Auf dem Set von LITTLE MISS SUNSHINE mussten sich die Schauspieler nicht nur in ihren Rollen aneinander gewöhnen, sondern auch an die eher seltene Situation, mit zwei Regisseuren zu arbeiten. „Ganz wohl war mir dabei anfangs nicht“, gibt Alan Arkin zu. „Ich befürchtete, dass sich die Regieanweisungen für mich verdoppeln würden. Aber die beiden waren großartig. Sie scheinen beruflich die gleiche Sprache zu sprechen. Es ist fast so, als hätte man es nur mit einer Person zu tun.“
Weil sie seit Jahren Erfahrungen beim Dreh von Werbespots und Musikvideos sammeln konnten, haben Dayton und Faris ihre Partnerschaft ständig perfektioniert. „Dass wir zu zweit sind, bedeutet für uns nur, dass wir immer genau wissen müssen, was wir wollen, und umso besser präpariert sein müssen“, beschreibt Dayton das Teamwork. „Bei unserer Arbeit kreuzen sich die Sensibilitäten von zwei Persönlichkeiten“, fügt Faris hinzu.
Aber wie übersteht eine Ehe die Intensität und den Stress des täglichen 5-Uhr-Weckens, die ein Regiedebüt mit sich bringt? „Wir versuchten zu ignorieren, dass wir 23 Stunden am Tag zusammen waren“, bietet Dayton als Erklärung an. „Wir respektieren einander“, kommentiert Faris, „und weder kreativ noch in unserem persönlichen Umgang zeigen sich Abnutzungserscheinungen.“ Dayton bringt vielleicht die wichtigste Empfindung ein: „Ich kann mir nicht vorstellen, zu jemandem nach Hause zu kommen, der keine Ahnung davon hat, an was ich den ganzen Tag gearbeitet habe. Für Produzent Peter Saraf hatte das Regieteam nur einen Nachteil: „Es war schwieriger, das Bild auf dem Kontrollmonitor zu sehen“, gesteht er lachend.
Die Dreharbeiten von LITTLE MISS SUNSHINE mussten innerhalb von 30 intensiven Tagen abgewickelt werden – im heißen Sommer von 2005, an Drehorten in Südkalifornien und den Wüstenregionen von Arizona. „Es war ein beinharter Dreh“, gibt Dayton zu. „Aber wir wollten den Realismus, den man nur on the road erreichen kann.“
Mit Beginn der Reise richteten die Filmemacher ihre Aufmerksamkeit auf den Look und die Atmosphäre des Films. Eines der Hauptziele war es, die richtige Balance zu finden zwischen dem etwas schrägen Humor und dem Realismus, den man brauchte, um die Geschichte zusammenzuhalten. „Wir wussten, dass die Darstellungen das Wichtigste waren“, erzählt Jonathan Dayton. „Deshalb versuchten wir, auf dem schmalen Grat zu balancieren, einerseits schöne, interessante Einstellungen zu bekommen, andererseits aber die Darstellungen davon nie überschatten zu lassen.“
Dayton und Faris arbeiteten dabei eng mit Kameramann Tim Suhrstedt zusammen, der zuvor komödiantische Welten ins Licht gesetzt hatte wie das Büromilieu von OFFICE SPACE („Alles Routine“, 1999) und den stilisierten Fantasiekosmos von BILL AND TED’S EXCELLENT ADVENTURE („Bill und Teds verrückte Reise durch die Zeit“, 1989). Ziel war es, eine verschrobene, unverbrauchte Optik zu kreieren, die die Persönlichkeiten der Hoovers in den Mittelpunkt stellte. „Regeln gab es nicht, abgesehen davon, dass wir immer auf etwas zurückgriffen, was zur jeweiligen Situation passte“, erklärt Suhrstedt. „Wir haben die verschiedensten Methoden angewendet, für einige Einstellungen planten wir voraus, andere klärten wir spontan am Set.“ Als Unterstützung für diese lockere Arbeitsweise entschied sich Suhrstedt anstelle von anamorphen Linsen für das Super-35-mm-Format. „Man kommt dabei mit weniger Equipment aus und bekommt eine größere Tiefenschärfe. Das passte perfekt zu unserem Drehplan.“
Suhrstedt wollte auch weg von den typischen hellen, sonnigen Tönen, die man mit Familienkomödien verbindet. „Ich glaube nicht daran, dass Komödien so stark ausgeleuchtet werden müssen“, fährt der Kameramann fort. „In diesem Film wollte ich natürliches Licht für die Schauspieler einsetzen und dann die richtigen Perspektiven für die Darstellungen finden.“ Letzteres erwies sich als größte Herausforderung, als es darum ging, im kaputten und heruntergekommenen VW-Bus zu filmen, der für einen großen Teil der Geschichte zum engen Heim der Hoovers wird. Um interessante Perspektiven innerhalb des Autos ausmachen zu können, experimentierte Suhrstedt zunächst mit einer einfachen Videokamera und trug schließlich die Einstellungen zusammen, die zum besten Ergebnis auf der Leinwand führen würden.
Während der Dreharbeiten arbeitete Suhrstedt auch eng mit Produktionsdesignerin Kalina Ivanov zusammen. Auch sie legte den Schwerpunkt ihrer Arbeit auf ein vertrautes naturalistisches Ambiente als Hintergrund für das Chaos und die Katharsis des Trips. „Wir wollten nicht übertreiben, keinen Eindruck forcieren, sondern immer subtil und realistisch bleiben“, erklärt Ivanov. Als erste Vorbereitung dafür machte Ivanov selbst den Roadtrip von Albuquerque nach Redondo Beach. Auf einer Wand sammelte sie schließlich Fotos und Bilder von dieser Reise, die den Schauspielern und der Crew erste Eindrücke vermittelten. Im kalifornischen Burbank fand sie auch das Haus der Hoovers. „Es entsprach genau unseren Vorstellungen“, erinnert sich Ivanov, „aber schließlich bauten wir künstliche Wände, um alles beengter und überfüllter wirken zu lassen.“
Als Nächstes trug Ivanov vier alte VW-Busse zusammen  das kultige Auto, das Ende der 70er Jahre beliebt bei Familientrips war. Obwohl die Innenausstattung für die Anforderungen der Produktion modifiziert wurde, war es eine einzigartige Erfahrung, in einem heißen überfüllten Mini-Bus mitten in der Wüste zu drehen. „Es war wahrscheinlich eine der stärksten Erfahrungen eines echten Bindungsgefühls, die man als Schauspieler haben kann“, fasst Toni Collette lachend ihre Erinnerungen zusammen. Paul Dano formuliert etwas direkter: „Es war die Hölle, unglaublich heiß und beengt.“ Und die junge Abigail Breslin kommt zu folgendem Fazit: „In einem so engen VW-Bus lernt man sich wirklich kennen, es lässt sich schwer vermeiden.“
Der Roadtrip gipfelt schließlich in den Szenen des Schönheitswettbewerbs, in denen eine Art schockierende Authentizität mit dem grundsätzlich komischen Ton des Films ausbalanciert wird. Der Schlüssel zum Gelingen dieser Szenen lag darin, echte Teilnehmerinnen aus der Welt der sehr ernsthaft, ja sogar verbissen betriebenen Kinder-Misswahlen für den Film zu besetzen. „Wir haben große Anstrengungen unternommen“, so Valerie Faris, „für diese Szenen echte Teilnehmerinnen und ihre Eltern zu engagieren. „Wir haben diese Mädchen so gut wie überhaupt nicht herausgeputzt oder geführt.“
Auch Produktions-Designerin Ivanov betrieb Recherchen bei typischen Misswahlen für Kinder, um schließlich ein so realistisches Set zu bauen, das bei den Statisten starke Reaktionen auslöste. „Das größte Kompliment für mich war, dass viele der Statisten aus den Misswahlen beim Anblick des Sets Tränen in den Augen hatten, weil die Mädchen mit so großer Begeisterung ihren Auftritten dort entgegenfieberten.“
Nach Ende der Dreharbeiten wandten sich die Regisseure einem weiteren, sehr wichtigen Aspekt des Films zu: der Musik. Diese hatte angesichts der großen Erfahrungen von Faris und Dayton mit Musikvideos eine ganz besonders große Bedeutung. Das Team arrangierte eine sich gegenseitig verstärkende Partnerschaft zwischen dem renommierten Filmkomponisten Mychael Danna und der vielseitigen Band DeVotchka. Die Gruppe aus Denver mit Leadsänger und Songwriter Nick Urata inspirierte mit ihrem Sound und ihrer Musik einen Großteil von Dannas Score.
Für LITTLE MISS SUNSHINE und seinen Roadtrip durch den amerikanischen Südwesten war das exotische Quartett, dessen gewagter musikalischer Stil Folkrhythmen und Melodien aus der ganzen Welt verbindet, bereit, sich musikalisch traditioneller und amerikanischer zu orientieren. „Wir haben uns ihre Musik angehört und waren der Ansicht, sie hätten den perfekten musikalischen Ton, die perfekte melodische Qualität für unseren Film“, sagt Valerie Faris. „Wir suchten nach einer Musik, die den exzentrischen Figuren des Films entsprach“, kommentiert Faris die ungewöhnlichen, von der Band eingesetzten Instrumente  wie das Sousaphone, das Theremin oder die Bouzouki. „Es ist sehr schwierig, musikalisch den Humor zu unterstreichen, ohne die Musik selbst humorvoll wirken zu lassen. Aber in unserem Fall gelang das gut.“
Um den Sound von DeVotchka bestmöglich zur Geltung bringen zu können, baten Faris und Dayton nicht nur die Band, Songs für den Film zu schreiben, sondern auch Mychael Danna, in seinem Begleitscore die einzigartige Instrumentierung der Band widerzuspiegeln. „Mychael schrieb wunderbare Melodien“, schwärmt Dayton. „Er hat kreativ wirklich genau das geliefert, wonach wir gesucht hatten.“
Zwei weitere Songs für den Soundtrack zu LITTLE MISS SUNSHINE trug der junge amerikanische Sänger und Songwriter Sufjan Stevens bei, der in der heutigen Musikszene als eine der vitalsten neuen Stimmen gefeiert wird. „Chicago“, seine musikalische Ode an Roadtrips, und der emotionale Song „No Man’s Land“ bringen das einzigartig moderne Gefühl für üppige Melodien und berührende Texte, das den Independentkünstler auszeichnet, in den Film ein.
Von der Kameraarbeit bis zu den Sets, von der Musik bis zu den komplexen Darstellungen, lag bei der gesamten Produktion das Hauptaugenmerk immer darauf, die Hoovers mit ihrer ganzen Absurdität, ihren Ängsten und ihren Gefühlen einzufangen. „Auf was die Menschen bei den Hoovers so stark reagieren, ist meiner Ansicht nach die Tatsache, dass sie so angespannt und peinlich, trotzdem aber auch so lebensnah sind“, fasst Steve Carell seine Eindrücke zusammen. „Familien sind und verhalten sich genau so. Es geht nicht immer nur um süße Hündchen und Eiskrem. Es kann hässliche, traurige und komische Momente geben. Das genau ist wirklich das Leben.“