Als das Drehbuch und die Besetzung fest stand, konnte dann endlich mit der Vorproduktion begonnen werden. In Anbetracht dessen, dass sich etwa 90 Prozent der Handlung mitten in der Nacht in und um ein dasselbe Haus ereignet, mussten Ausstattung und die Kulissen besonders genau ausgearbeitet werden.
In dem Production Designer John D. Kretschmer, der zuvor an Thrillern wie Scharfe Täuschung (Deceiver, 1996) oder Die eiskalte Clique (The In Crowd, 2000) beteiligt gewesen ist, fand Regie- Debütant Bryan Bertino einen kongenialen Partner für diese Aufgabe. Auch er flog beim ersten Lesen des Drehbuchs zu THE STRANGERS durch die Seiten. Um das verstörende Gefühl zu vermitteln, dass solcher Art Grauen jeden von uns heimsuchen könnte, verzichtete man darauf, im Drehbuch den Handlungsort geographisch festzulegen. Trotzdem arbeitete Kretschmer einen Entwurf aus, der sich am realen Vorbild des Hoyt-Ferienhauses orientierte. Diesen Entwurf nahm schließlich Bertino in sein Drehbuch auf, so dass beide eine klare und identische Vorstellung von der Anordnung des Handlungsortes entwickelten. „Uns verband eine geradezu gespenstische Übereinkunft“, erinnert sich Kretschmer. Als die beiden zum Beispiel getrennt von einander gezeichnete bauliche Details verglichen, wiesen diese erstaunliche Ähnlichkeit auf. „Meine Zeichnungen sahen fast genau so aus“, so staunt Kretschmer noch heute, „wie die, die Bryan schon drei Jahre früher 3000 Meilen entfernt angefertigt hatte.“ Bertinos und Kretschmers Strategie für den Haupthandlungsort lag daran, ein klassisches Grundmotiv auf den Kopf zu stellen. „In vielen Thrillern“, so Kretschmer, „gibt es das schaurige Haus auf dem Hügel, das man lieber aus der Ferne betrachtet. Bei THE STRANGERS ist es genau umgekehrt: Wir sind im Haus drinnen und gucken raus.“
Das Filmhaus wurde in einer ehemaligen Lagerhalle in Florence, South Carolina gebaut. Acht Wochen dauerten die Arbeiten insgesamt. Bei der Entwicklung des knapp 200 Quadratmeter großen Interieurs konferierte Kretschmer immer wieder mit dem Regisseur und mit Kameramann Peter Sova. „Es musste möglich sein, dass Peter mit seiner Kamera überall hingehen konnte“, erläutert Kretschmer die speziellen Anforderungen, „schließlich sollten die Zuschauer beim fertigen Film den beiden Hauptfiguren so nah wie möglich sein. Die gesamte Inneneinrichtung musste deshalb beweglich sein und die Wände bei Bedarf entfernbar.“ Gemeinsam mit der Ausstatterin Missy Berent entwickelte Kretschmer ein Interieur, das die nach draußen drängenden Bewegungen in der Handlung versinnbildlicht. Denn wenn die beiden Hauptpersonen Kristen und James aus dem Terrorhaus zu flüchten versuchen, soll der Zuschauer ja gleichsam von ihnen mitgerissen werden: „Nur raus!“ lautet die Devise – egal, was da auf der Veranda lauern mag.
Bertinos Bewunderung für das Kino der Siebziger beeinflusste nicht nur sein Drehbuch, sondern auch die Ausstattung von THE STRANGERS. Das Hoyt-Ferienhaus sollte erstmal ein gemütliches und warmes Refugium darstellen. Kretschmer dazu: „So eine Art Haus, mit dem Bryan, ich und wahrscheinlich auch sehr viele andere Menschen aufgewachsen sind – ein sicherer Rückzugsort, mit dem einen viele schöne Erinnerungen verbinden. Daraus erwächst in The STRANGERS ja gerade dieser Schrecken: dass das Ungeheure in eine Umgebung einbricht, die einem eigentlich Geborgenheit suggeriert.“
Auch zur Gestaltung der unmittelbaren Umgebung des Filmhauses tauchten Regisseur und Architekt noch einmal in Kindheitserinnerungen ab. „Bryan stammt aus Texas, ich bin in North Carolina groß geworden“, führt Kretschmer aus. „Wir kennen diese Art von Ranch House, in dem THE STRANGERS spielt.“ Nicht unweit von Florence, wo die Innenaufnahmen stattfinden sollten, fand man ein adäquates Anwesen für den Außendreh, eines jener idyllischen steinernen Country Houses, wie man sie in den Siebzigern gebaut hatte. Die zentralen Details aus dem Drehbuch waren sogar schon vorhanden: die Garage, die Auffahrt, die Bäume im großen Hinterhof und eine blecherne Scheune. Als Bertino, Kretschmer und der Location-Scout Steve Rhea das erste Mal auf dem Anwesen standen, wussten sie, dass dies der perfekte Ort für ihre Unternehmung war.
Das einzige Element, das extra für den Film errichtet werden musste, war die Veranda an der Rückseite. Um diese Veranda durchs Haus erreichen zu können, bauten Kretschmer und seine Mannschaft zusätzlich noch zwei gläserne Schiebetüren ein, die so typisch sind für die 70er-Jahre- Architektur. Und weil bei den Axtschlägen der Angreifer die hölzerne Haustür kaputt ging, fertigte man von ihr für die verschiedenen Shots mehrere Duplikate an.
Um die unheimliche Stimmung am Set anzuheizen, ließ sich Kretschmer noch ein paar Gimmicks einfallen. „Während des Drehs konnte man keine Autos oder Straßengeräusche hören“, so der Production Designer. „Aber man konnte Geräusche im oder direkt ums Haus herum hören, denn Mitglieder der Crew machten unerklärlichen Lärm während oder kurz vor den jeweiligen Aufnahmen. So jagten wir den Darstellern einen gehörigen Schrecken ein und brachten sie in die richtige Stimmung.“
Zum Großteil wurde der Film in chronologischer Reihenfolge gedreht. Gelegentlich machten Regen, Wind, Nebel und für die Saison ungewöhnlich kalte Temperaturen dem Team einen Strich durch die Rechnung: „Wir mussten aufgrund des Regens einige Male den Plan umstoßen oder Szenen anders als angedacht filmen“, gesteht Regisseur Bertino. „Aber die Überarbeitungen brachten eine ganz eigene Note in den Film.“ Und Darsteller Kip Weeks fügt hinzu: „Die Elemente wurden Teil der Geschichte und Teil unserer Performance. Es machte den Dreh nur natürlicher. Wir kämpften uns wirklich durch den Schlamm, wir mussten das nicht spielen.“ Rennt um Euer Leben: Ganzkörpereinsatz beim Dreh Wie es die Story verlangte wurden die beiden Hauptdarsteller ordentlich in die Mangel genommen. „Diese Rolle war emotional und vor allemkörperlich extrem schlauchend“, verrät Tyler, die während des anstrengenden Drehs zu allem Überfluss auch noch mit einer Mandelentzündung zu kämpfen hatte. „Normalerweise gibt es bei einem Film immer ein paar Szenen, von denen man weiß, dass sie besonders anstrengend werden. Aber hier waren das gleich zwei ganze Monate, und wir haben viele viele Stunden am Tag gearbeitet. Keine Frage, es waren die härtesten Dreharbeiten, die ich je erlebt habe.“
Als wären Wunden, Prellungen und ihre Halsschmerzen nicht genug, wurde sie auch noch täglich mit Kunstblut übergossen, außerdem applizierte man ihr eine schwarze Kruste unter die Fingernägel. „Für Der Herr der Ringe musste ich nur eine sehr schwierige Reitszene durchstehen“, so Tyler, „aber bei diesem Dreh kam ich jeden Morgen gewaschen und gekämmt in die Maske, um mich dann ekelhaft herrichten zu lassen. Eine schöne Herausforderung. Ich wusste vorher gar nicht, wie ekelhaft ich sich sein kann. Aber am Ende des Drehs war mein alter Körper quasi futsch.“ Um die atemlose Angst darzustellen, in die die beiden Hauptfiguren während der Handlung getrieben werden, liefen die beiden Darsteller kurz vor ihren Auftritten Sprints. „Ich bin bestimmt eine Meile am Tag gerannt“, glaubt Tyler. „Scott und ich waren eigentlich die ganze Zeit verschwitzt und außer Atem.“
Bertino erinnert sich noch immer voller Bewunderung am Tylers Ganzkörpereinsatz: „Sie hat sich definitiv in das Leiden von Kristen hineingefühlt, sie hat unglaublich hart gearbeitet. Außerdem musste sie während des ganzen Drehs barfuss agieren. Oft guckte ich an ihr runter und fühlte mich schuldig, weil ich nicht ins Drehbuch geschrieben habe: ‚Kristen trägt Tennisschuhe.’“
Wenn man bedenkt, dass THE STRANGERS ihr erster Versuch in diesem Genre ist, hat Tyler einen beachtlichen „Screen Scream“ entwickelt. „Am Anfang machte ich mir ein wenig Sorgen“, so die Schauspielerin, „weil ich keine Ahnung hatte, wie sich das anhören könnte und wie ich dabei rüber käme. Aber dann stieß ich ganz plötzlich diesen gewaltigen Schrei aus. Ich glaube, ich habe die Kollegen zu Tode geängstigt.“
Bertino kann bei dem Thema nur respektvoll nicken: „Liv kann wirklich schreien! Wir hatten uns zuvor darauf geeinigt, dass wird das Schreien nicht proben, damit die Horrormomente so abrupt und unvorbereitet wie möglich erscheinen. Als Liv dann los schrie, ging es uns durch Mark und Bein. Zudem gab es einige besonders brutale Szenen, denen einige Teammitglieder beim Dreh nicht beiwohnen konnten, da sie viel zu sehr mit den beiden Figuren mit litten.“
Dass der Dreh emotional extrem aufreibend war, daran erinnert sich auch Speedman noch genau. „Glücklicherweise ließ Bryan bei den härtesten Szenen stets zwei Kameras laufen, so dass wir nicht den ganzen Tag drehen mussten. Solch aufwühlende Momente kann man einfach nicht beliebig oft wiederholen. Hilfreich war es da auch, dass Bryan es uns ermöglichte eigene Ideen einfließen zu lassen.“
Ähnlich frei waren auch die Schauspieler, die die Eindringlinge spielten. Kip Weeks gelangte bei der Arbeit sogar zu einigen tieferen philosophischen Einsichten: „Wir sind so desensibilisiert durch mediale Einflüsse wie Internet, Fernsehen, Videospiele oder YouTube, dass wir gar nicht mehr wirklich menschlich reagieren auf Gewalt im Allgemeinen und Tod im Besonderen. Auf eine verrückte Art haben wir versucht, Gefühle wie Schuld und Sühne wiederherzustellen, indem wir die Gewalt wirklich erlebbar machen.“
Gemma Ward, die ebenfalls einen der Eindringlinge spielt, fügt hinzu, dass es ihr geholfen habe, „mir vorzustellen, dass diese Leute nichts zu sagen haben. Die wollen zum ersten Mal in ihrem Leben etwas dominieren und die Situation beherrschen.“ Und „Pin-Up Girl“ Margolis konkretisiert: „Ich glaube, meine Figur hätte nie die Nerven, all diese schrecklichen Dinge zu tun, wenn sie keine Maske aufhätte. Im normalen Leben hat sie keine Macht und keine Kontrolle. Umso mehr genießt sie es, wenn sie ihre Maske aufsetzt.“