Mittwoch | 30. Mai 2012 | 19:09 Uhr
Sie befinden sich hier: KINO | Startseite > Datenbank > Filmdetails > Filminfos
  • FILMDETAILS | Darjeeling Limited
  • Darjeeling Limited

    Abenteuer, Drama, Komödie | USA 2007
    WERBUNG
      • | Design und Dreh in einem fahrenden Zug

      • Bevor er überhaupt das erste mal nach Indien reiste, stand für Wes Anderson schon fest, dass er DARJEELING LIMITED an Bord eines echten, fahrenden Zuges drehen wollte – eine Idee, die anfänglich logistisch genauso herausfordernd klang, wie sie auch kreativ inspirierend ist. „Normalerweise dreht jeder, dessen Filmhandlung in einem Zug spielt, auf einem nachgebauten Set. Aber für DARJEELING LIMITED stand von vornherein fest, dass das sicher nicht so sein würde, egal wie viele Leute auch versuchten, Wes die Idee auszureden,” so Lydia Dean Pilcher. „Ich hatte seit THE NAMESAKE – ZWEI WELTEN, EINE REISE (2006) ja schon Dreherfahrung in Indien und auch wir drehten damals einen Tag in einem Zug. Daher wusste ich, dass das sicherlich keine leichte Sache werden würde.“

        Dennoch blieb Anderson fest entschlossen. Pilcher: „Unter der Schirmherrschaft von Northwestern Railways machten wir uns auf in die indischen Regionen, forderten Sachen von der Eisenbahngesellschaft, die auch für sie echte Herausforderungen darstellten: zehn Wagons und eine Lokomotive für drei Monate, die wir ausweiden und nach unseren eigenen Vorstellungen ausstatten wollten – um dann auch noch deren echte Gleise zu befahren. So etwas hatte es zuvor noch nie gegeben und brachte haufenweise Papierkram mit sich. Zwischendurch erschien das ganze Unternehmen immer wieder einfach unrealisierbar.“

        Trotzdem ließ sich das Team nicht unterkriegen. Während sich die Filmemacher mit der indischen Bürokratie herumschlugen, begann Produktionsdesigner Mark Friedberg damit, unter Bezugnahme auf alte indische Züge und klassische Eisenbahnreisen der Filmgeschichte, die Innenausstattung des Zugs auf Papier zu bringen. Friedberg arbeitete bereits bei DIE TIEFSEETAUCHER (2004) mit Anderson zusammen und war unter anderem auch an Julie Taymors Beatles-Musical ACROSS THE UNIVERSE (2007) beteiligt.

        Um ein besseres Gespür für den Stoff zu entwickeln und die lange Geschichte der indischen Eisenbahn besser zu verstehen, machten sich Friedberg und Anderson auf eine typische Touristen-Zugreise durch Rajasthan. Im 19. Jahrhundert veränderte die Einführung der Eisenbahn das gesamte Land. Der riesige Subkontinent wurde mit einem ausgedehnten Schienennetz überzogen. Heute (noch) ist das indische Eisenbahnnetz mit beeindruckenden 15 Millionen Fahrgästen pro Tag das wohl am besten genutzte der Welt. Die Züge sind schick, modern und mit Klimaanlage ausgestattet, werden manchmal aber auch noch von klassischen, handgefertigten Dampfloks aus vergangenen Tagen gezogen. Die meisten Züge jedoch befinden sich irgendwo zwischen diesen beiden Modellen.

        Nachdem er sich mit dem indischen Eisenbahnsystem vertraut gemacht hatte, wandte sich Friedberg anderen Werken zu, um die Darstellung von Zügen in der Geschichte des Kinos zu studieren: „Letztendlich haben wir die indischen Züge von heute mit den luxuriösen Zuglinien wie etwa dem Orient- Express oder den modernen europäischen Transit-Zügen gekreuzt. Auch der 20th Century Limited hat uns inspiriert,” so der Designer über den aus New York stammenden Express-Personenzug, der später unter Eisenbahnfreaks als „Bester Zug der Welt“ bekannt wurde.

        Das Ergebnis war eine Kreuzung aus östlichem und westlichem Design. „Wir mischten die typischen Muster aus Rajasthan und indischer Farbgestaltung mit einer Art modernem Art Deco-Stil, blieben aber der alten, handgemachten indischen Tradition treu,“ so Friedberg.

        Um den Zug zum Leben zu erwecken arbeitete Friedberg eng mit Art Director Adam Stockhausen und dem Künstler Mark Pollard zusammen. Sie erschufen die Farbgestaltung und Struktur des Zuges, indem sie traditionelle indische Stoffe sowie Muster zu Grunde legten und ortsansässige Maler engagierten, die das Äußere des Zuges mit Hunderten von handgemalten Elefanten schmückten. Die Teams arbeiteten rund um die Uhr in Tag- und Nachtschichten, um den Zug rechtzeitig fertig zu stellen.

        Die Möglichkeit mit ortsansässigen Künstlern und Handwerkern arbeiten zu können, inspirierte Friedberg: „In Indien zu arbeiten ist wie eine Reise in die Vergangenheit. Hier ist alles handgefertigt und zwei gleiche Dinge sehen komplett unterschiedlich aus. Nichts passt in unsere mechanisierte Lebensart. Es ist eine große Ehre, noch zu jener Generation zu gehören, die diese persönlichere und wunderschöne Welt erleben kann und darf. Wenn ich diesen Zug in Amerika hätte bauen lassen, hätte er nie diese Persönlichkeit bekommen.“

        Friedberg arbeitete auch eng mit Kameramann Robert Yeoman zusammen, der an Bord des Zuges mit seinen ganz eigenen Herausforderungen zu kämpfen hatte. „Der Dreh auf einem Zug ist immer extrem schwierig. Wo sollen die Lichter aufgestellt werden? Auf dem Dach des Zuges konnten wir nichts montieren und kein Teil der Ausstattung durfte weiter als drei Fuß von den Wagons entfernt sein, da der Zug so eng an Telefonmasten und Bäumen vorbeifährt, dass er diese praktisch berührt. Gott sei Dank merkten Wes und Mark in was für einer Zwickmühle ich mich befand und taten alles in ihrer Macht stehende, um mir zu helfen. Der Zug wurde so Film-freundlich wie möglich gebaut,“ lobt Yeoman.

        Yeoman weiter: „Einen großen Teil der Lichtanlage installierten wir direkt im Zug, so dass Wes schneller arbeiten konnte. Wir haben die Decken mit Kinos und Parabeams ausgestattet, so dass wir die ganze Beleuchtung dort befestigen konnten. Außerdem besaßen wir vorgefertigte Farbfilter, die wir ganz leicht in die Fensterrahmen einsetzten konnten, damit man die Umgebung außen besser erkennt. Darüber hinaus baute Mark in den Schlafwagon der Brüder, in dem diese ja sehr viel Zeit verbringen, bewegliche Wände, damit wir die Kamera leichter dahin stellen konnten, wo wir sie brauchten. Und dann befestigten wir auch noch eine Schiene an der Decke des Zugflurs, so dass wir uns leicht ohne einen Rollwagen auf und ab bewegen konnten.“

        Laut Yeoman war die Versuchung groß, für die Nachtszenen verschiedene Lichteffekte zu nutzen, um die Bewegung eines Fahrzeuges zu simulieren (poor man’s process), aber Wes Anderson verabscheute diese Idee: „Wes wusste, dass ein fahrender Zug dem Dreh jene gewisse Energie verleiht, die einfach nicht simuliert werden kann. Wir haben diese Regel wirklich nur in äußersten Ausnahmefällen gebrochen.“

        Mit Beginn der Dreharbeiten wurde es zunehmend schwieriger an Bord des Zuges zu arbeiten. Anderson musste seine Arbeit nämlich um die bestehenden Zugfahrpläne herum planen und sich mit verspäteten Zügen und Flügen herum ärgern. Pilcher fasst zusammen: „Wes hatte immer einen Ausweichplan, eine Idee für den Fall ’wenn das und das passiert, dann machen wir es eben so’. So hielt er die Energie am Set immer sehr hoch. Er wollte schnell vorankommen und selbst wenn wir gerade auf einen vorbeifahrenden Zug warteten, stiegen wir aus, brachten mit einem großen Stück Holz den Zug zum Schaukeln, damit wir weiterarbeiten konnten. Und auch wenn wir unseren Zug von der Schiene nehmen mussten, damit ein anderer Zug vorbei konnte, packten wir einfach einen unserer Waggons auf einen LKW und fuhren damit in die Wüste zum Drehen. Die Idee dahinter war, dass, wie auch immer die logistische Situation aussah, wir niemals mit der Arbeit aufhören müssten und würden.“

      • | Userwertung

      Wertung: 2.3/10 (3 votes)

      • | Cinefacts bei Facebook
      Facebook Logo
        • | WEITERE INFOS
            •   AKTIONEN
              • | SAMMLUNG
              • 1 User hat den Film gesehen
              •   Plumbum63