Pinter sagt, die Rolle des Andrew Wyke mit Michael Caine zu besetzen, „passt hundertprozentig“. Als Produzent war es Jude Law klar, wie überlebenswichtig Caines Zusage für das Projekt war, nicht zuletzt aufgrund von Caines Vermögen, das Maximale aus Pinters Dialogen herauszuholen.
Alle am Film Beteiligten empfanden es als bemerkenswert passend und natürlich, dass Caine die Rolle des Andrew Wyke übernahm; und dabei behielten Caine und Pinter das Wissen zunächst noch für sich, dass Caine 50 Jahre zuvor am Londoner Royal Court Theatre in Pinters allererstem Theaterstück „The Room“ aufgetreten war – und, dass beide einen Teil ihrer Schulzeit an dem „Eton des East Ends“, der Hackney Downs Grammar School, verbracht hatten.
Michael Caine in einem Harold-Pinter-Stück zu sehen ist eine göttliche Verbindung, sagt Jude Law. „Beide Männer haben etwas unglaublich Kraftvolles an sich, etwas Humorvolles, etwas leicht Verletzendes, aber auch etwas Verletzliches. Sie ergänzen sich in vielerlei Beziehung. Vergessen wir nicht, dass Michael der Grund dafür ist, dass viele britische Schauspieler nicht länger ihren Akzent verheimlichen müssen. Seine Stimme hat Kultcharakter, von ihrer einmaligen Tonalität einmal ganz abgesehen. Und wenn diese Stimme diese Worte spricht, kommt etwas ganz Kostbares und Besonderes dabei heraus.“
„Sowohl Michael als auch Harold haben ein großes Talent für diese Art von Stoff“, sagt Kenneth Branagh: „Sie haben ein feines Ohr für diese Art von gewissermaßen übernatürlichem Dialog und für diese fast im Wortsinn übernatürliche Welt. Als Filmschauspieler verfügt Michael über unglaublich viel Raffinesse. Er besitzt ein exaktes Gespür dafür, wie man einen Satz spricht, wie man ein einzelnes Wort ausspricht und vor allem, wie man eine Reaktion hervorbringt. Sein Bewusstsein für die technischen Aspekte wie Licht, Kamera, die Größe der Einstellung und den Aufbau des Sets ist ziemlich beeindruckend, muss ich sagen. Als Schauspielapparat ist Mr. Caine ein im besten Sinne sehr empfindlicher Mechanismus. Man braucht bloß winzige Veränderungen vorzunehmen und man bemerkt sofort ihre Auswirkungen.“
Caine sieht seine Gaben als Filmschauspieler eher pragmatisch und gelassen: „Man muss vor der Kamera einfach völlig entspannt sein“, sagt er: „Wenn du das nicht bist, kommt dir die Kamera schnell auf die Schliche.“
Law und Caine wussten, dass Pinter seine Karriere als Bühnenschauspieler begonnen hatte und immer wieder im Theater und im Kino auftrat (der Schriftsteller hat in 1 MORD FÜR 2 einen Cameo-Auftritt); und sie wussten, dass ihr Regisseur seit langem schon als brillanter Schauspieler anerkannt ist. „Ken ist ein großartiger Schauspieler; also weiß er, was er will und er kann es einem auch in wenigen Worten klar machen“, sagt Caine: „Er kann es nicht nur mit mindestens so viel Talent, wie man selber besitzt, erklären, er spielt es einem auch vor, wenn man ihn darum bittet.“
„Mit diesen Schauspielern bestand mein Job vor allem darin, sicherzustellen, dass wir uns über die psychologische Substanz des Stückes einig würden“, sagt Branagh: „Mein Job war es zu fragen: Was sind die essentiellen Wesenszüge dieser Figur? Mit welchen drei Adjektiven würde man sie beschreiben?“ Im Fall der Rolle von Michael gab ich ihm einen Artikel über krankhafte Eifersucht, den ich irgendwo gefunden hatte. Es ist das oft bis ins Groteske übersteigerte und intensivierte Gefühl einer irrationalen, psychopathischen Eifersucht, die die daran Leidenden tiefunglücklich macht und zu gefährlichen Handlungen verleitet, die sie an denen ausleben, auf die sie eifersüchtig sind. Michael stimmte zu, dass das Andrews ganzes Verhalten beeinflusste und dass diese krankhafte Eifersucht immer vorhanden sein müsse, auch wenn die Oberfläche noch so glatt ist. Wir haben das unglaublich genau recherchiert und haben Wert darauf gelegt, dass die Details stimmten.
„Ich habe Mord mit kleinen Fehlern nicht wieder gesehen, nachdem wir ihn gedreht hatten und ich habe auch nie wieder darüber nachgedacht“, sagt Michael Caine. „Aber ich kann mich daran erinnern, dass Olivier seine Rolle als einen sehr gefährlichen Exzentriker spielte – und er spielte sie fantastisch gut. Ich spiele es auf Grundlage des Syndroms der krankhaften Eifersucht; während Larry also der gefährliche Exzentriker war, bin ich der zum Mord entschlossene Psychopath. Larry war wahrscheinlich komischer, dafür ist dies hier bedrohlicher.“
Als Produzent war Jude Law so damit beschäftigt, das Ganze zum Laufen zu bringen, dass ihm erst relativ spät klar wurde, Milo könne eine Rolle für ihn selbst sein. „Eigentlich fand ich es nur wichtig, dass der Film zustande kommen würde; und dann landete dabei diese wirklich großartige Rolle auf meinem Schoß – eine wirklich schwierige Rolle!“, wie er sagt. „Ich wurde plötzlich ziemlich nervös, weil Milo alle diese Facetten an sich hat, die es knifflig machen würden. Wenn Milo auf der Bildfläche erscheint, meint man, man hätte ihn durchschaut. Man hat ihr sehr schnell als einen bestimmten Typen ausgemacht. Natürlich trägt auch Alex Byrnes großartiges Kostüm dazu bei – die grauenhaften Stiefel mit Blockabsatz, dass er einen Ring am Daumen trägt – man hält ihn für stillos und geckenhaft. Man hat sehr schnell das Gefühl, dass Milo für Andrew ein leichtes Opfer ist – und so kommt es ja auch. Spannend ist nur, was danach passiert...“
„Ich gehe eine Wette darauf ein, dass dies Judes bislang beste Leistung seiner ganzen Karriere ist“, sagt Michael Caine. „Wir sind schon eine ganze Weile gut befreundet, trotz des Altersunterschiedes, und ich habe ihn auch immer als Schauspieler geschätzt, aber er hat sogar mich überrascht.“
Branagh stimmt zu: „Jude ist ein großartiger Schauspieler mit einer äußerst großen Bandbreite – man stelle sich nur noch einmal seinen Auftritt als Dickie Greenleaf in Der talentierte Mr. Ripley vor, und dann seine Rolle in Road To Perdition. Dieses Drehbuch aber verlangte etwas Neues von ihm, das wir so noch nicht gesehen hatten – und hier gibt er es uns. Ich bin ein großer Fan seiner schauspielerischen Leistungen – und von ihm als Person: Er ist ein sehr freigiebiger Mensch und als Kollege ist es eine wahre Freude, mit ihm zusammen zu arbeiten.“
Harold Pinter antwortet auf die Frage, wie es ihm gefiel, Caine und Law sein Drehbuch spielen zu sehen, als er das Set besuchte: „Es war sehr erfreulich und auch sehr schmeichelhaft, eben weil die beiden so gut, so fantasievoll und auch selbst so erfindungsreich sind. Beiden haben sie eine solche Freude am Spielen. Und das ist genau das, was ich mir wünsche, wenn Schauspieler meine Sachen aufführen.“