Donnerstag | 31. Mai 2012 | 13:07 Uhr
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  • 1 Mord für 2

    Thriller | Großbritannien 2007
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      • | Ein Mann in einem Zimmer / Ein Besucher

      • „Setzt man einen Mann in ein Zimmer, wird er früher oder später Besuch bekommen.“ Harold Pinter im Programm zu „The Caretaker“

        Auf gewisse Weise kann man natürlich sagen, 1 MORD FÜR 2, das sind zwei Männer in einem Zimmer – es stimmt zwar nicht ganz, aber es kann einem so vorkommen“, sagt Kenneth Branagh. „Die Beschränkungen, die einem ein solcher Studiodreh auferlegt, haben mich nicht im Geringsten geschreckt. Ich habe einmal einen Fernsehfilm mit dem Titel Die Wannseekonferenz gedreht, wo eine kleine Gruppe höchstrangiger Nazis den Holocaust beschließt. Das waren zehn oder 15 Leute, die um einen Tisch herumstanden, und dennoch war es ein absolut mitreißendes Drama. Meine Erfahrung, dass es auf die Qualität des Materials und auf die Story ankommt, war also noch frisch. Man muss den ganz natürlichen Weg finden, die Geschichte sich entfalten zu lassen und nicht zu schreien: Wir müssen hier schneiden! Wir müssen etwas tun! Das Publikum wird sich langweilen! Wenn man an den Text glaubt – was wir alle taten – dann weiß man auch, dass man immer wieder einen Weg finden wird, ihn auszudrücken, auszuschmücken und zu verstärken.“

        „Ken hat sich von dem engen Zeitrahmen für die Herstellung des Films, den wir aus finanziellen Gründen hatten, nicht im geringsten beirren lassen“, sagt Jude Law: „Er sah das nicht als Hürde an, sondern eher als Richtschnur für unglaublich mutige und schlussendlich auch inspirierende Entscheidungen, auf welche Art und Weise wir drehen würden. Er nutzte die Geschwindigkeit, mit der wir drehen mussten, um die Energie des Stückes hervorzuholen. Er sah, dass man die filmischen Mittel zurücknehmen und die Geschichte durch die darstellerischen Leistungen erzählen musste. Das ist eine Art des Filmemachens, die ich liebe, von der wir uns aber leider zur Zeit immer weiter wegbewegen.“
        „Beim Original hatten wir eine Drehzeit von 16 Wochen, deshalb war das damals eigentlich eine ziemlich lasche Geschichte“, erinnert sich Michael Caine: „Jetzt hatten wir nur fünf Wochen, und der Druck war enorm. Ich muss schon sagen: Ich halte Ken für den am besten vorbereiteten und einfallsreichsten Regisseur, mit dem ich jemals zusammengearbeitet habe.“

        Der Regisseur freute sich auf den Wechsel: von der geradezu militärischen Operation von The Magic Flute mit ihrem kompletten Opernensemble, dem Orchester, den Statisten und den Spezialeffekten zurück zu einem Zwei-Personen-Stück. „Bei 1 MORD FÜR 2 konnte ich meinen Blick stark fokussieren“, sagt Branagh: „Es war schon sehr viel Energie vorhanden, als ich dazustieß. Ihnen war schon klar, dass wir alles – vom Drehbuch über die Proben bis zum eigentlichen Dreh – mit chirurgischer Präzision zusammenfügen mussten. Das war etwas völlig anders als die breiten Pinselstriche bei The Magic Flute – und es war ein großes Vergnügen, das mit Leuten zusammen zu bewerkstelligen, die zu den Besten ihrer Zunft gehören.“

        „Wir haben in den Twickenham-Studios auf genau der Bühne gedreht, wo ich auch schon Zulu und Der Verführer lässt schön grüßen gedreht hatte; es war für mich also vertrautes Gelände“, sagt Caine scherzhaft.

        Branagh preist seinen Kameramann Haris Zambarloukos dafür, die Sets so erscheinen zu lassen, als ob es sich um viele verschiedene Räume handle. Ihr Ausgangspunkt dabei war Andrews Vorliebe für technische Spielereien (kollektiv hatten die Filmemacher entschieden, Wyke sei absolut vernarrt in die allerneueste Digitaltechnik, passend zum erbarmungslos modernisierten Inneren seines georgianischen Landhauses, wie es Pinter in einer der wenigen Regieanweisungen des Drehbuchs vorgesehen hatte). „Wir fanden alle, er wäre der Typ, der mit Hightech-Gerätschaften seine Haushaltsgeräte fernsteuert, Türen sich öffnen lässt, das Licht an- und ausschaltet – und das eröffnete uns viele Möglichkeiten“, sagt Branagh. „Zunächst für die akustische Atmosphäre des Films, mit den ganzen Geräuschen, die entstehen, wenn sich Überwachungskameras drehen, wenn sich Türen öffnen und schließen, wenn sich Aufzüge bewegen. Und zum Zweiten konnten wir das dafür nutzen, dem Inneren des Hauses eine Art ständig sich wandelnde Lichtinstallation zu verpassen, fast so, als ob Andrew in einer Miniaturausgabe der Tate Modern lebte und verdammt stolz darauf sei. So konnten wir eine optische Vielfalt erzielen.“
        Der Eindruck, Andrew lebe in seinem eigenen Privatmuseum, wurde noch dadurch verstärkt, dass die gefeierten britischen Maler Antony Gormley und Gary Hume den Produzenten einige ihrer Werke leihweise zur Verfügung stellten; hinzu kamen einige Möbel-Unikate des Designers Ron Arad.
        Szenenbildner Tim Harvey, selbst Künstler, malte mehrere großformatige Bilder für Andrews Wände und sorgte auch für die kleineren Formate, die Milo auf Drängen seines Gastgebers zerstört. Kameramann Zambarloukos verwendete LED-Beleuchtung, um die Idee der ständig veränderlichen Kunstinstallation zu veranschaulichen.

        „Wenn es einen Ausbruch von Eifersucht gibt, dann ist Grün die beherrschende Farbe. Wenn es einen Ausbruch von Rache gibt, dann wird alles in Rot getaucht. Plötzlich findet man sich in einer höllischen Don-Giovanni-Welt wieder“, sagt Branagh: „Wir fanden heraus, dass in einem Stück wie diesem, wo man sich auf die beiden Hauptfiguren konzentriert (auch wenn Harold noch weitere Figuren präsentierte oder zumindest implizierte), einfach alles zählt: jede Requisite, jede Einstellung.“

        „In Mord mit kleinen Fehlern lebt meine Figur in einem ganz wunderbaren alten englischen Landhaus; man ging hinein und stand mitten im englischen Landhausstil, überall Chintzvorhänge, Kissen, Sofas und Blumen“, sagt Michael Caine: „Hier ist es wieder ein wundervolles englisches Landhaus, aber sobald man hineingeht, ist alles aus Stahl, Glas, Marmor und Beton. Plötzlich ist man in Pinter-Land.“
        „Nichts, was Harold Pinter macht, ist zufällig“, sagt Branagh: „Im Drehbuch trifft er eine sehr klare Unterscheidung zwischen dem Äußeren und dem Inneren des Hauses, und wie beides kontrastiert, aber ich stellte fest, dass es die eigentliche Arbeit war, die optischen Hinweise aus dem Text herauszuhören. Es gibt eine Art von Prolog – die ersten zehn oder zwölf Minuten des Dialogs hörten sich für mich wie Totalen an. Wir drehten mit einer Verzerrungslinse, so dass wir einen so breiten Winkel wie nur möglich hatten. Shakespeare spricht immer wieder davon, das Stück zu ,hören’, und ich ,hörte’ keine Nahaufnahme, bis Michael Caines Figur nach ungefähr zwölf Minuten sagt: ,Sie f–en also meine Frau.’ Wir versuchten weiter, solche Momente herauszuhören; Momente, die einem sagten: Dies ist ein Close-Up oder: jetzt bewegt sich die Kamera.“

        „Ken begriff instinktiv, dass wir diese unglaublich tollen Dialoge ohne Unterbrechung laufen lassen mussten, um das Gefühl der Vieldeutigkeit bei diesem Zwei-Personen-Stück aufrechtzuerhalten“, sagt Jude Law. „Er verstand es, das Haus wie eine weitere Figur einzusetzen und die Effekte in diesem Haus als Zeichen für die Stimmung und die atmosphärischen Schwankungen. Er kam immer unglaublich gut vorbereitet zu den Proben und hatte schon genau im Kopf, wie wir uns durch dieses Haus voranarbeiten würden.“
        „Das Ganze hat etwas von einem Escher-Bild; und Tim Harveys Design hat diese Welt von ins Nichts führenden Treppen, auf die Wände aufgemalten Türen und aus dem Nichts auftauchenden Liften sehr schön in die Realität umgesetzt. All das lässt eine Welt entstehen, in der man niemals ganz sicher sein kann, was in ihr vorgeht; eine Welt, wo hinter jeder Ecke eine Überraschung lauert – möglicherweise angenehm, vielleicht aber auch übel – ganz genau wie im Gehirn. So vieles im Stück sind Halbwahrheiten, und man weiß nie, woran man eigentlich ist. Und genau das macht es so spannend und berauschend.“

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