| Produktion: Dennis Gassner (Produktionsdesigner)
Dennis Gassner wurde von dem Regisseur Marc Forster dezidiert angefordert, um sein charakteristisches stilistisches Setdesign für EIN QUANTUM TROST einzubringen. Gassner beschreibt das erste Treffen folgendermaßen: „Als ich mich das erste Mal mit Marc und den Produzenten Michael und Barbara zusammensetzte, hatte ich seine Filme bereits gesehen, und als Mensch war er mir auf Anhieb sympathisch. Ich glaube, wir haben eine geistige Verwandtschaft, Marc ist sehr lebendig, energetisch, sehr sanft und sensibel – und das entspricht meinem Wesen. Wir haben auf Anhieb eine gemeinsame Sprache gefunden und wenn man sich emotional gleich so gut versteht, weiß man, dass die Arbeit gut verlaufen wird. Man muss dann einfach seinem Instinkt folgen. Ich folge in jedem Aspekt meinem Instinkt, wenn ich Filme gestalte, ist es eine emotionale Reaktion auf bestimmte Dinge. Ich bin immer die erste Person, die sich einen Film anschaut und wenn es sich für mich gut anfühlt, dann hoffentlich auch für den Rest des Publikums. Das ist meine Methode.“
Gassner kam in einer sehr frühen Phase der Vorproduktion zum Team und erklärt, wie er sich der Aufgabe stellte, ein Projekt von der Größenordnung von EIN QUANTUM TROST zu designen: „Am Anfang stellte ich mir den Film als eine leere Leinwand vor. Ich fragte Marc nach etwas, an dem ich mich orientieren konnte, wir brauchten etwas wie einen Prüfstein. Und dann wurde mir klar, was eigentlich offensichtlich war: das war Daniel. Er ist unser James Bond. Es ist das dritte Mal, dass ich mit Daniel zusammenarbeite und er hat sich als Schauspieler verändert und weiterentwickelt, aber es gibt an ihm etwas, das immer beständig geblieben ist: sein großartiges Gesicht. Es hat Ecken und Kanten, es hat eine großartige Struktur und natürlich diese stechenden blauen Augen. Von diesem Moment an schufen wir die Bildsprache und wir bauten sie darauf auf, indem wir Marcs und meinen Geschmack auf großartige Weise miteinander kombinierten. Wenn man sich den Film anschaut, wird man bemerken, dass er voller kleiner und großer Elemente ist und diesen roten Faden kreiert, der sich um Daniel rankt.“
Wenn man ihn nach seinem Lieblings-Drehort fragt, nennt Gassner prompt das ESO Paranal, das auf 1.800 Metern Höhe in der Atacama-Wüste liegt. „Das müsste das ESO-Hotel in Chile sein“, sagt er. „Es ist die abgelegenste Location, an der wir gedreht haben, und ich kam durch einen sehr glücklichen Umstand auf sie. Wir suchten nach einer geeigneten Wüste und der Name Atacama kam bei der Diskussion auf, also ging ich online. Auf der ersten Website über die Atacama-Wüste war ein sehr, sehr kleines Foto vom ESO Hotel und das sprang mir sofort ins Auge. Ich war in London und Marc in L.A. an seinem Computer. Innerhalb von fünf Minuten rief er mich an und sagte: ,Wir haben’s. Das ist es!‘“
Bei der Auswahl von Chile als Drehort spielten für die Produktion durchaus Budget-Überlegungen eine Rolle, aber sowohl Forster als auch Gassner waren davon überzeugt, dass es eine richtige Entscheidung war. „Genau das haben wir gebraucht, um diesen Film zu machen. Keiner weiß, wie schwer es am nächsten Drehort wird oder an denen, die danach auf dem Plan stehen. Wenn man sich die Geschichte der Bond-Filme ansieht weiß man, wie hart die Filmemacher gearbeitet haben, um ihre Zuschauer auf verschiedene Arten zu stimulieren. Dieser Film ist keine Ausnahme – wir bringen alles auf ein neues Level.“
Das ESO-Paranal-Gebäude ist eine augenzwinkernde Hommage an die Sets, die mit den Bond-Filmen der sechziger Jahre in Verbindung stehen. „Aber ich habe mir das ESO-Hotel nicht nur ausgesucht, weil die Kuppel eine Referenz an eine großartige Szene in Dr. No ist“, kommentiert Gassner. „Es passte einfach in die Situation. Ich freue mich, dass wir damit einen kleinen Verweis schaffen, denn ich liebe diese Szene. Aber das war in der Tat nicht meine Absicht. Ich habe nur meine Probleme gelöst. Die Geschichte der Bond-Filme hatte ich immer im Hinterkopf, aber meine Motivation war einfach, die richtigen Entscheidungen zu treffen.“
Michael G. Wilson und Barbara Broccoli sind die Produzenten, die das Vermächtnis Bond von ihrem Vater Cubby Broccoli im Jahr 1995 geerbt haben, und sie haben das Franchise im Lauf der Zeit stärker und stärker gemacht. Gassner genoss es, mit den beiden zusammenzuarbeiten. „Es ist eine großartige Geschichte und man muss Michael und Barbara allergrößten Respekt zollen, denn es ist wunderbar, mit ihnen zu arbeiten. Sie sind wissbegierig, interessiert, immer für einen da, sie lassen dich deinen Job machen und stellen immer die richtigen Fragen. Es ist wie in einer großen Familie und es ist sehr wichtig, wenn man dies bei einem solchen Film hat.“
Eines der auffallendsten Set-Designs im Film ist das des MI6-Hauptquartiers. Gassner gestaltete ein hochmodernes Secret-Service-Zentrum voller Licht und Glas. „Damit verfolgte ich die Idee, MI6 zu modernisieren“, sagt er. „Ich hatte das Gefühl, dass in Casino Royale Judi Dench eine Brücke zwischen der älteren Welt von M und Bonds Welt schlägt. Das wollte ich ausbauen, ich wollte sie an einem Computer haben. Ihre Stimme ist die Signatur von MI6, ihre Stimme ist das ultimative Kommando. Ich entschied mich dafür, dass ihre Stimme alles aktivieren kann, was sie braucht, dass sie ihre Welt kommandiert und kontrolliert. Es machte Spaß, mit dieser Vorstellung zu spielen. Ich wollte, dass ihre Figur stark und bestimmend auftritt, aber dabei immer noch Judi bleibt, also gibt es da immer noch eine gewisse Sanftheit. Wir haben zum Beispiel ein Zimmer für Ms Haus gebaut, das sehr modern ist, aber sehr sanftes Licht und eine ansprechende Möblierung hat. Wir zollen ihrer Vergangenheit Respekt, aber wir wollten ihrer Figur auch einige Kanten geben.“
Schon früh während der Vorproduktion bekam Gassner einen Anruf von Daniel Craig: „Barbara gab mir das Telefon und Daniel war dran“, erinnert er sich. „Er sagte: ,Dennis, ich bin sehr glücklich darüber, dass du bei diesem Film mit an Bord bist. Aber ich möchte dir eines sagen: Ich will, dass du die Samthandschuhe ausziehst und dir hierbei blutige Knöchel holst.‘“ Diese Aufforderung behielt Gassner während des ganzen Films im Hinterkopf. „Es war toll, wieder mit Daniel zu arbeiten, ich liebe es, dass er so hart an einer Figur arbeitet und immer versucht, die Wahrheit in ihrem Charakter zu finden. Das ist auch genau das, was ich anstrebe – die Wahrheit eines Charakters zu zeigen. Und ich hoffe, dass sich hier alles zusammenfügt.“