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  • Das Beste kommt zum Schluss

    Abenteuer, Drama, Komödie | USA 2007
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      • | Über die Produktion

      • Regisseur/Produzent Rob Reiner hatte erst zehn Seiten des Drehbuchs „The Bucket List“ (Das Beste kommt zum Schluss) gelesen, als er seinem Produzentenpartner Alan Greisman bereits mitteilte, er habe sein nächstes Projekt gefunden. Greisman erinnert sich: „Ich forderte Rob auf, auch den Rest zu lesen, aber es gab überhaupt keinen Zweifel mehr: Dieses Thema lag ihm am Herzen – er hatte sich entschieden, ohne den Schluss zu kennen. ,Eine traumhafte Story – ich kenne diese Figuren‘, sagte er. ,Das ist es.‘“
        Daraufhin sprachen die beiden die Produzenten Craig Zadan und Neil Meron von Storyline Entertainment an, die ihnen das Skript geschickt hatten, und begannen die Planung, um „Das Beste kommt zum Schluss“ noch im selben Jahr zu verfilmen.

        Reiner reagierte spontan und ganz persönlich auf die Story, weil er spürte, dass die darin angesprochenen Themen uns alle etwas angehen: „Vor allem die Generation der Babyboomer ist jetzt in dem Alter, in dem sie ihr Leben ernsthaft überdenken und bilanzieren – und da fühlt man sich von ,Das Beste kommt zum Schluss‘ wirklich betroffen. Wer alte Eltern oder Großeltern hat, weiß ebenfalls, was es heißt, auf ein vergangenes Leben zurückzublicken, aber wir müssen auch nach vorn schauen und überlegen, was wir mit der verbleibenden Zeit anfangen sollen. Ich spürte, dass ich diesen Stoff unbedingt und auf der Stelle anpacken musste. Er hat das gewisse Etwas“, fügt er hinzu und verweist auf das humorvolle Potenzial der Story, aber auch auf die zutiefst menschliche Situation, ganz zu schweigen vom „grandiosen Abenteuer, das die beiden Männer einmal rund um die Welt führt, damit sie herausfinden, was sie eigentlich all die Jahre motiviert hat.“
        Zadan und Meron hat diese Reaktion durchaus nicht überrascht, denn sie waren genauso begeistert von dem Skript, das der Chef ihrer Entwicklungsabteilung, Travis Knox, entdeckt hatte – er betreut den Film als Executive Producer.
        „Wie an jedem Abend nahm ich einen Stapel Drehbücher zum Lesen mit nach Hause, aber dieses war seit langer Zeit wieder mal eines, das ich nicht aus der Hand legen konnte. Auf einzigartige Weise verbindet es Herz und Humor. Das wollte ich unbedingt umsetzen“, sagt Knox und berichtet dann, wie er das Skript an Zadan und Meron weitergab und Reiner als Regisseur vorschlug, mit dem die Produzenten aktuell ein ganz anderes Projekt diskutiert und sich dabei auf kreativer Ebene sofort bestens verstanden hatten.

        Mit Hinblick auf Reiners beeindruckende Filmografie sagt Zadan: „Wir schätzen vor allem Robs Fähigkeit, aus emotionalen Stoffen den Humor herauszuarbeiten. Gerade diese Vielschichtigkeit macht ihn zu einem überragenden Regisseur – für unseren Film wollten wir ihn und keinen anderen.“
        Und Greisman fügt hinzu: „Es geht in dieser Story um Freundschaft und Liebe, um das, was im Leben wirklich zählt. Das setzt eine Menge Gefühle frei, bringt uns aber auch zum Lachen, und letztlich lernen wir manches über das Leben an sich.“
        Vor allem eine Weisheit bringt das Skript auf den Punkt, wie Jack Nicholson bestätigt: „Man bedauert nicht so sehr das, was man getan hat, sondern vor allem das, was man versäumt hat.“

        Die sich – oft sehr explosiv – entwickelnde Beziehung der beiden nicht gerade füreinander gemachten Reisegefährten treibt die Story voran. Obwohl sie aus diametral entgegengesetzten Milieus stammen und auch charakterlich sehr unterschiedlich sind, entdecken sie doch entscheidende Gemeinsamkeiten, die alles andere oberflächlich erscheinen lassen.

        Die Rolle des Carter übernimmt Morgan Freeman – er meint dazu: „Man freundet sich mit Leuten an, wenn man Gemeinsamkeiten entdeckt – und diese beiden haben ganz wesentliche Gemeinsamkeiten: Sie wissen genau, dass sie nicht mehr lange zu leben haben. Als Carter Edward kennenlernt, bekommt er erstmals die Chance, sein Leben ganz anders anzugehen, ganz eigennützige Entscheidungen zu treffen. Das ist eine ungeheure Erfahrung für einen Mann, der das Gefühl hat, sein Leben lang immer nur an die anderen gedacht zu haben.“

        Die „Löffel-Liste“ selbst stammt aus einem College-Kurs, den Carter belegt hatte, bevor er sein Studium aufgab, um seine Familie zu ernähren. „Die Liste war eine Übung, um sich auf die Zukunft zu konzentrieren. Die jungen Leute sollten darüber nachdenken, was ihnen wirklich etwas bedeutet und was sie im Leben erreichen wollten“, erklärt Reiner. Über dieses Konzept hat der von Natur aus nachdenkliche Carter immer wieder gegrübelt, und in seinen Mußestunden hat er es überarbeitet. Sogar im Krankenhaus bewegt ihn die Liste, als er über die ihm verbleibenden Optionen nachdenkt. Falls Carter jemals ernsthaft daran geglaubt hat, die Punkte auf seiner Löffel-Liste abzuarbeiten, dann gibt er die Hoffnung spätestens jetzt auf – und er formuliert das auch, als Edward die Liste zufällig zu sehen bekommt und nachfragt.
        Doch in Edwards Wortschatz existieren Worte wie „nein“ und „zu spät“ einfach nicht. Daher schlägt er vor, die Liste in die Tat umzusetzen. Auf der Stelle. Typischerweise fügt er seine eigenen Ziele noch hinzu.

        Freeman berichtet, wie sich die beiden sogar in dieser Hinsicht unterscheiden: „Edward geht wie bei einer Abhak-Liste ganz praktisch vor. Während es Carter um eher geistige Werte geht, zum Beispiel ,Etwas Majestätisches erleben‘ oder ,Einem Fremden um seiner selbst willen helfen‘, sucht Edward den Adrenalinschub – er will aus einem Flugzeug springen und das schönste Mädchen der Welt küssen.“

        Obwohl Edwards Arzt davon abrät und Carters liebevolle Frau Virginia besorgt protestiert, lassen sich die über 60 Jahre alten Männer nicht von ihrem Vorhaben abbringen – sie fahren zusammen los und erleben die Abenteuer zweier Leben auf einer ungewöhnlichen Reise mit offenem Ausgang. Sie wollen all das in die Tat umsetzen, was sie sich immer schon gewünscht haben, um dabei zu sich selbst zu finden und ihrem Leben einen Sinn zu geben.

        „Das fand ich sehr abenteuerlich – und Abenteuer mag ich nun mal“, sagt Nicholson. „In der Story wird viel ausgesprochen, worüber wir alle nachdenken, selbst wenn wir es nicht formulieren können.“

        „Auf der Reise entwickelt sich ihre Freundschaft ganz fundamental“, sagt Meron. „Am Anfang hat Edward das Ganze sicher eher als Jux angesehen, aber langsam überzeugt ihn die Art und Weise, wie Carter darüber denkt. Allmählich stellt Edward erstmals sein eigenes Leben auf den Prüfstand, entwickelt sich gefühlsmäßig, wirkt ausgeglichener. Aber natürlich hat er noch einen langen Weg vor sich. Dabei geht es darum, dass es eben nie zu spät ist. Für uns alle gilt: Wir müssen entscheiden, was wichtig ist, und uns nach besten Kräften danach richten – egal, wie alt wir sind und in welchen Umständen wir leben.“
        Drehbuchautor Justin Zackham, der die Produktion auch als Executive Producer begleitete, wollte sich nie genau auf ein ideales Alter seiner beiden Globetrotter festlegen, sagt dazu aber: „Es sollten schon zwei Männer sein, die über eine gewisse Lebenserfahrung verfügen. Bestimmte Entscheidungen sollten sie bedauern. Ein junger Mann könnte über so etwas nur spekulieren.“ Übrigens verrät er, dass er schon beim Schreiben der ersten Drehbuchfassung „Morgan Freemans Stimme im Kopf hörte“.

        Bald darauf nahm auch Jack Nicholsons Mitwirkung konkrete Formen an. In den Wochen vor Drehstart traf sich der Schauspieler regelmäßig mit Rob Reiner, um die Dialoge Szene für Szene durchzuarbeiten. Dazu Reiner: „Ich erzähle Ihnen mal etwas über Jack Nicholson, was kaum jemand weiß: Natürlich ist er ein überragender Darsteller – das ist allgemein bekannt. Aber er ist auch ein sehr guter Autor, ein echter Verseschmied. Er weiß, wie man Sätze interessanter, farbiger und pronocierter formuliert. Er ging genau wie ich davon aus, dass wir kaum viele derartige Filme drehen werden – tatsächlich wird es bei diesem einen bleiben. Also wollten wir uns auf jede nur denkbare Nuance konzentrieren und sie so hinbekommen, dass sie sitzt. Wir haben den Text vor dem Dreh komplett überarbeitet, und sogar während der Aufnahmen haben wir uns in seinem Wohnwagen immer wieder zusammengesetzt und Ideen ausgetauscht.“

        Laut Reiner ging es darum, „den Humor mit den Emotionen der Story in Einklang zu bringen, wobei der Unterhaltungsfaktor nicht auf Kosten des Gehalts gehen darf. Wir behandeln ein ernstes Thema, das Respekt verdient. Gleichzeitig steckt darin eine Menge Komik, und es ist das reine Vergnügen zuzuschauen, wie sich diese beiden großartigen Schauspieler gegenseitig die Bälle zuwerfen.“

        Wie so oft „geht es nicht so sehr um die Umstände, sondern darum, wie die Menschen damit fertig werden. Gerade dadurch beginnt ,Das Beste kommt zum Schluss‘ innerlich zu leuchten“, sagt Zadan. „Die Story geht wirklich sehr zu Herzen, sie strahlt Optimismus aus. Sie bejaht das Leben.“
        „Eine Löffel-Liste kann jeder aufstellen“, weiß Zackham. „Genau wie es keinen einzigen Menschen auf der Welt gibt, der nicht geliebt werden will, gibt es auch niemanden, der nicht zumindest ansatzweise darüber nachdenken würde, was er im Leben erreichen will. Aber oft genug lassen wir uns vom Tagesgeschäft vereinnahmen, und manchmal kommen wir von dem Weg ab, den wir einschlagen wollten. Die beiden Männer in ,Das Beste kommt zum Schluss‘ korrigieren ihre Marschrichtung, sie bringen den Mut auf, ihre Träume zu verwirklichen. Und das passiert recht selten – so überraschend und traurig das auch ist.“

        „Mein eigener Maßstab richtet sich nach den Menschen, die mich als Maßstab ansehen.“
        – Carter Chambers

        Sobald Rob Reiner beschlossen hatte, den Film zu drehen, merkte er: Ohne Morgan Freeman in der Rolle des Carter Chambers würde das nicht funktionieren: „Ich konnte mir niemanden sonst in dieser Rolle vorstellen. Er musste einfach mitmachen.“

        Glücklicherweise war Freeman vom Drehbuch stark beeindruckt… und schlug einen Partner für sich vor, an den Reiner bereits gedacht hatte: Jack Nicholson als Edward Cole. Schon 1992 hatte Reiner mit Nicholson den berühmten Justizkrimi „A Few Good Men“ (Eine Frage der Ehre) gedreht, der beiden Oscar-Nominierungen einbrachte.
        Freeman gesteht: „Wenn wir schon über persönliche Löffel-Listen sprechen, dann stände auf meiner jedenfalls ein gemeinsamer Film mit Jack Nicholson.“

        Ob die Beziehung zwischen Edward Cole und Carter Chambers funktioniert, hängt entscheidend von Jack Nicholsons und Morgan Freemans Interaktion als Kollegen und Freunde ab. Dazu Freeman: „Wie wir aufeinander reagieren, kann ich nicht beschreiben. Wir tun es einfach. Jack bringt seine ganz eigentümliche Dynamik, seine Könnerschaft und Energie in die Rolle ein. Egal, wie man das definieren mag: Genau darum schauen wir uns jeden seiner Filme an. Man kann es Aroma nennen.“
        „Jack kann auf der Leinwand durchaus auch mal explodieren, und Morgan ist der Zen-Meister, der sich durch nichts aus der Ruhe bringen lässt“, sagt Reiner. „Sie ergänzen sich auf unnachahmliche Weise. Mir war natürlich klar, dass sie wunderbar zusammenpassen und den Dialogen, der Handlung eine Dimension verleihen, die wir beim Lesen nicht mal ahnen konnten.“

        „Es ist wunderbar, den beiden bei der Ausarbeitung der Figuren zuzuschauen“, sagt Zadan. „Manche Sätze im Drehbuch hielt ich bereits für hervorragend, aber ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen, wie komisch sie sein können, bis Jack sie in den Mund nahm und wir alle losprusteten. Es gelingt ihm, jedem Wort, jedem Satz den richtigen Gehalt zu geben. Und Morgan ist per se unfähig, einen falschen Ton zu treffen. Das gibt es einfach nicht – es kommt nie vor, dass er eine Szene schmeißt.“

        Beide Hauptfiguren müssen mit Enttäuschungen umgehen.

        „Milliardär Edward bekommt immer, was er will – er reist erster Klasse durchs Leben“, erklärt Reiner. „Sein Lebensinhalt ist das Geldverdienen, seine gesamte Energie investiert er ins Geschäft – was man entfernt als sein Privatleben bezeichnen könnte, bleibt dabei auf der Strecke. Es gibt das Sprichwort: ,Auf dem Sterbebett wünscht sich niemand, er hätte mehr Zeit im Büro verbringen sollen.‘ Das kann man wunderbar auf Edward anwenden – aber ihm ist das überhaupt nicht klar.“
        „Durch seine Karriere ist er ziemlich vereinsamt – das Geld ist sozusagen sein einziger Freund“, stellt Nicholson fest. Dennoch ist es die Energie des Unternehmers, die Edward auch in dieser entscheidenden Situation gute Dienste leistet, denn er beseitigt jedes Hindernis, das ihm bei seiner Reise mit Carter im Weg stehen könnte: „Er ist und bleibt der Kämpfer, der jedes Problem bei den Hörnern packt.“

        Doch Greisman beobachtet: „Obwohl Edward nichts von der unbändigen Kraft einbüßt, die ihn beruflich an die Spitze katapultiert hat, zeigt Jack ihn doch als sehr verletzlich – das geht richtig unter die Haut.“

        Gleichzeitig muss Charter mit seiner persönlichen Enttäuschung fertig werden. „Er ist ernüchtert… zumindest glaubt er das“, sagt Freeman. „Denn er hatte einen Lebensplan, den er aufgrund der Umstände nicht verwirklichen konnte – sein Pflichtgefühl hat ihm eine andere Richtung vorgegeben. Er hat hart gearbeitet, Kinder großgezogen, ihnen eine Ausbildung ermöglicht, und obwohl ihm seine Familie nach wie vor alles bedeutet, muss er sich wider Willen eingestehen, dass er sich ein anderes Leben gewünscht hätte. Wie Carter geht es vielen Menschen. Wenn sie großes Glück haben, begreifen sie, dass sie ihre Wünsche verwirklicht haben. Ich glaube nämlich nicht, dass wir unbedingt anders handeln würden, wenn wir eine zweite Chance bekämen, denn die meisten Entscheidungen treffen wir aufgrund der aktuellen Bedürfnisse und nicht im Hinblick auf das, was später einmal passieren könnte.“

        Bei ihrem improvisierten Ausbruch werden die beiden von Edward Coles persönlichem Assistenten Thomas unterstützt, der Edward als Barmann und Mädchen für alles ständig zur Verfügung steht. Die Rolle übernimmt Emmy-Preisträger Sean Hayes. Egal, wie Thomas’ Stelle einst ausgeschrieben war – Thomas hat offenbar die Anforderungen und sich selbst übertroffen, denn er bewältigt nicht nur souverän und schlagfertig alle Tücken in Edwards stets übervollem beruflichen und persönlichen Terminkalender, sondern stellt sich auch sehr professionell auf die Launen und die kantige Persönlichkeit seines Chefs ein.

        „Als Assistent zahlt Thomas Edward jede schlechte Behandlung mit gleicher Münze zurück – er gehört zu den wenigen Leute, die keine Angst vor ihm haben“, berichtet Hayes. „Thomas ist ständig erreichbar und stets korrekt gekleidet – das bietet immer wieder Anlass zu Witzen. Egal, zu welcher Tages- oder Nachtzeit, egal, in welchem entlegenen Winkel der Welt sie sich aufhalten: Immer ist Thomas wie aus dem Ei gepellt, immer trägt er Anzug und Krawatte.“

        Hayes schreibt selbst gern Listen, um seine Ziele zu formulieren. Über das Skript sagt er: „Es ist ein sehr anregendes Beispiel dafür, was die Konzentration auf das Kommende bewirken kann. Mir gefallen Filme, die uns unterschwellig Lebenshilfe vermitteln oder uns neue Denkanstöße geben, die wir aus dem Kino mit nach Hause nehmen.“
        Die Produzenten Zadan und Meron haben 2002 mit Hayes bereits den von der Kritik hoch gelobten TV-Film „Martin and Lewis“ gedreht, in dem Hayes Jerry Lewis darstellt. Meron meint: „Thomas ist natürlich dazu da, Edwards Anweisungen zu befolgen, aber er kennt Edwards Persönlichkeit in- und auswendig – sogar besser als Edward selbst. Manchmal meistert er Situationen, die Edward auf seinem Weg zu sich selbst voranbringen – das mitzuerleben ist einfach traumhaft.“

        „Als Comedian ergänzt Sean Jack hervorragend; Manchmal gibt es richtig heftige Auseinandersetzungen zwischen Chef und Assistent, bei denen es entscheidend auf Seans unerschütterliches Pokergesicht ankommt. Außerdem bringt er oft seine eigenen Sprüche und Witze gratis mit ein“, fügt Reiner hinzu.
        Genau wie Thomas weiß auch Edwards Arzt Dr. Hollins genau, wen er vor sich hat. Aber im Gegensatz zu Thomas gelingt es ihm überhaupt nicht, Edwards Verhalten vorauszusehen oder in den Griff zu bekommen. Den Mediziner spielt der mehrfache Emmy- und Golden-Globe-Kandidat Rob Morrow.
        Die Therapie einfach aufzugeben, um spontan irgendwohin zu reisen, kann natürlich kein Arzt empfehlen. Und so rät Dr. Hollins Edward eindringlich von seinem Vorhaben ab, aber letztlich weiß er auch, dass er genauso wenig gegen ihn ausrichten wird wie Edwards Aktionäre, Anwälte und seine zwei Ex-Frauen.

        Dazu Greisman: „Wir hatten großes Glück, dass Rob diese Rolle mit seinen Seriendrehterminen vereinbaren konnte – er zeigt eine fantastische Leistung. Als Edwards Arzt ist er die Stimme der Vernunft, aber an seinem Gesicht und seinem Auftreten können wir ablesen, dass er sich keine Illusionen macht: Keines seiner Argumente wird diesen Patienten von seinem Vorhaben abbringen.“
        Unterstützung bekommt Dr. Hollins von Carters Frau Virginia, die von Beverly Todd gespielt wird – bereits zum dritten Mal tritt sie neben Morgan Freeman auf: Anfang der 70er-Jahre waren sie mit einem Zwei-Personen-Stück in Joe Papps New Yorker Public Theatre zu sehen, und 1989 folgte der Spielfilm „Lean on Me“ (Der knallharte Prinzipal).

        Virginia legt nicht nur Wert darauf, dass Carter zum eigenen Wohl im Krankenhaus bleibt, sondern sie möchte ihn ganz eigennützig auch für sich behalten. Sie reagiert wütend, ist verletzt und fühlt sich im Stich gelassen, wie Todd weiß: „Sie kann einfach nicht begreifen, dass ihr Mann, den sie all die Jahre geliebt, gehegt und gepflegt hat, einfach abhaut und verrückte Abenteuer mit einem Mann erlebt, den er gerade ein paar Tage kennt, ohne zu wissen, wie viel Zeit ihnen noch bleibt. An diesem Wendepunkt in Carters Leben fürchtet sie natürlich, er könnte ihr vorwerfen, dass er sein Lebensziel nicht erreicht hat, denn so etwas passiert manchmal – und das bricht ihr das Herz.“

        Freeman berichtet, wie es Todd gelingt, dieser Jahrzehnte währenden Ehe mit all ihren konfliktreichen Emotionen eine beeindruckende Dimension zu geben: „Beverly wirkt absolut glaubwürdig: Mit ihrer Gefühlsskala gelingt es ihr, den Zuschauern ihre Sorgen nahezubringen. Das habe ich schon bei unserer ersten Zusammenarbeit schätzen gelernt, als wir ein Paar in großen Schwierigkeiten spielten. Wir merkten, wie die Frauen im Publikum zustimmend nickten, denn wenn Beverly sprach, sagte sie die Wahrheit. Die Dialoge geben zwar die Richtung vor, aber das Gefühl dazu muss der Schauspieler aus sich selbst hervorbringen.“

        Carters und Virginias Sohn Roger wird von Morgan Freemans tatsächlichem Sohn Alfonso Freeman gespielt. Im Gegensatz zu Virginia äußert Roger keine klare Meinung zu Carters spontaner Reise. Er ist selbst Familienvater und Anwalt und begreift, dass seine Mutter sich Sorgen macht, aber er zeigt auch Verständnis für die Bedürfnisse, die zu Carters Entschluss führen: Er gönnt seinem Vater die Freiheit und den wohlverdienten Seelenfrieden.
        „Es kommt gar nicht darauf an, wohin sie reisen und was sie dort tun, sondern was sich auf ihrem Trip zwischen den beiden entwickelt. Ob sie nun im Jeep durch die Serengeti fahren oder am nächsten Tag vor einer Pyramide sitzen – immer sind ihre Unterhaltungen und Überlegungen von einem roten Faden durchzogen, und die wirklich spannende Entwicklung findet in diesen Gesprächen statt“, berichtet Reiner. „Jede Reisestation bringt sie dazu, über eine weitere Facette ihres Lebens nachzudenken.“
        Als Carter und Edward über die Pracht des Taj Mahal staunen, das Shah Jahan als Grabmal für seine geliebte Frau errichtete, erinnern sie sich an die Liebe, die sie in ihrem eigenen Leben erfahren haben und was sie ihnen bedeutet. Als sie später an der gewaltigen Cheops-Pyramide rasten, denkt Carter über den Glauben der alten Pharaonen nach, wonach wir einst über unser Leben Rechenschaft ablegen müssen. Wie Edward und Carter werden die Zuschauer begeistert auf jede neue Sehenswürdigkeit während der abwechslungsreichen Reise in „Das Beste kommt zum Schluss“ reagieren, aber sie werden auch bemerken, dass es vor allem auf die seelische Landschaft ankommt.
        „Ich habe schon einiges von der Welt gesehen, und auf meiner Liste stehen noch etliche weitere Ziele“, sagt Reiner im Hinblick auf das eigentliche Thema der Story. „Sicher werde ich nicht alles schaffen, aber das ist auch längst nicht so wichtig wie die Menschen, die mir nahestehen. Sicher ist es toll, um die Welt zu reisen, den Everest zu erleben und mit dem Fallschirm aus einem Flugzeug zu springen, aber für ein erfülltes Leben braucht man das nicht – und das ist die Aussage unseres Films. Im Leben kommt es vor allem auf die Beziehung zur Familie und zu den Freunden an. Nur darum geht es. Wenn man das begreift, glaube ich, macht das Leben einen Sinn.“

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