Peter und Bobby Farrelly begannen ihre Karrieren als Verkäufer: Peter arbeitete für eine Schiffahrtsgesellschaft und Bobby erfand ein rundes Strandtuch na-mens Sun Spot, daß Sonnenhungrigen ermöglichte, ihre Position mit der Sonne zu drehen, ohne die Lage des Handtuchs zu verändern. (P.S.: Es war kein Ver-kaufschlager.)
Keiner der beiden hat jemals einen Kurs über Drehbuchschreiben oder Regie be-sucht (wenngleich Peter einen Abschluß im Fach Kreatives Schreiben von der Columbia University hat). Statt dessen wurde die filmische Leidenschaft der Brüder durch die Unzufriedenheit dar-über entfacht, was sie auf der Leinwand so zu sehen bekamen. „Wir gingen immer ins Kino und dann kamen wir hinterher raus und sagten, warum haben sie das nicht so und so gemacht?“, erinnert sich Bobby.
Ihre ersten Versuche im Bereich Dreh-buchschreiben waren, laut Bobby, ein bißchen „zu wenig allgemeintauglich“, und die großen Filmstudios zeigten kein Interesse an den Werken, bis die zwei ihren ersten billigen Independent Film, „Dumm und Dümmer“ ins Kino gebracht hatten.
„Jeder in Hollywood hatte das Skript abgelehnt. Man sagte uns, nie im Leben bekämen wir Stars, die so doofe Typen spielen würden“, erzählt Bobby. „Agen-ten wollten es ihren Schauspielern nicht zeigen. Aber wir dachten, ‚es ist komisch und wir werden es für wenig Geld verwirklichen’, und wir hatten das Glück, Jim Carrey Interesse zu wecken und seine Karriere ging da gerade so richtig los. Und irgendwie hat man dann im Verlauf der Umsetzung des Films vergessen, uns zu feuern!“
Die Komödie, mit Carrey und Jeff Da-niels als liebenswerte Dummköpfe, spielte weltweit über 340 Mio. Dollar ein und half den Filmemachern, sich eine loyale Fangemeinde für ihren jun-genhaften Humor, ihre haarsträubenden Filmcharaktere und ihre herzliche aber schlüpfrig-vulgäre Art der Comedy auf-zubauen.
Die Brüder behaupten, daß es während einer Produktion selten zu Unstimmig-keiten zwischen ihnen kommt, vielleicht weil jeder der zwei während des Filmens genau umrissene Rollen hat: Bobby sitzt eher hinterm Kontrollbildschirm und sucht nach der perfekten Einstellung, während Peter mit den Schauspielern arbeitet, um die perfekte Szene hinzube-kommen.
„Peter und ich arbeiten schon immer zusammen“, erläutert Bobby. „Wir ken-nen es nicht wirklich anders, und wir treten nicht miteinander in Konkurrenz oder denken so was wie ‚Himmel, ich wünschte, ich könnte das’. Wir stellen unsere Egos hinten an, nach dem Motto, wir sind zu zweit, und hoffentlich kön-nen wir zusammen es besser machen als es einer alleine könnte.“
Obwohl man die Anzahl von erfolgrei-chen Regie-Paarungen an einer Hand abzählen kann, und dabei noch Finger übrig hat, ist ein Doppelpack laut Peter durchaus von Vorteil, vor allem wenn man Filme macht, die hart an die Come-dy-Grenzen gehen: „Die Leute fragen manchmal ‚kann man das wirklich ma-chen’, und wenn man diese Frage oft genug zu hören bekommt, dann fängt man an zu denken, ‚Bin ich verrückt. Was mache ich da eigentlich?’. Aber wenn man jemanden an seiner Seite hat, der mit einem übereinstimmt, dann stärkt man sich gegenseitig. Da haben wir einen echten Vorteil.“
Ben Stiller erklärt, daß die Arbeit mit den Brüder mit keiner anderen Erfahrung im Filmgeschäft vergleichbar ist. „Oft ist es wie auf einer Party. Sie sind sehr locker und wollen Spaß haben. Es sind sehr liebe Jungs, die es lieben zu lachen, und als Brüder haben sie diese Art von Verbindung, die es möglich macht, daß der einen einen Satz anfängt und der andere ihn beendet. Sie liegen auf der gleichen Wellenlänge.“
Obwohl die meisten ihrer Witze, die man auf der Leinwand zu sehen bekommt, sorgfältig geplant sind, sind die beiden Regisseure auch offen für Improvisation und Spontaneität, was eine freundschaftliche Atmosphäre – eine „Wir können herumalbern, soviel wir wollen“-Stimmung - am Set schafft.
„Sie zeigen gern ihre Geschlechtsteile“, sagt Stiller. „Das macht ihnen eine Men-ge Spaß. Naja, bestimmte Leute können dafür ins Gefängnis gehen, aber bei einem Film der Farrelly Brüder passiert einem das nicht. Sie haben diesen Witz, wo sie sagen „Weißt Du, wieviel Uhr es ist?“ und dann schaut da etwas aus ihren Hosen heraus.“
Aber sobald die Kamera läuft, werden die Farrellys ganz professionell. „Dann sind sie wirklich in ihrem Element und tun das, was sie am besten können“, so Stiller weiter. „Manchmal streichen sie eine Szene ganz, oder verwenden nur ein paar Sätze daraus, oder sie denken sich einen völlig neuen Witz aus. Sie entde-cken Dinge, während sie an ihnen ar-beiten.“
Um den Darstellern seine Vorstellung darüber nahezubringen, wie ihr Schau-spiel aussehen soll, bevorzugt es Peter oftmals, die Szenen selbst vorzuspielen, was Carlos Mencia, der den schmierigen Hotelangestellten Onkel Tito spielt, völ-lig unvorbereitet traf.
„Er sagte mir nicht einfach, ‚Tito, mach das so’, erinnert sich Mencia. „Er tat so, als wäre er ich und sagte ‚du machst das so’ und dann spielte er die Szene für mich. Ich sah ihn an und dachte, ‚du bist nicht Tito, ich bin Tito. Du sollst nicht wie Tito sein’. Aber im Ernst, es ist na-türlich schön, daß er sich den Schau-spielern so verbunden fühlt. Ich habe mich selbst gesehen, durch die Augen eines anderen. Das war ziemlich phäno-menal.“
Seit dem Erfolg mit „Ich, beide & sie“ im Jahr 2000 ist „Nach 7 Tagen – ausge-flittert“ der erste Farrelly-Film, der in den USA eine „R-rated“ Freigabe (Einlaß für unter 17jährige nur in Begleitung von Eltern oder eine Erwachsenen) fürs Kino erhält. Dieses Mal gingen die beiden aufs Ganze und drehten was Bobby als eine „echt erwachsene Sex-Komödie“ bezeichnet.
„Wir betreten Territorium, daß wir so vorher noch nicht betreten haben“, sagt der Regisseur. „Lila und Eddie haben unterschiedliche Erfahrungswelten, wie man Sex haben sollte, und was Sex ist. Malin ist in dieser Rolle einfach him-melschreiend und Bens Reaktion auf sie ist unbezahlbar. Ich glaube, daß wird einiges an Aufmerksamkeit erregen.“
„Der Film hat denselben Grundton wie ‚Mary’, der wahrscheinlich unser wit-zigster Film ist, wenn man ihn zusam-men mit einem Publikum ansieht“, fährt er fort. „Die Zuschauer haben da einfach nur gelacht, und zwar heftigst gelacht. Ich denke, daß wird ihnen in diesem Film genauso gehen. Es ist eigentlich ein düsteres Thema, aber man schlägt sich trotzdem auf Eddies Seite. Die Schau-spieler sind so ansprechend und attrak-tiv, und ich glaube wir haben ein paar echt tolle Witze, die abgehen werden. Es fühlt sich gut an, eine R-rated Komödie zu machen. Es denke, das ist es, was wir am besten können. Es ist nicht jeder-manns Geschmack, aber diejenigen, die nach einer ungezogenen und erwachsenen Komödie suchen, sind hier richtig.“
Und Peter Farrelly fügt hinzu: „Ich glau-be nicht, daß es jemals zuvor eine solche Sexszene in einer Komödie gegeben hat. Es ist bahnbrechend. Wir mußten uns beim Dreh wirklich auf die Lippen bei-ßen, um nicht über das zu lachen, was sie taten. In Komödien ist die Sexszene meistens kurz und wir beschlossen, das nicht so zu machen. Es ist mehr in der französischen Tradition. In französi-schen Komödien gibt es jede Menge Sex, und so was in der Art haben wir hier gemacht. Eine amerikanische „PG-13“ Freigabe - Teile des Films könnten ungeeignet sein für unter 13jährige - schränkt einen da etwas ein. Deshalb haben wir diesmal wirklich zugeschlagen.
Laut Peter war der Grund, weshalb die Brüder eine Pause mit „R-rated“ Filmen machten, der entstandene Druck durch die Erwartungshaltung des Publikums. „Wir hatten das Gefühl, daß wir an einer Grenze angekommen waren und daß die Leute kamen, um zu sehen, wir wir uns selbst übertreffen könnten. Das war sehr schwer, denn es war etwas, das erwartet wurde. Das großartige an ‚Mary’ war, daß niemand es hatte kommen sehen.“
„Aber seither sind sechs oder sieben Jahren vergangen, und das Publikum weiß nicht mehr so genau, was es von uns vorgesetzt bekommt“, fügt Peter hinzu. „Und deshalb beschlossen wir, diesen Film zu drehen. Wir dachten, da wir auf eine „R“ Freigabe zusteuern, könnten wir auch bis an die Grenzen dieser Freigabe gehen. Ich denke, das wird einige Leute kalt erwischen.“
Diese wagemutige Einstellung war es, die Ben Stiller für das Projekt begeisterte. „Ich habe keinen derartigen Film ge-macht, seit wir das letzte Mal zusam-mengearbeitet haben“, sagt der Schau-spieler.
Wie bei allen Projekten der Farrelly Brüder sind auch hier wieder zahlreiche Verwandte und Bekannte sowohl vor als auch hinter der Kamera beschäftigt. Freunde wie James „Sporty“ Ahern, der Video Assist Operator, der seit „Dumm und Dümmer“ bei allen Farrelly Filmen dabei war, und der Peter Farrelly kennt, seit die beiden als Kinder zusammen in der Little League Baseball spielten.
„Ich lenke sie ab, wenn sie unter Druck stehen“, so Ahern. „Sie schreien und brüllen nicht gern vor der Filmcrew her-um. Manche Leute machen das, aber die beiden gehen in eine Ecke und schreien und brüllen, und dann kommen sie zu-rück und arbeiten mit uns.“
Ahern arbeitet ausschließlich mit den Farrellys. „Ich bin kein Hollywood-Typ, aber sie haben mich in diese Welt mit-genommen und bis hierher hat es Spaß gemacht. Wie genau kann man eine seit 40 Jahren andauernde Freundschaft defi-nieren? Das kann man einfach nicht.“
„Wir geben unsere Kameracrew und all diesen Leuten alle nur erdenkliche Au-tonomie“, erläutert Bobby. „Wir haben keine Ahnung von dem, was sie tun; wir sehen nur, wie es auf dem Monitor aus-sieht. Wir kennen uns nicht aus mit Ka-meraoptiken, oder Winkeln oder diesen Sachen. Wir wissen nur, wie es aussehen soll, und was wir mit in den Schneide-raum nehmen wollen.“
„Nach 7 Tagen – ausgeflittert“ markiert das erste Mal, daß die Farrellys an einem Hollywood Filmset drehten. „Während wir dort waren, kam Stephen Spielberg vorbeispaziert und setzte sich neben uns an die Monitore. Das war echt irre.“
Nach einer Woche in San Francisco und sechs Wochen in L.A., beendete die Crew ihre Arbeiten im mexikanischen Cabo San Lucas, wo sie auf die Vier-Sterne-Urlaubsanlage Esperanza Resort drehten „Es ist ein magischer Ort“, er-zählt Bobby. „Es war ohne Frage die beste Location, in der wir je gearbeitet haben und für alle im Team eine wun-derschöne Zeit.“
Der ganz besondere Humor der Farrellys hat mit unvergessenen Szenen Komö-dien-Geschichte geschrieben, darunter Cameron Diaz berüchtigte Sperma-Haargel-Szene in „Verrückt nach Mary“ oder Jim Carreys erfolgloser Versuch, eine Kuh zu töten in „Ich, beide & sie“. Man kann sich darauf verlassen, daß die Brüder diverse Momente des Tabus in Familien- und Liebesbeziehungen auf eine zum Schreien komische Art auf die Leinwand bringen – wobei Nasenpopel, Fürze, Geschlechtsteile, körperliche Funktionen aller Art, Ohrfeigen, witzige Einzeiler und dämliche Spitznamen für Haustiere an der Tagesordnung sind.
„Wir wollen unterhalten, wir wollen überraschen, wir wollen nicht vorher-sehbar sein“, sagt Bobby. „Wir wollen nicht, daß uns die Zuschauer irgendwann einen Schritt voraus sind, so daß sie das Gefühl haben, ‚oh, ich kenne diese Art von Szene. Das hab ich schon mal gese-hen’.“
Ben Stiller weiß, daß die Leute ein ge-wisses Maß an Pietätlosigkeit von einem Film der Farrelly Brüder erwarten, aber er erkennt auch, daß „Nach 7 Tagen – ausgeflittert“ tiefer geht. „Es ist wirklich eine Kombination interessanter Charak-tere, die nicht ganz so sind wie man es zuerst erwartet, und es ist eine Ge-schichte mit sehr viel Herz. Davon aber mal abgesehen, ist es hoffentlich ein Film, in dem man sich dumm und dämlich lacht.“