Louise Frogley spricht über die Arbeit mit dem Regisseur Marc Forster, um den richtigen Look für EIN QUANTUM TROST zu kreieren: „Ich hatte vorher noch nie mit Marc gearbeitet, also musste ich erst mal lernen, welchen Geschmack er hat, damit sich meine Kostüme richtig für ihn anfühlen. Ich zeigte ihm alles, was ich von Anfang an gestaltet habe, ich teilte jeden Entwurf mit ihm, bis ich verstanden hatte, was er wollte. Er hat für alle Menschen, mit denen er arbeitet, höchsten Respekt, er mag es, wenn man ihm viele Ideen anbietet. Unsere Ideen haben ihm ein Gefühl dafür vermittelt, was er wollte, und danach konnten wir loslegen und das umsetzen. Es war eine sehr aufregende Zeit.“
Der bekannte Designer Tom Ford wurde ausgewählt, um James Bond in EIN QUANTUM TROST mit Anzügen auszustatten. „Wir besuchten Tom Ford, um über Daniels Anzüge zu sprechen – ich wollte etwas sehr Geschmeidiges und extrem gut Geschnittenes und Tom Ford nutzt eine sehr bekannte Fabrik in Italien. Ich hatte etwas Wunderschönes, Elegantes im Sinn, das uns an die Anzüge erinnert, die Sean Connery in den frühen Bond-Filmen getragen hat. Ich glaube, Tom Ford ist ein Genie. Er hat auf Anhieb verstanden, was wir brauchten und von ihm haben wollten. Er und seine Mitarbeiter haben unglaublich hart gearbeitet, um uns genau das zu liefern. Er schickte jemanden nach Italien, nur um für uns ein bestimmtes Material aufzuspüren. Ich wollte für die Anzüge einen Mohairmischstoff benutzen. Das ist schwer aufzutreiben, denn es ist ein klassisches Sechziger-Jahre-Material. Ich bin ziemlich sicher, dass es Sean Connery in wenigstens einem seiner Anzüge getragen hat. Es ist sehr selten geworden, aber man kann es wunderbar filmen, es sieht einfach zauberhaft aus. Und nicht nur, dass wir dieses seltene Material haben, wir brauchten auch jede Menge davon, denn wir wollten viele Anzüge schneidern. Aber Tom Ford hat es für uns gefunden.“
Daniel Craigs Anzüge in dem Film haben einen sehr speziellen Schnitt. „Diese Anzüge haben keine Gürtel, sondern Einstellungsvorrichtungen an der Seite und sie sind höher am Bund, die Hosen sind relativ eng und haben keine Bügelfalten. Die Sakkos sind einreihig, haben zwei Knöpfe, einen schmalen Aufschlag und sind an den Schultern so schmal wie möglich geschnitten für einen muskulösen Mann wie Daniel. Sie sind extrem tailliert und haben unten einen ganz leichten Schlag, so dass dort etwas Bewegung ist. Sie geben einem eine wunderbare Silhouette.“
Frogley erläutert, wie sie den Zugang findet für ein Projekt dieser Größenordnung, bei dem so viele Locations bedacht werden müssen: „Zuerst muss man das Drehbuch genau lesen und herausfinden, wir viele Kostümwechsel für eine Figur erforderlich sind. Dann fragt man sich: Was geschieht mit einer Figur, während sie dieses oder jenes Kostüm trägt? Manchmal trägt Bond 24 Stunden lang die gleiche Kleidung, während er Explosionen überlebt, aus einem Flugzeug springt und in einer Wüste strandet. Ich muss voraussehen, wie die Kleidung aussieht, nachdem bestimmte Ereignisse eingetreten sind, die noch nicht gedreht wurden. Es ist ein kniffliger Balanceakt – zu viel oder zu wenig könnte dann nicht mehr funktionieren. Ich bespreche alles mit dem Stuntkoordinator und recherchiere so viel wie möglich darüber, was den Kostümen in den spezifischen Situationen geschehen könnte. Das ist sehr wichtig, denn man versucht schließlich, die Geschichte so zusammenhängend zu erzählen. Und je mehr Informationen man sammelt, desto besser ist man präpariert, genau dies zu gewährleisten.“
„Die Arbeit mit Daniel ist sehr gut, denn er kennt seinen Körper unglaublich gut und weiß genau, was an ihm gut aussieht“, fährt Frogley fort. „Es gibt nichts Besseres, wenn ein Schauspieler dazu in der Lage ist. Ich steckte ihn in ein Y3-Sakko, er sah fantastisch aus. Er wusste es, ich wusste es. Ich steckte ihn in eng anliegende Hosen und sie waren einfach perfekt für ihn. Meistens tragen Schauspieler deine Kostüme und das sieht dann soweit okay aus … aber hin und wieder bekommt man etwas zu sehen, das einfach fabelhaft ist. Und an einem Schauspieler wie Daniel sieht es eben fabelhaft aus.“
Für die Party-Szene in Panama suchte Louise Frogley nach einem zeitgemäßen Look für Camille (gespielt von Olga Kurylenko) und Agentin Fields (Gemma Arterton), „Wir haben die beiden Mädels für die Party-Szene in Prada gekleidet“, sagt sie. „Wir hatten keinen Deal mit Prada, es passte einfach zu dieser Szene. Die Kleider waren schlicht, aber elegant und sie passten perfekt zu den Charakteren und zu dem, was ich für diese Szene erreichen wollte.“ Olgas Figur muss in dem Kostüm, das sie auf Greenes glamouröser Spendensammlung trägt, später aus einem Flugzeug springen. Frogley und ihr Team dachten ursprünglich daran, dass sie darum eher einen Hosenanzug tragen müsse, aber das kam Frogley falsch vor. „Ich bemerkte, dass wir die Kostüme passend zu den Stunts designen und das kam mir so vor, als würden wir das Pferd von hinten aufzäumen. Als wir uns das Kostüm genau anschauten, fragten wir uns, warum wir einen Hosenanzug mit Ärmeln entwerfen für eine glamouröse Party in einem heißen Land – das machte einfach keinen Sinn. Am Ende geht Camille schließlich in einem fantastischen schwarzen Prada-Kleid zur Party und nicht in einem Hosenanzug.“
Frogley beschreibt, wie sie ihre Kostüme nutzt, um dem Prozess des Geschichtenerzählens eine weitere Facette hinzuzufügen, indem die Kleidung die Charaktere widerspiegelt: „Ich wollte, dass die Bösen exzentrisch, aber nicht aufdringlich wirken. Wenn man die Kleidung genau ansieht, wird man bemerken, dass sie ein bisschen seltsam ist, einem aber nicht ins Gesicht springt. Anatole Taubman stattete ich als Elvis mit einem herzförmigen Medaillon aus Chrom aus. Das ist eine ziemlich furchtbar aussehende Chrompuppe. Anatole mochte es sehr und ich glaube, auf eine gewisse Weise hat es ihm geholfen, den Charakter von Elvis zu entwickeln.“
EIN QUANTUM TROST wurde an mehr Locations gefilmt als jeder andere Bond-Film bisher und überall wurden gewaltige Sets errichtet. Frogley erläutert, wie sie mit dieser Herausforderung umging: „Zuerst muss man sich genau im Klaren sein, wer was wo und wann tragen soll – und dann muss man sozusagen rückwärts arbeiten. Man sieht, was einem fehlt, wo noch noch etwas fehlt. Wenn man vor Ort an einer Location arbeitet, muss man entscheiden, ob man die Lücken in den Ländern, in denen man sich gerade befindet, füllen kann. Ich habe immer das, was ich ,das Mutterschiff‘ nenne, daheim in England, das mir, wenn nötig, das Material schicken kann, was ich gerade brauche. Bei EIN QUANTUM TROST habe ich in Panama wunderschöne Abendkleider gefunden, die wir im österreichischen Bregenz bei den ,Tosca‘-Opernszenen benutzt haben. Die Menschen in Panama gehen abends gern aus, aber sie wollen dabei nicht viel Geld ausgeben – ideal für einen Kleiderkauf. Die Kleider habe ich mit weiteren Kleidern von Angels in London ergänzt, sie ein bisschen vermischt – und am Ende hat alles wunderbar funktioniert.“