Regisseur Mark Waters war von der einzigartigen Fantasiewelt der „Spiderwick-Geheimnisse“ von Tony DiTerlizzi und Holly Black auch deshalb fasziniert, weil sie etwas mit der heuten Zeit zu tun hat. „Ich habe Fantasy-Filme schon immer geliebt. Beim Lesen dieser Bücher sah ich die Möglichkeit, etwas zu machen, was es so zuvor noch nie gab: Einen Film voller Abenteuer, Fantasy und unglaublich interessanten Kreaturen, der jedoch nicht in fernen Ländern spielt und der ohne britische Zauberer, finstere Waisen oder verunstaltete Hauptdarsteller auskommt.“
Waters setzte stattdessen auf junge Helden, mit denen sich die Zuschauer schnell identifizieren können.
„Die Kinder geraten in eine ausgesprochen ungewöhnliche Lage, als die Grace Familie in das geerbte Anwesen einzieht. Durch das ‚Handbuch’ erfahren sie allmählich immer mehr von den Kreaturen, die sie umgeben. Genau darin lag die große Chance für einen Film, denn mit dieser Situation kann jeder sofort etwas anfangen. Solche seltsamen Kreaturen könnten schließlich bei jedem von uns plötzlich einmal auftauchen“, sagt Waters.
Als starker Bezugspunkt für die Zuschauer erweist sich, dass auch die Kinder des Films mit den vertrauten Familienproblemen zu kämpfen haben. „Aber durch diese verzauberte, oft gefährliche Reise entdecken sie Stärken, von denen sie nie etwas ahnten – Stärken bei sich selbst, und, viel wichtiger, als gemeinsame Familie.“
Jared Grace, der von Freddie Highmore gespielt wird, ist seit der Trennung seiner Eltern sehr unglücklich. Die Krise kann er erst durch das Bestehen dieses außergewöhnlichen Abenteuers bewältigen. „Jared leidet unter der Scheidung“, erläutert Waters, „er reagiert oft wütend und rebellisch. Diese Verbitterung zeigt sich auch im Verhältnis zu seiner Mutter und den Geschwistern. Doch am Ende dieser unglaublichen Reise, bei der er seine Familie retten muss, hat Jared zu sich selbst gefunden.“
Helen Grace, gespielt von Mary-Louise Parker, hat sich von ihrem Ehemann getrennt und zieht nun in das alte Familiendomizil, ein baufälliges viktorianisches Haus, das den Namen ihres Großonkels Arthur Spiderwick trägt. Niemand ist glücklich über diese Situation, doch Helen findet eine Verbündete in ihrer Tochter Mallory, gespielt von Sarah Bolger. „Mallory ist eine Art von Mini-Mutter”, erläutert Waters. „Sie weiß genau, was zu der Scheidung führte. Aber davon erzählt sie ihren Brüdern nichts. Sie fühlt sich als Beschützerin, auch wenn die Jungs, vor allem Jared, ihr oft auf die Nerven gehen.“
Simon Grace, der ebenfalls von Freddie Highmore gespielt wird, ist eher ein Sonderling, doch seine ruhige Entschlossenheit und sein Auge für Details werden sehr hilfreich als die Familie in Gefahr gerät. „Die Familie überwindet ihren Streit und handelt gemeinsam. Dabei entdecken alle die Liebe und Zuneigung zueinander neu“, fasst Waters zusammen. „Durch die Fantasy-Welt erkennen und verstehen sie die eigene Wirklichkeit viel klarer.“
Das Abenteuer beginnt, als Jared das „Handbuch“ entdeckt. Arthur Spiderwick (David Strathairn), der Erbauer des Anwesens, ahnte nicht, dass die Geheimnisse, die er in seinem Handbuch aufschrieb, einmal in die falschen Hände geraten könnten. Als Jared dieses Buch findet, das seit 70 Jahren in dem Haus verborgen war, öffnet er die Büchse der Pandora.
Zunächst ist Jared begeistert von diesen merkwürdigen und wundersamen Kreaturen, die sein Onkel Arthur in dem Buch beschreibt. Doch dann dämmert es ihm und seinen Geschwistern, dass diese geheimen Wesen in ihrem eigenen Haus leben könnten – was die seltsamen Ereignisse erklären würde, die dort passieren. Jenes unheimliche Geräusch in der Wand etwa stammt von einem Kobold. Wenn solche Hausgeister wütend werden, können sie laut „Handbuch“ nur dadurch beruhigt werden, indem man ihnen Honig gibt. Bald wird den Kindern klar, dass die Darstellungen im „Handbuch“ nicht auf der lebendigen Vorstellungskraft ihres Onkels beruhen, sondern auf der Realität.
Die verschiedenen Kreaturen reichen vom winzigen Wichtelmännchen Thimbletack (gesprochen von Martin Short) bis zum riesigen Oger Mulgarath (gespielt von Nick Nolte). „Dazwischen gibt es Wesen in allen Größen“, erläutert Waters. „Da sind die ganzen Kobolde, darunter Hogsqueal, der zum Freund der Kinder wird, wenn er nicht gerade Vögel verspeist.“
Für die erfolgreiche Buch-Serie „Die Spiderwick-Geheimnisse“ von Tony DiTerlizzi und Holly Black gab es schon lange viele Angebote für eine Verfilmung. Die beiden Autoren wollten ihren Stoff jedoch nur den richtigen Produzenten anvertrauen. Mit Mark Canton hatten sie den passenden Partner gefunden. Dass bald auch Kathleen Kennedy zu dem Projekt kam, bekräftigte DiTerlizzi und Black in ihrer Entscheidung.
„Viele Freunde und Fans der Bücher und der Illustrationen haben mir gesagt, das wäre ein guter Stoff für einen coolen Film“, erinnert sich DiTerlizzi. „Auch für mich war das immer ein Traum, schließlich werden viele Romane verfilmt. Für mich und Holly war allerdings entscheidend, dass die Filmemacher den Figuren mit Respekt und Liebe begegnen. Unsere Helden besitzen keine übersinnlichen Superkräfte und sie leben nicht in einem fernen Land. Sie müssen sich auf ihre Klugheit verlassen und sich gegenseitig vertrauen, um die oft gefährlichen Situationen zu bestehen.
Die Autoren wurden durch die Märchen der Gebrüder Grimm inspiriert. „Da gab es immer einen cleveren Helden, der den Riesen überlistet oder eine Prinzessin, die mit trickreichen Methoden aus einem Schloss flüchten musste“, erzählt DiTerlizzi. „Dahinter steckt der Gedanke: Wissen ist Macht. Auch die Kinder benutzen das ‚Handbuch’ mit diesem Ziel. Mark Waters hat dieses Prinzip sofort verstanden und sehr schön umgesetzt.“
„Nach dem Erscheinen der ersten Bücher gab es die ersten Angebote für eine Verfilmung, aber ich habe nicht so richtig daran geglaubt“, berichtet Black. „Ich war begeistert als Mark Waters und Mark Canton mit dieser wunderbaren Besetzung zu dem Projekt kamen. Als ich die Kulissen sah, war es für mich, als würde ich durch das Buch laufen. Das alles war unglaublich."
Produzent und Koautor Karey Kirkpatrick hat nach seinem Einstieg in das Projekt als erstes die Reaktion seiner Kinder beim Vorlesen der Bücher beobachtet. „Sie waren ganz begeistert von den Büchern und der Aussicht, dass ich an der Verfilmung beteiligt bin. Wie meinen Kindern gefiel mir die Idee, dass wir von Dingen umgeben sind, die wir nicht sehen können – oder nicht sehen wollen. Für mich lag darin der Ausgangspunkt: Es gibt viele Fantasy-Elemente, aber im Zentrum steht die menschliche Geschichte. Wir erleben, wie die Kinder einer zerbrochenen Familie durch die Abenteuer eine ganz neue Gemeinsamkeit entwickeln“.
Die Balance von Fantasy und Realität macht für den Produzenten Canton die besondere Qualität von „Die Geheimnisse der Spiderwicks“ aus. Der Film ist dunkel, furchterregend und zugleich in der realen Welt verwurzelt. „Unsere Idee war, dass in dieser realen Welt ganz unerklärliche, oft furchteinflößende Dinge geschehen“, sagt Canton. „Der besondere Bezug zur Wirklichkeit entsteht dadurch, dass wir eine richtige Familie mit realen Problemen haben, die durch das gemeinsame Abenteuer neue Seiten an sich entdeckt.“
Die Familienprobleme des Films sind vielen Zuschauern vertraut. „Wir wollten einen Film, bei dem die Sprache der Teenager und Erwachsenen echt klingt und dessen Geschichte wahrhaftig die Probleme von Jugendlichen mit ihren Eltern schildert“, betont Canton.
Mit seinen Produzenten-Kollegen Kirkpatrick, Larry Franco und Ellen Goldsmith-Vein stellte Canton ein Team der Superlative zusammen. „Es ist ein großartiges Gefühl, wenn man am Set zwischen Legenden und Oscar®-Gewinnern aus den unterschiedlichsten Bereichen steht.“ Dabei meint Canton das Traumteam von ILM visual effects supervisor Pablo Helman, den creature supervisor Phil Tippett des Tippett Studios und den special effects supervisor Michael Lantieri. Außerdem den Kameramann Caleb Deschanel, den Komponisten James Horner, den Cutter Michael Kahn und den Produktionsdesigner Jim Bissell, die alle an der Magie dieses Films beteiligt waren.
„Mark Waters und sein Casting-Team haben eine wunderbare Besetzung gefunden“, sagt Canton. „Als ich Freddie Highmore zum ersten Mal sah, wusste ich, dass er genau der richtige Darsteller ist. Er wirkt älter als seine Rolle, doch zugleich ist er noch sehr kindlich. Zudem hatte er die große Aufgabe, beide Rollen von Jared und Simon zu spielen, was eine sehr mutige Entscheidung von Regisseur Mark Waters war. Das große Talent von Sarah Bolger konnte man in Jim Sheridans ‚In America’ bereits bewundern. Wie Freddie ist auch Sarah ein Naturtalent. Mary-Louise Parker ist gewohnt großartig als junge, geschiedene Mutter mit all ihren Hoffnungen und Ängsten. Joan Plowright ist eine echte Schauspiel-Legende. Und David Strathairn gehört zu den Besten seiner Branche.”
Waters, der einen exzellenten Ruf als Comedy-Regisseur hat, wurde von Canton ganz bewusst mit diesem Projekt betraut, weil er auf besondere Weise die Fantasy-Elemente mit der Realität verbinden konnte. „Meine Idee für ‚Spiderwick’ war, dass in einer realen Welt ganz merkwürdige Dinge geschehen“, erläutert Canton. „Mark ist der perfekte Regisseur, weil er das dynamische Verhältnis zwischen Geschwistern und zwischen Müttern und Kindern so gut versteht.“
Mit Blick auf die Comedy-Erfolge „Girls Club - Vorsicht bissig!“ und „Freaky Friday - Ein voll verrückter Freitag“ von Mark Waters sagt Canton über den Regisseur: „‚Girls Club’ bot einen ehrlichen Blick auf die Welt der Teenager mit authentischen Dialogen. Die Sprache und die Gefühle der jungen Frauen fand ich sehr realistisch. Der Schlüssel für unsere Geschichte war eine Familie, mit der wir uns alle identifizieren können und deren Abenteuer bei allen ganz neue Seiten zum Vorschein bringt.“ Canton sieht einen ähnlichen Ansatz in der Mutter-Tochter-Komödie „Freaky Friday”. Dort tauschen zwei Frauen ihren Körper und entdecken dadurch ihr wahres Leben. „Mark hat das Talent, sein Publikum zu überzeugen, ohne zu predigen. Damit war er der ideale Regisseur für einen Film, der glaubwürdig mit der Sprache und den Gefühle von Jugendlichen und Eltern umgeht. Mark hat das Thema verstanden - und er weiß, wie er es am besten vermitteln kann.“