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    Action, Sport | Australien / Deutschland / USA 2008
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      • | Produktion: Die Welt von Speed Racer

      • Speeds Ruhmsucht führt ihn rund um die Welt, von der Thunderhead-Rennstrecke seiner Heimatstadt über die Kontinente umspannende Rallye Casa Cristo 5000 bis zum Grand Prix in Cosmopolis. Um die zahlreichen Schauplätze und Action-Sequenzen zu gestalten, verließen sich die Wachowskis auf das Know-how einiger sehr innovativer Designer, Fotografen und Experten für visuelle Effekte – viele von ihnen kannten sie bereits von früheren Filmprojekten. Die entscheidende Aufgabe, die über 2000 visuellen Effekte für den Film zu erstellen, legten die Regisseure in die bewährten Hände von Dan Glass und Oscar-Preisträger John Gaeta.

        „Wir stellten uns Schauplätze in aller Welt vor, an denen man normalerweise nicht drehen könnte – exotisch-fremdartige Städte, unzugängliche Wüsten und eisige Gebirgsstraßen“, erklärt Owen Paterson. „Also Drehorte, von denen die meisten Regisseure träumen, die sich aber nicht realisieren lassen, weil sie entweder zu entlegen oder für Filmteams unzugänglich sind. Stattdessen beschlossen wir, die schönsten dieser seltenen und exotischen Schauplätze zu ,virtualisieren‘ und so dem Effekte-Team zu ermöglichen, sie in die Szenen einzubauen.“

        Die Filmbilder in „Speed Racer“ entstanden, indem die Schauspieler vor Greenscreens gefilmt und dann mit digitalen High-Definition-Bildern kombiniert wurden, die man an unzugänglichen Drehorten fand: in Italien, Marokko, Österreich, der Türkei und im kalifornischen Death Valley. Diese Bilder wurden von einem kleinen Kamerateam mit extrem auflösenden digitalen Fotokameras aufgenommen und später so kombiniert, dass sich ein kompletter Rundhorizont von 360 Grad ergab, der als QuickTime Virtual Reality (QTVR)-Sphäre bezeichnet wird. Das „Speed Racer“-Team nannte ihn kurz auch „Seifenblasenfoto“.

        Dazu Dan Glass: „Weil das Seifenblasenfoto-Team nur aus wenigen Leuten besteht und nur den Bruchteil der Ausrüstung eines üblichen Filmteams benötigt, konnten wir exotische Locations einbringen, die sich für große Filmteams normalerweise verbieten.“

        „Unser Konzept: Wir wollen uns beim kreativen Prozess von den Fesseln der Technik lösen“, meint Gaeta. „Wenn die aufgenommenen Fotos zusammengesetzt sind, entsteht ein Rundum-Panorama, in dem man die Kamera bei der Endfertigung völlig frei kreisen lassen kann – der Hintergrund bildet brauchbare Bilder für praktisch jede Brennweite. Damit erweitern wir das Konzept ,Bullet Time‘ aus ,Matrix‘ um die ,Racer Time‘, die ähnlich wie die ,Bullet Time‘ funktioniert, aber jetzt auch noch Tiefenwirkung hinzufügt.“
        Die Wachowskis waren die ersten Filmemacher, die die HD-Kamera F-23 von Sony verwendeten – als die Dreharbeiten begannen, war diese Kamera noch gar nicht auf dem Markt.

        „Unsere Fotos schossen wir mit den ersten fünf F-23-Kameras, die bei Sony hergestellt wurden, und die Kameras haben sich wunderbar bewährt“, sagt Kameramann David Tatersall, der bereits „Star Wars: Episode II und III“ auf HD gedreht hat. „Das war die optimale Methode für den Look, der Larry und Andy vorschwebte. Unsere Fotos sind extrem scharfe, voll gesättigte Hochglanzbilder.“
        „Wir gestalten die Farben intensiver als üblich, um sogenannte ,pop-timistische‘ oder ,Techno-color‘-Bilder zu bekommen“, fügt Glass hinzu.

        Bei der Gestaltung der zahllosen visuellen Effekte erreichten die Wachowskis den von ihnen als „Realfilm-Anime“ bezeichneten Look, der jede der Bildebenen – Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund – gleichermaßen scharf abbildet, ähnlich wie wir es von der traditionellen 2-D-Animation kennen. Diese Technik nannten die Filmemacher „2½-D- Technologie“. Glass erklärt: „Für den Film wurde jede Ebene – die Vordergründe, Mittelgründe und Hintergründe – getrennt erstellt. Wie sich diese Ebenen zueinander verhalten, ergibt eine Bildqualität, die wir aus den Zeichentrickserien unserer Kindheit kennen – die Kids sind das gewohnt.“ Ganz bewusst stellten die Filmemacher die emotionale Wirkung über den Realismus – Perspektiven wurden verzerrt, was das Effekte-Team zum Beispiel sehr befreiend fand. „Wir vernachlässigen die Perspektive und schaffen Bilder, die bewusst die Regeln brechen.“

        „Anime ist ein sehr ausdrucksvolles Format“, sagt Gaeta. „In der Zeichentrickserie, die natürlich von Hand gezeichnet war, gibt es bewusst unrealistische Perspektiven, um bestimmte Gefühle zu forcieren. Es geht weniger darum, was real wirkt, als darum, welche Emotion der Zeichner in uns wecken will. Wenn man das in Realfilm-Bilder übersetzt, ist das ein Verfahren, das man – einfach ausgedrückt – als bewegliche Collagen bezeichnen kann.“

        Viele der Sets und Schauplätze in „Speed Racer“ wurden virtuell im Computer erstellt, aber eine Hand voll wurden auch real im Studio gebaut. Produktionsdesigner Owen Paterson beschreibt die „Speed Racer“-Welt als „eine Fusion aus Retro und Futurismus, eine Parallel-Realität, in der der Optimismus und die Mode der 1960er-Jahre neben dem extremen Konkurrenzdenken und der Technik der Zukunft auftauchen. Larry und Andy wollten ,Speed Racer‘ auf keine konkrete Epoche festlegen.“

        Zwei gegensätzliche Milieus werden in „Speed Racer“ präsentiert: Die Welt der Familie Racer ist in den Vororten angesiedelt, wirkt vertraut und sicher; das andere Milieu zeigt eine stromlinienförmige, ultramoderne Welt, die von der Bandenwerbung der Großkonzerne geprägt wird. „Die Racers wohnen in einem unkomplizierten Vorort mit warmen, strahlenden und sehr satten Farben“, sagt Paterson. „Viele der Konzeptzeichnungen entstanden in Los Angeles und sind von dem modernen Stil der um die Jahrhundertmitte dort entstandenen Häuser beeinflusst.“

        Dagegen ist der Konzern Royalton Industries im ultramodernen Cosmopolis angesiedelt, einer kühlen Atmosphäre, die von Reklametafeln und Konzern-Logos künstlich erhellt wird. Dazu Paterson: „Wir übernehmen die Skyline
        aufstrebender moderner Städte wie Shanghai oder Hongkong sowohl in Bezug auf die Architektur als auch im Werbesinn, um sie dann mit dem von Royalton regierten multinationalen Konzern-Konglomerat zu kombinieren. Als ob globale Marken und Marketing mit Steroiden aufgeputscht wären.“ Das Innere des Royalton-Büros wirkt riesig, aber steril, ganz in Silbergrau gehalten, mit violetten Akzenten, die ein Ambiente der Macht, des Wohlstands und der Extravaganz charakterisieren.

        Da die Racer-Familie das Herz der Story bildet, entwickelte sich das Haus der Racers entsprechend zum Zentrum der Dreharbeiten. Auf diesem Set fanden viele der rührendsten Familienszenen statt. Aber im Gegensatz zu üblichen Wohnzimmern wird der Mittelpunkt des Racer-Hauses vom dort geparkten Mach 5 beherrscht.

        Unabdingbar waren präzise Absprachen zwischen Owen Paterson und der Kostümbildnerin Kym Barrett. Dazu Barrett: „Allen Figuren wird eine komplette Farbpalette zugeordnet: Pops und Mom tragen jeweils Rot und Grün, Speed trägt Blau und Weiß. Um die Kostüme vom Haushintergrund abzuheben, sind die Zimmer vor allem von Orange, Türkis und Fuchsien-Rosa geprägt. Das verbindende Element ist der rote Fußboden, den wir ,Racer-Rot‘ nennen.“ Für die Sequenzen, die vor der Greenscreen gedreht wurden, musste sich Barrett Alternativen einfallen lassen, denn in diesem Fall werden alle Grüntöne unsichtbar.

        „Bei unserem ersten Treffen betonten Larry und Andy, dass sie sich satte Grundfarben wünschten“, fährt Barrett fort. „Statt sich gleich in Einzelheiten zu verlieren, beschrieben sie zunächst ihr Konzept, einen Realfilm-Cartoon für Zuschauer jeden Alters zu drehen. Sobald das klar war, haben sie mir die Umsetzung selbst überlassen.“

        In Anlehnung an die Original-Serie entwarf Barrett ein stilisiertes Pop-Americana der 1960er-Jahre, aus dem sich die Kostüme der Racer-Familie entwickelten. Barrett verwendete teils gemusterte Stoffe in den Grundfarben, um den retro-futuristischen Look zu schaffen. Speed Racer trug in der Serie immer dasselbe Outfit: sein typisches blaues Polohemd mit weißem Kragen, weiße Hosen und braune Rennhandschuhe sowie ein rotes Halstuch und rote Socken. Als Tatsuo Yoshida in den 1960er-Jahren seinen Helden für „Mach Go Go Go“ konzipierte, orientierte er sich seinerseits an Elvis Presleys Look in „Viva Las Vegas“ (Tolle Nächte in Las Vegas). Bei der neuen Version von Speed erlaubte sich Barrett einige Freiheiten, ohne die Originalserie zu vergessen: Das klassische Speed-Outfit trägt Emile Hirsch bei der Rallye Casa Cristo 5000.

        Trixie trägt ein Bonbon-Rosa, das zu ihrem spritzigen Helikopter und ihrer dynamischen Persönlichkeit passt. „Ich finde meine Outfits toll“, sagt Christina Ricci. „Ich spiele eine sehr mädchenhafte Trixie, die aber durchaus etwas von einem Wildfang hat.“

        Barrett dachte an Spritle und Chim-Chim, als sie den in Los Angeles ansässigen Designer Paul Frank ansprach, dessen Affengesicht-Emblem zum Erkennungszeichen seines sehr beliebten Kinder- und Erwachsenen-Modelabels wurde. Frank lud Barrett in das Lagerhaus seiner Firma ein, wo sie die berühmten Pyjamas mit dem Affengesicht entdeckte – sie sind wie für Spritle gemacht.
        Barrett erinnert sich: „Während meines Gesprächs mit Paul überlegten wir: ,Warum ziehen wir nicht auch Chim-Chim den Pyjama an – aber mit dem umgekehrten Design?‘ Paul erklärte sich also bereit, ein Emblem mit einem Jungengesicht zu entwerfen, das wir dann auf Chim-Chims Pyjama anbrachten. Alle waren begeistert.“

        Für die Rennfahrer, darunter Snake Oiler und Gray Ghost, wollte Barrett Outfits entwerfen, die zu den jeweiligen Wagen passen. „Weil das Design der Wagen bereits vorab fertiggestellt war, setzte ich mich mit Owen zusammen und diskutierte mit ihm Motive, Farben und Struktur jedes Fahrers“, erklärt Barrett. Snake Oilers schuppiges, an einen Rockstar erinnerndes Kostüm und das von Wikingern inspirierte Outfit des Teams Thor-Axine Inc. mochte Barrett persönlich am liebsten. „Ich hatte Glück, denn viele Fahrer waren Stuntleute, die sich auf alles einließen und sich nicht darum scherten, ob sie lächerlich aussahen. Diese Kostüme haben viel Spaß gemacht.“

        Beim Design und bei der Anfertigung der ledernen Overalls der Fahrer im Film holte sich Barrett die Unterstützung zweier erfahrener Leder-Schneider aus London, mit denen sie bereits an „Eragon“ (Eragon – Das Vermächtnis der Drachenreiter) zusammengearbeitet hatte: Patrick Whitaker und Keir Malem.

        Bei Racer X ging es laut Barrett darum, „die physisch beeindruckende Gestalt des maskierten Fahrers aus der Serie zu übernehmen. Racer X ist ein Superheld, aber ohne Cape – wir entwarfen also einen Look, der die Merkmale eines Superhelden mit einem Motorrad-Rennfahrer kombiniert. Wir wählten einen Lederanzug aus, der eher praktisch wirkt, in dem man sich bewegen mag und der wenig Pflege erfordert – er soll nicht so aussehen, als ob er nur aus der Schublade gezogen wird, wenn der Held gegen Verbrecher kämpft.“

        „Als Larry und Andy mich besetzten, sagten sie gleich: ,Der Anzug wird reichlich eng“, was wohl indirekt andeuten sollte: ,Bring dich in Form!‘“, lacht Matthew Fox.

        Am Set bekam Fox Probleme mit dem ledernen Overall: „Im Anzug wird mir sofort sehr heiß. Während der Kampfsequenzen konnte ich nur kurze Einstellungen drehen – dann musste ich mich erstmal wieder abkühlen.“

        Die komplizierteste Kampfsequenz fand auf einem Set statt, der ein Nachtquartier während der Rallye Casa Cristo 5000 darstellt. Royaltons Mann fürs Grobe, Cruncher Block, hat Ninjas angeheuert, die nachts in die Hotelzimmer von Speed Racer und Racer X eindringen, um sie zu ermorden.

        „Wir hatten beim Kampf zwischen Racer X, Speed und den Ninjas richtig Spaß“, sagt der für die Stunts verantwortliche Chad Stahelski. „Die Atmosphäre jedes Kampfes setzte sich deutlich von den übrigen ab. Der Ninja, der gegen Racer X antritt, meint es sehr ernst und macht Racer X das Leben wirklich schwer, aber der Ninja, der gegen Speed kämpft, ist eher ein ,Nonja‘, weil wir auch ein paar komische Elemente mit einbringen wollten.“
        „Wenn Racer X zuschlägt, splittern die Knochen“, bestätigt Fox. „Er wehrt Schläge sehr effektiv und rhythmisch ab.“ Fox hatte Glück, weil er schon vor „Speed Racer“ intensiv Martial Arts trainiert hatte. „Seit Jahren praktiziere ich Tae Kwon Do, und ich habe bereits an Turnieren teilgenommen – die Martial-Arts-Stunts in diesem Film waren also eine Gelegenheit, diese Techniken wieder aufzufrischen.“

        Für Emile Hirsch waren die Kampfsequenzen allerdings etwas ganz Neues. „Ich fand die Arbeit mit dem Stuntteam sehr kompliziert. Ein bisschen Kung Fu habe ich mir dabei angeeignet – das bringt echt Spaß. Das Einstudieren der unterschiedlichen Sequenzen hat mir gefallen – vor allem weiß ich jetzt, wie engagiert und konzentriert gute Stuntleute arbeiten müssen.“

        „Wir haben Emile einen Grundkurs für Stuntleute machen lassen – er lernt sehr schnell“, fügt Stahelski hinzu. „Speed Racer“ ist bereits Stahelskis fünfter Film mit den Wachowskis: Er war an allen drei „Matrix“-Filmen und „V wie Vendetta“ beteiligt.

        „Die Brüder arbeiten immer wieder gern mit demselben Team“, kommentiert Joel Silver den Umstand, dass sich die Wachowskis üblicherweise auf bereits bewährte Mitarbeiter wie Owen Paterson, John Gaeta, Dan Glass und Kym Barrett verlassen. „Denn dadurch wird die Verständigungsphase abgekürzt – das ist bei jedem Dreh ganz entscheidend, vor allem bei einem Projekt dieser Größenordnung.“

        Über seine Erfahrung bei der Arbeit mit den Wachowskis berichtet Hirsch: „Ich ahnte ja nicht, wie witzig sie sind. Wenn man die ,Matrix‘-Trilogie anschaut, meint man: ,Die Jungs meinen es richtig ernst.‘ Aber beide sind sie sehr lustig. Im Grunde sind sie Kids geblieben – deshalb sind sie die idealen Regisseure für dieses Projekt. Sie mögen ihre Arbeit wirklich sehr – und das merkt man ihnen an.“

        Dazu Fox: „Die Arbeit mit Larry und Andy, mit so tollen Darstellern und Team-Mitgliedern war eine echt verblüffende Erfahrung: Manchmal, wenn alle Darsteller im Kostüm zusammenkamen, schaute ich mich um und konnte kaum glauben, dass ich dabei sein durfte. Das war ein beeindruckendes Erlebnis.“

        „Es ist eine Ehre für mich, mit den Wachowskis zu arbeiten“, sagt Rain. „Was mir an diesem Projekt am meisten gefällt: Die Story handelt von Hoffnungen, von Träumen. Wenn sich die Kids den Film anschauen, dann inspiriert sie die Geschichte vielleicht dazu, die Hoffnung nie aufzugeben. Denn wer sich Mühe gibt, kann Erstaunliches zustande bringen.“

        Silver sagt abschließend: „Wir hatten schon lange vor, diesen Film zu machen. Glücklicherweise haben wir nun ein wunderbares Team aus Darstellern, Künstlern und Technikern zusammenbekommen, das diesen Klassiker des 20. Jahrhunderts in ein neues Jahrtausend übersetzt. Wir sind wirklich begeistert, weil wir ,Speed Racer‘ jetzt einer neuen Generation vorstellen dürfen. Und wir sind stolz darauf, einen Familienfilm zu machen, der die Zuschauer aller Altersgruppen anspricht.“

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