Donnerstag | 31. Mai 2012 | 09:03 Uhr
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  • Die Vorahnung

    Thriller, Mystery | USA 2007
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      • | Interview mit dem Regisseur Mennan Yapo

      • Was hat Sie an der außergewöhnlichen Story von DIE VORAHNUNG besonders gereizt?

        Die Geschichte erinnerte mich an zwei Ideen, mit denen ich mich vor fast 10 Jahren einmal beschäftigt habe und die mich seither faszinierten. Zum einen war das die Idee, einen Film über sieben Tage hinweg zu erzählen und dabei mit der Chronologie der Tage zu spielen. Die zweite Idee hatte mit dem Gefühl zu tun, das einen zuweilen beschleicht, wenn man in einem Traum etwas erlebt und nach dem Aufwachen verunsichert ist, weil man nicht weiß wie viel davon wahr ist. Man fragt sich dann, welchen Wissensstand haben die Menschen um mich herum? Das erzeugt eine seltsame Beklommenheit, die gut für einen Thriller ist, weil sie von innen kommt und nicht von außen wie bei vielen Thrillern.


        Linda fühlt diese Beklommenheit, weil sie die Wochentage als Einzige in einer anderen Reihenfolge erlebt...

        Dass sie die Tage in einer anderen, ungeordneten Reihenfolge erlebt, unterliegt keiner kausalen, sondern einer emotionalen Logik. Ich habe das immer ein wenig wie die Folgen von posttraumatischem Stress aufgefasst. Man verliert jemanden und trauert um ihn, dann negiert man den Verlust, dann wird man wütend.... In Anlehnung an das psychologische Modell der fünf Stufen der Trauerbewältigung. Linda durchläuft das alles im Film. Sie erinnert sich also sehr selektiv an die jeweiligen Tage, erlebt nur die emotionalen Momente wieder bzw. fokussiert ihren Blick darauf. Also verliert sie auch Dinge oder „Hinweise“ aus dem Blick, die für sie emotional keine wichtige Rolle spielen oder die nicht in die emotionale Lage des jeweiligen Tages passen. Auch Sandra Bullock fand das Konzept, als ich es ihr vorstellte, sehr interessant. So haben wir versucht, DIE VORAHNUNG realistisch zu fundieren, denn aus diesem Realismus bezieht der Film seine Qualität.


        Was machte Sandra Bullock zur perfekten Besetzung für Linda Hanson?

        Neben der Tatsache, dass sie eine großartige Schauspielerin ist, ist Sandra auch ein toller Mensch und steckt wirklich jeden mit ihrer Energie an. Und weil sie durch ihre Mutter die deutsche Mentalität gut kennt, konnte sie auch nachvollziehen, dass wir, also mein Kameramann Torsten Lippstock und ich, so großen Wert auf Genauigkeit und Disziplin legten. Das ist eben typisch deutsch. Und weil sie selbst Produzentin ist, hatte sie auch Verständnis für Sparmaßnahmen am Set, der Film hatte in der Produktion ja eher Low-Budget-Charakter. Nur als einmal das Wasser in ihrer Dusche kalt war, da hörte der Spaß auf... (lacht).


        Kaum haben Sie mit Lautlos ihren ersten Spielfilm in Deutschland inszeniert – schon ruft Hollywood an. Hat Sie das überrascht?

        Ja und nein. Ich hatte bereits seit 2000 einen Agenten in Los Angeles, der von meinem Kurzfilm Framed so begeistert war, dass er mich in seine Kartei aufnahm und mir versprach: „Dreh doch mal einen Spielfilm in Deutschland, dann kann ich für dich hier auch Projekte an Land ziehen.“ Dann kam Lautlos, ich habe den Film nach Los Angeles geschickt und dort waren alle begeistert. Dann war die ganze Situation allerdings tatsächlich etwas absurd. Lautlos lief ja in Deutschland nicht so überragend im Kino, aber parallel dazu wurden mir bereits etliche Drehbücher für USProjekte angeboten.


        Worin unterscheidet sich ein europäischer Regisseur in der Arbeitsweise von einem amerikanischen?

        Natürlich ist es so, dass ein amerikanisches Set wesentlich größer ist, also 3 oder 4 Menschen werden für Aufgaben eingeteilt, für die man hier nur einen hat. Und dann gibt es da noch einen enormen Umfang von Bestimmungen, die von den jeweiligen Gewerkschaften vorgegeben werden. Zum Beispiel darf der Set Decorator nichts vom Kamera-Department bewegen, aber eine Lampe darf er verrücken. Ein Beleuchter darf hingegen ausschließlich Lampen anfassen usw. Als Regisseur darf man alles bewegen. Ich stand ständig da und hab mir das angesehen und eingegriffen... (lacht) Die Schauspieler haben mir außerdem erzählt, dass sich viele Regisseure sehr auf die Kamera und die Videoausspielung konzentrieren und dafür weniger mit den Schauspielern arbeiten – in Europa arbeitet man wohl eher figurenbezogen. Natürlich gibt es da Ausnahmen, wenn man an grandiose US-Regisseure wie Michael Mann oder David Fincher denkt. Für mich scheint das auch einer der Gründe zu sein, warum derzeit so viele Europäer in den USA sind wie seit den 40er und 50er Jahren nicht mehr. Sie drehen die Filme „edgier“, wie die Amerikaner das nennen – weniger glatt gestriegelt, mit Ecken und Kanten. Die Szene, in der Linda abgeholt und in die Psychiatrie gebracht wird, fanden die Amerikaner zum Beispiel sehr europäisch, weil sie so eskaliert.


        Und mit welchen Widrigkeiten bzw. Einschränkungen hatten Sie als Regisseur in Hollywood zu kämpfen?

        Ich hatte Glück, man hat mir nahezu freie Hand gelassen. In den USA liegt die Schwierigkeit eher darin, dass immer vier Parteien auf einer Ebene – Studio, Star, Regisseur und Produzent – abgestimmt werden müssen. Wenn ich als Regisseur im Schnitt bin und alle anderen stecken schon in neuen Projekten, dann wird die Abstimmung natürlich schwierig. Ein ganz großer Unterschied zu der Arbeit hierzulande ist natürlich, dass in den USA das Starsystem noch funktioniert und der Star in vielen Fällen auch Mitproduzent ist – auch wenn er nicht explizit aufgeführt wird als solcher. Und Sandra Bullock ist selbst eine gute Produzentin.


        Zur Zeit gibt es eine Handvoll junger deutscher Regisseure, die erste Projekte in den USA realisiert haben. Wo sehen Sie zukünftig den Schwerpunkt ihrer Arbeit, in Deutschland oder den
        USA?

        Ich habe vor, in Deutschland und in Amerika zu arbeiten. Der Stoff, das Material ist für mich entscheidend. Zurzeit entwickle ich für Universal Studios The Ambassador mit dem Drehbuchautor Larry Ramin sowie Marc Abraham und Eric Newman von Strike Entertainment, die kürzlich Children Of Men produzierten. Die Geschichte basiert auf einem Roman von Ward Just und handelt vom amerikanischen Botschafter in Berlin, dessen erste große Aufgabe ein Wirtschaftsgipfel ist. Des weiteren akquiriere ich seit einiger Zeit bereits Stoffe und entwickle eigene Ideen, die ich überwiegend produzieren möchte, also deutsches Kino und Fernsehen, ebenso Koproduktionen. Hierzu habe ich mich mit einem Partner zusammengeschlossen, d.h. unsere Firma befindet sich derzeit in Gründung.

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