Richard Gere, einer der größten Hollywood-Stars, hatte mit dem epischen, fesselnden DAYS OF HEAVEN („In der Glut des Südens“, 1978) von Terrence Malick seinen Durchbruch. In den folgenden dreißig Jahren war er in einigen der faszinierendsten Hollywood-Filmen zu sehen, darunter AMERICAN GIGOLO („Ein Mann für gewisse Stunden“, 1980), AN OFFICER AND A GENTLEMAN („Ein Offizier und Gentleman“, 1982), PRETTY WOMAN („Pretty Woman“, 1990) und das Oscar-gekrönte Musical CHICAGO („Chicago“, 2002). Er spielte auch düstere und gefährliche Rollen, etwa in INTERNAL AFFAIRS („Internal Affairs – Trau’ ihm, er ist ein Cop“, 1990) oder UNFAITHFUL („Untreu“, 2002) und trat in ambitionierten Filmen wie RED CORNER („Red Corner“, 1997) auf.
Seine Schlagkraft an der Kinokasse wird höchstens noch von seiner Leidenschaft für außergewöhnliche Projekte übertroffen, und durch THE HUNTING PARTY war sein Interesse wieder einmal geweckt.
Der Schauspieler und Menschenfreund hatte in den Jahren zuvor schon Zeit im Kosovo und anderen Brennpunkten der Erde wie Nicaragua, El Salvador, Kaschmir und Tibet verbracht. „Beim Lesen des Drehbuchs zu THE HUNTING PARTY war ich regelrecht begeistert“, sagt er. „Es war wunderbar beobachtet und geschrieben und spielt in einer Welt, die ich recht gut kenne, obwohl ich zuvor noch nie in Bosnien gewesen war. Während der Krise in den späten 90er Jahren war ich im Kosovo. Außerdem war ich in Albanien und Mazedonien, also kannte ich das Drama, das sich in Jugoslawien abgespielt hatte, aus erster Hand, und ich wollte diese Gegend näher erkunden, speziell das Schicksal der Bosnier. Richards Drehbuch ist auch noch sehr spannend und manchmal sehr lustig – und ich denke, dass man auf diese Weise eine noch größere emotionale Tiefe transportieren kann, weil es die Sache manchmal noch menschlicher macht.“
Für Richard Shepard konnte Gere die ideale Kombination aus tollkühner Abenteuerlust und Ausgebranntheit in seine Rolle des Simon Hunt einbringen. Der ist süchtig nach dem Adrenalinkick, den ihm sein Beruf verschaffen kann. „Es hat etwas Packendes, Richard Gere beim Spielen eines Charakters zuzusehen, wie er ihn bisher noch nicht gespielt hat“, sagt Shepard. „Simon Hunt ist ein wenig kantig und düster – eine Person mit Humor und Wärme zwar, aber nicht unkompliziert.“
Simon Hunt ist aber auch ein Mann am Rande des Abgrunds, was seinem Darsteller sehr gefiel. „Simon ist ausgebrannt“, sagt Gere. „Er ist ein sehr sensibler Mensch, der in den 80ern und 90ern auf der Höhe seiner Karriere war und aus dem Irak, El Salvador, Honduras und Nicaragua berichtet hat. Wo auch immer auf der Welt gerade etwas passierte, er war da. Er war einer der Menschen, die von überall her live im Fernsehen berichtet haben. Er war von Beginn an dabei und stand sehr lange völlig unter Strom. So war er, und so lebte er. Sein Job passte zu seiner Energie und ohne den Beruf war der Burnout nur eine Frage der Zeit. Jetzt bekommt er sein Leben nicht mehr auf die Reihe. Im Film sieht man, wie er zu einer Zeit zurückzukehren versucht, in der alles noch in Ordnung war und die Dinge ihren gewohnten Gang nahmen. In mancher Hinsicht ist das seine letzte Chance.“
Um für die Figur des Simon zu recherchieren, traf Gere sich mit Scott Anderson und einigen anderen Journalisten. Er befragte sie nach ihren Erfahrungen, um so einen Zugang zu seiner Rolle zu bekommen. Das Drehbuch blieb zu dieser Zeit aber stets seine Bibel und Regisseur Richard Shepard sein engster Mitarbeiter. „Das Skript war hervorragend, aber auch so außergewöhnlich, dass der Regisseur eine eigene Idee hinzufügen muss“, sagt Gere. „In diesem Fall waren Regisseur und Autor ja identisch, Richard wusste also genau, was er wollte. Offensichtlich brauchte er eine ernsthafte Grundlage für seinen Film, war aber auch auf Humor aus und auf die Imaginationskraft des Kinos. Das Projekt hatte etwas von der Stimmung von THE THIRD MAN, würde also künstlerisch wertvoll und unterhaltsam zugleich werden. Ich sagte zu, und als auch noch Terrence an Bord kam, war ich endgültig sicher, dass es klappen würde. Denn ohne die Chemie zwischen Terrence und mir würde nichts im Film funktionieren.“
Die Kriegsberichterstattung kann einen Mann verändern, und wenn Gere Hunt verstehen wollte, musste er zumindest versuchen, seine Einstellung nachzuvollziehen: den Galgenhumor, den Kriegsreporter oder Menschen in vergleichbar extremen Berufen, in denen es um Leben und Tod geht, oft an den Tag legen. „Cops haben diese Philosophie, und Simon Hunt auch“, sagt er. „Ich habe Zeit in El Salvador, Nicaragua, Tibet, im Kosovo und in Kaschmir verbracht und war in einigen Situationen, die der Geschichte von THE HUNTING PARTY nahe kommen. Man kann dann nur überleben, wenn man die Ironie und den Humor darin erkennt. Ansonsten fällt man in ein unglaublich tiefes, auswegloses Loch und verliert seine Menschlichkeit.“
Trotz solcher Schutzmechanismen bricht Simon Hunt schließlich zusammen. Ein letztes Horrorbild, ein letzter Stoß und einer der angesehensten Kriegsreporter verliert vor der ganzen Nation die Fassung. Danach wird er zu einem labilen Individuum, einem emotionalen Pulverfass. „Er ist interessant zu spielen, weil eigentlich alles an der Oberfläche liegt“, sagt Gere. „Er ist respektlos und außer Kontrolle, und für ihn gelten nur noch wenige Regeln. Tiefer als er kann man nicht mehr fallen, aber es muss noch einen Funken der Hoffnung in ihm geben, eine Chance, obwohl er sich völlig abgedreht verhält. Diese Balance zu halten, ist für einen Schauspieler sehr spannend.“
Bei diesem Drahtseilakt vertraute Gere von Zeit zu Zeit auf die ruhige Hand von Richard Shepard. „Er weiß sehr präzise, was er will, ist aber auch immer offen für neue Möglichkeiten und Einfälle“, sagt Richard Gere. „Wir arbeiteten unter einem ziemlichen Zeitdruck, also musste er klare Vorstellungen haben. Richard hat den Film mit einem bestimmten Rhythmus entworfen. Manche Szenen sind etwas langsamer angelegt, damit man wieder beschleunigen kann. Und wenn wir das getan haben, braucht man Zeit zum Atem holen und zur Vorbereitung auf den nächsten Temposchub. THE HUNTING PARTY ist ebenso wie THE MATADOR musikalisch konzipiert, es sind Filme, die zeigen, wie jemand sein Material mit großem Selbstbewusstsein formt.“
Gere verstand sich auch auf Anhieb mit seinen Co-Stars Terrence Howard und Jesse Eisenberg. „Wir begannen mit den Szenen, in denen die Figuren nicht gut miteinander ich fand ih sehr angenehm. Aus seinem Spiel heraus entwickelten wir eine Art männliches Vertrauen. Wir müssen uns nicht die ganze Zeit ansehen. Das geschieht, wenn sich Menschen sehr gut kennen, sie lassen die Dinge auf diese Weise los. Familien tun das, man sieht einander nicht sehr häufig an und das Leben läuft weiter. Was Jesse betrifft: Ich kann mir niemand anderen in der Rolle des Benjamin vorstellen. Er ist sehr professionell, sehr engagiert und konzentriert. Er hat seine Hausaufgaben gemacht und sich die Figur vollständig angeeignet.“
Was den Film ausmacht? „Das ist schwierig“, sagt er. „Ein ähnlicher Film ist THREE KINGS. Darin wird ein ernsthaftes Thema verhandelt, in einer Geschichte um drei ungehobelte, jähzornige Kerle, die sehr egoistisch in ihren Zielen erscheinen. Sie geraten an stärkere Mächte als sie selbst und ändern sich dadurch. Das ist auch hier der Fall. Wir finden heraus, wie diese drei Männer wirklich sind und erfahren im Laufe des Films etwas über die Tiefe ihrer Situation. Man wird als Zuschauer ständig daran erinnert, wie ernsthaft die Geschichte ist. Menschen wurden ermordet, es war der pure Irrsinn – und es ist noch nicht allzu lange her.“