2006 war ein sehr gutes Jahr für den gebürtigen Chicagoer Terrence Howard. Nach einer langen Zeit im Wartestand mit großartigen Leistungen in Filmen wie MR HOLLAND'S OPUS („Mr. Hollands Opus“, 1995) oder RAY („Ray“, 2004) wurde er für seine Darstellung eines Rappers im Megastress in HUSTLE & FLOW („Hustle & Flow“, 2005) für einen Oscar als bester Hauptdarsteller nominiert. Sein anderes großes Projekt, CRASH („L.A. Crash“, 2004), in dem er einen gut betuchten Filmemacher spielte, wurde als bester Film ausgezeichnet.
„Ich sah Terrence beim Sundance Festival“, sagt Richard Shepard. „Mein Film THE MATADOR lief dort im gleichen Jahr wie HUSTLE & FLOW, also trafen wir uns und ich konnte es kaum glauben, als sein Name im Zusammenhang mit dem neuen Film genannt wurde. Ich dachte mir ‚Wenn wir ihn kriegen, dann lass uns die Sache angehen'.“ „Die Besetzung von Terrence Howard war eine interessante Geschichte“, sagt Mark Johnson. „Wir waren anfangs nicht sicher, wer für die Rolle geeignet wäre und kamen auf eine Reihe von Namen. Dann rief uns dessen Agent an und sagte, dass Terrence liebend gern den Duck spielen würde. An ihn hatten wir gar nicht gedacht. Natürlich hatte ihn jeder in HUSTLE & FLOW und CRASH gesehen. Richard Shepard sprach mit ihm und war sicher, dass er der passende Mann sei.
Es existiert etwas Wunderbares zwischen Richard, Jesse und Terrence, das weit über die simple Rechnung ‚eins und eins und eins gibt drei' hinausgeht.“
Vor der Entdeckung dieser besonderen Chemie las Howard sich Shepards Drehbuch durch. „Als ich das Buch zum ersten Mal in den Händen hielt, dachte ich mir ‚Das könnte Spaß machen'“, sagt er. „Ich fand es auch gefährlich, weil wir uns an ein sehr empfindliches politisches Thema wagten. Es geht um einen Mann, dem so viele Kriegsverbrechen vorgeworfen werden und der gleichzeitig von unglaublich vielen seiner Leute geliebt und von ganzen Nationen gehasst wird. Auf wessen Seite stellt man sich? Auf die Seite derer, die ihn lieben oder die ihn hassen? Wir sollten uns für die Wahrheit entscheiden, und diese Einstellung sah ich auch im Drehbuch. Es ging auf diese Implikationen ein und versprach eine mutige Herangehensweise, also dachte ich mir, ich müsse es versuchen.“
Howard spielt Duck: einen abenteuerlustigen Kameramann, der an der Seite von Simon Hunt alle Brennpunkte der Welt erlebt hat, aber nach Hunts Zusammenbruch die Karriereleiter im sicheren New York hinaufgeklettert ist. „Duck hat wohl eine leichte Form der posttraumatischen Belastungsstörung“, sagt Howard. „Neun Jahre lang ist er an genau die Orte gegangen, aus denen jeder andere geflohen ist und hatte nie eine Waffe dabei. Seine einzige Waffe ist die Wahrheit, die er mit seiner Kamera aufzeichnet. Oft war er der ganzen Gewalt schutzlos ausgeliefert, sein Beruf erforderte eine Menge Mut. Es muss sehr seltsam sein, das alles fünf Jahre lang aufgegeben zu haben und dann mit einem Mal aus einem sicheren Zufluchtsort wieder dort hineingeschleudert zu werden. Ich habe eine Weile gebraucht, um aus Duck schlau zu werden. Er ist ein wenig rätselhaft.“
Howard arbeitete hart, um sich in seine Figur und deren Beruf hineinzuversetzen. Richard Shepard versorgte ihn dabei ebenso mit wertvollen Informationen wie die echten Journalisten und Howards kroatischer Bodyguard. „Mein Leibwächter kämpfte in diesem Krieg und wurde dort verwundet“, sagt der Schauspieler. „Die Gespräche mit ihm und anderen Einheimischen waren sehr nützlich. Diese Menschen suchen mit Herzblut nach der Wahrheit, genau wie wir. Wir hoffen, dass unsere Fragen beantwortet werden können, aber die Sache ist wirklich sehr komplex.“
Die Eingangsszenen von THE HUNTING PARTY betonen die Hässlichkeit des Krieges, zeigen aber auch den Sog, den ein solcher Konflikt auf Journalisten wie Simon und Duck ausübt. In Wirklichkeit würde Terrence Howard so etwas niemals passieren. „Ich laufe vor dem Krieg davon, eigentlich vor allem, was mein kleines bisschen Glück stören könnte“, sagt er. „Aber ich bewundere den Mut dieser Journalisten und die Risiken, die sie eingehen. Das macht den Spaß am Schauspielen aus: Jemand zu sein, der man im echten Leben nie sein könnte. Die Explosionen, das Rattern der Maschinenpistolen und die Bomben um uns herum ließen alles so wirklich erscheinen. Jedenfalls wirklich genug für mich.“
Für jeden der Darsteller waren die Originalschauplätze Mysterium und Inspiration zugleich. „In Sarajevo bekommt man eine Ahnung, was damals geschah“, sagt Howard. „Man sieht die Reaktion der Leute und verbliebende Kriegsschäden an den Gebäuden. Das machte es uns Schauspielern leichter, an unsere Rollen zu glauben. Wir hatten Glück, bei diesem Projekt dabei sein zu können, weil wir keine große Illusion erzeugen mussten.“ Howard kannte die Grundzüge des Balkankonfliktes, bevor er mit der Arbeit an dem Film begann. „Meine Familie ist muslimisch, daher wussten wir alle davon“, sagt er. „Ich hatte gehört, dass 8.000 muslimische Jungs und Männer aufgestellt und abgeknallt wurden, ohne dass ihnen jemand zur Hilfe gekommen wäre (das Massaker von Srebrenica im Juli 1995). Ich habe mir Aufnahmen von der BBC angesehen, und mein Vater kennt sich im Weltgeschehen immer bestens aus und schickte mir einiges an Information. Was dort geschah, war widerwärtig – die Weltgemeinschaft stand da und sah zu, wie hilflose Menschen systematisch angegriffen, verletzt und getötet wurden. Ich wusste jedenfalls genug, um diese Geschichte miterzählen zu wollen.“
Dabei half ihm Richard Shepard. „Richard hat ein ganz besonderes Erzähltalent“, sagt er. „Er kann eine Geschichte mit ganz besonderen Sichtweisen erzählen. Man kann nie vorhersagen, welche Wendung das Drehbuch nehmen wird, das ist für die Schauspieler sehr herausfordernd. Er erschüttert dich bis ins Mark und zwingt dich, etwas Neues zu erschaffen.
Ähnlich war auch die Arbeit mit Richard Gere. Ein echtes Idol, das sich über Jahre nach oben gekämpft hat und uns mit seiner Zeit und seinem Talent durch dieses Projekt führte. All das macht diesen Film so einzigartig.“