RATATOUILLE überschreitet die Grenzen des Stoffdesigns
Das eingeschworene Team von Pixar ist schon bekannt dafür, dass es bei der fotorealistischen Darstellung von Stoffen Pionierarbeit geleistet hat. Mit RATATOUILLE gingen die Filmemacher wieder einen Schritt weiter und schufen die komplexeste „Garderobe“, die je in einem computeranimierten Film zu sehen war. Lange Zeit war Stoff ein heikler Punkt in der authentisch aussehenden CG-Animation, weil Kleidung von Natur aus nicht statisch ist und die Gesetze der Physik – von der Schwerkraft bis zur Reibung – jederzeit auf subtile Weise ihr Recht fordern. Das Pixar-Team war es schließlich, die bei der Darstellung eines verknitterten T-Shirts in DIE MONSTER AG neue Möglichkeiten in diesem Bereich erschloss und mit den glaubwürdigen, retro-futuristischen Kostümen in DIE UNGLAUBLICHEN - THE INCREDIBLES einen weiteren Durchbruch erzielte.
In RATATOUILLE brauchte man weitaus komplexere, vielschichtigere Kleidung, dazu stoffliche Requisiten wie Tischtücher und Servietten, in der Summe über 190 verschiedene Modelle. Der größte Teil dieser Aufgabe fiel Simulation Supervisor Christine Waggoner und ihrem Team zu, die zusammen schon bei der Simulation von Haaren und Fell Großes geleistet hatten.
„Bei RATATOUILLE sind die technischen Hürden deutlich höher gewesen als je zuvor“, sagt sie. „Die Figuren tragen mehr Kleidung als je zuvor, mit mehreren Schichten und mehr Bewegungen. Es war unglaublich schwierig, die Montur eines Küchenchefs zu simulieren – von dem zweireihigen Jackett mit den Knöpfen, der Schürze und der Hose, alles miteinander verschichtet, dazu die Kochmütze auf dem Kopf …“
Einige von Waggoners Lieblingskostümen sind die von Auguste Gusteau, der einmal ein sehr robuster Mann war, aber mittlerweile buchstäblich eine geisterhafte Erscheinung ist. „Wir haben die Kleidung zunächst für eine lebende Version von Gusteau geschaffen und sie dann für die Erscheinung, die man im Film sieht, einlaufen lassen“, erläutert sie. „Aber wir wollten seine Kleidung dennoch sehr ausgeklügelt und perfekt geschneidert haben. Es gab noch keine Vorlage für das Design einer Garderobe für diese Körperformen, wie wir sie in dem Film haben – das machte es für uns so interessant.“
Selbst scheinbar so simple Dinge wie eine Tischdecke oder eine Serviette stellten sich als sehr komplex für eine CG-Animation heraus. „Es gibt jede Menge Details, die man beachten muss, zum Beispiel die Interaktion zwischen den Beinen einer Figur und dem Stoff, der an einem Tisch herunterhängt“, bemerkt Waggoner.
Dennoch machte es Waggoner, ebenso Künstlerin wie Programmiererin, gewaltig Spaß, all die Details zu einem großen, dramatischen Bild zusammenzufügen. „Die größte Herausforderung bestand für mich darin, den Look genau zu treffen. Denn Brad liebt es, wenn etwas realistisch und gleichzeitig karikiert aussieht. Also haben wir uns niemals nur mit wissenschaftlichen Studien über die Art, wie ein Stoff fließt und sich bewegt, zufrieden gegeben und danach Zahlen in den Rechner eingegeben. Wir haben einen ausgetüftelten Prozess durchlaufen, um wirklich jedes Detail der allumfassenden Ästhetik des Films anzupassen“, sagt sie.
Das Ergebnis: Die Kleidung sorgt im Zusammenspiel mit den präzisen Designs der Körper dafür, dass die Welt von RATATOUILLE mehr als greifbar, ja, zum Leben erweckt wird. „Durch die Simulation der Kleidung, der Stoffe und naturalistischer Details wie Falten sind wir ein gutes Stück auf dem Weg zum Live-Action-Gefühl vorangekommen“, konstatiert Waggoner.
„Das Schöne an den Stoffen von RATATOUILLE ist, dass sie so natürlich sind“, fasst es Associate Producer Galyn Susman zusammen. „Sie erregen nicht mal die Aufmerksamkeit des Zuschauers. Sie sehen einfach real aus, und darin besteht die außergewöhnliche Leistung.“