Zu den kompliziertesten Szenen gehört die Montage verschiedener Kriegsschauplätze, die die Hektik und Gefahr der Berufe von Duck und Simon auf den Punkt bringt. Man sieht die beiden, wie sie an solch blutig umkämpften Orten wie Somalia, Sierra Leone, Bagdad und Gaza Kugeln ausweichen und Berichte auf die Reise schicken. Jede einzelne Szene erzählte Shepard aus der Perspektive der Reporter – also aus dem Blickwinkel von Simon und Duck. Die Action tritt zurück hinter die Reaktion der Reporter, genau wie die Kriegsgeschichte den Hintergrund für die Entwicklung der Charaktere bildet.
Die Wiedererschaffung dieser Orte bedeutete für Roelfs, dass er die ganze Magie und Suggestivkraft seiner Zunft auspacken musste. „Man muss Ideen haben, was Sierra Leone, den Gazastreifen oder den Irak am besten repräsentiert“, sagt er. „Also dachten wir uns jeweils etwas aus, das diese Schauplätze sehr schnell definierte – das ist gar nicht so schwer. Ein Güterbahnhof in Kroatien war beispielsweise unser Somalia.“
In den technisch anspruchsvollsten Szenen des Films stand ihm ein Team von Spezialeffekt- Experten zur Seite, vor allem für einen bestimmten Kampf in einem bosnischen Dorf, der zwei Tage für Proben und Vorbereitungen in Anspruch nahm. „Da gibt es Explosionen, Kugeln schlagen ein, Gewehrfeuer und zahllose andere Dinge mussten genau getimed und koordiniert werden“, sagt Effekt-Koordinator Garth Inns. „In einer Szene steht Duck aus seinem Versteck hinter einer Wand auf und rennt die Straße hinab, während eine Rakete durch die Luft sirrt und einen Wagen zur Explosion bringt. Dies musste alles genau synchronisiert werden hin zu Ducks letzter Einstellung, einem Standbild. Ich hatte eine Unterhaltung mit Richard Gere über diese Szene. Er fragte mich, ob er das Ganze überleben würde, da er direkt in der Schusslinie stehen sollte. Das habe ich ihm versprochen, und er überlebte tatsächlich. Im Ernst: Wir hatten in dieser Szene keine Stuntdoubles. Die Schauspieler alles selbst gemacht.“
Richard Gere und Terrence Howard machten unter der Anleitung von Richard Shepard und dem erfahrenen Stunt-Koordinator Tom Delmar all ihre Stunts selbst. „Wir mussten Sicherheitsvorkehrungen für unsere Hauptdarsteller treffen, weil sie im ganzen Film nicht gedoubelt werden“, sagt Delmar. „Das war eine Herausforderung, aber uns ist alles gut gelungen. Richard Shepard konzentrierte sich sehr genau auf das, was er wollte. Er zeigte mir einige Storyboards und forderte mich auf, nach diesen meine Action zu entwerfen. Diese Arbeitsweise war mir neu, entpuppte sich aber als sehr interessant und angenehm.“
Realismus und Subtilität sorgten dafür, dass diese Action bei aller Effektivität nicht überdreht wirkt. „Dies sollte kein dämlicher Hollywood-Streifen mit abgedrehten Schlachtenszenen und computergenerierten Gimmicks sein“, sagt Shepard. „Wir wollten, dass es sogar für die Leute realistisch scheint, die selbst am Krieg teilgenommen haben. Am ersten Drehtag waren wir in der ‚sniper alley’ von Sarajevo, wo Menschen seinerzeit buchstäblich beim Wasserholen über den Haufen geschossen wurden. Eine der Assistentinnen musste das Set verlassen, weil es ihr so echt vorkam, wie ein Flashback, den sie nicht ertragen konnte. Dass es so realistisch schien, hielt ich für ein Kompliment an Jans und unserer aller Arbeit.“
Obwohl der Großteil des Drehs in Zagreb stattfand, wurde das örtliche Filmstudio praktisch gar nicht benutzt. Für eine Szene verwandelte man ein Hotel in der Stadtmitte in ein Apartment in Manhattan. „Das Publikum soll sich fühlen, als wäre es da, ob ‚da’ nun ein Apartment in New York oder Gaza, Somalia, Sierra Leone oder Bosnien ist“, sagt Roelfs. „Der Film hat eine große Bandbreite an Designs und alle wirken authentisch. Damit bin ich sehr zufrieden.“ Der Dreh mag, was die Zahl der Sets und all die logistischen Details angeht, epische Ausmaße angenommen haben – aber das passte gut zu Shepards epischen Ambitionen.
THE HUNTING PARTY vermengt die Genres: Er ist Drama, schwarze Komödie und Thriller zugleich, hat Action und traurige Momente, Licht und Schatten. „Ich glaube, die Leute lechzen nach einer anderen Sorte von Filmen, die nicht so vorhersehbar ablaufen“, sagt Shepard. „Hoffentlich kann niemand unser Ende erraten, man soll schon ein wenig in der Schwebe gehalten werden. Als Regisseur arbeitet man an unterschiedlichen Schauplätzen, die man manchmal erst nach Stunden erreicht und muss sich oft genug mit unfreundlichem Wetter herumschlagen. Gleichzeitig sollte man aber auch darauf achten, dass die Darstellungen konzentriert bleiben und der Humor nicht den ganzen Film erschlägt. Es ist ein ernsthaftes Thema, aber hoffentlich ein spaßiges Erlebnis.“