Action,
Sport
| Australien / Deutschland / USA 2008
WERBUNG
| Produktion: Autos, Pisten und "Car Fu"
Speed Racers donnernder Mach 5 zählt sicher zu den bekanntesten Filmautos der Welt. Mit aggressivem Profil, glänzend weißer Außenhaut und einem roten M auf der Kühlerhaube hat es sich in das Gedächtnis aller „Speed Racer“-Fans rund um den Globus eingebrannt. Eine moderne Version des Mach 5 ist auf vielerlei Art vorstellbar, „aber schließlich entschieden wir uns doch für eine Art Retro-Look in Stromlinienform“, sagt Produktionsdesigner Owen Paterson.
„Nachdem Larry und Andy etliche Möglichkeiten durchprobiert hatten, besannen sie sich auf das berühmte Profil des ursprünglichen Mach 5 – sie wollten es beibehalten, weil es absolut zeitlos und unverwechselbar aussieht“, sagt Joel Silver.
Der Mach 5 ist nach wie vor der Wagen, den die treuen Fans mit Speed Racer identifizieren. Aber die Wachowskis gehen noch einen Schritt weiter und stellen eine neue Generation der Mach-Serie vor: den Mach 6.
„Wie von Larry und Andy nicht anders zu erwarten, wollten sie auch hier neue Wege gehen“, sagt Paterson. „Der Mach 6 wird nur auf Rennstrecken der World Racing League eingesetzt – wir wählten ein sehr kühnes, aber elegantes Profil, behielten jedoch das Farbmuster und die M-Form des Mach 5 bei.“
Außerdem prägten „Larry und Andy einen Begriff, um den Mach 6 und seine Wagenklasse im Film zu beschreiben“, fährt der Produktionsdesigner fort. „Sie nennen diesen Wagentyp ,T180‘, weil man die Räder 180 Grad drehen und seitlich über den Seitenstreifen fahren kann – das ergibt eine seitliche Schubkraft von etlichen Atmosphären.“
Fast ein Jahr vor Drehbeginn begannen Paterson und sein Team bereits mit dem Design der über 100 verschiedenen Wagen. „In unserer Welt gibt es Architekten, doch in der Welt von ,Speed Racer‘ engagieren die Leute ,Carchitekten‘ für das individuelle Design ihrer Wagen“, berichtet Paterson.
„Wir haben etliche sehr begabte Künstler aus dieser Branche ins Team geholt – von Storyboard-Zeichnern bis zu Top-Designern aus der Autobranche. Wir wollten unseren Spaß und schauten einfach zu, wie sie sich die Bälle zuwerfen“, sagt Hill.
Sobald das Design der Wagen feststand, wurden sie im Computer modelliert und eingefärbt. Speeds Mach 5 und Racer Xs Shooting Star wurden außerdem im Maßstab 1:1 real gebaut und beim Dreh bestimmter Szenen eingesetzt. Zwar konnten die Darsteller jeweils im Cockpit all ihrer Wagen Platz nehmen, aber sie bewegten sich darin nicht von der Stelle – all die atemberaubende, von jeder Schwerkraft unabhängige Action fand ausschließlich im Computer statt.
Zunächst überlegten die Filmemacher, ob sie Rennsequenzen mit echten Wagen auf tatsächlichen Rennstrecken filmen sollten. Dazu Paterson: „Angesichts des Fahrstils und der dynamischen Action, die uns vorschwebte, war es allerdings viel sinnvoller, diese Szenen digital zu gestalten.“
„Bei der Fahrgeschwindigkeit und den eingesetzten Kampftechniken ergeben sich auf der Piste jede Menge halsbrecherischer Momente“, sagt der für die visuellen Effekte verantwortliche Dan Glass. „Dieser Sport sieht extrem gefährlich aus, aber niemand kommt dabei ernsthaft zu Schaden, weil wir eine Spezialvorrichtung entwickelt haben, um die Fahrer zu schützen.“
Der neben Glass für die visuellen Effekte zuständige John Gaeta fügt hinzu: „Larry und Andy dachten sich ein Sicherheitssystem namens ,Kwiksave-Schaum‘ aus – es sieht wie ein großer Gummiball aus, der sich um den Fahrer aufbläst, um ihn im Fall eines Crashs zu schützen. Er gehört zur Standardausrüstung aller Wagen, die in der World Racing League an den Start gehen.“
Schon die Wagen sind sehr eindrucksvoll – aber sie brauchen natürlich eine ebenso dramatische Spielfläche, um ihre Fähigkeiten zu demonstrieren. „Die erste Vorgabe der Wachowskis war: ,Unsere Rennstrecken sollen aussehen wie eine Mischung aus einer gigantischen Skischanze und einem Skateboard-Park“, erinnert sich Paterson.
„Larry und Andy legten größten Wert darauf, dass sich jedes Rennen optisch ganz deutlich von den übrigen abhebt“, sagt Silver. „Weil uns die digital gebauten Rennstrecken und Hintergründe jede erdenkliche Freiheit erlauben, konnten wir mit unserer Fantasie richtig Gas geben. Die Zuschauer werden auf der Leinwand Spannendes und Unglaubliches erleben – bei den Rennen hält sie nichts auf ihren Sitzen.“
Die Filmemacher entwarfen vier Rennstrecken mit jeweils unverwechselbaren Merkmalen. Die Pisten bestehen nicht nur aus Loopings, Spiralen und atemberaubenden Sprungschanzen, die die Zuschauermägen rotieren lassen, sondern sie sind gleichzeitig auch eingebettet in sehr exotische Landschaften.
Speed Racers Heimatpiste ist Thunderhead, wo sein verstorbener Bruder Rex immer noch den Bahnrekord hält. Thunderhead hat zwar Weltniveau, gehört aber nicht zu den bedeutendsten Pisten der WRL. Dazu Paterson: „Die großen Tage von Thunderhead sind vorbei. Dennoch hängt Speeds Herz an dieser Strecke, weil Rex Racer dort sein Vermächtnis hinterlassen hat. Die Strecke ist genauso spannend wie die anderen Pisten – mit Spiralen, Kurven in Schräglage, Schmetterlingen und gigantischen Talfahrten.“
Die zweite Rennstrecke in „Speed Racer“ ist das Fuji Helexicon, eine A-Liga-Strecke der WRL, die auf einem tropischen Archipel vor der Kulisse natürlicher Vulkane und ultramoderner Gebäude errichtet wurde, die vom Design international bekannter Architekten inspiriert sind. Die atemberaubenden Haarnadelkurven und Serpentinen führen von Insel zu Insel über das gleißende Meer.
Das Casa Cristo 5000 ist die todesverachtende Querfeldein-Rallye, die Rex Racer das Leben gekostet hat. Die extrem gefährliche Strecke wird deshalb als „Crucible“ bezeichnet – als „Feuerprobe“. Sie führt über mehrere Kontinente und jeden nur erdenklichen Geländetyp. Die Fahrer sind extremen Witterungsbedingungen ausgesetzt – von der sengenden Hitze der Zunubia-Wüste bis zu den schmalen Gletscher-Kliffs und den kalten Malteser Eishöhlen. Ein unachtsames Lenkmanöver bedeutet den Sturz in einen Hunderte Meter tiefen Abgrund und damit in den sicheren Tod. Obwohl sich die WRL bemüht, den Fahrstil bei diesem Rennen zu überwachen, werden immer wieder illegale Tricks angewendet: Widerhaken, Reifenschneider und Katapulte. Dadurch wird das Casa Cristo 5000 zum brutalsten Ausdauertest in „Speed Racer“.
„Das Casa Cristo 5000 ist das gefährlichste Querfeldeinrennen der Welt – die Fahrer schrecken vor nichts zurück, um es zu gewinnen“, erklärt Paterson. „Wir haben eine Art römisches Streitwagen-Rennen entwickelt: Große Schwerter kommen aus den Wagen hervor, und Schilde schützen die Räder.“
Der Druck auf die Fahrer ist enorm, denn wer das Casa Cristo 5000 gewinnt, ist automatisch für den Grand Prix qualifiziert – das wichtigste Rennen der WRL. Wer den Grand Prix gewinnt, ist nicht nur reich und berühmt, sondern sofort eine Legende der World Racing League.
„Man muss sich das noch bedeutender als eine Kombination aus dem Daytona 500, dem Indianapolis 500 und der Weltmeisterschaft vorstellen“, sagt Joel Silver. „In der Welt von ,Speed Racer‘ ist nichts wichtiger als der Grand Prix der WRL.“
„Die Rennstrecke des Grand Prix führt mitten durch die Stadt Cosmopolis“, berichtet Paterson. „Eine gewaltige Anlage. Die fantastische Strecke führt hoch wie Wolkenkratzer, über bodenlose Abfahrten, durch Loopings und Schmetterlingskurven, in denen die Wagen ein halsbrecherisches Tempo erreichen.“
Die Vorgaben für das Streckendesign des Grand Prix und die Stadtlandschaft der Umgebung stammen von den Wachowskis, „die in Chicago aufgewachsen sind und immer schon die Idee faszinierend fanden, ein Baseball-Spiel im Stadion Wrigley Field von den Dächern der umstehenden Gebäude anschauen zu können“, fährt Paterson fort. „So entstand die Idee, ganze Wolkenkratzer zu Tribünen umzufunktionieren. Im Endeffekt wird die gesamte Stadt zur Tribüne für das größte Rennen des Jahres.“
Eine weitere Besonderheit der Grand-Prix-Rennstrecke ist eine optische Täuschung, die die Wachowskis als Hommage an Eadweard Muybridge einbauten: Dieser Fotograf des 19. Jahrhunderts wurde als Filmpionier berühmt, indem er Bewegungsabläufe mit einer Serie nebeneinander stehender Fotokameras sichtbar machte. Dieses Prinzip beeinflusste die Entwicklung des „Bullet Time“-Effekts für „Matrix“.
An einem geraden Streckenabschnitt der Grand-Prix-Piste platzierten die Filmemacher eine Serie von Zebra-Bildern auf einer Wand im Hintergrund. Und wenn Speed Racer und seine Konkurrenten über die Leinwand preschen, ergeben diese Hintergrundbilder – in rascher Abfolge gesehen – den Effekt, als ob das Zebra läuft, entsprechend der Muybridge-Fotoserie namens „Pferd in Bewegung“.
„Wir verbeugen uns gern vor all jenen, die uns inspiriert haben – und das Zebra-Zoetrop ist im Grunde ein Hinweis auf das buchstäbliche Vorbild für ,Bullet Time‘“, sagt Gaeta. „In den Hintergrund dieses Films haben wir viele optische Illusionen eingefügt – und dazu zählt eben auch diese Hommage an Muybridges Fotografiertechnik, die sich hier als Werbeplakat am Rande der Grand-Prix-Piste tarnt.“
Sehr sorgfältig wurden auch die vielen Kamerablickwinkel geplant, die nötig sind, um während der temporeichen Action-Sequenzen die Reaktionen jedes einzelnen Fahrers in Großaufnahme zeigen zu können. Zwar wurden die Wagen an sich digital erstellt, aber original große Cockpits mit Lenkern, Gas- und Bremspedal und beleuchteten Armaturen baute man auf eine hydraulische Kippbühne, auf der man mithilfe eines virtuellen Fahrprogramms die Bewegungen echter Rennwagen simulieren konnte.
Der Regisseur des 2. Drehteams, James McTeigue, der bereits „V wie Vendetta“ inszeniert hat, drehte mit seinem Team die vier großen Rennsequenzen des Films vor einer 30 x 12 Meter großen Greenscreen. Auf der Kippbühne ließen sich die Bewegungen der verschiedenen Wagen unter den Gegebenheiten der Strecken nachahmen. Durch die Hydraulik der Plattform sind Bewegungen im dreidimensionalen Raum möglich. So entstehen die authentischen Bewegungen, denen der Fahrer auf jeder beliebigen, vorher programmierten Strecke ausgesetzt ist.
„Die Plattform wird von Software gesteuert, die die Bewegung des Cockpits auf die vorab genau durchchoreografierte Szene abstimmt. Unterstützt wurde die Bewegung durch Live-Elemente wie Wind, damit die Schauspieler das Gefühl bekommen, tatsächlich selbst zu fahren, statt gefahren zu werden“, sagt Owen Paterson.
Aus der Perspektive des Fahrers kommentiert Rain: „Die Fahrt auf der Plattform war recht anstrengend. Wahrscheinlich werde ich einem Formel-1-Wagen nie im Leben näher kommen – zum Glück war die Sache erheblich weniger gefährlich.“
„Die Arbeit auf der Plattform hat Spaß gebracht und mich auf ganz neue Art gefordert“, erinnert sich Emile Hirsch. „Man wird wirklich hin- und hergeworfen, muss gar nicht so tun, als ob. Das wirkt sehr viel echter, als wenn man vorgibt, einen Wagen zu fahren, der sich überhaupt nicht bewegt.“
Und Matthew Fox fügt hinzu: „Die Plattform agiert sehr hektisch – man muss sich höllisch konzentrieren. Die Action muss unbedingt überzeugend aussehen, denn bei den Rennen in ,Speed Racer‘ geht es richtig zur Sache. James und sein Team haben die Plattform aber voll im Griff, sie können die Intensität einstellen und das Ding je nach Belieben manipulieren. Ich habe jedesmal gesagt: ,Legt noch einen Zahn zu!‘“