Donnerstag | 31. Mai 2012 | 03:00 Uhr
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  • The Strangers

    Thriller | USA 2008
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      • | Produktion: Das Drehbuch

      • Hochspannung und Charakterschärfe schließen einander nicht aus. Im Gegenteil, für Regie- und Drehbuch-Debütant Bryan Bertino bietet das Genre des Thrillers den schnellsten und effizientesten Weg, eine Verbindung mit dem Publikum aufzubauen und Figuren in ihrer ganzen Komplexität darzustellen. „Als ich mit dem Drehbuchschreiben anfing, habe ich recht schnell herausgefunden, dass man die Leute am besten erreicht, wenn man ihnen Angst einjagt“, erklärt die Regie-Hoffnung. „Man kann dabei nämlich sehr gut andere Emotionen und Stimmungen ins Spiel bringen.“

        Bei seinem Buch zu THE STRANGERS, das am Anfang noch den Titel „The Faces“ trug, wollte er aufzeigen, dass Gewalt oft ohne nachvollziehbaren Sinn verübt wird. „Wenn Verbrechen begangen werden, bleibt die Tat für die Opfer meist unerklärbar. Sie müssen aber mit den Nachwirkungen umgehen“, sinniert Bertino. Das war der Grundgedanke, der den jungen Filmemacher ein Szenario entwickeln ließ, das auf unsere Urängste zielen sollte: Was würdest du tun, wenn du von Menschen attackiert wirst, die offensichtlich nichts anderes im Sinn haben, jenen Gewalt anzutun, die du am meisten liebst?

        „Heutzutage fehlt vielen Thrillern eine ganz zentrale Eigenschaft“, meint Bertino und zielt dabei auf die mangelnde psychologische Präzision ab. „Ich wollte ein raues und personell eng begrenztes Drehbuch schreiben. Es sollte um ein Paar in einer längeren Beziehung gehen und nicht um lose zusammen gewürfelte Typen. Ich wollte den Charakteren eine gewisse Tiefe verleihen – und zugleich ein echtes Horrorszenario ausbreiten.“

        Bei den ersten Entwürfen zum Drehbuch studierte er die Horrorwelt einer anderen Ära. „Die Thriller, die mich am meisten inspiriert haben, stammen aus den Siebzigern“, so Bertino. „Ich wollte ein Drehbuch schreiben, das die Figuren von ihrer verletzlichsten Seite zeigt. So wie es die Filme damals getan haben.“

        Die Story von THE STRANGERS entfaltet sich auf nur wenigen Stunden und beginnt in der Nacht vor den unheimlichen Ereignissen. Wir begegnen dem Paar auf der Hochzeit eines Freundes. Betrunken und erschöpft kehren die beiden in ihr Ferienhaus zurück, und schon kurze Zeit später werden sie von maskierten Gestalten heimgesucht. So wie alle großen Horrorfilme basiert auch Bertinos Skript zum Teil auf wahren Ereignissen. „Der erste Teil der Geschichte“, so verrät der Regisseur, „stammt aus den Erinnerungen an meine frühe Kindheit.

        Als Kind lebte ich in einem Haus mitten im Nirgendwo. Eines Nachts, meine Eltern waren weg, klopfte jemand an die Haustür und meine Schwester öffnete. Da standen dann Leute, die nach irgendjemandem fragten, der angeblich in unserem Haus wohne. Später hörten wir dann, dass es sich um Einbrecher handelte, die auf diese Weise herausfinden wollten, ob jemand zuhause sei. Bei THE STRANGERS nun stört die Eindringlinge nicht, dass jemand zuhause ist. Im Gegenteil, es spornt sie an.“

        Im Herbst 2004 überreichte Bertino das Drehbuch seinem Manager Michael Connolly, der sofort begeistert war und ein Meeting mit der Produktionsfirma Vertigo Entertainment organisierte. Der ausführende Produzent Sonny Mallhi und seine Kollegen Roy Lee und Doug Davison erkannten gleich, dass in dem Buch etwas steckte, dass sich vom Rest des gegenwärtigen Horrorkinos unterschied.

        „Es war anders, es war realer“, erinnert sich Mallhi. „Die Geschichte könnte sich so auch in deinem Hinterhof zutragen.“ Er war jedoch nicht nur von der gespenstischen Wirkung der Worte fasziniert, sondern auch von der herzzerreißenden Liebesgeschichte, die in THE STRANGERS steckt. Mallhi: „Die Beziehung zwischen den beiden sympathischen Charakteren – so was findet man in anderen Horrorfilmen einfach nicht.“

        Vertigo kaufte also das Drehbuch und Bertino kündigte seinen Job. „Ich musste endlich nicht mehr als Handlanger jobben“, freut sich er rückblickend. Während Bertino weiter das Drehbuch straffte, holte Vertigo mit Mandate Pictures eine weitere Produktionsgesellschaft ins Boot, mit der man kurz zuvor für die höchst erfolgreichen Werke Der Fluch (The Grudge, 2004) und Fluch – The Grudge 2 (2006) kooperiert hatte.

        Natürlich führte man Gespräche mit unterschiedlichen Regisseuren, am Ende aber schien doch Bertino selbst als am besten geeignet, um das Projekt zu realisieren. Die Vorbereitungen gestalten sich dann jedoch schwieriger als der Nachwuchsfilmemacher zuerst angenommen hatte: „Schließlich musste ich als Regisseur oft mit dem Drehbuchautor in mir ringen. Trotzdem habe ich nie aus den Augen verloren, wohin die Story gehen sollte und wie die Balance zwischen den einzelnen Figuren zu halten sei.“ Mit dem funktionierenden Skript und dem hungrigen Regiedebütant am Start, wurde es nun Zeit, die beiden Hauptdarsteller zu finden, die das Zeug dazu hätten, sich beim Dreh Stunde um Stunde durch die düstere Nacht jagen zu lassen.

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