FILMDETAILS | Mimzy ‑ Meine Freundin aus der Zukunft
Mimzy ‑ Meine Freundin aus der Zukunft
Abenteuer,
Familie,
Drama
| USA 2007
WERBUNG
| Über die Produktion
Die Ursprünge von „Mimzy“ gehen auf das Jahr 1943 zurück. Damals veröffentlichte der renommierte Science-Fiction-Autor Lewis Padgett (ein Pseudonym des SF-Autorenpaars Henry Kuttner und C.L. Moore) die Kurzgeschichte „Mimsy Were the Borogoves“ in einer Sammlung namens „Astounding“. Die einfache Geschichte über zwei Kinder, die eine seltsame Schachtel mit Spielzeug entdecken, inspirierte später „Mimzy“.
In den 1990er-Jahren fiel Padgetts Originalstory dem Oscar-preisgekrönten Produzenten Michael Phillips („The Sting“/Der Clou; „Close Encounters of the Third Kind“/Unheimliche Begegnung der dritten Art) in die Hände, als er nach Filmideen suchte und dabei Anthologien mit berühmten Science-Fiction-Kurzgeschichten durchsah.
„Ich hatte schon immer das Gefühl, dass man in diesen Sammlungen unentdeckte Schätze aufspüren kann. Wir haben etwa tausend Storys gelesen, aber ,Mims3y Were the Borogoves‘ hatte es uns sofort angetan“, sagt Phillips. „Als Filmemacher ziehe ich Unterhaltungsstoffe vor, die mit unserer Realität nichts zu tun haben: Ich erkunde gern unbekannte Welten, und diese Story enthielt den Kern zu einer solchen Idee – die Idee zweier Kinder, die eine Spielzeugschachtel aus der Zukunft finden: ein vielversprechender Anfang.“
Phillips sah in der Story das Potenzial für einen Film, der an die großen SF-Filme aus den 1970er- und 1980er-Jahren erinnert: „Man kann den Film als Hommage an Filme wie ,E.T.‘ und ,Unheimliche Begegnung‘ sehen, denn es geht um das Staunen, um das Wunder des Universums, um die unglaublichen Dinge, die man in ihm entdecken kann. Es geht um die Frage, wer wir als Spezies eigentlich sind, welche Richtung wir einschlagen und wie wir unser Schicksal selbst in die Hand nehmen können, indem wir auf den richtigen Weg zurückkehren – wir besitzen Gaben und Potenziale, von denen wir nicht mal träumen. Der Film präsentiert uns als Spezies eine wunderbare Zukunft.“
Phillips weiter: „Ich erwarb also die Rechte und schlug New-Line-Chef Bob Shaye das Projekt vor. Seine Reaktion: ,Ich kenne die Story. Ich habe sie schon als Kind gemocht.‘ Wir wurden uns sofort einig.“
Wie sich herausstellte, war Shaye von dem Zufall, dass ihm eine seiner Lieblingsgeschichten aus der Kinderzeit plötzlich als Filmprojekt angeboten wurde, derart begeistert, dass er den Film mit New Line nicht nur produzieren, sondern auch selbst Regie führen wollte.
„Als ich klein war, gehörte die Story zu meinen Science-Fiction-Favoriten“, erklärt Shaye. „Als Michael wieder ging, überlegte ich: ,Die Geschichte würde ich gern selbst inszenieren. Das musste einfach Spaß machen, weil ich schon seit so vielen Jahren von der Geschichte begeistert war. So hat es angefangen.“
Was Shaye faszinierte: Die Story ist heute aktueller denn je. Die Menschen verlieren ihre Unschuld umgekehrt proportional zum wachsenden Einfluss der Technik auf unser Leben. „Es gibt wissenschaftliche Belege dafür, dass dem Menschen im Zuge seiner wachsenden Abhängigkeit von der Technologie irgendwann das Gen oder eine Genkombination abhanden kommt, die für seine Emotionen zuständig sind“, sagt Shaye. „Wenn wir bestimmte Gene nicht mehr verwenden, werden sie abgeschaltet.
Es lässt sich also leicht ausmalen, dass wir die für Arglosigkeit und Unschuld zuständigen Gene im Laufe etlicher Generationen verlieren, wenn wir sie nicht mehr benötigen. Wir könnten einfach vergessen, was Unschuld bedeutet.“
Phillips war sehr überrascht, als er hörte, dass Shaye den Film selbst inszenieren wollte – er kannte Shaye bisher nur als Manager. „Ehrlich gesagt: Ich wusste nicht, was ich davon halten sollte, denn ich kannte Bob nicht als Regisseur, sondern nur als Produzent“, sagt Phillips. „Erst als wir in die eigentliche Vorbereitungsphase einstiegen, bekam ich mit, wie unglaublich zielgerichtet er arbeitet – er lebt und atmet Film. Und er hat Unglaubliches geleistet. Denn der Film erwies sich als härterer Brocken, als wir alle voraussehen konnten.
Es wird kompliziert, wenn in praktisch jeder Szene zwei kleine Kinder im Mittelpunkt stehen. Hinzu kommen 340 Einstellungen mit visuellen Effekten, und in über der Hälfte davon müssen die Schauspieler mit Effekten interagieren, die erst später hinzugefügt werden. Doch Bob hat die Aufgabe absolut souverän gemeistert.“
Um die zahlreichen komplizierten Effekte-Sequenzen des Films zu bewältigen, delegierten die Filmemacher jeweils bestimmte Sequenzen an drei Firmen, die sich auf visuelle Effekte spezialisiert haben. Effekte-Spezi The Orphanage („A Night at the Museum“/Nachts im Museum; „Pirates of the Caribbean: Dead Man’s Chest“/Fluch der Karibik 2; „Harry Potter and the Goblet of Fire“/Harry Potter und der Feuerkelch) übernahm die meisten Effekte, während Rising Sun Pictures („Superman Returns“; „Batman Begins“; „The Lord of the Rings: Return of the King“/Der Herr der Ringe – Die Rückkehr des Königs) Effekte für die Spinnensequenz entwickelte und Gentle Giant Studios („X-Men: The Last Stand“/X-Men: Der letzte Widerstand; „The Da Vinci Code“; „The Chronicles of Narnia“/Die Chroniken von Narnia) sich mit der schwierigen Brückensequenz befasste.
Als Shaye die Regie übernommen hatte, begannen er und Phillips mit der Entwicklung. Phillips brachte sein Know-how als Produzent ein, Shaye seine jahrzehntelange Erfahrung mit der Entwicklung von Projekten. So ergänzten sie sich kongenial bei der Aufgabe, eine Kurzgeschichte in einen großen Kinofilm zu übersetzen.
„Wie die meisten Kurzgeschichten reichte auch diese nicht für die Handlung eines abendfüllenden Spielfilms“, sagt Shaye. „Wir mussten die Story also erweitern. Wir wollen Erwachsene und Kinder gleichermaßen ansprechen, weil es um ein so wichtiges Thema geht. Wir sicherten uns also die Option für den Stoff und engagierten einen sehr guten Autoren namens James Hart, der uns eine erste Drehbuchfassung schrieb.“
Der Auftrag dazu wurde 1993 erteilt – dies war der Anfang der Entwicklung, an deren Ende „Mimzy“ steht.
„Ich produziere seit 35 Jahren Filme, aber so etwas habe ich in all den Jahren nicht erlebt“, sagt Phillips. „Zwölf Jahre lang befand sich der Film ununterbrochen in der Entwicklung. Fünf Autoren lieferten insgesamt 19 Überarbeitungen. Mit Jim Hart fingen wir an, dann kam Toby Emmerich (der inzwischen Produktionschef bei New Line ist, damals aber die Musikabteilung leitete und den Science-Fiction-Film ,Frequency‘ schrieb), schließlich Bruce Joel Rubin. Jim hat uns ein Gerüst gegeben, Toby hat ihm Leben eingehaucht und den Pulsschlag vorgegeben, Bruce hat ihm Flügel verliehen. Das war eine unglaubliche Achterbahnfahrt.“
Als Rubin das Angebot bekam, das Drehbuch zu schreiben, erkannte er die Story sofort wieder, auch wenn er sich nicht an den Titel erinnerte. „Als Zehnjähriger habe ich eine bestimmte TV-Serie gesehen – wahrscheinlich war es ,Science Fiction Theater‘ – und darin gab es eine Episode mit zwei Kindern, die Spielzeug aus einer anderen Welt entdecken“, erinnert sich Rubin. „Ich hatte noch nie eine so aufregende Geschichte gesehen. Mein kleiner Bruder Gary und ich klebten förmlich am Bildschirm, um nicht zu versäumen, was sie mit den Spielsachen anstellten. Und dann war es vorbei.
Ich sagte zu meinem Bruder: ,Das muss wohl Teil eins gewesen sein. Der zweite Teil kommt nächste Woche.‘ Also warteten wir am folgenden Samstagmorgen vor dem Fernseher. Nichts. Wir waren völlig verwirrt. Jahre vergingen, und oft fragte ich mich, was aus den Kids und ihren Spielsachen wohl geworden war und wie ich den zweiten Teil bloß versäumen konnte. Eines Tages rief mich Bob Shaye an und erzählte mir von einer Story namens ,Mimsy Were the Borogoves‘, und da merkte ich: ,Mein Gott, das ist doch genau dieselbe Geschichte! Jetzt finde ich endlich heraus, wie sie zu Ende geht.‘ Aber sie hat kein Ende. Mit den Spielsachen passiert gar nichts.“
Das offene Ende der Story fand Rubin derart frustrierend, dass er den Auftrag für die Drehbuchbearbeitung zunächst ablehnte.
Doch nach etlichen Fassungen fand das Skript wieder den Weg auf Rubins Schreibtisch: „Bob schickte mir Toby Emmerichs Fassung, die mir sehr gut gefiel. Aber das Problem des Endes war weiterhin ungelöst und ich überlegte: ,Was kann ich da beitragen, damit das funktioniert?‘ Ich bin jahrelang durch Asien gereist, und in Tibet gibt es eine sehr interessante Tradition: Wenn dort ein religiöser Guru stirbt, sucht man mithilfe verschiedener Methoden nach seiner Reinkarnation. Eine dieser Methoden besteht darin, dass man die Spielsachen, mit denen der Guru als Kind gespielt hat, möglichen Kandidaten vorlegt. Man mischt das Spielzeug mit anderen, und als Beweis für die echte Wiedergeburt galt dann, wenn das Kind die richtigen alten Spielsachen aussucht. Dieses Motiv hielt ich für einen möglichen Schlüssel zu unserem Film. Ich wusste noch nicht genau, wie das ablaufen sollte, aber darin lag das entscheidende Motiv. Die Spielsachen stammen aus der Zukunft, und trotzdem wissen die Kinder, was sie damit anfangen sollen.“
Über sein Konzept sagt Rubin abschließend: „Mir schwebte dabei vor, einen Film über die Erkundung und Entdeckung der Reinheit des menschlichen Geistes zu machen – die Menschen können sich das anschauen, es berühren und beobachten, wie es sich durch Raum und Zeit bewegt. Es lohnt sich, das festzuhalten. Ich merkte, dass sich der Film wunderbar als Vehikel für einen metaphysischen, spirituellen, fabelartigen Mythos eignet. All die Möglichkeiten waren vorgegeben. Die Geschichte ist ebenso simpel wie tiefschürfend. Ich will nur Filme schreiben, die sich in unserer Kultur eine gewisse Berechtigung verdienen – die meisten Storys, die man uns auf der Leinwand anbietet, lenken uns zwar zwei Stunden ab, füllen aber die entstehende Leere nicht aus. Solche Geschichten will ich jedenfalls nicht erzählen. Ich wünsche mir einen Film, den man nicht sofort wieder vergisst, der uns in sich aufnimmt und uns ein bisschen verändert. Und ,Mimzy‘ ist so eine Geschichte.“
Michael Phillips beschreibt die Produktion, die vor über zehn Jahren damit begann, dass er klassische Science-Fiction-Literatur durchstöberte: „Für mich war das eine Liebesarbeit. Es könnte ein Film werden, der Bestand hat. Messen kann ich das an seiner Originalität – als Produzent achte ich darauf zuerst. Ich bin der Überzeugung: Wenn ich eine originelle, fantasievolle Idee nehme und sie gut präsentiere, dann reagiert das Publikum auch darauf.“