Ende 2005 trat Shepard in die Fußstapfen von Anderson und seinen Kollegen. Er flog nach Sarajevo, bezog ein Zimmer im Holiday Inn (während des Krieges der Aufenthaltsort der Journalisten) und reiste nach Norden in das Dorf Celebici nahe der Grenze zu Montenegro.
Dort sympathisierte man mit Radovan Karadzic, und angeblich fand der Kriegsverbrecher dort 2000 Unterschlupf. „Eigentlich ging ich auch auf die Jagd nach Karadzic“, erzählt Shepard. „Als ich vor Ort war und ähnliche Erfahrungen wie die Journalisten machte, sah ich den Film plötzlich vor mir.“
Shepard arbeitete sich schnell in die Materie ein. Er sprach mit Blauhelmen, Kriegsreportern und Überlebenden des Balkankonfliktes. Dann begann er damit, auf der Grundlage von Scott Andersons Artikel sein Drehbuch zu verfassen. Es sollte keine Geschichtsstunde werden oder eine politische Abhandlung, sondern sich um drei Menschen auf der Suche nach sich selbst drehen – ein Road Movie vor der Kulisse eines Landes, das sich immer noch von den Nachwirkungen eines blutigen Krieges erholt.
„Was in Bosnien geschah, war furchtbar und man kann über diese Tragödie nicht einfach hinweggehen. Aber ich nahm mir dennoch einige Freiheiten beim Schreiben des Films“, sagt er. „Ich habe komplett neue Figuren entworfen und ein paar Details erfunden, um die Geschichte so zu erzählen, wie ich wollte, aber die Erlebnisse dieser Jungs stecken alle im Film drin. Die Figuren habe ich in erster Linie deshalb verändert, weil die fünf echten Journalisten alle aus der gleichen Altersgruppe und sehr ähnliche Persönlichkeiten sind. Ich wollte drei verschiedene Altersgruppen – eine ältere, eine mittlere und eine junge Person, die im Film alle auf ihre eigene, persönliche Reise gehen.“
In THE HUNTING PARTY besorgt die Nachkriegssituation den Hintergrund und den dramatischen Kontext einer charakterorientierten Geschichte, vergleichbar mit dem im Irak angesiedelten Buddy Movie THREE KINGS („Three Kings“, 1999). „Ein gutes Skript dreht sich für mich immer um die Figuren“, sagt Mark Johnson. „Es gibt drei außergewöhnlich starke Charaktere im Film, jeder einzelne auf seiner ganz besonderen Suche. Vor Jahren habe ich an GOOD MORNING, VIETNAM („Good Morning, Vietnam“, 1987) mit Robin Williams gearbeitet, dem ersten Film, der sich auf eine lustige Art und Weise mit Vietnam befasste. Das war ein sehr komischer Film, den nicht einmal die Kriegsveteranen für respektlos hielten. Hier haben wir etwas Ähnliches vollbracht. THE HUNTING PARTY ist eine hinterlistige Komödie, die aber auch sehr berührende, herzzerreißende Momente hat.“