Mittwoch | 30. Mai 2012 | 22:21 Uhr
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    Abenteuer, Drama, Komödie | USA 2007
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      • | Kostümdesign

      • „Der dunkle, zynische Humor des Drehbuchs nahm mich gefangen. Als Designerin hatte ich besonderes Interesse, eine spezielle Montur für die drei Journalisten Simon, Duck und Benjamin zu entwerfen“, sagt Kostümdesignerin Beatrix Pasztor.

        Gemeinsam mit ihrer Assistentin Blanka Budak besuchte sie die Central Library in New York. „Wir informierten uns über den Balkankonflikt und sahen uns auch verschiedene Bilder an, die Kriegsberichterstatter zeigen“, sagt sie. „Für die Montagesequenz recherchierte ich dann noch Kriege in anderen Ländern wie Sierra Leone oder Somalia.“

        Um die Garderobe der Journalisten genauer eingrenzen zu können, sprachen sie mit Philippe Deprez und den anderen Reportern. „Mit den echten Kriegsreportern zu sprechen, war sehr nützlich, da wir so einen semi-dokumentarischen Stil erreichen konnten“, sagt sie. „Aber durch den schwarzen Humor der Geschichte gibt es eine Spannung in den Bildern – einen Kontrast zwischen dem dokumentarischen Realismus und den Figuren selbst, die ein wenig ihre eigene Hyperwirklichkeit geschaffen haben. Das zeigt sich im Film und vor allem in den drei wichtigsten Charakteren. Sie tragen ein Farbschema, das ihre Charakterzüge und ihre Individualität zur Geltung bringt.“

        Die Ausstattung der drei Hauptdarsteller erfolgte an einem einzigen, stressigen, vorschlagsreichen und innovativen Tag in New York, an dem Richard Shepard heftig mitmischte. „Wir sind jeden einzelnen Entwurf mehrfach durchgegangen“, sagt Pasztor. „Richard kümmerte sich um die historische Genauigkeit, aber auch um künstlerische Elemente. Er schlug Schemata vor, die sowohl die Atmosphäre des Films als auch den Typus der Hauptfiguren reflektieren sollten.“

        SIMON
        „Simons Ausstattung hielten wir bewusst schlicht. Anfangs hat er ein Lieblingshemd und eine Lieblingsjacke. Die Jacke hat eine ungewöhnliche Farbe, eine Art Türkisblau, die Richard Shepard vorschlug. Er trägt während des ganzen Films im Prinzip die gleiche Hose. Für Simon muss Kleidung funktional sein: ein Khakihemd, graue Hosen, aber eine außergewöhnliche Jacke. Er kleidet sich sehr schlicht, was wohl dem Dasein als Kriegsreporter sehr nahe kommt. Man ist ständig unterwegs von einem Ort zum anderen und zieht sich nicht oft um. Außerdem wollen sie möglichst mit ihrem Hintergrund verschmelzen – ihre Outfit ist für sie auch ein Tarnanzug.“

        DUCK
        „Für Richard Shepard war Duck eher ein Rock’n’Roller, aber Terrence kam zur Anprobe und suchte sich sehr interessante Stücke aus. Er entwarf eigentlich seinen eigenen Stil, hatte großartige Ideen und wollte unbedingt ein Bandana tragen. Am Anfang des Films sieht er sehr eigen und abenteuerlich aus, aber später wird Duck immer mehr zum Geschäftsmann. Wenn er nach fünf Jahren wieder in Sarajevo ankommt, geht er mit einem lächerlichen weißen Outfit auf die Reise. Shepard gefiel das, es war ein weiteres humoristisches Element.“

        BENJAMIN
        „Richard Shepard wollte nicht, dass Benjamin allzu sehr wie ein Nerd aussieht. Am Anfang trägt er eine dünne Krawatte und ein gestreiftes Hemd, wie ein College-Student. Später gibt er dieses Image auf, schlüpft in ein grünes Polohemd und blaue Cordhosen, so dass er nicht mehr so schnöselig daherkommt.“ Die Gangster tragen klassische Kostüme, die Pasztor als „Trainingsanzug-Look“ bezeichnet. Aber die Chefbösewichte, darunter auch der Fuchs, heben sich davon ab. „Der Fuchs war für mich eine Zusammensetzung all dieser Bösen, teils Radovan Karadzic, aber auch inspiriert von anderen Kriegsverbrechern“, sagt sie. „Zuerst dachten wir, er solle etwas von Robin Hood haben, sich also ärmlich kleiden, obwohl er viel Geld besitzt, aber dann entschieden wir, dass er sich gehoben kleiden würde, weil er ein Pfau ist, gerne angibt. Diese Version schaffte es in den Film.“

        „Für seinen Leutnant, den neunfingrigen Mann, schlug Shepard einen rothaarigen Schauspieler vor. Dieses Paar im Wald – der Fuchs und der Rothaarige – war visuell sehr interessant. Der Liliputaner war natürlich auch außergewöhnlich, es dauerte, für ihn die richtige Kleidung auszuwählen. Wir haben einiges ausprobiert und ihm schließlich ein lachsfarbenes Outfit verpasst. Richard Shepard hatte zum Glück eine Vorliebe für solche Besonderheiten.“

        Die Kreation eines jeweils eigenen Designs für die verschiedenen Szenen in der Kriegsmontage hing eng mit den Entwürfen für die verfeindeten Parteien zusammen, waren es nun Somalis, Iraker oder Palästinenser. „Diese Szenen spielen in verschiedenen Ländern, also wollte Richard Shepard jede einzelne mit einem spezifischen Look ausgestattet haben“, sagt Pasztor. „Auch wenn wir nicht alle echten Uniformen genau getroffen haben, sieht jeder Stil doch so aus, als sei er aus einem anderen Land als in der Szene zuvor. Für die somalischen Soldaten beispielsweise zeigten wir ihm verschiedene Fotos, und er entschied, dass Rot und Orange die dominierenden Farben sein sollten.

        In einem anderen Land trugen die Rebellen Regenmäntel und waren also alle in blau gekleidet. Die unterschiedlichen Kriegsparteien kann man anhand der Farben auseinander halten.“ Für Pasztor waren die Dreharbeiten in Kroatien und Sarajevo von großer Bedeutung für ihr Verständnis des Konflikts und damit auch für ihre Arbeit. „Die kleine Schwester unserer Assistentin wurde im Krieg verletzt, ihr Vater sogar getötet“, sagt sie. „Sie musste die ganze Erfahrung noch einmal durchleben, wusste aber auch, dass es wichtig war, diesen Film zu machen. Die Dreharbeiten in Sarajevo halfen uns zu verstehen, wie dieser Krieg wirklich war.“

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