Donnerstag | 31. Mai 2012 | 12:45 Uhr
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  • Nanny Diaries

    Drama, Komödie | USA 2006
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      • | Produktion: Das Casting

      • Für die Rolle der Annie wandten sich Springer Bergman und Pulcini an Scarlett Johansson, eine der führenden jungen Schauspielerinnen Amerikas. „Scarlett besitzt eine große schauspielerische Bandbreite zwischen glamourösen Figuren bis hin zu Zicken, aber vor SCOOP („Scoop – Der Knüller―, 2006) von Woody Allen hat niemand sich ihr komisches Talent richtig zunutze gemacht―, kommentiert Springer Berman. „Es wird wirklich unterschätzt, wie gut sie eine ganz durchschnittlich unsichere Frau spielen kann. „Außerdem hat sie eine fantastische Slapstick-Gabe. Ihre Landungen auf dem Hintern waren beeindruckend, grinst Pulcini.

        „Scarlett hat einen tollen Humor, ein wunderbares Timing und großartige schauspielerische Fähigkeiten. Wir bewunderten sie sehr und konnten sie uns vollkommen in dieser Rolle vorstellen. „Annie unterscheidet sich fundamental von allen Rollen, die ich bisher gespielt habe―, bekennt Scarlett Johansson. „Obwohl sie ein wenig verloren ist – und ich habe schon einige verlorene Figuren verkörpert –, ist sie doch als Frau recht selbstbewusst. Das macht auch den Unterschied zwischen ihr und beispielsweise Charlotte aus LOST IN TRANSLATION („Lost in Translation―, 2003) aus. Außerdem versprüht sie etwas sehr Jugendliches, das sich auch von anderen Rollen unterscheidet, die ich gespielt habe.

        Die zweifach Oscar®-nominierte Laura Linney (THE SQUID AND THE WALE / „Der Tintenfisch und der Wal―, 2005; YOU CAN COUNT ON ME / „You can count on me―, 2000) übernahm die Rolle der verwöhnten Gesellschaftsdame Mrs. X. „Es war wunderbar, Laura für eine Rolle zu besetzen, in der sie richtig glamourös sein kann―, freut sich Springer Berman. „Ich denke, dass sie diese Person in sich hatte und gar nicht so sehr spielen musste.― Pulcini ergänzt: „Laura ist eine grandiose Schauspielerin, aber eigentlich fällt sie einem nicht als erste für diese Rolle ein. Man verbindet mit ihr eher bodenständigere Rollen, obwohl sie an New Yorks East Side aufwuchs. Linney selbst präzisiert: „Ich bin zwar nicht in der Welt von Mrs. X groß geworden, aber ich habe zweifelsohne viel davon mit bekommen. Viele meiner Schulkameradinnen hatten Frauen vom Typ Mrs. X als Mütter. Heute ist mir dieser Lebensstil natürlich bewusster, aber ich habe damals bereits einen Blick darauf erhascht.

        Auch die Entscheidung, Paul Giamatti aus AMERICAN SPLENDOR („American Splendor―, 2003) als Mr. X zu besetzen, mag auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen. „Aufgrund seiner bisherigen Rollen halten viele Paul für den klassischen Arbeitertyp―, sagt Springer Berman. „Dabei ist er der Sohn von A. Bartlett Giamatti, der Präsident der renommierten Universität von Yale war. Paul hat ein Internat besucht und verschiedene Abschlüsse in Yale gemacht. Mit anderen Worten: Er hat sich Zeit seines Lebens in diesen Zirkeln bewegt und ist außerdem ein fantastischer Schauspieler. Meiner Meinung nach übrigens einer der größten Schauspieler, die es gibt. Bob (Robert) und mir macht es Spaß, Schauspieler in Rollen zu besetzen, in denen wir sie noch nie gesehen haben. Außerdem hat es mich interessiert, Paul in einer unsympathischen Rolle zu besetzen und zu sehen, wie er damit umgeht. Gerade weil er für seine sympathische Ausstrahlung bekannt ist.

        „Mir hat es großen Spaß gemacht, den Bösewicht zu spielen―, verrät Giamatti. „Es ist lustig. Ab und an tauche ich auf, motze irgendwen an oder mach irgendwas Gruseliges. Mr. X ist ausgesprochen widerlich und schrecklich. Es wird viel Zeit darauf verwandt, sein Gesicht nicht zu zeigen. Deswegen baut sich eine große Erwartungshaltung auf, wie er wohl aussehen wird – und dann sieht er aus wie ich!― Paul Giamatti und Laura Linney kennen einander seit Jahren. Aber sie hatten vorher noch nie miteinander gearbeitet, obwohl beide in „Die Truman Show― (1998) zu sehen sind. Giamatti schwärmt von seiner Partnerin: „Ihre Anwesenheit lässt einen über sich selbst hinauswachsen. Sie ist definitiv eine der besten Schauspielerinnen, die es gibt. Und sie kann herrlich lustig sein.

        Eine Schlüsselszene in der Geschichte von NANNY DIARIES ist der Moment, in dem sich Annie in ihren Schützling Grayer X, gespielt vom siebenjährigen Nicholas Reese Art, „verliebt―. Um diese Gefühle glaubhaft zu machen, musste das Publikum die Nähe zwischen Kindermädchen und Kind spüren. Eine Nähe, die es Annie unmöglich macht, einfach zu kündigen, obwohl sie in ihrem Job ausgebeutet wird. „Als Scarlett mit Nick vorsprach, wollten wir absolut sicher gehen, dass es zwischen den beiden funkt―, erzählt Pulcini. Scarlett Johansson erinnert sich: „Als ich Nick kennenlernte, kam mir gleich etwas an ihm bekannt vor und ich spürte eine gewisse Art von Verantwortung. Er ist eigentlich ein ganz normales Kind, aber wenn die Kamera läuft, ist er unglaublich konzentriert.

        „Die Wahrheit ist, dass die beiden während der Dreharbeiten unzertrennlich waren―, sagt Springer Berman. „Es war einfach unglaublich, wie gut sie sich verstanden.― Dabei beeindruckte die Filmemacher die Professionalität des jungen Schauspielers. „Nick zappelt bei der Arbeit nie herum, er hört genau auf die Regieanweisungen und es interessiert ihn wirklich, was seine Rolle zu fühlen hat, sagt Pulcini. „Kaum war die Kamera abgeschaltet, benahm er sich jedoch wieder wie ein richtiges Kind. Für die Besetzung von Annies Mutter Judy wandten sich die Filmmacher an den Broadway- Star Donna Murphy. Judy setzt hohe Erwartungen in ihre Tochter. Pulcini erläutert: „Judy drängt Annie, ins Finanzwesen einzusteigen, aber Annie fühlt instinktiv, dass das für sie nicht das Richtige ist. Aber sie traut sich nicht, ihrer Mutter das zu sagen. Judy nimmt eine besondere Rolle in der Geschichte ein, da sie bei allem, was Annie tut, eine Art Katalysator darstellt. Die Schauspielerin für diese Rolle musste stark, aber auch mitfühlend sein. Es musste ein Wechselspiel von Stärke und Schuld entstehen. Obwohl Donna als Person meilenweit von diesen Beschreibungen entfernt ist, erwies sie sich beim Vorsprechen als hundertprozentig richtig für die Rolle.

        „Judy hat als alleinerziehende Mutter eine Ausbildung zur Krankenschwester und jede Menge Überstunden gemacht, um ihrer Tochter die Möglichkeiten zu geben, die sie selbst niemals hatte―, beschreibt Murphy ihre Rolle. „Sie wünscht sich für Annie einen Beruf, der sie finanziell absichert. Allerdings ist das nicht unbedingt das, wovon Annie träumt. Da kommt es zwangsläufig zu Konflikten.

        Die Grammy-Siegerin und mehrfach mit Platin ausgezeichnete Musikerin Alicia Keys übernahm die Rolle von Lynette, Annies bester Freundin. „Lynette ist verrückt und couragiert, beschreibt Keys. „Sie hat eine große Klappe und trägt gern schreiende Farben, ob bei den Klamotten oder den Accessoires. Wenn sie einen Raum betritt, weiß jeder gleich, dass sie da ist. Sie vertritt bestimmt nicht die Mehrheit, aber sie ist ein Knaller. Obwohl Springer Berman instinktiv wollte, dass Keys die Rolle übernahm, wusste keiner, ob sie überhaupt schauspielern konnte. Keys, deren Mutter Schauspielerin war, spielte jedoch schon als Kind am Theater und trat sogar in einer Folge der THE COSBY SHOW („Die Bill Cosby Show―, 1984-1992) auf.

        Sie erzählt: „Mir gefiel es immer zu schauspielern, aber als ich älter wurde, rückte meine Leidenschaft für die Musik immer mehr in den Mittelpunkt. Und das war schließlich die Richtung, die ich einschlug. Aber ich liebe es, wie man im Kino oder im Theater von Menschen verzaubert werden kann, die erfunden sind. Ihr Leben wird dein Schmerz, ihr Vergnügen dein Glück. Genau dasselbe löst Musik in mir aus. Für mich sind Schauspiel und Musik Geschwister.― „Alicia ist ein Temperamentsbolzen―, beschreibt Johansson ihre Kollegin. „Wo sie auftaucht, verbreitet sie gute Laune. Sie ist eine tolle Schauspielerin und hat mir beim Improvisieren einiges voraus.

        Für die Rolle des hübschen „Harvard Hottie―, der sich in Annie verliebt, sahen sich Berman und Pulcini über hundert Darsteller an. „Wir suchten den Mann, der Scarletts Herz zum Schmelzen bringen würde―, nennt Berman das Ziel, das sie bei der Besetzung leitete. „Als Chris Evans zum Casting kam, hat er uns einfach umgehauen. Er lieferte ein fantastisches Vorsprechen ab und sah unglaublich gut aus. Ich halte ihn für den nächsten Robert Redford.― „Als Harvard Hottie und Annie sich kennenlernen, ist das eine nette, witzige Situation―, erklärt Evans. „Aber als sie sich ein paar Wochen später wieder zufällig in einer Bar über den Weg laufen, blamieren ihn seine Freunde und er will ihr beweisen, dass er keiner dieser Upper East-Side-Knilche ist. Sie weist ihn einige Mal ab, aber er lässt nicht locker, bis sie schließlich mit ihm ausgeht.

        „Nach Annies Verständnis gehört er zu einer anderen Gesellschaftsschicht―, so Springer Berman. „Und das stimmt. Nach dem Gefühl von Harvard Hottie ist das jedoch kein Hindernis. Kein Wunder: Er stammt aus der Oberschicht und hat nichts zu verlieren. Pulcini ergänzt: „Für Annie ist klar, dass ein Teil ihrer Jobbeschreibung lautet: Kein eigenes Leben. Sie weiß, dass sie ihren Job aufs Spiel setzt, wenn sie mit diesem Mann im Haus gesehen wird.

        Evans bringt noch eine andere Komponente ins Spiel: „Harvard Hottie versteht die Situation des kleinen Grayer, denn darin spiegelt sich seine eigene Kindheitserfahrung. Es dreht sich dabei um einen Lebensstil, bei dem man schnell erwachsen wird. Auf diesem Weg kann man sich eine Menge hässliche Dinge angewöhnen. Darum fühlt sich Annie für ihren Schützling verantwortlich und möchte sicher gehen, dass der Junge nicht seinem Vater nachschlägt.

        Eine besondere Erfahrung war für die Schauspieler die Zusammenarbeit mit einem Regie- Team. „Es erstaunt mich, wie harmonisch ihre Beziehung ist―, sagt Johansson, während Giamatti sich fragt, „wie die beiden die Dinge unter sich aufteilen.― Linneys Theorie ist, „dass die beiden sich einfach perfekt ergänzen.

        Scarlett Johansson präzisiert: „Der eine gibt eher emotionale, der andere eher physische Regieanweisungen. Sie helfen sich gegenseitig aus und man hat das Gefühl, dass man das ganze Spektrum bekommt: Sozusagen, eine weibliche und eine männliche Analyse der Rolle.

        Giamatti unterstreicht: „Sie sind wunderbare Regisseure, weil sie einem alles sehr einfach erklären. Sie können auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Schauspieler eingehen.― Für Linney liegt das Geheimnis der guten Zusammenarbeit von und mit Springer Berman und Pulcini darin, dass sie verheiratet sind: „Deswegen können Sie sich so wunderbar austauschen und ergänzen.

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