Donnerstag | 31. Mai 2012 | 09:11 Uhr
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  • FILMDETAILS | Ratatouille
  • Ratatouille

    Familie, Komödie, Animation | USA 2007
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      • | Eine Prise Musik ...

      • Über den Score von Michael Giacchino

        Als es schließlich daran ging, die perfekte Musik zu finden, die die verrückte Action und die subtilen Emotionen von RATATOUILLE unterstreichen kann, wandte sich Brad Bird erneut an den Komponisten, der schon bei DIE UNGLAUBLICHEN - THE INCREDIBLES einen so hervorragenden Job abgeliefert hatte: Michael Giacchino. Er steuerte einen bläserlastigen, jazzigen und rhythmusbetonten Score bei, der ebenso fröhlich, flott und französisch daherkommt wie der Film selbst.

        „Obwohl der Film ganz anders ist als DIE UNGLAUBLICHEN - THE INCREDIBLES, ist Michaels Bandbreite so gewaltig, dass ich keinerlei Skepsis hatte – ich wusste: Er ist mein Mann“, sagt Bird. „Der Film ist verschmitzter als DIE UNGLAUBLICHEN - THE INCREDIBLES – eine komische, romantische Reise nach Paris. Und Michaels Musik hat das wunderbar eingefangen.“

        Der Geist der Zusammenarbeit zwischen Brad Bird und Giacchino ist ein Teil dessen, was die beiden als frischen Sound für den Film bezeichnen. „Diese beiden Typen sind in der Lage, die Gedanken des anderen zu lesen“, lacht Produzent Brad Lewis. „Brad spricht in einer visuellen Sprache und Michael in einer musikalischen Sprache, aber irgendwie finden sie einen Weg, dies perfekt in einem Film zu verschmelzen. Manchmal ist die Musik subtil, manchmal krachig und komisch, und Michael hat die Gabe, stets die Stimmung zu erschaffen, die zu jedem Moment unserer Geschichte passt. Er kann ausufernd und emotional sein, er kann still und leicht sein, er kann sogar ein bisschen tapsig sein – all das, was wir für unseren Film brauchten.“

        Als Giacchino den Rohschnitt von RATATOUILLE sah, wusste er sofort, dass dies eine der größten musikalischen Herausforderungen seines Lebens werden würde. „Als ich den Film sah, hatte ich tatsächlich Angst, denn dafür brauchte man eine Art Musik, die ich noch nie zuvor komponiert hatte“, gibt er zu. „Er war in einem Stil, für den ich nie zuvor geschrieben hatte – eigentlich war es mehr als ein Stil, der Film war voller verschiedener Stilrichtungen. Also ging ich aus dem Kino zu Brad Bird und sagte: ,Das jagt mir echt Angst ein, aber ich bin glücklich darüber, mich mal daran zu versuchen.‘“

        Mit diesen Worten tauchte Giacchino in das Projekt ein und stellte fest, dass sich auch sein kreativer Prozess einer Veränderung unterziehen musste. „Bevor ich den Film sah, hatte ich aus einer sehr praktischen Sicht über die Musik nachgedacht. Danach wurde es aber ein sehr emotionaler Prozess“, erinnert er sich. „Die Szene am Ende des Films, in der der Gastrokritiker Ego seine Kritik abliefert, war für mich der Punkt, an dem ich sagte: ,Wow, darum geht’s in dieser Geschichte also.’ Und diese Szene half mir, das Hauptthema des Scores zu finden, das wir auch in einen Song verwandelt haben.“

        „Es ist ein fröhlicher Film“, fährt Giacchino fort, „aber es gibt auch ein paar melancholische Momente – die Melancholie, die entsteht, wenn man auf Dinge zurückblickt, die man in seinem Leben immer erreichen wollte – und ich wollte mir diese Idee vornehmen und sie musikalisch ausdrücken. Mein größtes Ziel war es, dieses Gefühl einzufangen. Gleichzeitig spielt der Film mit Spaß und Action, aber ich wollte nie übertünchen, worum es in der Geschichte wirklich geht.“

        Neben dem Hauptthema entwickelte Giacchino für jede der Figuren ein eigenes musikalisches Thema, das ihre individuelle Persönlichkeit und ihre Wünsche reflektiert. „Ich liebe es, mit Themen zu spielen, denn so kann man die Charaktere am besten repräsentieren“, sagt er. „Das liebe ich an Soundtracks wie KRIEG DER STERNE („Star Wars“, 1977), JÄGER DES VERLORENEN SCHATZES („Raiders Of The Lost Ark“, 1981) oder ROBIN HOOD, KÖNIG DER VAGABUNDEN („The Adventures Of Robin Hood“, 1938) – sie haben diese großartigen Themen, die beinahe etwas Opernhaftes haben. Das sind die Scores, die mich am meisten geprägt haben, als ich aufgewachsen bin.“

        Remy, bemerkt Giacchino, besitzt sogar zwei Themen sowie ein „Kumpelthema“, das er sich mit Linguini teilt. „Für Remy schrieb ich zuerst ein Rattenthema, das ein bisschen nach einem Dieb klingt, eine Melodie, die ihn verfolgt wie seine Gene, die ihn nun mal zu einer Ratte machen, auch wenn er etwas ganz anderes sein will“, gibt der Komponist zu Protokoll. „Dieses ist das vorherrschende Thema in den Szenen, wenn er durch das Haus und über die Flure läuft. Aber wenn es aufs Dach geht und er Paris zum ersten Mal von oben sieht, erklingt das zweite Thema, das seine Hoffnungen, Träume und Wünsche illustriert. Das ist das, was sich im Inneren von Remy abspielt. Das erste Thema repräsentiert das, was man über Remy denkt, wenn man ihn das erste Mal sieht, aber wenn er auf Paris schaut, lernt man den echten Remy kennen.“

        Über die Musik, die die Beziehung zwischen Linguini und Remy charakterisiert, sagt Giacchino: „Das Kumpelthema kommt immer dann zum Einsatz, wenn die beiden zusammenarbeiten. Das erste Beispiel ist die Szene, in der Remy lernt, wie er Linguini kontrollieren kann – das ist die Geburtsstunde ihres gemeinsamen Themas. Danach entwickelt es sich zu einem sehr großen, beinahe heldenhaften Action-Score am Ende des Films, wenn sich alle Ratten zusammentun und Linguini auf seinen Rollschuhen umhersaust. Es klingt ein bisschen wie in den britischen Filmen über den Zweiten Weltkrieg, denn ihre Freundschaft hat sich dahin entwickelt, dass sie ihre Schwierigkeiten zusammen meistern wollen.“

        Ein weiteres Schlüsselthema des Films ist das von Colette, das laut Giacchino „den ganzen Prozess des Kochens umgibt“. „Man hört es zum ersten Mal, wenn Colette Linguini beibringt, was in der Küche zu tun ist und was er braucht, um ein richtiger Koch zu werden“, fährt der Komponist fort. „Danach ändert sich das Thema, je nachdem, was gerade passiert. Wenn Linguini ein Gericht kochen soll, das nicht auf der Speisekarte steht, und Remy anfängt zu improvisieren, ertönt das gleiche Thema – aber auf improvisierte Weise, so wie Remy das Rezept zusammenstellt, wie es ihm gerade einfällt. Also ändern sich Themen und Musik ständig im Verlauf der Geschichte.“ Skinners Thema wechselt ebenfalls mit seinen Stimmungen – es beginnt als hippes französisches Jazz-Stück und entwickelt sich zu einem frenetischen, orchestralen Epos, wenn er die Kontrolle über die Dinge verliert, die in seiner Küche geschehen. „Das Thema beginnt sehr lässig und sanft und endet ein bisschen irre, so wie die Figur im Film“, grinst Giacchino.

        Um dem Zusammenspiel verschiedener Stilrichtungen und Tonarten bei RATATOUILLE auch musikalisch gerecht zu werden, teilte Giacchino seinen Score auf in die menschliche Welt und in die der Ratten. „Die Instrumentierung der Rattenwelt stützt sich auf ein großes Piano, das die Orchestrierung bestimmt, und jede Menge Pizzicato-Streicher“, erläutert er. „Brad mochte für die Ratten besonders die Streicher, aber gleichzeitig gab er mir keine strengen, festen Regeln vor. Was in einer Szene zu den Ratten passte, konnte in der nächsten schon wieder falsch sein, also lebt auch die Musik von der Veränderung.“

        Um der visuellen Wildheit und der verrückten physischen Comedy von RATATOUILLE einen Kontrast entgegenzusetzen, konzentrierte Giacchino sich auf die Subtilität seines Scores. „Es ist einfach, in Animationsfilmen jede einzelne Bewegung zu untermalen“, sagt er. „Aber ich mag die Vorstellung, dass Musik in den leisesten Tönen schon suggestiv sein kann. Also habe ich mich zurückgehalten und das Bild auch einfach mal Bild sein lassen, so wie in einem Live-Action-Film.“

        Nachdem er einen so ungewöhnlich vielseitigen Score komponiert hatte, musste Giacchino ein einzigartiges, im Jazz erfahrenes Orchester zusammenstellen, das mit ungewöhnlichen Instrumenten wie Harmonika und Akkordeon spielen musste. Der Komponist war begeistert davon, einige der weltweit bekanntesten Musiker rekrutieren zu können, die bei den Aufnahmen ihren ganz eigenen Touch einbringen konnten. Dazu zählten: Tommy Morgan, einer der besten Harmonikaspieler der Welt, der im Lauf seiner 50-jährigen Karriere über 7.000 Platten-, TV- und Filmaufnahmen gemacht hat, der preisgekrönte Jazz-Akkordeonspieler Frank Marocco, der als Akkordeonspieler mit den meisten Aufnahmen weltweit gilt, die Bass-Legende Abe Laboriel, ein Künstler, der schon zusammen mit Jazz-Größen wie Ella Fitzgerald und Herbie Hancock gespielt hat, und schließlich der einflussreiche Jazz-Drummer Harvey Mason, der seine Karriere mit Duke Ellington und Errol Garner in den sechziger Jahren begann und bisher sieben Mal für einen Grammy® nominiert war.

        „Es war eine wunderbare Chance, einige der besten Musiker der Welt eine Woche lang in einem Raum zu versammeln“, sagt Giacchino über die Aufnahmen seines Scores.

        Gekrönt wird dieser Score von dem Song „Le Festin“, den Giacchino komponierte und anschließend mit der jungen französischen Sängerin Camille einspielte, die ihren eigenen zeitgenössischen Chanson-Stil einfließen ließ. „Sie hat einen einzigartigen Sound und eine ganz spezielle Stimme“, sagt Giacchino, „ich hätte mir keine andere vorstellen können, die dieses Lied singt. Der Song basiert auf einem alten französischen Sprichwort, das besagt, wenn man mit guten Freunden und der Familie zusammensitzt und eine großartige Mahlzeit genießt, dann feiert man das Gute im Leben. Dieser Song entsprang direkt der Geschichte von RATATOUILLE.“

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