Manchmal ist die Wirklichkeit seltsamer als alle Fiktion. Mark Johnson, einer der Produzenten von Intermedia, stellte dies fest, als er Ende 2000 seinen Freund Scott Anderson traf. Anderson, ein bekannter Journalist, war gerade aus Bosnien zurückgekehrt und schrieb seine Erfahrungen für die Zeitschrift Esquire auf. „What I Did on My Summer Vacation“ wurde zu einer klassischen, wenn auch etwas bizarren Kriegsreportage: eine abenteuerliche Reiseerzählung, die schwarze Komödie, Warnung und politischer Kommentar in einem ist.
Anderson erzählt darin von sich und vier anderen Journalisten, die im Sommer 2000 nach Bosnien fahren. Alle fünf hatten bereits während des Krieges als Berichterstatter gearbeitet. Fünf Jahre nach Eintreten des Waffenstillstandes kehren sie nach Sarajevo zurück. In einer feucht-fröhlichen Nacht, in der alte Geschichten wieder ans Tageslicht gezerrt werden, kommt ihnen eine außergewöhnliche und etwas absurde Idee. Warum sollten sie sich nicht auf die Suche nach dem Kriegsverbrecher Radovan Karadzic machen? Mit der Hilfe eines serbischen Polizisten, der die Journalisten für CIA-Agenten hält, heften die fünf sich an die Fersen des meistgesuchten Mannes Europas. Dann taucht die echte CIA auf.
Nachdem er den Esquire-Artikel gelesen und dessen filmisches Potenzial erkannt hatte, traf Johnson sich in Los Angeles mit Anderson und zwei der anderen Journalisten, John Falk und Sebastian Junger (außerdem waren noch Philippe Deprez und Harald Doornbos in Sarajevo dabei). „Sie gaben mir ein Exposé, das auf ihren Erlebnissen in Bosnien basierte“, sagt Johnson. „Scott hatte den Artikel geschrieben und sie wollten daraus ein Drehbuch machen. Mir gefiel die Geschichte sofort. Sie hatte viel Humor und Elemente von THE THIRD MAN („Der dritte Mann“, 1949). Nachdem wir also das Nötige bei Intermedia geklärt hatten, machten die Drei sich an ein Script.“
Das Projekt lag noch eine Weile auf Eis. Dann beschäftigte sich Scott Kroopf damit, der gerade erst zu Intermedia gestoßen war. „Mein Ziel war es, für die Firma interessantere, am unabhängigen Kino orientierte Stoffe zu produzieren“, sagt Kroopf. „Ich fand den Artikel großartig, jetzt ging es darum, mit dem richtigen Filmemacher den richtigen Ton für die Umsetzung zu treffen.“
Alex Litvak, ein Mitarbeiter von Intermedia, schlug Richard Shepard vor. Der New Yorker hatte gerade den Dreh von THE MATADOR („Mord und Margaritas“, 2005) beendet, einer schwarzen Komödie mit Pierce Brosnan, der einen in die Jahre gekommenen Auftragskiller spielt. „Das war ein sehr erfolgreicher Film, eine clevere Kombination aus Drama, Komödie und Charakterstudie“, sagt Kroopf. „Richard ist nicht nur ein großartiger Autor, er legte auch eine hervorragende Regieleistung an den Tag und holte eine unglaubliche Performance aus Pierce Brosnan heraus.“
Nach dem Erfolg von THE MATADOR befasste sich Richard Shepard bereits mit neuen Ideen. „Mich interessierte außerordentlich, einen Film zu machen, der in einer Stadt angesiedelt ist, die einen Krieg überstehen musste“, sagt er. „Ich suchte nach etwas im Stile von THE THIRD MAN, einem meiner Lieblingsfilme. Er spielt in Wien, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Über dieses Konzept habe ich mehrere Gespräche geführt.“
Dennoch zögerte er zunächst, als Johnson und Kroopf auf ihn zukamen. „Anfangs war ich regelrecht verängstigt, weil ich über das Thema im Besonderen oder über Bosnien im Allgemeinen nichts wusste, aber sie drängten mich, den Artikel zu lesen“, sagt Shepard. „Er war so fesselnd und intelligent, dass ich doch Interesse bekam. Dann sagte ich den Leuten von Intermedia: ‚Warum schickt ihr mich nicht einfach nach Sarajevo, damit ich mir selbst ein Bild machen kann?’“