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  • Die Queen

    Drama, Biografie | Großbritannien 2006
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      • | Die Produktion

      • Während Produzent Harries noch über der Idee zu THE QUEEN brütete, arbeitete er auch an einer Staffel der preisgekrönten Krimiserie „Heißer Verdacht“. Während einer Leseprobe mit allen Schauspielern „guckte ich Helen an und dachte mir: Sie ist die Königin des britischen Dramas und sie sieht ein wenig aus wie die Queen. Was für eine grandiose Idee: Helen als Queen.“

        Auch Helen Mirren, die auf Bühne, Bildschirm und Leinwand bereits unvergessliche Figuren zum Leben erweckt hat, fand das Angebot unwiderstehlich. „The Deal“ war ganz hervorragend und ich wusste, dass auch THE QUEEN in guten Händen war. „Es handelt sich um delikates, wenn nicht sogar gefährliches Material. Deshalb muss man darauf vertrauen können, dass die Menschen, mit denen man daran arbeitet, diese Geschichte auf die Leinwand bringen, ohne dabei Verrat an den Figuren und dem Thema zu üben.“

        Trotz ihrer langjährigen Berufserfahrung scheute sich Helen Mirren nicht, ihren Partner Michael Sheen, den sie in „The Deal“ so bewundert hatte, um Rat zu fragen. Er riet ihr, so eng und so früh wie möglich mit der Sprachtrainerin Penny Dyer zusammen zu arbeiten, damit sie bei Drehbeginn mit der Stimme und der Gestik vertraut sei. Außerdem lud Helen Miren jene Darsteller zu sich nach Hause ein, die im Film ihre Familie spielen sollten, James Cromwell, der Prinz Phillip spielt, Prinz-Charles-Darsteller Alex Jennings und Sylvia Syms, im Film die Queen Mom. „Ich wollte, dass wir uns alle an die Stimmen der anderen gewöhnen, damit wir im Film tatsächlich wie eine Familie wirkten und nicht wie eine Truppe von Leuten mit gestelzten Akzenten.“

        Wie ihre Kollegen war sich Mirren der Gefahren, die die Darstellung einer realen Person mit sich bringt, wohl bewusst - besonders einer so berühmten wie der amtierenden Monarchin. Die Herausforderung lag darin, den schmalen Grat eines akkuraten Porträts nicht zu verlassen, um nicht in eine Karikatur abzugleiten. „Man muss ja unbedingt vermeiden, dass sich das Publikum an einer Art Parodie der Person erfreut“, erläutert die Schauspielerin. „Die Menschen im Kino sollen dir deine Figur ja wirklich abnehmen, damit du sie auf die Reise mitnehmen kannst, die diese Figur antritt. Wenn die Nachahmung der realen Person zu gut ist, kann die Wahrheit zu aufdringlich sein. Dann muss man sich als Schauspieler zurücknehmen, um das Publikum nicht von seiner Reise in die Imagination abzulenken.“

        „Ich habe viel recherchiert“, fährt Helen Mirren fort. „Im Nachahmen von Menschen bin ich ohnehin nicht sehr gut, ganz abgesehen davon, dass auch der beste Nachahmer nur 50 Prozent der realen Person einfangen könnte. Und der Status einer Ikone, den die Queen nun einmal hat, jagte mir schreckliche Angst ein“, gesteht sie und räumt ein, bei dieser Rolle „nervöser als bei jeder anderen“, gewesen zu sein. „Die Arbeit mit Penny Dyer war dabei von unschätzbarem Wert, sie hat ein außerordentliches Verständnis für Stimme. Schließlich fand ich eine Vorstellung, die mich enorm beruhigte:

        Ich sah mich als einen Porträtisten. Gute Porträtmaler steuern ihre Wahrnehmung bei. Sie geben die Person, die sie darstellen durch ihre Augen wieder. Ihre eigene Persönlichkeit und ihre persönlichen psychologischen Strukturen spielen also eine Rolle und lassen jedes Porträt verschieden aussehen. Ich sah mir also alle Porträts an, die ich finden konnte. Leider gibt es kein Buch mit Porträtbildern von Elizabeth II. Aber es sollte eines geben.“

        Sie fährt fort: „Bestimmte Dinge wie Haare, Hände, Haltung, Stimme müssen natürlich stimmen. In meinem Trailer hingen Fotografien der Queen an der Wand und ich habe mir laufend Videos von ihr angesehen. Es war etwas peinlich, weil mich jedes Mal beim Anschauen das Gefühl überkam, ihr Unrecht zu tun, ihr zu nahe zu treten. Das ist schlimm, weil man ja als Schauspieler immer versucht, bis zur inneren Persönlichkeit seiner Figur durchzudringen. Ich erinnere mich an ein kurzes Filmschnippselchen, in dem Elizabeth ungefähr zwölf Jahre alt ist und aus einem Auto aussteigt, um jemandem die Hand zu schütteln. Das Ganze dauert vielleicht eine Minute, aber es hat mich sehr berührt. Je mehr ich mich mit ihr beschäftigt habe, desto außergewöhnlicher erschien sie mir als Person, als Persönlichkeit. Sie ist eine Kultfigur und dennoch wissen wir so wenig über sie. Sie ist nicht wie Tony Blair, der gerade heraus agiert. Sie ist zurückgezogen, aber keines falls auf neurotische oder verwirrte Art, sondern eher beständig, voller Selbstvertrauen. Sie beweist unglaubliche Selbstdisziplin und nur manchmal lugt sie aus dieser Nische hervor und genau auf diese Persönlichkeit arbeitete ich hin.

        Auch die Aussicht auf eine Zusammenarbeit mit Stephen Frears reizte Helen Mirren an dem Projekt THE QUEEN. „Stephen ist fast wie ein Dirigent, er inszeniert wie ein Dirigent“, erklärt Mirren. „Es kommt einem vor, als höre er die Partitur des Films in seinem Kopf und dirigiert nur deren Aufnahme, beziehungsweise Aufführung.“

        Michael Sheen spielt in THE QUEEN erneut die Rolle, die er schon in „The Deal“ erfolgreich verkörpert hatte. Seine Darstellung des jungen, ehrgeizigen Labour-Führers in spe begeisterte damals die Kritiker. Aber obwohl der begabte Schauspieler Sheen dieselbe Person verkörpert, hatten die vier Jahre, die zwischen seinem Triumph und dem Tod Dianas lagen, erhebliche Auswirkungen auf die Figur des Tony Blair. Er hatte inzwischen nicht nur die innerparteiliche Auseinandersetzung gewonnen sondern auch einen grandiosen Sieg in den landesweiten Wahlen verbucht.

        Für Sheen war es reizvoll, eine reale Person darzustellen. „Absurderweise kehrt sich der Prozess des Schauspielens dabei um“, erzählt Sheen. „Bei einer fiktionalen Figur spielt man von innen nach außen, Stimme und Gestik ergeben sich dann daraus. Bei einer realen Person fängt man von außen an und arbeitet sich nach innen vor. Ich habe mir sehr viel Videomaterial angesehen, viel über Blair gelesen und mit Anderen über ihn gesprochen. Ich wollte ihn eben nicht nur kopieren, sondern auch auf jene kleinen Dinge achten, die eine Vorstellung davon vermitteln, was in seinem Kopf vorgeht.

        Nachahmung zielt letztlich auf Karikatur ab und irgendwo gibt es immer eine Pointe, die darauf wartet, geliefert zu werden. Wir haben dagegen versucht, ein emotionales Drama zu drehen. Der Erzählfaden durfte nicht unterbrochen werden und das geht nicht mit einer schlichten Nachahmung. Man bereitet sich aufwändig vor und versucht beim Dreh dann einfach loszulassen.“

        Nach MARY REILLY und „The Deal“ ist THE QUEEN Sheens dritte Zusammenarbeit mit Stephen Frears: „Stephen treibt einen immer weiter, bringt einen dazu, neue Grenzen auszuloten und Sachen aus einem selbst zutage zu fördern, von denen man gar nicht wusste, dass sie in einem stecken. Es ist eine extrem befriedigende und lohnenswerte Erfahrung – aber keine bequeme. Seine Figuren sind immer sehr komplex und um diese Komplexität zu schaffen, bringt er einen dazu, tiefer und tiefer im eigenen Selbst zu wühlen. Man weiß genau, dass man von Stephen manipuliert wird, aber man fühlt sich gut, weil man ihm vertraut. Er gibt laufend kleine Bemerkungen von sich. Einmal hatte ich eine Szene mit Helen Mirren und er hat mir vorher erzählt: „Die ist doch angsteinflößend, findest du nicht?“ Er wollte damit den Kontext kreieren, der für meine Figur der Richtige war. Er sagte das mit einem Augenzwinkern, aber es hat gewirkt!“

        Für Sheen hat der Film aber auch eine fröhlichere Seite. „Es steckt viel Humor darin. Peter Morgans Drehbuch balanciert geschickt auf dem Drahtseil – zwischen Frechheit und Kühnheit. Mir hat sehr gefallen, dass er häusliche Szenen, die Blairs, wie sie daheim vor dem Fernseher Nudeln essen, und Berufliches vermischt. Hoffentlich schockiert es das Publikum ein wenig und macht den Film glaubhaft, diese berühmten Menschen solch alltägliche Dinge tun zu sehen. Peter und Stephen haben solche Details schon bei „The Deal“ hinbekommen und sie haben es auch hier geschafft.“

        Für Sheen ist „THE QUEEN nur auf den ersten Blick ein Film über die Royals und wie Blair sie nach dem Tod von Diana beraten hat. Tatsächlich ist es ein Film über Werte. Er beleuchtet einen Punkt in der britischen Geschichte, an dem Pflicht und Tradition, wie sie das Königshaus repräsentiert, mit Ungezwungenheit und Flexibilität kollidieren. Der Film zeigt außerdem das große Geschick, das Blair und New Labour darin hatten, die Stimmung in der Bevölkerung zu erkennen.“

        Weitere Schlüsselrollen des Ensembles besetzen Helen McCrory als Cherie Blair, Schauspielveteranin Sylvia Syms als Queen Mum, Bühnenstar Alex Jennings als Prinz Charles, Roger Allam als Charles’ Privatsekretär Sir Robin Janvrin und Tim McMulllan in der Rolle von Blairs Pressechef Alastair Campbell.

        Die einzige Überraschung in der Besetzung war vielleicht James Cromwell, den Stephen Frears für die Rolle des Prinz Phillip haben wollte. Cromwell, der dem Publikum wohl am besten bekannt ist durch die internationalen Hits EIN SCHWEINCHEN NAMENS BABE und L.A. CONFIDENTIAL, hatte mit Frears für den amerikanischen Fernsehfilm „Fail Safe“ zusammengearbeitet.

        „Ich glaube, Stephen brauchte einfach einen Außenseiter“, witzelt Cromwell, „jemanden, auf den sich die britische Presse einschießen konnte: Ein Amerikaner als Prinz Phillip. Das geht ja wohl gar nicht!. Erst zögerte Stephen, war sich nicht sicher, ob ich das bewerkstelligen könnte. Überzeugt hat ihn dann die Tatsache, dass ich Prinz Phillip und die Queen persönlich getroffen hatte. Bei einem Event in Whitehall, das Phillip für den World Wildlife Fund gesponsert hatte, durfte ich vor den Beiden auftreten. Dadurch hatte ich eine Vorstellung davon wie er spricht und sich bewegt. Aber dennoch orientierte ich mich zumeist am Drehbuch.“ James Cromwell interessierte an seiner Figur am meisten „die Menschlichkeit hinter der Rolle herauszuarbeiten. Das heißt aber auch, dass man bestimmte Annahmen auf Basis seiner selbst und eigener Entscheidungen machen muss. Aber vielleicht hätte die gespielte Person ja ganz andere Entscheidungen getroffen.“

        Er sieht Prinz Phillip als „sehr ehrerbietig und sich seiner Stellung genau bewussten Menschen. Er äußert das, was er äußern kann und von dem er meint, dass es nötig ist und weiß aber auch, wann er sich zurücknehmen muss. Dennoch bleiben Fragen unbeantwortet: Wer trägt die Verantwortung für diese dysfuntktionale Familie? Hat sie ihrem Mann die Verantwortung als Mutter übertragen, um jene als Monarchin erfüllen zu können? War Phillip unfähig, Charles so zu lieben und anzunehmen, dass er sich heute anders verhalten würde?“ Dennoch will Cromwell kein Urteil abgeben: „Ich kann kein Urteil fällen, weil ich mich als Schauspieler damit von der Figur entferne und sie nicht mehr spielen kann.“

        Für Helen McCrory war ihre Rolle die Möglichkeit, Cherie Blair endlich einmal ins rechte Licht zu rücken. Denn obwohl in der Presse viel über sie geschrieben wird, ist das meiste davon sehr kritisch und zeichnet ein eindimensionales Bild der Premiersgattin. Außerdem gibt es wenig Tonmaterial von Cherie Blair oder Aufnahmen von Gesprächen mit ihr.

        „Mir war sie immer sympathisch“, erklärt Helen McCrory, „die Presse hat sie immer schlecht behandelt und jedes unvorteilhafte Bild von ihr gedruckt. Hinter Cherie Blair steckt mehr als jene Karikatur, die wir in den Medien von ihr zu sehen bekommen. Sie ist intelligent, instinktsicher, natürlich und sehr witzig. Ihre Körpersprache zeigte mir, dass sie ein sehr einnehmendes Wesen hat, gerne lacht und offen auf Fremde zugeht. Es ist eher sie als Tony, die auf andere Menschen zuerst zugeht.“

        Nachdem die Besetzung feststand, begannen die Dreharbeiten zu THE QUEEN am 13. September in Schottland, bevor die Produktion an Drehorte in London und im Südosten Englands umzog. Unterstützt wurde das Projekt von Pathé, die mit Frears erneut nach LADY HENDERSON PRÄSENTIERT zusammenarbeiteten. Als ausführender Produzent stieg auch der renommierte amerikanische Produzent Scott Rudin in das Projekt ein.

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