Nachdem sie in den letzten Jahren mit einer Reihe von Kurzfilmen erste Gehversuche im Regiefach
unternommen hat, wagte sich die französische Schauspielerin und Oscar®-nominierte
Drehbuchautorin Julie Delpy mit 2 TAGE PARIS an ihren ersten abendfüllenden Spielfilm. Das
Drehbuch, entstanden in fünfjähriger Kleinstarbeit, stammt natürlich von Delpy selbst und ist nach eigener Aussage ausgesprochen persönlich. Was auch der Grund ist, warum sie bei 2 TAGE PARIS betont von einem „Friends & Family“-Projekt spricht. Entsprechend ging sie bei der Besetzung und Umsetzung vor:
An ihrer Seite sieht man in der Hauptrolle ihren guten Freund Adam Goldberg, den sie 1994 bei den
Dreharbeiten zu BEFORE SUNRISE kennengelernt hatte, wo er einen kleinen Cameo-Auftritt hatte.
Die Eltern der von ihr gespielten weiblichen Hauptfigur Marion besetzte sie konsequent mit ihren eigenen Eltern, dem Schauspielerpaar Marie Pillet und Albert Delpy, ihre französischen Ex-Freunde werden von Bekannten aus Paris gespielt.
Eine Ausnahme bildet die Besetzung von Daniel Brühl in einer kleinen, aber wichtigen Nebenrolle, den Delpy erst im vergangenen Jahr auf der Berlinale kennengelernt hatte: "Ich bewundere seine Arbeit schon länger und habe ihm die Rolle nach seiner Zusage auf den Leib geschrieben. Ich bin so begeistert von der Arbeit mit ihm, von seiner unkomplizierten und selbstlosen Art, dass ich ihn überreden will, bei meiner nächsten Regiearbeit wieder mit dabei zu sein."
Obwohl das Drehbuch genau ausgearbeitet ist, setzte Delpy beim Dreh, der von Mai bis Ende Juli
2006 in Paris stattfand, auf Spontaneität. Improvisationen waren in den langen Einstellungen an der Tagesordnung. Um hohe Geschwindigkeit bei der Umsetzung zu gewährleisten und die Kosten niedrig zu halten, arbeitete sie mit einer HD-Kamera, die mit einer Linse ausgestattet ist, die die Bilder wie auf 35-Millimeterfilm aussehen lässt - und nicht so flach und konturlos, wie von Video gewohnt. "Ich mag es, wenn Dinge im Vorder- oder Hintergrund auch unscharf sind", erklärt sie und betont ihre Liebe für das Kino und das Projekt, für das sie auch selbst Musik beisteuert bzw. ausgewählt hat.
2 TAGE PARIS ist Julie Delpy durch und durch. Entsprechend hat sie die Themen gewählt, die von
Weltpolitik bis Sex reichen – vor allem reflektiert sie immer wieder über Kommunikationsprobleme, Vorurteile und kulturelle Unterschiede zwischen Amerika und dem Alten Europa, festgemacht an den beiden Hauptfiguren. Dabei teilt Delpy in beide Richtungen kräftig aus: Nicht nur amerikanische
Ignoranz nimmt sie auf die Hörner, sondern auch die vermeintliche kulturelle Überlegenheit, mit der sich Franzosen gerne schmücken.
"Das sind Themen, die mich bewegen, die mir wichtig sind. Aber sie sind für den Verlauf der Welt nicht so bedeutsam, dass ich sie anders als mit einer Komödie erzählen wollte", erklärt die selbst regelmäßig zwischen den USA und Europa pendelnde Filmemacherin zu ihrem Projekt, das als
Koproduktion zwischen ihrer Firma Tempête sous un crâne, der französischen Polaris Film
Productions & Finance von Christophe Mazodier und Thierry Potok sowie der deutschen 3L
Filmproduktion entstand.
Unweigerlich werden Vergleiche mit ihren beiden Linklater-Filmen aufkommen – BEFORE SUNRISE
und BEFORE SUNSET. Für das Drehbuch des letzteren war Delpy gemeinsam mit Regisseur Richard
Linklater und ihrem Co-Star Ethan Hawke für den Oscar® nominiert worden. Doch die Situationen
sind in 2 TAGE PARIS komischer angelegt, der Blick ist betont weiblicher, wie sie selbst feststellt. Und um gleich noch zu betonen: „Sie werden überrascht sein, wie schmutzig mein Humor ist.“
Gerade der persönliche Ansatz hatte auch 3L-Filmproduktions-Geschäftsführer Ulf Israel gefallen: "Wir sind seit der Treatmentphase bei dem Projekt mit dabei und haben es in allen Phasen unterstützt.
Wir sind sehr begeistert von der Idee, von Julie und ihrer Art.“ Entsprechend groß war die
Begeisterung bei der Weltpremiere von 2 TAGE PARIS im „Panorama Special“ der Berlinale 2007:
Dort wurde der Film bei der offiziellen Vorführung mit Szenenapplaus und Standing Ovations
begeistert aufgenommen.