Mittwoch | 30. Mai 2012 | 19:09 Uhr
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  • Darjeeling Limited

    Abenteuer, Drama, Komödie | USA 2007
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      • | Passagiere auf dem Weg nach Indien ...

      • Wes Anderson, der für seine Vorliebe für Design und erfinderische Sets bekannt ist, wagt sich in DARJEELING LIMITED auf einen visuellen Trip, während er die Indien-Reise der Whitman-Brüder gleichzeitig mit viel Sinn für skurrile Choreographie in Szene setzt. Die Idee dahinter war, Indien so zu nehmen, wie es ist und es Stück für Stück, Moment für Moment in die fast schon klaustrophobe, private Welt der drei Brüder eindringen zu lassen - bis diese beiden Welten in einem kontrollierten Chaos aufeinanderprallen.

        „Ich bin daran gewohnt, ein Design, das meiner Fantasie entsprungen ist oder mit anderen Einflüssen kombiniert wurde, in meinen Filmen zu verwenden,” erklärt der Regisseur. „Aber in Indien war das anders. Egal wo man hinsah, es gab stets Überraschungen. Überall war etwas Lustiges oder Seltsames zu sehen und wir wollten das alles festhalten. Die Herausforderung bestand darin, so viele verschiedene Eindrücke wie nur möglich im Film unterzubringen.“

        Die Herausforderung begann bereits mit Andersons Arbeitsweise „alles so echt wie nur möglich zu drehen“, erklärt Robert Yeoman, der bereits an Andersons früheren Filmen mitgearbeitet hat und zuletzt für die Lichtsetzung von Noah Baumbachs DER TINTENFISCH UND DER WAL (2004) verantwortlich zeichnete. In Yeomans Augen liefert Indien für diese Vorgabe eine spannenden und herausfordernde Location. „Indien ist ein Land großer Gegensätze – extreme Armut und großer Reichtum, schmutzige Straßen und prachtvolle Tempel. Über all dem schwebt eine Energie, die alles durchdringt und der man sich nicht zu entziehen vermag.“

        Dann gab es da auch noch diese Menschenmassen. „Auf den Straßen Indiens zu drehen ist unkontrollierbar und der Anblick einer Kamera zieht immer Leute an,“ so Yeoman. „Wes mag es, jeden seiner Schauspieler sorgfältig im Bild zu platzieren, aber wir mussten uns oft mit Massen an Zuschauern im Hintergrund herumschlagen. Aus dieser Wahllosigkeit zogen wir unsere Vorteile, arbeiteten deshalb sehr schnell und am Tag oft auch ohne Zusatzlicht. Hoffentlich geben all diese Unvorhersehbarkeiten unseren Einstellungen eine besondere Energie.“

        Diese Vorgehensweise weitete sich auch auf das Setdesign aus. „Die Idee war immer, Indien einfach Indien sein zu lassen und seltsame Umstände oder Unglücke einfach so zu nehmen, wie sie kommen. Wir wollten, dass der Film sich auch außerhalb des Zuges echt und ungekünstelt anfühlt, selbst wenn die meisten Sets sehr sorgfältig entworfen wurden. Da Wes eine ziemlich analoge Person ist, die niemals Computer-erzeugte Bilder oder etwas in der Art verwenden würde und lieber handgemachte, traditionelle Arbeitsweisen bevorzugt, war Indien für ihn wirklich der perfekte Ort zum arbeiten,“ weiß Friedberg.

        Mark Pollard, Grafiker des Films: „Indien nimmt dir deine ganzen ausgearbeiteten Konzepte und konfrontiert dich mit Chaos, Anarchie, Spiritualität, Gebeten und Schönheit. Für uns war es genauso ein großartiger Ort, um das wahre Leben zu erleben, wie er es auch für die Brüder im Film ist.”

        Friedberg, der bereits mit Mira Nair in Indien an KAMA SUTRA (1995) gearbeitet hat, fügt hinzu, dass Anderson eine sehr markante Sicht auf Indien hat, die Sicht eines enthusiastischen Außenseiters. Er wirft den heiteren und wundersamen Blick eines Neulings auf diese beeindruckende Kultur. Trotzdem besitzt er einen Sinn für den stechenden Herzschmerz und die Komik, die dort hinter jeder Ecke lauern. „Wes schrieb seine alltäglichen Indien-Erfahrungen ins Drehbuch und nahm sie dann so auf, wie er sie erlebt hatte,“ so Friedberg.

        Der Großteil des Films wurde in der mit Palästen übersäten Wüstenregion Rajasthan im Nordwesten des Landes gedreht. Der Darjeeling Limited fuhr dabei von der lebhaften Stadt Jodhpur bis nach Jaisalmer in der Wüste Thar nahe der pakistanischen Grenze. In der Zwischenzeit baute man im fruchtbareren, grüneren Udaipur Patricias ein Waisenhaus in einer ehemaligen Jagdhütte auf, die einst dem Maharadscha von Mewar, einem der Herrscher der Rajput- Ära, gehört hatte.

        Die Vorlage für das Kloster lieferte Friedberg ein legendärer Filmklassiker aus dem Jahre 1946, Michael Powells SCHWARZE NARZISSE, der in einem Kloster im Himalaja spielt. „Die Location musste ein Gefühl der Abgeschiedenheit und Dramatik versprühen, und das tat sie auch. Wir wollten auf der Detailebene die Kulturen ineinander fließen lassen. Als Grundlage nahmen wir den sehr traditionellen Palast, aber da das britische Empire das Christentum nach Indien brachte, benutzen wir auch einige dieser Überbleibsel am Set,“ erläutert der Designer.

        Eine der bewegensten Szenen des Films spielt in einem ländlichen Dorf in der Wüste Rajasthan nachdem die Whitman-Brüder in den Stromschnellen eines Flusses in Gefahr gekommen sind. Auch hier mischte Anderson wieder das Authentische, das Wahre mit bewusst filmischen Elementen. Die Szenen wurden größtenteils mit den echten Dorfbewohnern in eigener Kleidung und in deren Häusern gedreht. Trotzdem unterschied sich die Herangehensweise stark von der eines Dokumentarfilms. „Wir filmten die Leute so wie sie waren, aber gleichzeitig drehten wir auch so wie ich alles drehe, nämlich mit Arbeitsbühnen, Rollwägen und Leuten, die auf ihren Einsatz warten. Wir luden quasi die echten Menschen in unsere Story ein,“ formuliert der Regisseur.

        Andersons Stil, seine eigenen komplexen visuellen Vorstellungen mit gefundenen echten Bildern zu vermischen, zieht sich durch den ganzen Film: „Wir betrachteten große Teile des Filmdesigns, besonders das Kloster und die Szenen außerhalb des Zuges, als Art Collage. Für die Marktszenen habe ich mir etwa einige Verkäufer vor Ort ausgesucht, sie zusammengebracht und so eine Art ’Best Of’ der Marktszenen realisiert,“ so Friedberg.

        Produzentin Lydia Dean Pilcher, die bereits zuvor in Indien gearbeitet hat, bemerkt, dass Wes Anderson dem Film eine Perspektive gab, die sie so noch nie gesehen hatte. „Er besitzt diese ganz besondere Art ins Mysteriöse vorzudringen. Anstelle der oft vermittelten lauten, dicht bevölkerten und engen Bilder einer indischen Stadt, legt er seinen Schwerpunkt mehr auf die Gelassenheit und Spiritualität der Kultur sowie die unendliche Weite der Landschaft. Wir begaben uns nicht nur auf eine Reise, um diesen Film zu drehen, wir erlebten nicht nur einen einzigartigen Trip durch Indien, sondern wir bekamen auch die einmalige Chance, in Wes’ visionäre Welt zu schauen,“ so Pilcher.


        Auch die dreimalige Oscargewinnerin Milena Canonero arbeitet bereits zum zweiten Mal mit Wes Anderson zusammen. Gerade erst wurde sie für ihre aufwändigen, farbenfrohen Kostüme zu Sofia Coppolas MARIE ANTOINETTE (2006) mit dem Oscar ausgezeichnet. Hier stand Canonero vor einer schlichteren, aber dennoch herausfordernden Aufgabe. Sie musste für die Whitman-Brüder einen markanten, aber dennoch familiären Look kreieren.

        Einen großen Teil tragen auch die Koffer der Brüder zum Design bei. Das Gepäck, das sie im wahrsten Sinne des Wortes von ihrem Vater geerbt haben, spielt eine wichtige Rolle in der Geschichte. Um etwas zu erschaffen, das Familienwappen-artig die Whitmans repräsentiert, engagierte Wes Anderson den Designer Marc Jacobs. Der für die Edelmarke Louis Vuitton arbeitende Jacobs entwarf eine spezielle Gepäcklinie für den Film. „Sie machen die besten Koffer, und ich sage das, weil ich gesehen habe, wie sie diese herstellen. Sie brauchen dafür Hunderte von kleinen Nägeln und arbeiten sehr sorgfältig,” so Anderson. „Die kompliziert zu fertigenden Koffer sind von so guter Qualität, dass wir sie durch Wüsten ziehen, in einen Fluss oder auf Züge werfen und sogar auf sie eindreschen konnten. All das macht ihnen nichts aus. Wir hatten nur das eine Set, deshalb wäre es ein riesiges Problem gewesen, wenn die Koffer kaputt gegangen wären.“

        Trotz all der Künstler und Handwerker, die an dem Film beteiligt waren, liegt laut Anderson der wahre Schlüssel zum Look des Films in dessen minimalistischem Geist: „Wir hatten wundervolle Designer und Designs, auf die wir zugreifen konnten, aber am Set gab es keine Wohnwagen, keine Maskenbildner (auch wenn unser gewohnter Maskenbildner Frances Hannon speziell an Owens Look gefeilt hat), keine Kostümabteilung oder etwas in der Art. Wir waren einfach alle nur zusammen in Indien, lebten dort und jeder gab sich dieser Erfahrung hin. Und das Beste was am Set hätte passieren können, passierte tatsächlich – die Schauspieler wurden Freunde und es war so, als würden sie diese Story wirklich leben. Das war eine riesige Inspiration für uns alle.“

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