Die alten Freunde (und großen Filmfans) Jude Law und Mitproduzent Simon Halfon treffen sich regelmäßig, um über Ideen für Projekte zu sprechen, die sie gern einmal zusammen verwirklichen würden. Law hatte bereits Erfahrungen als Produzent von Sky Captain and the World of Tomorrow gesammelt, und Halfon, ein erfolgreicher Grafikdesigner, wollte das immer schon einmal ausprobieren. Bei einem ihrer Gespräche schlug Halfon vor, sich einmal „Sleuth“ von neuem vorzunehmen – Anthony Shaffers Theaterstück, das 1970 mit einem Tony Award ausgezeichnet wurde und später mit großem Erfolg von Joseph L. Mankiewicz mit Laurence Olivier und Michael Caine in den Hauptrollen verfilmt wurde (der deutsche Titel war Mord mit kleinen Fehlern), wofür beide Hauptdarsteller seinerzeit mit Oscar-Nominierungen geehrt wurden.
„Simon hatte ,Sleuth’ gesehen und beschrieb mir den Film als ein Stück, das um eine ganz einfache Idee kreist,“ sagt Jude Law. Die erste Verfilmung war brillant, aber er fand, man könne das Ganze weiterentwickeln und modernisieren. Der Kern der Geschichte böte einem noch viel Platz, unerschlossenes Territorium zu entdecken. Ich trug diese Idee eine ganze Weile mit mir herum, aber was die Sache wirklich ins Rollen brachte, war der Vorschlag, der mir gemacht wurde, doch selbst ein Projekt zu entwickeln – und in diesem Zusammenhang tauchte der Name Harold Pinter auf.“
Damals hatte Harold Pinter noch nicht den Literaturnobelpreis erhalten, aber auch so ließ sein Status als einer der bedeutendsten und einflussreichsten Dramatiker des 20. Jahrhunderts die Vorstellung, man könne ihn ja einfach mal fragen, ob er Shaffers Stück bearbeiten würde, als ziemlich naiv erscheinen. Pinters außerordentlicher Ruf hätte viele Produzenten-Neulinge davon abgehalten, und auch Jude Law gibt nun fröhlich zu, dass es „ganz schön weit hergeholt“ schien.
„Aber weil das Stück so gut zu ihm passte, war es zunächst einfach ein Vorwand, ihm zu schreiben und sich mit ihm zum Essen zu treffen, so dass man hinterher wenigstens hätte sagen können: ,Ich habe mit Harold Pinter zu Mittag gegessen und er hat leider abgelehnt’, sagt Jude Law. „Es wurde ein sehr langes und sehr lustiges Mittagessen, bei dem ich ihm die Essenz der Geschichte so beschrieb: Zwei Männer in einem Raum, einer älter, einer jünger, die beide körperlich und psychologisch um eine Frau kämpfen, die man niemals zu Gesicht bekommt. Wenn ich mich recht erinnere, sagte Harold: ,Das ist genau das, was ich seit 40 Jahren mache.’ Er sagte auf der Stelle zu.“
Pinter hatte Jude Law mehrfach auf der Bühne und auch im Film gesehen und freute sich auf die Gelegenheit zur Zusammenarbeit: „Jude ist ein hochintelligenter und geistreicher Mann“, sagt er. „Er besitzt Enthusiasmus und Integrität.“
Nachdem Pinter an Bord war, wurde Laws und Halfons Idee plötzlich deutlich interessanter, und Castle Rock übernahm die Kosten für das Drehbuch und die Entwicklung. „Sobald feststand, dass Harold dabei war“, sagt Law, entwickelte sich das Ganze von einem lediglich spannenden Remake zu etwas völlig anderem; es bekam mehr Gewicht und mehr Tiefe. Etwas, das Harolds Aufmerksamkeit fesseln kann, wird allein dadurch wichtig, er ist in der Welt der Literatur einfach eine solche Größe. Und wir wussten, dass das Drehbuch in Harolds Händen ein ganz anderes Kaliber erreichen würde.“
Im Lauf der folgenden Jahre machten sich die Mitwirkenden an die Arbeit. „Es ist ein völlig neuer Blickwinkel“, sagt Harold Pinter. „Ich hatte das Stück weder gesehen noch gelesen, und die erste Verfilmung hatte ich auch nicht gesehen. Ich war also absolut unbefleckt. Ich las das Stück und würde sagen, dass ich es vollständig umgebaut habe. Ein oder zwei Wendungen der Geschichte habe ich beibehalten, weil es nicht anders ging, aber davon abgesehen habe ich es zu etwas Eigenem gemacht.“
„Man kann sich kaum vorstellen, dass dies etwas ist, wozu Harold nicht auch die ursprüngliche Idee hatte“, sagt Law. Auf gewisse Weise geht es in dem Stück natürlich darum, dass zwei Männer um ein Besitztum kämpfen, in diesem Fall eine Frau, die beide haben wollen. Aber letztendlich geht es darum, dass zwei Männer kämpfen – und allgemein darum, warum Männer kämpfen. Es wandelt sich ganz schnell zu einem Stück über das männliche Ego und über den Versuch, besser zu sein als der andere – während der eigentliche Grund für den Kampf dabei beinahe in Vergessenheit gerät. Es geht um den Wettbewerb an sich und darum, den anderen auszustechen. Das sind ganz klar Themen, die Harold Pinter interessieren, sowohl in seinen literarischen Werken als auch in seinen Ansichten über die derzeitigen Geschehnisse auf der Welt.“
Mit Pinters Drehbuch bewaffnet, bemühten sich Law und Halfon um die weitere Finanzierung. „Man muss sich vor Augen führen, dass das in der Zeit vor dem Nobelpreis war. Wegen Harolds besonderen Schreibstils war es schwierig, die Leute dazu zu kriegen, zwischen den Zeilen zu lesen. Es war ein sehr stark reduziertes Skript“, sagt Law. „Mir gefiel daran die Herausforderung, dass man die Freiheit hatte, die Sätze zu interpretieren und sie in jegliche Richtung zu drehen. Aber genau das schien auf viele Finanziers abschreckend zu wirken. Sie fanden die Dialoge toll, aber fanden nicht, dass der Text Potenzial als Film hätte. Aber unser unerschütterlicher Glaube daran brachte uns immer wieder weiter.“
Law hatte die Idee schon einige Jahre zuvor Michael Caine vorgeschlagen, und im Prinzip hatte Caine zugestimmt, es könne eine spaßige Sache sein, ein weiteres Mal „Sleuth“ zu machen – diesmal allerdings in der Rolle, die 1972 Laurence Olivier gespielt hatte. Law kam mit dem fertigen Drehbuch wieder auf den Schauspieler zu, der seinerzeit die Rolle des Milo Tindle gespielt hatte.
„Das Ganze hatte mich von Anfang an fasziniert“, sagt Michael Caine, „aber erst recht, als ich das Drehbuch von Pinter las. Auch wenn die Plotidee und der Titel übereinstimmen, ist Pinters Art zu schreiben einfach eine völlig andere als die von Anthony Shaffer. Es ist keinesfalls derselbe Film.“
Als nun auch Michael Caine dabei war, erkannte Law, dass der Moment gekommen war, einen Regisseur zu finden, der „die Gruppe leiten und alle unsere Vorstellungen zu einer vereinen“ sollte. Unter den Kandidaten war Kenneth Branagh, am besten bekannt durch seine Shakespeare-Verfilmungen, dessen jüngste Regiearbeit eine Kinoversion von Mozarts „Zauberflöte“ war.
„Mein Manager rief mich eines Tages an und sagte: ,Da gibt’s eine neue Fassung von Mord mit kleinen Fehlern, die Harold Pinter geschrieben hat, die Jude Law produziert und bei der Michael Caine mitspielt’“, erinnert sich Kenneth Branagh. „Ich kannte und mochte die Originalverfilmung – und auch das Stück, das ich gerade erst ein paar Jahre zuvor gesehen hatte, als ein Freund von mir Milo spielte. Dann las ich das Drehbuch und konnte es nicht wieder weglegen. Was ich sowieso schon für einen Glücksfall hielt, hatte jetzt auch noch Pinters düsteren Tonfall und seinen schwarzen Humor. Es hatte sich die atemlose Spannung des Originals bewahrt – man darf ja nie vergessen, was Anthony Shaffer für ein großartiges Stück geschrieben hat – aber das Drehbuch scheute sich nicht davor, anders zu sein; so anders, dass es zu einem ganz anderen Film gehören könnte. Es hat mit dem Original die zentrale Plotidee gemein und die Hauptfiguren haben dieselben Namen. Aber Vieles war gleich von Beginn an anders: Die Optik, die Stimmung, die Beziehungen der Charaktere und schließlich der Plot.“
„Pinter bedient sich ganz alltäglicher Beobachtungen und lädt sie auf – manchmal mit Humor, manchmal mit einem Gefühl der Bedrohung, manchmal mit großer Dichtung. In 1 MORD FÜR 2 nimmt er dieses für Theater und Film gleichermaßen wunderbar konstruierte Stück und verschmilzt es ganz mühelos mit dem, was ihn selbst fasziniert, in Shaffers Stück aber auch schon anklingt: Das psychologische Drama, der testosteron-geladene Gladiatorenkampf zwischen diesen Männern, die beide auf ihre Weise weltgewandt und intelligent sind. Es schien einfach ein großartiger Weg, einen atemlos spannenden Thriller mit einem Blick darauf zu verbinden, welche verwundbaren Stellen und welche Posen diese sehr männlich, fast schon machohaft wirkenden Typen beim Kampf um eine Frau zeigen. Ich hatte einfach das Bauchgefühl, dass das hier verdammt gut werden würde.“
Nach einem Auswahlverfahren, das er als „erfrischend zivilisiert“ erinnert, wurde Branagh als Regisseur engagiert. „Ken hat sich geradezu auf diese Herausforderung gestürzt, zwischen den Zeilen zu lesen und er sah auch das Potential“, sagt Jude Law. „Er verstand, dass sich zwischen den Zeilen noch ein Film verbarg, in dem das Haus selbst mit seiner speziellen Atmosphäre der dritte Protagonist ist. Er erkannte auch, wie wertvoll es sein kann, sich einfach entspannt zurückzulehnen und sich fantastische Dialoge anzuhören, anstatt am Skript herumzudoktern und alles zu verkomplizieren. Er versteht so unglaublich viel davon, einen Text in Schauspielerei zu übertragen. Genau wie Harolds anfängliche Mitarbeit und Michaels Zusage, passte auch Ken als Regisseur einfach perfekt dazu. Wir vier stellen so etwas wie drei verschiedene Generationen britischer Schauspieler und Regisseure dar, und es war eine sehr harmonische Gruppe.“
„Das Harold Pinter mitarbeiten wollte, dass Jude es so leidenschaftlich vorantrieb, dass Michael Caine, der ein integraler Bestandteil des ersten Films war, einverstanden war mitzumachen – all das zusammengenommen klang nach etwas ganz Besonderem“, sagt Branagh.
Pinter nennt Branaghs Beitrag zum Projekt „enorm“: „Ken ging mit einem ganz neuen Verständnis an die Sache heran“, sagt er. „Er ist technisch sehr versiert, er hat ein präzises Unterscheidungsvermögen. Ich habe ihn schon lange sehr bewundert, sowohl als Schauspieler wie auch als Regisseur. Ich fand seinen Henry V großartig, und er ist einfach ein toller Schauspieler. Es war von Anfang bis Ende ein höchst anregender Arbeitsprozess.“