Als sei es nicht schon anstrengend und Zeit raubend genug, einen der heiß erwartetsten Horrorfilme des Jahres vorzubereiten, versammelten sich Rob Zombie und ein Großteil seines Teams an einem Wochenende vor dem Drehbeginn zu HALLOWEEN auf der Sable Ranch in Canyon Country nördlich von Los Angeles, um „Werewolf Women of the SS“ zu drehen. Dieser falsche Trailer war Bestandteil des GRINDHOUSE-Projekts von Quentin Tarantino und Robert Rodriguez und vereinte gleich drei Schauspieler vor der Kamera, die im Anschluss auch an HALLOWEEN beteiligt waren: Sheri Moon Zombie, Sybil Danning und Udo Kier. Erst als dieses kleine Filmchen im Kasten war, konnte sich die Crew in die Startlöcher für den Drehbeginn von HALLOWEEN machen.
Die erste Klappe fiel am 29. Januar 2007 in Los Angeles, und der Dreh setzte sich in 38 Drehtagen bis zum 22.März an verschiedenen Orten in Südkalifornien fort. HALLOWEEN entstand in diesen acht Wochen komplett on location und ohne eine einzige Soundstage. „Es ist cool, dort zu sein, wo Carpenter seine Vision umgesetzt hat, und seinem Film einen kleinen Tribut zu zollen.“ (Produzent Andy Gould über den Dreh)
Weite Strecken des Films wurden in South Pasadena gedreht, in der gleichen Gegend wo auch schon John Carpenters Original von 1978 entstanden war. Zwar kam keines der ursprünglichen Häuser noch einmal zum Einsatz, aber Fans werden einige Charakteristika und Wahrzeichen der Nachbarschaft weder erkennen. „Wir haben buchstäblich zwei Blocks entfernt gedreht von wo das ursprüngliche Haus der Myers’ steht und die drei Mädchen die Straße entlang laufen“, führt Produzent Malek Akkad aus. „Es ist also wirklich eine Rückkehr zum Ursprung.“
„Es ist cool, dort zu sein, wo Carpenter seine Vision umgesetzt hat, und seinem Film einen kleinen Tribut zu zollen – und sei es auch nur durch die Drehorte“, findet auch Andy Gould. „Bestimmte Szenen entstanden wirklich an genau den gleichen Orten wie das Original. Diese Stellen herauszufinden wird für HALLOWEEN-Fans ein großer Spaß sein, wenn die DVD einmal erscheint.“
Auf Grund des verhältnismäßig kleinen Budgets mussten die Filmemacher darum kämpfen, überhaupt in Los Angeles drehen zu können. „Die meisten Horrorfilme werden aus Kostengründen mittlerweile in anderen Bundesstaaten oder Ländern gedreht“, erklärt Akkad. „Wir wollten aber aus verschiedenen Gründen unbedingt nach Los Angeles. Ein Grund waren natürlich die Schauplätze des Originals, von denen wir einige nutzen wollten. Ein anderer waren die vielen kleinen Rollen, die das Drehbuch vorsah. Durch die Arbeit in L.A. hatten wir dafür eine viel größere Auswahl an Schauspielern. Den jüngeren Zuschauern mögen die Namen vielleicht nichts sagen, aber für uns war es ein großer Spaß, mit Leuten wie Adrienne Barbeau, Sybil Danning oder Micky Dolenz zu drehen. Sie verleihen dem Film eine ganz eigene Vielschichtigkeit und hätten uns kaum alle zur Verfügung gestanden, wenn wir in Mexiko oder Louisiana gedreht hätten.“
Um den Film möglichst zeitlos zu halten, enthüllt Rob Zombie absichtlich nicht, in welchem Jahr die frühen Szenen spielen. Die späteren Szenen werden außerdem lediglich als „17 Jahre später“ angekündigt. Die Autos zu Beginn legen allerdings die Vermutung nahe, dass es sich um die 1970er Jahre handeln könnte, nicht zuletzt weil Deborah Myers einen Dodge Super Bee Cornet fährt, der bei den Auto-Fanatikern der Crew besonders begehrt war. Genau wie die Geschichte und die Darsteller sollte auch die Optik des Films so real wie möglich wirken, erklärt Zombie seine Herangehensweise: „Viele Horrorfilme werden nicht in einem realistischen Stil gedreht, sondern wirken entweder hyperreal oder ein wenig überkandidelt. Das ist ein Augenzwinkern für den Zuschauer, an dem ich kein Interesse hatte und das auch jene Horrorfilme, die zeitlebens Klassiker sind, nicht nötig haben. THE EXORCIST („Der Exozist“, 1973) beispielsweise ist nicht anders gedreht als THE FRENCH CONNECTION („Brennpunkt Brooklyn“, 1971).“
Um seine Vorstellungen von HALLOWEEN umzusetzen, verpflichtete Zombie den Kameramann Phil Parmet, mit dem er schon THE DEVIL’S REJECTS gedreht hatte. Parmet blickt außerdem auf eine lange Karriere als Dokumentarfilmer zurück und war nicht nur für „Harlan County U.S.A.“ verantwortlich, sondern bediente auch die Kamera bei Led Zeppelins legendärem Konzertfilm „The Song Remains the Same“. „Dieser Film ist schwerlich bloß ein Remake des Originals“, betont er in Bezug auf HALLOWEEN. „Er basiert aufs Robs ganz persönlichen Vorstellungen, und er wollte den Film so realistisch wie möglich haben. Dabei ging es ihm um eine beinahe dokumentarische Realität und nicht um eine künstliche, wie man sie von den meisten anderen Horrorfilmen kennt.“
„Rob wollte eine sehr authentische Atmosphäre schaffen.“ (Kameramann Phil Parmet) „Die Filme, die wir als optische Vorbilder im Sinn hatten, waren alles andere als Horrorfilme“, erklärt der Kameramann. „Wir dachten eher an 21 GRAMS und AMORES PERROS oder die Filme von Larry Clark und Harmony Korine. Rob wollte eine sehr authentische Atmosphäre schaffen, damit es richtig echt und brutal wirkt, wenn jemand umgebracht wird. Es ist fast wie bei einem TV-Kameramann, der im Krieg filmt und natürlich nie eine Nahaufnahme des kompletten Geschehens bekommt. Nur einen Ausschnitt der Action zu sehen, also jemanden mit einem Messer oder sogar nur das Aufblitzen eines Messers, aber nicht die eigentliche Wunde, kann viel erschreckender sein. So entsteht der Horror zum Teil in der eigenen Vorstellung und zum Teil durch die Art vorgetäuschter Wahrhaftigkeit, wie man sie aus den Medien kennt.“
Obwohl die Anfangsszenen des Films mit ihrer 70er Jahre-Stimmung nicht anders gefilmt wurden als der Rest des Films, veränderte Parmet die Aufnahmen mittels eines digitalen Bearbeitungsprogramms. „Wenn der junge Michael zu sehen ist, wirkt der Film ein wenig wärmer“, erklärt er. „Je weiter der Film dann voranschreitet, desto kühler wird er, blauer, grobkörniger und schmutziger. Am Schluss ist es dann quasi eiskalt.“
Die erste Woche der Dreharbeiten fand komplett in zwei Häusern im Stil der Jahrhundertwende an der Harvard Street im historischen West Adams-Bezirk mitten in Los Angeles statt. Die beiden Gebäude gaben die Innenaufnahmen des Hauses der Familie Myers her, sowohl im Anfangsstadium als auch in der heruntergekommenen Version. Die ersten dort gedrehten Szenen konzentrierten sich auf den kleinen Michael und seine dysfunktionale Familie, besonders auf das Verhältnis zu seinen beiden Schwestern sowie zur Mutter und ihrem verkommenen Freund Ronnie White, der von William Forsythe gespielt wird. Auch der Ursprung von Michaels Faszination für Halloween-Masken, Baseballschläger sowie Fleischermesser wird in diesen Szenen erklärt. In dem Haus auf der Ostseite der Harvard Street befindet sich darüber hinaus auch der Keller, wo Michael Myers seine inzwischen verfallene Maske wieder findet, die er dort 17 Jahre zuvor vergraben hatte.
„Wenn sich außergewöhnliche Umstände in einer ganz normalen Umgebung ergeben, ist das gleich viel gruseliger.“ (Production Designer Anthony Tremblay) Anthony Tremblay, der ebenfalls schon bei THE DEVIL’S REJECTS mit von der Partie gewesen war, gefiel es gut, dass Zombie einen einfallsreichen und realitätsbezogenen Film im Sinn hatte. „Es sollte so wirken, als ob sich diese Ereignisse wirklich zutragen könnten“, gibt er zu Protokoll. „Diese Stimmung wollten wir in allen Kulissen an allen Drehorten erzeugen, denn wenn sich außergewöhnliche Umstände in einer ganz normalen Umgebung ergeben, ist das gleich viel gruseliger.“ Doch gerade die ganz normale Umgebung brachte auch einige Herausforderungen für Tremblay mit sich: „Da wir im Februar und März im sonnigen Südkalifornien drehten, gab es natürlich nicht gerade viele orangefarbene Herbstblätter. Wir mussten also unsere eigenen Bäume und Pflanzen mitbringen und hoffen, dass in Kombination mit den entsättigten Farben des Films das Grün nicht so sehr auffällt und man uns abnimmt, im herbstlichen Illinois zu sein.“ Um die südkalifornische Landschaft weniger weitläufig erscheinen zu lassen und das Bild von Illinois im Herbst zu kreieren, streuten die Set-Dekorateure während des Drehs mehr als 200 Säcke à 150 Liter an herbstfarbenen Blättern auf die Wiesen und Straßen in South Pasadena, die eigentlich in hellem Grün erstrahlten. Außerdem mussten zahlreiche Palmen beschnitten werden, um weniger auffällig zu wirke.
Die Häuser der Familien Wallace und Doyle, wo Laurie Strode und ihre Freundinnen am Halloween-Abend auf die Kinder aufpassen, lagen passenderweise gegenüber von einander in der La France Street, in einem familiären Wohngebiet in South Pasadena. Und das Haus der Strodes befand sich an einer Ecke der Highland Avenue, im gleichen Block mit den großen Steinhäusern und den alten Bäumen, wo 1978 die drei Mädchen nach Hause liefen und erstmals den unheimlichen Schatten wahrnehmen.
Am 9. März, dem 29. Drehtag, schlug die Crew schließlich ihre Zelte auf dem Gelände des weitläufigen VA Hospitals in North Hills im San Fernando Valley auf. Das Krankenhaus diente als Smith’s Grove Sanitarium, wo Michael Myers eingesperrt ist. Hier wird er in einem Raum gehalten, wo er seine Leidenschaft für Masken weiter pflegt und im Laufe der Jahre hunderte von ihnen zeichnet und ausschneidet.
Produzent Malek Akkad erinnert daran, dass das Sanatorium in Carpenters Original gar nicht zu sehen war: „Man sieht zwar, wie Dr. Loomis vor das Tor fährt und kann auch das Warnschild mit der Aufschrift ‚Don’t Go In’ erkennen, aber das Gebäude selbst ist nicht zu sehen, bloß einige Patienten, die im Hintergrund durchs Bild laufen. Wir erforschen nun diese Legende, zeigen die Anstalt sowohl von innen als auch von außen und auch, was Michael dort bei Dr. Loomis durchmacht.“
Am 38. und letzten Drehtag, dem 22. März 2007, kehrte das Team schließlich noch einmal zur ersten Location zurück, um in einem der alten Häuser zusätzliche Szenen im Keller der Myers’ zu drehen. Nach dem Wochenende machten sich Rob Zombie und das Team der Postproduktion direkt an den Schnitt des Films, während Tyler Bates mit dem Schreiben der Musik begann, in die er auch Variationen des legendären HALLOWEEN-Themas von John Carpenter einarbeitete.