostüme, die sich auf verschiedene Kulturen beziehen, zum Beispiel auf Tibet und Ägypten. Vervollständigt wird der Look durch detailfreudigen Schmuck und Gesichtstätowierungen, die der Maskenbildner Thomas Nellen entwarf.
Durch die Kostüme lebten sich die Schauspieler viel schneller in ihre Rolle ein. „Schon wenn man diese Kleidung anlegt, fühlt man sich als Teil jener Welt“, bestätigt Camilla Belle. „Dadurch wird es einfacher, sich in die Figur hineinzuversetzen. Im Kostüm entsteht ein völlig anderes Gefühl.“
Neben den Hauptdarstellern mussten die Kostümbildnerinnen mit ihrem Team fast 800 Statisten einkleiden, die in der Abschlusssequenz als Sklaven auftreten. Trotz solcher Massen „konnten wir die Kostüme nicht von der Stange kaufen“, berichtet April. „Und mit der Maschine konnten wir sie auch nicht nähen. Alles musste von Hand angebracht werden – sonst hätte man das sofort gemerkt. Eine ganze Armee von Mitarbeitern fertigte in unseren Werkstätten Perlen aus Ton und Glas an, um sie dann auf die Kostüme zu nähen. Auch die Stoffe und der Kopfschmuck mussten von Hand hergestellt und genäht werden.“
Sechs unterschiedliche Stämme treten im Film auf – jeder ist durch einen spezifischen Stil gekennzeichnet – von Kopf bis Fuß. Das Team schusterte über 1000 Sandalen, die alle den Statisten-Schuhgrößen entsprechend speziell angefertigt wurden.
„Außerdem legten wir Wert darauf, dass die Sandalen wie grundsätzlich alle Kostüme gebraucht aussehen. Wir mussten also das Leder und die Stoffe so behandeln, dass sie abgenutzt wirken“, erinnert sich April. „Es handelt sich hier um ein sehr ehrgeiziges Filmprojekt, und die Arbeit an Originalschauplätzen macht alles erheblich komplizierter. Zum Glück konnte ich in Südafrika und auch in Namibia mit tollen Teams arbeiten. Außerdem kooperierten wir mit sehr fähigen Handwerkern, Schustern und Hutmachern, die exakt das lieferten, was wir wollten.“
Von Neuseeland reiste das Produktionsteam ins südafrikanische Kapstadt, wo es bereits eine ausgeprägte Film-Infrastruktur gibt – dort entstehen jedes Jahr fast so viele Filme wie in Los Angeles. Auf einer Weizenfarm und in den Table Mountain Studios drehte man dort die Szenen im üppigen Dschungel des isolierten Tals, wo D’Leh und seine Stammesgefährten auf die angriffslustigen Laufvögel stoßen. Die in Kapstadt für die Drehorte verantwortliche Katy Fife brauchte mit ihrem Team drei Monate, um auf der Farm Gras, Bäume und Büsche zu pflanzen und so das Labyrinth mit dem hohen Gras zu kreieren, in dem sich die Riesenvögel bei der Jagd verbergen. In Thunder City in Kapstadt baute das Team in einem großen Flugzeughangar die Grube, die im Film als Falle für den Säbelzahn-Tiger dient.
Die Schlusssequenz des Films entstand in der ausgedehnten Wüstenregion im südwestlichen Nambia, darunter auch an der unberührten Spitzkoppe, die laut Emmerich „absolut perfekt wirkt. Solche Sanddünen, so zauberhafte Landschaften gibt es wirklich nur in Namibia.“ Der Filmemacher kombinierte bestimmte Einstellungen, um eine optische Brücke zwischen den Bergen und der Wüste zu illustrieren, und in beiden Fällen war er von der atemberaubenden Naturschönheit der Locations überwältigt.
Auch aus einem anderen Grund war diese Gegend für Emmerich besonders wichtig. „Die Spitzkoppe liegt mir sehr am Herzen, denn hier hat Stanley Kubrick die Hintergrundbilder für die Affensequenz in ,2001: A Space Odyssey‘ (2001 – Odyssee im Weltraum) aufgenommen“, verrät er. „Ein magischer Ort.“
Produzent Wimer bestätigt: „Die Spitzkoppe ist ungewöhnlich, weil sie eine außergewöhnliche Energie ausstrahlt, wie man sie auf der Erde nur sehr selten findet. Das ist schwer zu beschreiben, aber man hat deutlich das Gefühl, als ob diese Felsen ein eigenes Wesen haben.“
Die Filmemacher bekamen die Genehmigung, an der Spitzkoppe mit ihren ungewöhnlichen Felsformationen zu drehen – sie ist in den Szenen zu sehen, in denen die Yagahl-Jäger auf den Naku-Stamm stoßen und D’Leh zu begreifen beginnt, was das Schicksal von ihm erwartet. Die Naku sind ein gut entwickelter Savannenstamm, der Herden besitzt und Felder bewirtschaftet. Dazu Art Director Robin Auld: „Die Häuser ihres Dorfes stehen auf einem Felsplateau. Die Häuser haben entweder vier Wände, oder sie sind rund. Die Dächer sind mit Lehm bestrichen. Der Bau dieser Häuser erwies sich als sehr schwierig.“
Der Nationalpark Spitzkoppe befindet sich auf Gemeindegrund, und alle Gebühren für die Nutzung des Drehorts kommen der örtlichen Gemeinde zugute. 130 Anwohner wurden für die Vorbereitungen des Drehs engagiert – sie bauten Zufahrtswege und Gehege für die im Film mitwirkenden Springböcke und Zebras. Nach den Dreharbeiten überließ man die Tiere der Gemeinde, die in der Gegend einen Naturpark anlegen will.
In der näheren und weiteren Umgebung der Spitzkoppe gibt es keinerlei Hotels. Deshalb kampierten Darsteller und Team in einem eigens errichteten Zeltdorf – dort gab es warmes Wasser, Fernsehen und Internetanschlüsse. Während des Drehs wurden jeden Tag 60.000 Liter Trinkwasser aus 70 Kilometer Entfernung zum Camp transportiert.
Ein Geheimnis des Films ist die Frage, auf welche untergegangene Zivilisation D’Leh in der Wüste stößt. Dazu Kloser: „Als unsere Helden den Kamm einer Düne erreichen, entdecken sie gigantische Bauwerke, die ,Berge der Götter‘, Pyramiden von mythischen Proportionen, die fast über ihre Vorstellungskraft gehen. Teil ihrer Reise ist der Versuch zu verstehen, wie diese Kultur derartige Massen von Menschen versklaven konnte, und wie man ein derartiges Reich zu Fall bringen kann.“
Die Pyramiden entstanden in der Wüste bei Düne 7 in der Nähe von Swakopmund. Hier baute das Produktionsteam einen Steinbruch, eine gewaltige Rampe und die Fassade des Gottespalastes. Schon in den früheren Sequenzen des Films setzt Emmerich Flugaufnahmen ein, um die Dimensionen der Odyssee seiner Helden zu vermitteln – und auch hier zeigt er Flugaufnahmen von den Pyramiden: Von seinem Effekteteam ließ er gigantische Pyramidenmodelle errichten, die er mit einer Spydercam, einer per Leitung ferngesteuerten Kamera, filmte.
Das Team installierte die Miniaturmodelle der Pyramiden, des Palasts, der Sklavenquartiere und des Nils ganz in der Nähe der originalgroßen Filmpyramiden. Gebaut wurden sie im Maßstab 1:24 in München, um anschließend in 15 Containern nach Namibia verschifft zu werden. Der Modellset hatte eine Größe von etwa 100 Quadratmetern. Mithilfe der Spydercam konnte sich der Regisseur frei über den Set bewegen. So entstanden spektakuläre 360-Grad-Rundumflugbewegungen, die den übrigen Flugaufnahmen des Films absolut harmonisch entsprechen.
„Die Spydercam bewegt sich genauso wie ein Helikopter“, kommentiert Emmerich. „Man kann sie programmieren, und sie filmt in Echtzeit. Das Licht ist dasselbe wie an den real großen Sets, und im Hintergrund befinden sich echte Dünen. Auf diese Sequenz bin ich sehr stolz, denn hier werden altmodische Modelle wunderbar mit hoch entwickelter Technik kombiniert.“
Kameramann Ueli Steiger arbeitet bereits zum fünften Mal mit Emmerich zusammen – sehr gern ließ er sich auch auf dieses neue provokante Abenteuer ein. „Er ist ein großartiger Teamarbeiter und entwickelt wunderbare Visionen“, sagt Steiger. „Wenn man zum Projekt stößt, hat er bereits das Konzept fast fertig, aber immer ist er auch bereit, neue Ideen aufzunehmen. Jedermanns Input ist willkommen.“
Weil der Film naturalistisch angelegt ist, hielt sich Steiger mit Kamera- und Beleuchtungstricks ganz zurück und drehte eher im klassischen Stil, der das Epische der Story in den Vordergrund rückt und sich ganz auf natürliches Licht verlässt. „Oft haben wir mehrere Kameras gleichzeitig eingesetzt, um die Sonne voll auszukosten, wenn sie schien“, berichtet er. „Dabei muss man sehr schnell arbeiten. Oft haben wir stundenlang geprobt, und dann setzten wir drei oder vier Kameras ein – in der Hoffnung, alles mit einem Take abzudrehen.“
Das letzte noch fehlende kreative Element war die Musik. Harold Kloser übernahm bei diesem Film auch noch eine dritte Funktion und schrieb den Score zusammen mit dem Komponistenkollegen Thomas Wander. Dabei arbeiteten die Komponisten eng mit Emmerich zusammen, um die Handlung und Stimmungen vor der einzigartigen Kulisse des Films angemessen zu unterstützen.
Dazu der Regisseur: „Die Story ist ein klassischer Heldenmythos, und dem trägt die Musik Rechnung. Aber hinzu kommen viele ethnische Elemente, oft auch Waldhörner, Chor und Schlagzeug. Bei der Filmgestaltung begeistert mich immer wieder, wie die Musik sich den Bildern anpasst. Man erlebt dann den magischen Moment, in dem ein Track mit dem Orchester eingespielt wird, und es passt genau zur Szene.“
Am befriedigendsten erlebt Emmerich den Moment der endgültigen Abmischung, wenn nach langer, mühevolle Arbeit alle kreativen Komponenten harmonieren. „Mir macht die Filmarbeit unglaublich viel Spaß, weil man so viele Details bedenken muss. Es gibt jede Menge Facetten, und ich kümmere mich gern um jede Einzelheit, wobei ich mich immer bemühe, möglichst viele Aspekte von einer ganz neuen Seite zu beleuchten. Doch trotz all der technischen Details geht es letztlich immer nur um Figuren, denn selbst die ausgeklügeltste Sequenz funktioniert nicht, wenn der Zuschauer nicht mit den Helden fiebert, die die Story erleben.“
Anhand der außergewöhnlichen Odyssee eines jungen Mannes werden im Abenteuer „10.000 BC“ viele unterschiedliche Themen berührt: was zum Beispiel einen Helden ausmacht, worin Führungsqualitäten bestehen, welche Dynamik die menschliche Gemeinschaft entfalten kann. „Jeder muss selbst entscheiden, wie groß der Kreis ist, dem er sich anschließt“, sagt Emmerich. „Geht es nur um seine Familie, oder ist die Gruppe viel größer? Unser Held unternimmt eine Entdeckungsreise: Der anfangs egozentrische Junge reift und steigt zum Menschenführer auf. Der Schlüssel liegt immer darin, wie groß der Kreis ist… wie viele Menschen in diesem Kreis Platz finden.“