| „WIR BRAUCHEN 10 KANUS“ - Die Enstehung des Films
Regisseur Rolf de Heer hatte David Gulpilil, der als Erzähler durch den Film führt, als Hauptdarsteller für seinen Film „The Tracker“ gecastet. Monate, bevor die Dreharbeiten begannen, lud David Regisseur Rolf de Heer nach Ramingining ein, um dort ein paar Tage in seinem Haus mit seiner Familie zu verbringen. Dort lernte Rolf das traditionelle Land rund um den Arafura-Sumpf im Nordosten Australiens kennen. Schon damals hatte David die Idee, zusammen mit Rolf einen Film über die Menschen dort zu drehen. Bei etlichen weiteren Gelegenheiten wurde über die Idee gesprochen, in Ramingining einen Film zu realisiseren, vielleicht einen Western, mit Cowboys und Kühen oder sogar eine Fortsetzung von „The Tracker“. Im Juni 2003 erhielt David endlich einen Anruf von Rolf de Heer – ob er Lust hätte, einen Film zu machen: David würde als Schauspieler und Co-Regisseur agieren, Drehort wäre das traditionelle Land in Ramingining, gedreht würde in der Sprache der Aborigines dieser Gegend.
Zu den ersten Gesprächen, die das Projekt näher definieren sollten, brachte David Richard Birrinibirrin und Bobby Bunungurr mit, die in der Folge die Entstehung des Films maßgeblich beeinflussen sollten. Man einigte sich zunächst auf eine grobe Idee für den Film: Er sollte auf jeden Fall in „vergangenen Zeiten“ spielen, vielleicht im letzten Jahrhundert. Andere Ideen, zum Beispiel, dass der Film mit einem Massaker der Balanda an den Yolngu-Charakteren enden sollte, wurden schnell wieder verworfen.
An dem Abend vor Rolfs Abreise, sagte David plötzlich: „Wir brauchen zehn Kanus.“ Auch nach Rolfs erstauntem Blick wiederholte David nur: „Wir brauchen zehn Kanus!“ Erst langsam verstand Rolf, dass David damit den Film meinte: „David, wir wissen noch nicht einmal, worum es in dem Film gehen soll. Warum also brauchen wir zehn Kanus?“ David verschwand und kam erst eine halbe Stunde später wieder, mit einer Schwarz-Weiß-Photographie in der Hand, die mindestens 70 Jahre alt sein musste. Rolf betrachtete das Photo und sagte: „Du hast recht, wir brauchen zehn Kanus.“
Das Photo, das eine Gruppe von zehn Männern in ihren Kanus auf dem Sumpf zeigte, wirkte wie ein Ausschnitt aus einem Film. Es erzählte von einer Welt, die es lange nicht mehr gab, als die Dinge völlig anders waren und das Leben so verschieden war von dem, was sich irgendein Weißer irgendwo in der Welt vorzustellen vermochte. In diese Welt einzutauchen würde das Wesen des Filmes werden. Und es gab noch viele dieser Photos. Die Idee zu dem Film begann, Gestalt anzunehmen.