„Vier Uhr morgens auf einem Fliegerhorst der nepalesischen Luftwaffe in Katmandu. Kameramann Michael Kelem und ich sehen zu, wie Soldaten Bomben aus einem ehemaligen britischen Spionageflugzeug entladen. In weniger als einer Stunde sollen wir in eben diesem Flugzeug abheben, um aus höchster Höhe Luftaufnahmen vom Mount Everest zu machen und den Vogelzug der Paradieskraniche auf Film zu bannen. Ein unüblicher Beginn für einen Drehtag!
Aber es war ein perfekter Morgen zum Drehen. Es schien, als erstrecke sich die riesige Barriere des Himalaya vor uns bis zur Unendlichkeit. Innerhalb weniger Minuten hatten wir Kurs in Richtung China genommen, um auf eine Position auf der Ostseite des Everest zu kommen – rechtzeitig zum Sonnenaufgang. Wir flogen auf einer Höhe von knapp 10.000 Metern, wenige Kilometer vom Gipfel entfernt. Als die ersten Sonnenstrahlen den Gipfel erreichten, gab ich die Anweisung, mit den Aufnahmen zu beginnen. Genau in diesem Moment zeigte Michael auf den Monitor – das Bild war unscharf; die vordere Linse war überfroren. Weil die Sonne jeden Moment aufgehen würde, hatten wir nicht viel Zeit zum Überlegen. Ohne zu zögern kroch Michael nach vorne, drehte die Linse ab und reinigte schnell das Vorderteil der Kamera. Eine ganz schöne Leistung, neben einer offenen Flugzeugtür bei minus 20 Grad zu arbeiten, während man durch eine Sauerstoffmaske atmet!
Er gab das Zeichen, dass wir loslegen könnten. Mit einer Aufnahme im Kasten beschlossen wir, es drauf ankommen zu lassen und noch eine zweite zu probieren. Ich wollte noch näher an den Gipfel fliegen. Gerade als ich "Action!" rief, sah ich aus dem Augenwinkel, wie die Finger des Flugingenieurs unkontrolliert zuckten. Dies ist ein klassisches Symptom für Hypoxie – oder Höhenkrankheit. Ich sah ihm in die Augen und bemerkte, dass die Augäpfel nach innen gedreht waren. Ich rief den Kopiloten, der sofort aus dem Cockpit kam und seinen Sauerstoff mit ihm teilte. Aber nichts geschah – die Sauerstoffmaske des Kopiloten war anscheinend ebenfalls verstopft. Es gab nur eine Möglichkeit zur Rettung, und in Sekundenbruchteilen entschied der Pilot, auf eine sichere Höhe runter zu gehen und ließ das Flugzeug innerhalb von 15 Sekunden tausend Meter in die Tiefe schießen. Der Flugingenieur kam gleich wieder zu sich und scherzte bald wieder, als ob nichts gewesen wäre. Michael hatte von dem allen nichts mitbekommen, weil er sich völlig auf die Aufnahme konzentrierte. Ganz im Gegenteil: Er kam kurz darauf ins Cockpit, um sich zu beschweren, dass wir diesen Sturzflug eingelegt und so seine Aufnahme verdorben hatten!“
Vanessa Berlowitz, Regisseurin Außenaufnahmen