Donnerstag | 31. Mai 2012 | 01:14 Uhr
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  • James Bond 007: Ein Quantum Trost

    Thriller, Action | Großbritannien / USA 2008
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      • | Produktion: Gary Powell (Stuntkoordinator)

      • Das Versprechen der Produzenten, EIN QUANTUM TROST habe doppelt so viel Action wie Casino Royale, bedeutete für Gary Powell die doppelte Anzahl an Stunts. „Allein in der Eröffnungssequenz gibt es so viel Action wie in ganz Casino Royale“, sagt er. Und beschreibt die Arbeit mit Marc Forster wir folgt: „Es war toll mit Marc zu arbeiten. Denn er kommt an den Tisch und hat eine völlig andere Denkweise. Das passte hervorragend zusammen, denn ich wollte die Stunts real umsetzen und er wollte den Look des Films so real wie irgend möglich haben. Er wollte, dass Daniel so viel wie möglich selbst macht und dass seine Stunt-Doubles eher selten zum Einsatz kommen. Dann lag es an mir zu sagen, ob etwas so funktioniert oder ob wir doch lieber auf einen Stuntman zurückgreifen. Es gibt einfach ein paar Dinge, die wir Daniel unmöglich erlauben konnten.“

        Dennoch ist Daniel Craig stets begierig darauf, so viele Stunts wie möglich selbst zu machen und Powell war immer wieder von seinen Fähigkeiten beeindruckt. Wir haben schon in Casino Royale mit Daniel gearbeitet und darum wusste ich ganz gut, zu was er in der Lage ist. Das machte unseren Trainingsprozess sehr viel einfacher, wir mussten einfach dort weitermachen, wo wir aufgehört hatten und so ist es auch geschehen. Es macht mir nichts aus, wenn Daniel seine Kampfszenen selbst dreht, denn er weiß, dass er dabei durchaus einen Schlag ins Gesicht abbekommen könnte oder dass er jemand anderem eine reinhauen könnte. Wenn man Stunts in einer solchen Geschwindigkeit ausführt, bringt das eben immer ein gewisses Risiko mit sich. Daniel kennt dieses Risiko und er entscheidet selbst, ob er es dennoch selbst machen will. In neun von zehn Fällen will er!“

        „Daniel hat schon in Casino Royale eine Menge seiner Stunts selbst absolviert, aber hier macht er noch mehr selbst“, fährt Powell fort. „Er steht in einem Gebäude, das Feuer gefangen hat, Flammen schlagen um ihn herum hoch, Explosionen detonieren vor und hinter ihm, er springt, landet im Feuer, rutscht über den brennenden Boden … und du weißt, dass er es schafft. Er ist mehr als nur in der Lage dazu!“

        Powell choreographierte alle Kämpfe in EIN QUANTUM TROST und erklärt, warum die Action zu den Figuren passen muss, wenn sie die Geschichte glaubwürdig machen und sinnvoll unterstützen soll: „Als wir anfingen mit Mathieu zu trainieren, wussten wir, dass er am Ende des Films eine große Kampfszene mit Bond haben würde. Es sollte ein Kampf auf Leben und Tod sein. Wir haben schnell bemerkt, dass er kein technischer Kämpfer ist, er kämpft eher chaotisch, also haben wir die Choreografie des Kampfes an seine Fähigkeiten angepasst, so dass sie auch besser zu der Figur passt. Wenn er jetzt kämpft, ist er Bond überlegen – nicht, weil er ein besserer Kämpfer ist, sondern weil er wie ein Wahnsinniger kämpft. Er attackiert Bond wie ein Irrer, er tritt, schlägt, schreit, haut mit Holzbalken um sich … er ist ein richtig hinterhältiger Kämpfer.“


        „Die Figur von Olga Kurylenko ist eine Agentin, also hat sie ein militärisches Training absolviert und wir mussten sie auf diesen Stand bringen“, fährt Powell fort. „Es war hart für sie, aber sie hat es wunderbar gemeistert. Sie muss so ziemlich den härtesten Kampf durchstehen, denn sie kämpft gegen General Medrano, der mindestens doppelt so groß ist wie sie selbst. Marc hatte Bedenken, ob das überhaupt funktioniert, aber wir haben sehr hart mit ihr trainiert und es funktioniert prächtig. Wir sind sehr stolz auf die Fortschritte, die sie gemacht hat.“

        Die Arbeit mit Schauspielern, die sich vorher einem solchen Training nicht unterzogen haben, erfordert von ihnen mehr als nur physische Kraft, erklärt Powell: „Man muss die Schauspieler sowohl körperlich als auch mental vorbereiten. Wir wissen, dass sie allerspätestens am Ende des ersten Monats ihres Trainings morgens aufwachen und nicht aus dem Bett wollen, weil ihnen alles wehtut und sie todmüde sind. Darauf müssen wir sie vorbereiten. Wenn man Schauspieler trainiert, hat jeder mal einen schlechten Tag. Wir müssen sie coachen und sie auf alle Eventualitäten vorbereiten, denn jeder wird irgendwann mit diesem Zustand konfrontiert. Und dann ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie am nächsten Tag wiederkommen und doppelt so gut sind wie vorher.“

        Das Stuntteam arbeitete mit jeder Abteilung der Film-Unit eng zusammen. „Wenn wir Stunts entwerfen, müssen wir mit dem Kostüm, Haar und Make-up und dem Special-Effects-Team arbeiten“, erläutert Powell. „Jeder muss involviert sein und die Kommunikation muss von Anfang an funktionieren. Das Kostüm-Department möchte zum Beispiel wissen, was mit den Sicherheitsfragen ist, wenn wir im Feuer arbeiten. Mit dem Make-up müssen wir klären, ob Bond nach einem Kampf vielleicht eine Wunde über dem Auge oder einen Bluterguss im Gesicht hat.“

        „Stuntleute müssen alles bei den Dreharbeiten im Blick haben und sicherstellen, dass vor einem Stunt so viel Gefahr und Risiko wie möglich eliminiert ist“, sagt er. „Wenn Daniel einen Korridor entlangläuft, in dem alles brennt und explodiert, muss ich mit dem Special Effect Supervisor Chris diskutieren, an welchem Punkt sich Daniel gerade befindet, wenn die Sprengsätze gezündet werden. Das Special-Effects-Team muss alles ganz genau timen und Daniel muss präzise seine Markierungen treffen. Wenn das nicht der Fall ist, könnte er plötzlich mitten in einem Feuerball stehen – also spielt bei uns allen sehr viel harte Arbeit und eine gewaltige Portion Vertrauen eine große Rolle.“

        James Bonds Lieblingsauto, der Aston Martin DBS, ist auch in EIN QUANTUM TROST wieder zu sehen. Um die Autos für die Verfolgungsjagd in Italien auszurüsten, musste Powell kleine Veränderungen vornehmen. „Uns standen sieben Aston Martins zur Verfügung, die alle für zwei Fahrbahn-Oberflächen geeignet waren: eine normale Straße und eine Schotterpiste, die mit Kies bestreut war. Wir haben die Radaufhängung verstärkt, den Winkel der Felgen verändert und spezielle Reifen für jede Oberfläche benutzt. Wir haben die Zugkraftkontrolle aus den Autos ausgebaut, so dass sich die Autos um sich selbst drehen konnten, wenn wir eine solche Felgendrehung erzielen wollten. Auf diese Weise kontrolliert der Stuntman den Wagen und nicht umgekehrt. Außerdem haben wir in den Aston hydraulische Handbremsen eingebaut, damit der Stuntman damit den Wagen um eine Straßenecke drehen kann. Die Handbremse installierten wir zwischen dem Fahrer und der Tür, damit sie leicht erreichbar ist, ohne dass man nach unten schauen muss.“

        Um den Sprung von Bond und Camille aus der DC3 zu filmen entschied sich Powell, die Teile mit Daniel Craig und Olga Kurylenko auf einem Trainingsgelände namens Bodyflight zu drehen. Der „Flug“ in dem Windkanal simuliert den freien Fall. „Als uns die Idee kam, hatten wir ursprünglich vor, dass ein Stuntman mit einem Fallschirm einen richtigen freien Fall vollzieht und wir Bilder von Daniel und Olga mittels Spezialeffekten dazwischen schneiden“, erläutert er. „Aber ich wollte lieber Bodyflight nutzen statt die Schauspieler an Drahtseilen vor einer Windmaschine zu filmen, also haben wir dort erst mal mit einer Videokamera Testaufnahmen gemacht. Marc schaute sich die Tests an und mochte sie, also haben wir entschieden, die ganze Fallschirm-Sequenz dort zu drehen. Wir haben einen ganzen Tag lang Daniel und Olga gefilmt und es sieht sehr gut aus. Schließlich sind sie es selbst, die diesen Fall durchziehen. Man hat nicht diese typischen Armbewegungen, die Schauspieler an Drahtseilen vollziehen und wir waren alle sehr glücklich mit dem Ergebnis.“

        Eine weitere gewaltige Stunt-Sequenz in EIN QUANTUM TROST ist die Bootsverfolgungsjagd, die in Colon, Panama, gefilmt wurde. „Diese Sequenz wurde sehr spät noch verändert, Simon Crane, der zusätzliche Unit-Regisseur, und ich mussten uns schnell eine völlig neue Sequenz ausdenken und sie auch noch proben“, fährt Powell fort. „Ursprünglich sollte es eine ziemlich kleine Szene sein. Wir schauten uns die Location an und entschieden, dass sie so groß werden sollte, wie es uns möglich war … und das haben wir dann auch getan. Wir haben die Verfolgungsjagd von der einen Seite des Panamakanals bis zur anderen gedreht und das Finale findet auf einer Insel statt. Die Arbeit auf dem Panamakanal war nicht gerade einfach, denn es handelt sich nicht um einen See, das Wasser ist rau, hunderte von 300 Meter langen Schiffen kreuzen auf und ab, und das Wasser ändert sich von Minute zu Minute. Man versucht, präzise Kurven zu fahren, aber das Wasser diktiert die Dreharbeiten und es kommt ständig vor, dass man eine Markierung um drei oder vier Meter verfehlt. Es war eine technisch extrem knifflige Sequenz.“

        Über die Arbeit mit der „Bond-Familie“ gibt Powell zu Protokoll: „Ich kann mich sehr glücklich schätzen, denn ich habe schon mit einigen tollen Produzenten an einigen großartigen Produktionen gearbeitet – aber Bond ist ein Familienunternehmen. Wenn du am Set bist, bist du nicht nur ein Mitglied der Crew, sondern ein Teil dieser Familie. Barbara Broccolis Vater hat mit Dr. No angefangen und sie und Michael G. Wilson führen seine Arbeit weiter. Als Produzenten haben sie die Aufgabe, den Film innerhalb seines Budgets herzustellen, aber sie vertrauen ihrer Crew und tun alles dafür, dass man das bekommt, was man braucht, um den besten Job zu tun, den man bei diesem Film leisten kann.“

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