“James wollte eine Verfolgungsjagd im Film haben, die ausschließlich zu Fuß stattfindet und die ihresgleichen suchen sollte“, erzählt Schauspieler Leigh Whannell. Mit einem Grinsen fügt er hinzu: „Ich glaube, es ist ihm gelungen.“ Eine der dramatischsten Szenen von DEATH SENTENCE – TODESURTEIL ist mit Sicherheit jene, in der Nick Hume am helllichten Tag von Darleys Gang durch die Straßen gejagt wird. Es ist aber auch eine der kompliziertesten Sequenzen im Film, die sehr viel Vorplanung und noch mehr Vertrauen erforderte… James Wan wollte etwas ausprobieren, was bisher noch nie gemacht wurde: Die dreiminütige Verfolgungsjagd inklusive des Höhepunkts in einem fünfstöckigen Parkhaus sollte in einer Plansequenz abgedreht werden. „Die ganze Jagd, die in dieser Garage endet, sollte schnell und fieberhaft erscheinen“, erklärt der Regisseur, „doch sobald die Figuren das Parkhaus betraten, wurde es eine Art Choreographie. Man sieht, wie Nick Hume ins Parkhaus läuft und dabei die Alarmanlagen der Autos auslöst, um die Bösewichte abzuschütteln. Er rennt dabei über mehrere Ebenen, die Kamera verfolgt ihn dabei die ganze Zeit. Aber auch seine Feinde sind im Bild: die Kamera schwenkt zu ihnen über mehrere Etagen hinab, nur um im nächsten Augenblick wieder zu Nick nach oben zu rasen. Wir haben jedes einzelne Teammitglied für diese Einstellung mobilisiert. Es war wie bei einem Staffellauf: Einer reichte die Kamera weiter an den nächsten. Als dessen Teil der Sequenz abgedreht war, reichte er die Kamera wiederum weiter an einen anderen Kollegen - und so weiter. Die Szene gipfelt darin, dass Nick in die Enge getrieben wird.“
Kameramann Leonetti weist noch einmal auf die Komplexität dieser Plansequenz hin: „Als wir mit der Vorbereitung für diese Szene begonnen haben, erklärte uns James, wie er sich das Ganze vorstellen würde. Dann zeigte er mir das Parkhaus – ich habe gleich gesehen, dass das sehr cool werden könnte und dass wir das hinkriegen würden. Die Lichtsetzung war noch mal eine besondere Herausforderung, da die Einstellung ja tagsüber gedreht werden sollte. Wir arbeiteten bei natürlichem Licht mit verschiedenen Blenden – von offenen bis nahezu geschlossenen. Eine zusätzliche Herausforderung war es, die schwere 35-Milimeter-Kamera mit ihrem 400er-Magazin ständig weiterzureichen. Ich glaube, diese Einstellung ist einzigartig in der Filmgeschichte.“
„Wir setzten sechs verschiedene Kameraschwenker, zwei Kräne und einige sehr ungewöhnliche Techniken ein“, fügt Andrew Sugerman hinzu, der für die Koordination der Crew und des zusätzlichen Materials zuständig war. „Wir haben sogar ein Handkamera-System entwickelt, das leicht genug für diese Art von Einstellung ist und von einem Schwenker zum nächsten weitergereicht werden konnte – ohne dass der Zuschauer es bemerkt. Die Kamera glitt an einem Geländer entlang, wurde dann an einen Kran übergeben und fuhr an der Außenwand des Parkhauses zu einer anderen Ebene hoch. Dort wurde sie von einem anderen Kameraschwenker übernommen und auf einen anderen Kran verfrachtet. Danach ging es auf einen extra gebauten Dolly, der für besonders hohe Geschwindigkeiten ausgerichtet ist. Das Ganze war natürlich sehr kompliziert – wir mussten ja auch noch darauf achten, dass außer den Schauspielern niemand im Bild zu sehen sein durfte. Aus Los Angeles haben wir uns ein spezielles Videosystem mit zwanzig verschiedenen Sendern besorgt, das eine konstante Bildübertragung garantierte, so dass James die ganze Zeit über alles im Auge behalten konnte. Da wir das Ganze in einer Einstellung ohne einen einzigen Schnitt drehten, mussten wir so oft wiederholen, bis es bis ins letzte Detail passte.“
„Die ganze Szene ist unglaublich ausgeklügelt“, bestätigt Kevin Bacon, den die filmische Umsetzung auch körperlich stark herausforderte. „Nick sollte zu diesem Zeitpunkt völlig erschöpft und außer Atem sein. Und das können Sie mir glauben: Nachdem wir diese Szene den ganzen Tag über immer und immer wieder gedreht hatten, war ich erschöpft. Da musste ich nicht mehr viel schauspielern… Ich war nur noch am Keuchen und am Luft schnappen. Es war aber großartig, weil in mir gleichermaßen Aufregung, Furcht und Intensität hochkamen, als James das „Action“-Kommando gab. Ich wusste, dass ich präzise sein musste.“