Bei der Arbeit am Sound Design zu „Adrift“ gab es viele Herausforderungen wie beispielsweise die klangliche Umsetzung der Isolation der Protagonisten auf hoher See oder die subjektive Wahrnehmung der Hauptfigur Amy.
Aufgrund der reduzierten Rahmenhandlung, die sich fast ausschließlich auf dem offenen Meer zuträgt, mussten die einzelnen Tonebenen sehr präzise herausgearbeitet werden, um eine möglichst kontrastreiche und interessante Tondramaturgie zu schaffen. Dabei stand die klangliche Charakterisierung der Segeljacht, der Atmosphären (Überwasser, Unterwasser, Sturm) und "Amys Innerer Welt" (Kindheitstrauma, Wasserphobie) im Vordergrund.
Des weiteren wurde "Stille" als wichtiges Stilmittel in der Tondramaturgie eingesetzt. Durch die "vordergründige" Abwesenheit von Tönen, als eine Art der Stille, ist es möglich die Aufmerksamkeit des Zuschauers in erhöhtem Maß auf die Protagonisten zu lenken, wodurch eine starke Identifizierung mit den handelnden Personen und letztendlich eine starke emotionale Teilnahme am Geschehen auf der Leinwand unterstützt wird. Eine Störung dieser Stille, wie zum Beispiel durch den Schrei des an Bord zurück gelassenen Babys, wirkt als Kontrast zu der vorher herrschenden Ruhe sehr viel stärker und wird dadurch vom Zuschauer noch intensiver wahrgenommen.
Für die Vertonung von Amys Wachkomazustand wurde eine "Innere Stille" geschaffen. Durch diesen Toneffekt wird die Benommenheit und die Wahrnehmungsstörungen der Protagonistin in diesem Moment für den Zuschauer erst fühlbar, so als würde er es persönlich erleben. Gerade in einer solchen Szene entfaltet der Ton seine volle Wirkung.
Mit dem Sound Design zu „Adrift“ ist es gelungen eine besonders vielschichtige und dynamische Tondramaturgie zu gestalten, die den Film zu einem sehr emotionalen und spannenden Kinoerlebnis werden lässt.