„Ich will da ganz ehrlich sein. Ich glaube nicht, daß es für einen Kerl möglich ist, sich während seiner Flit-terwochen in eine andere Frau zu ver-lieben und das Ganze endet für ihn mit einem Happy End.“ – Mac
Als Peter Farrelly vor vier Jahren von einem überarbeiteten Drehbuch zu „The Heartbreak Kid“ („Nach 7 Tagen – aus-geflittert“) hörte, wollte er das Projekt eigentlich ablehnen. „Der Originalfilm von 1972 (Anm.: deutscher Ti-tel„Pferdewechsel in der Hochzeits-nacht“) ist einer meiner absoluten Lieb-lingsfilme“, erzählt Farrelly. „Meine erste Reaktion war ‚auf keinen Fall’. Ich wollte es nicht machen.“ Aber nachdem er sich den Film nochmals angesehen hatte, realisierte er, wie sehr sich die Story für Gags, Unfug und sonstige Far-rellysche Markenzeichen eignete. Die Version von 1972 basierte auf einer Kurzgeschichte von Bruce Jay Friedman in einer Adaption von Neil Simon, die Hauptdarsteller waren Charles Grodin und Cybill Shepherd.
„Was uns an dem Skript von Scot Arm-strong und Leslie Dixon faszinierte und unsere Aufmerksamkeit erregte, war, daß sie die Geschichte sozusagen umgedreht hatten: In dieser neuen Version heiratet Eddie die Schöne, damals gespielt von Cybill Shepherd, er trifft sie nicht erst nach der Hochzeit, statt dessen ist sie es, mit der er in die Flitterwochen fährt. Dann aber lernt er eine Frau kennen, die mehr auf seiner Wellenlänge liegt, die bodenständiger ist, mehr wie das Mädchen von nebenan. Ich fand, dies machte das ganze zu einer komplexeren Story.“
Ben Stiller, der in der Neuverfilmung die Hauptrolle spielt, ist ebenfalls ein großer Fan des ursprünglichen Films von 1972. „Es ist ein Klassiker“, so der Schau-spieler. „Es ist einfach ein sehr witziger Film, und ich dachte, hier bietet sich uns die Chance, etwas ein klein wenig ande-res zu machen. Das Original kann man nicht wirklich besser machen. Dies hier ist einfach ein anderer Film.“
Eine der größten Herausforderungen sowohl für die Filmemacher als auch ihren Star war es, die Hauptfigur des Eddie sympathisch erscheinen zu lassen – schließlich ist er ein Kerl, der seine Frau während der Flitterwochen sitzen läßt.
Für Bobby Farrelly ist Stiller selbst der Schlüssel dazu, daß das Publikum auf der Seite Eddies bleibt. „Ben macht aus Eddie eine sympathische Figur“, erläu-tert der Regisseur. „Man versteht, wa-rum er so ist, wie er ist und tut, was er tut, und hoffentlich schlägt man sich auf seine Seite. Wenn man dann erst einmal möchte, daß ihm Gutes widerfährt, kommen wir auch mit den heftigen Wit-zen durch, die wir dem Publikum so ger-ne servieren.“
„Ich bin mit dem Mädchen meiner Träume verheiratet, ich habe drei Wochen Urlaub, ich bin auf dem Weg nach Cabo San Lucas – Mac, falls ich träume, weck mich nicht auf.“ - Eddie
„Nach 7 Tagen – ausgeflittert“ ist die erste Zusammenarbeit der Farrellys mit Ben Stiller seit ihr gemeinsamer Megahit „Verrückt nach Mary“ die Karriere aller drei vor acht Jahren in ungeahnte Höhen katapultierte.
„Wir haben seit damals auch bei anderen Rollen an Ben gedacht, aber jedesmal wenn es dann mit einem Film soweit war, hatte er entweder keine Zeit, oder er mochte das Projekt nicht“, erzählt Peter. „Auf diesen Film ist er total abgefahren, und wir waren logischerweise superhap-py, ihn mit an Bord zu bekommen.“
„Er ist sozusagen der beste „Reagierer“, so Bobby weiter. „Man kann ihm alle möglichen verrückten Dinge antun und wie er darauf reagiert ist einfach him-melschreiend komisch. Außerdem ist er ein sehr sorgfältiger Schauspieler. Er denkt die Dinge durch und hat einen Plan im Kopf, wie der Tag laufen soll, was für einen Regisseur ein echtes Plus ist. Er hat Ideen zu Kostümen, wo Leute in einer Szene sitzen sollten; er ist äußerst praktisch veranlagt. Und zugleich ist er offen dafür, neue Dinge auszuprobieren. Nach einem Take sagt er vielleicht so etwas wie, ‚wow, das ist es’ und macht nichts, etwas daran zu ändern, denn es ist einfach gut wie es ist. Zu einem anderen Zeitpunkt würde er eher sagen, ‚das ist wirklich okay, aber laß es uns noch mal ein bißchen düsterer versuchen, oder ein bißchen fröhlicher’, so was in der Art. Daß er einen so starken eigenen Standpunkt vertritt, ist für uns eine große Hilfe.“
Bradley Thomas, der bisher bei jedem Film der Farrellys als Produzent beteiligt war, glaubt, daß es eine grundlegende Fehleinschätzung im Bezug auf Komö-diendarsteller gibt. „Die Leute denken, diese Schauspieler kommen ans Set und sind einfach nur komisch“, so Thomas. „Aber so ist es nicht wirklich. Viele Komiker sind sehr, sehr ernsthaft. Ben ist ein sehr ernster Mensch. Er macht sich vermutlich mehr Gedanken als alle anderen Schauspieler, mit denen ich je gearbeitet habe.“
Malin Akerman, die die Rolle der ver-schmähten Gattin Lisa spielt, erzählt, daß die Arbeit mit Stiller eine phantasti-sche Erfahrung war. „Man selbst muß gar nicht so viel spielen, man reagiert einfach auf jemanden, der so gut ist. Wir haben uns die Bälle hin- und hergeworfen und sind auch mal vom Drehbuch abgewichen. Wir haben auch einen ähn-lichen Sarkasmus, so daß das wirklich gut zusammenpaßte.“
Ähnlich begeistert ist Akerman auch von der Arbeit mit den Farrellys. „Ich würde zu Fuß bis nach Ägypten laufen, nur um noch mal mit ihnen arbeiten zu können“, sagt sie. „Die beiden sind so cool und locker drauf, sie sind einfach zwei Jungs, die genießen was sie tun und noch immer nicht ganz glauben können, daß dies ihr Job ist. Dabei sind sie für dieser Art von Komödie einfach hervorragend und sie wissen, wie man das beste aus den Darstellern rausholt. Sie haben mir quasi Dinge vorgemacht und ich mußte versu-chen, sie nachzumachen, nur eben in einem weiblichen Körper.“
„Du glaubst also, daß ihre Frau eine Verrückte ist, weil sie in ihren Flit-terwochen in einem tropischen Para-dies eine Menge singt, rund um die Uhr Sex haben will und aus Versehen ein bißchen zu viel Sonne abgekriegt hat?“ – Doc
Da es vom Studio aus keinen Druck gab, einen weiblichen Top-Star für die Rolle der Lila zu verpflichten, konnten die Farrellys ihr Casting-Netz entsprechend weit auswerfen. So testeten sie über 60 Schauspielerinnen, bevor sie auf Aker-man trafen. „Wir haben die beste gefun-den“, so Produzent Thomas. „Ihre dar-stellerische Leistung ist einfach eine Tour de Force. Sie ist, das möchte ich allen Ernstes behaupten, unsere größte Entdeckung. Es ist eine sehr fordernde Rolle. Die Figur muß extrem sympa-thisch und süß rüberkommen, aber gleichzeitig etwas psychotisch. Der gan-ze Film hing davon ab, daß die Darstel-lerin wirklich gut war und Malin war zehnmal so gut, wie wir gedacht hätten. Sie ist ein Genie.“
Dem stimmt auch Bobby Farrelly zu: „Malin ist eine echte Entdeckung. Sie ist eine talentierte Komödiantin und hat uns wirklich, wirklich überrascht. Wir wuß-ten, sie ist hübsch, und wir wußten, sie ist eine gute Schauspielerin, hat gutes Timing, aber wir hatten keine Ahnung, daß sie die komödiantisch anspruchs-vollen Aspekte, die die Rolle hat, so hervorragend würde umsetzen können. Sie machte die Figur noch viel besser als sogar wir sie uns ausgemalt hatten.“
Er geht sogar so weit, Akerman mit eini-gen der umjubeltsten Komödiendarsteller unserer Zeit zu vergleichen. „Wir haben mit Bill Murray und Jim Carrey gearbeitet. Denen gibt man eine Rolle und ist einfach nur erstaunt, wie viel besser sie diese ausfüllen, besser als man selbst es gehofft hatte; sie hauen einen von den Socken. Genau das hat Malin hier auch geschafft. Sie hat bestimmte Dinge mit einer Grazie und einem komödiantischen Timing umgesetzt, die wir uns so nicht hatten vorstellen können.“
Peter Farrelly glaubt, daß Akermans Leistung einige im Publikum sogar dazu veranlassen könnte, sich auf die Seite von Lila zu schlagen, deren Charakter er als eine „verrückte, wilde, schöne Durchgeknallte“ beschreibt.
„Wir haben versucht, nett zu Lila zu sein, denn wir wollten sie nicht einfach nur am Anfang nett darstellen und später dann schlicht böse aussehen zu lassen“, sagt Peter. „Sie wird einfach allmählich immer nerviger, aber auf eine Art und Weise, die sicher dem ein oder anderen Zuschauer gar nicht wirklich nervig er-scheint. Ich bin sicher, es wird etliche Kerle gaben, die denken ‚Eddie, laß sie nicht sitzen, sie ist umwerfend’. Aber für Eddie ist sie es halt eben nicht.“
Akerman beeindruckte die gesamte Filmcrew mit ihrem Einsatz bei Einlagen, wie sie sich nur die Farrellys ausdenken können. „Es gab Momente, da glaubte ich selbst nicht, was ich da tue“, erzählt sie. „Es ist eine Sache, ein Drehbuch zu lesen und darüber zu lachen, aber eine andere, wenn man die Rolle dann spielen muß. Ich muß zum Beispiel einen sogenannten ‚merkin’ (eine Art Toupet für den Schambereich) tragen und meine Hosen runterziehen und so tun, als würde ich auf Ben Stiller pinkeln, und die Kamera hing mir direkt im Schritt. Das ist nicht wirklich die angenehmste Position, in der man sich wiederfinden möchte.“
Auch für einen anderen wichtigen Teil des Films mußte die blonde Schönheit ihre Eitelkeit hinten anstellen. Als Lila einen heftigen Sonnenbrand bekommt, schufen die Make-Up Künstler einen besonders abscheulich-realistischen Look für sie. „Meine Haut löst sich ab und sie haben mir einige Beulen auf die Haut gemacht und Blasen an die Hände, und es läßt mich total unattraktiv und ganz und gar nicht sexy aussehen“, berichtet sie. „Es ist das letzte, was ein Mann in seinen Flitterwochen sehen möchte – daß ihm eine derart häßliche Kreatur für einen Kuß näherkommt.“
Auch Stiller war von der unerschrocke-nen Einstellung seiner Kollegin beein-druckt. „Sie ist wahnsinnig komisch“, erzählt er. „Sie mußte jede Menge ver-rückter Dinge machen und wirklich damit klarkommen, daß das auf einer Leinwand vor Publikum landen würde. Für weite Strecken im Film hat sie diesen furchtbaren Sonnenbrand und mußte Teile ihres Körpers zur Schau stellen, und sie hat alles ertragen wie ein echter Kerl.“
„Mac, diese Miranda – die ich auf-grund unsäglichen Pechs in meinen Flitterwochen kennengelernt habe – sie ist die Richtige!“ – Eddie
Michelle Monaghan spielt Miranda, die „andere Frau“, die in der 72er Neil Si-mon-Version des Stoffes von Cybill Shepherd gespielt wurde. „Sie ist die Stimme der Vernunft“, so Bobby Far-relly. „Miranda ist diejenige, an der diese ganze Verrücktheit quasi abprallt. Sie ist sozusagen die klassische Maria in diesem Film – eine ideale, schöne Frau, auf die man sein ganzes Leben lang gewartet hat.“
Stiller sagt über seinen Co-Star: „Sie ist eine absolut liebenswerte Person; süß und einfach wirklich lebenslustig, und diese Persönlichkeit hat auch die Figur im Film. Ich muß mich sehr schnell in sie verlieben und das Publikum muß mir das abnehmen und glauben, daß sie die Richtige ist. Sie schafft das auf ganz natürliche Art und Weise.“
„Monaghans Hintergrund ist wie der ihrer Figur“, so Peter Farrelly. „Sie ist von den Kornfeldern Iowas nach Holly-wood gekommen, das alte Klischee“, bemerkt er. „Sie ist ein großartiges Talent mit der Schönheit des Mädchens von nebenan. Sie wirkt wie ein alter Filmstar aus den 40ern, was für diese Rolle ein absoluter Traum ist. Michelle ist ein Filmstar.“
Die Schauspielerin erzählt, ihre Lieb-lingsszene war die, in der sie von einer Mauer rückwärts ins Meer fällt. „Das hat so viel Spaß gemacht. Ich mache gern physische Dinge wie das. Und die Arbeit mit Ben hat mir wirklich gefallen und auch, daß sein Vater Jerry dabei war. Es erinnerte mich an die alte Art, Comedy zu machen.“
Die Besetzung von Eddies Vater war wohl die einfachste Entscheidung, die die Filmemacher zu treffen hatten. Sie engagierten Ben Stillers echten Dad, den altgedienten Komiker Jerry Stiller, der bereits in „Zoolander“ und „Pfundsker-le“ mit seinem Sohn vor der Kamera stand. „Es war eine große Ehre, mit Jerry zu arbeiten“, sagt Bobby Farrelly. „Wir hatten vorher noch nie mit ihm zusam-mengearbeitet und hielten immer unend-lich viel von ihm. Daß Jerry als Vater von Ben mit an Bord kam, war ein echter Coup.“
„Er ist ein einer von den Leuten, bei denen man einfach lachen muß, wenn man sie nur anschaut“, so Bobby weiter. „Es ist ein Geschenk. Wenn man ihn kennenlernt und mit ihm spricht, dann fühlt man sich einfach gutgelaunt. Er ist witzig, furchtlos und man kann mit ihm Pferde stehlen. Er arbeitet noch, da liegen alle anderen schon unterm Tisch; er macht einfach immer weiter.“
Der ältere Stiller war begeistert, bei dem Projekt dabei sein zu können. „Als ich „Verrückt nach Mary“ zum ersten Mal sah, war ich der Ansicht, es sei einer der witzigsten Filme aller Zeiten“, sagt Jerry Stiller. „Die Farrellys wissen, was ko-misch ist. Sie denken stets mit. Während du an deiner Szene arbeitest, geben sie dir etwas, was das ganze noch witziger macht. Ich gehe meine Figuren von innen heraus an und ich versuche nie, komisch zu sein. Das ist nicht mein Stil. Wenn sie als Regisseure also verstehen, was im Inneren vorgeht, dann können sie das, was ich tue, entsprechend weiter ausbauen.“
Bobby erzählt, daß die von Jerry Stiller gespielte Figur, Doc, lose auf seinem und Peters Vater basiert. „Eigentlich soll er weise Dinge von sich geben und all so was, und man weiß, irgendwo steckt es ihn ihm drin, aber die Sachen, die am ehesten an einem hängenbleiben, sind die besonders unverfrorenen Aussagen, die er macht.“
Bei der Arbeit mit seinem Vater fühlte sich Ben Stiller einmal nicht selbst unter Druck, immer besonders witzig sein zu müssen, dies kam von ganz alleine. „Er ist einfach urkomisch“, so der Sohn. „Er ist so einzigartig und zieht sein Ding durch, und weil er ja wirklich mein Vater ist, war die Verbindung schon da. Ich mußte das nicht spielen.“
„Er wird zum Mittelpunkt jeder Szene, und genau so soll es sein“, fährt er fort. „Er bringt mich die ganze Zeit zum La-chen. Er ist einfach komisch. Er ist eine witzige Person, und eine liebenswerter Mensch. Er ist einfach ein großartiger Kerl.“
Ähnliches Lob kommt von Jerry für sei-nen Sohn als Kollegen. „Ben ist ein großzügiger Schauspieler“, sagt er. „Großzügigkeit erlaubt es dem Gegen-über, sich zu entspannen und auf Entde-ckungsreise und weiter zu gehen als das, was auf dem Papier steht. Er ist schnell, er ist geistig flink und man möchte so gut sein wie er. So etwas ist keine einfache Ausgangssituation, aber er gibt anderen Darstellern den Raum, sich zu entfalten.“
Malin Akerman sagt über die zwei Stil-lers: „Sie sind so niedlich zusammen. Jerry ist der süßeste Mensch, den ich je kennengelernt habe. Man möchte ihn einfach knutschen – auf eine freund-schaftliche Art. Er ist einfach so höflich und auch Ben ist so höflich. Ich mag es einfach, eine Familie so miteinander zu sehen.“
Für die Rolle des Tito Hernandez, einem unkonventionellen Hotelangestellten, suchten sich die Farrellys den Comedian Carlos Mencia aus. „Wir brauchten je-manden, der die mexikanische Seite vertrat“, erzählt Bobby Farrelly. „Er hat so viel Energie und Draufgängertum, er hat uns echt total begeistert.“
Mencia selbst, so sagt er, war allerdings nicht gleich Feuer und Flamme für die Rolle. „Für mich ist es sehr peinlich, diese Figur zu spielen. Aber sie wollten mich dabei haben. Aber als ich erstmal sah, wieviel Geld ich verdienen würde, sagte ich, Himmel – nichts würde ich lieber tun!“
Stiller ertappte sich dabei, seinen Kolle-gen Mencia selbst bei nicht laufender Kamera mit dessen Rollennamen Tito anzusprechen. „Er hat diese unglaubliche Perücke und einen riesigen Schnurrbart. Wenn er aus der Maske kommt, sieht er aus wie ein anderer Mensch. Er kam als Carlos Mencia ans Set, und wenn er für seine Szenen bereitgemacht war, war es so, als sei plötzlich Onkel Tito da. Onkel Tito ist da!“