Horton ist kein Elefant wie alle anderen. In vielerlei Weise ist er überlebensgroß – und das bezieht sich nicht nur auf seinen Leibesumfang: Er hat ein großes Herz und viel Sinn für Humor. Und auch wenn er es mit übermächtigen Gegnern, mit Spott, Beschimpfungen und Drohungen aufnehmen muss, bleibt er in seinem Entschluss felsenfest, Hu-Heim in Sicherheit zu bringen. Er ist eben immer hundertprozentig treu.
Die Filmemacher finden, dass Jim Carrey der Rolle des Horton viel mehr als nur seine sprachlichen Fähigkeiten als Comedy-Superstar verliehen hat. „Jims Humor und menschliche Wärme sind faszinierend – und dank ihm ist auch unser Horton die freundliche, liebenswerte Figur, wie wir sie aus dem Buch kennen“, sagt Jimmy Hayward: „Jim ist leidenschaftlich und kreativ und hat sich richtig in die Figur hineinversetzt.“
„Jim hat auch sein Gesicht ganz und gar genutzt“, so Hayward weiter: „Er spielt jede Szene und spricht jedes Wort genau so, als ob er vor der Kamera stünde. Er hat uns mit unglaublich viel Material versorgt, was Augenausdrücke betraf, und wir haben für die Animation des Charakters viel von dem verwendet, was Jim Carrey eigentlich nur als Tonaufnahmen geliefert hat.“
So sehr, wie Carrey sich in seine Rolle hineinversetzte, ist es kein Wunder, dass einiges von seiner Ausdrucksstärke mit in die äußere Erscheinung von Horton eingeflossen ist. Der leitende Animator Dave Torres sagt: „In den ersten Entwürfen hatte Horton einen viel kleineren Mund. Aber nachdem Jim dazugekommen war, wurde die Figur nach und nach immer ausdrucksvoller, es war wirklich so, das Jim uns bis an die Grenzen dessen getrieben hat, was eine Animationsfigur ausdrücken kann.“
Hortons wichtigster Mitspieler in der Geschichte ist der Bürgermeister von Hu-Heim, den Horton niemals sieht – und der wiederum Horton nicht sehen kann. Doch die Bindung, die zwischen beiden entsteht, könnte enger nicht sein: voller Warmherzigkeit, Freundschaft und Humor, auch wenn es für beide um Leben und Tod geht. Während Horton sich auf den gefahrvollen Weg begibt, Hu-Heim in Sicherheit zu bringen, muss der Bürgermeister alles aufs Spiel setzen, um seine Mitbürger davon zu überzeugen, in welch großer Gefahr sie alle schweben.
Dr. Seuss führt den Bürgermeister mit den unvergesslichen Worten ein: ...“devoted and fair, and a little bit odd. The Mayor and his wife, they had children to spare.“ Das kann man wohl sagen! Sie sind schließlich die stolzen Eltern von 96 Töchtern und einem Sohn. Wir lernen die schier endlose Reihe des Bürgermeister-Nachwuchses kennen, wie sie auf Stühlen sitzen, die auf einem Förderband stehen, das um den Tisch herum verläuft, damit jede einmal kurz dem Vater zu Gesicht kommt – diese Prozession ist so choreographiert wie eine Szene in einem Musical.
Wie Regisseur Steve Martino sagt, verleiht Steve Carell allen seinen Filmfiguren eine tiefe Menschlichkeit, wie etwa dem orientierungslosen Chef Michael Scott in der US-Fassung der Fernsehserie „The Office“ oder dem schwer unter Druck stehenden Bürgermeister von Hu-Heim: „Steves Figuren haben alle tief im Inneren ein großes Herz“, sagt Martino: „Man fühlt einfach mit ihnen.“
„Es macht Spaß zuzusehen, wie Steves Figuren mit Schwierigkeiten zu kämpfen haben“, fügt Jimmy Hayward hinzu: „Ihm zuzusehen, wie er sozusagen alle rotierenden Teller gleichzeitig in der Luft hält, ist pures Vergnügen. Er schafft es, in jeder Digitalzeile die richtige Menge ,Steve’ unterzukriegen. Er ist der eine Hu, den wir richtig kennen lernen, also möchte man zu ihm auch eine Beziehung aufbauen, und dank Steve gelingt das auch.“
Carell beschreibt den Bürgermeister als „freundlich und großherzig, jemand mit den besten Absichten und großer innerer Stärke. Er ist eine Art Jedermann – ein Typ, der einfach versucht, in einer sehr schwierigen Situation das Beste zu geben.“ Golden-Globe-Gewinner Carell gefiel besonders die philosophische Idee, die der Geschichte zugrunde liegt – Hortons Gewissheit, dass eine noch so kleine Person dennoch eine Person ist. „Das sagt wirklich etwas über die Welt, in der wir leben, aus – egal, wie verschieden wir alle nach außen hin wirken mögen, kann man doch zusammen etwas bewirken, solange Anstand, Anteilnahme und Engagement vorhanden sind. Das ist eine gute, schöne und auch tragfähige Botschaft, die auf Mitgefühl beruht – und sie ist es auch, was ich an der Geschichte so liebe.“
Der ganze Stolz des Bürgermeisters ist sein Sohn Jo-Jo, der kleinste der Hus. Der Bürgermeister hegt große Pläne für den Winzling und bereitet ihn schon darauf vor, eines Tages, wenn er selber in Rente geht, die Familientradition fortzusetzen und sein Nachfolger als Anführer der Hus zu werden. Jo-Jo aber hat schon deutlich klargemacht, dass er diese Karriere nicht einschlagen möchte. Stattdessen verfolgt der junge Mann ganz eigene Pläne...
Die größte Bedrohung für Hortons Mission – und damit für das Überleben von Hu-Heim - ist das Känguru, das, wie es im Buch heißt „made every law and enforced every rule, as self-proclaimed head of the jungle of Nool.” Es ist charakterlich mies veranlagt und ist zudem sehr engstirnig; es behauptet einfach: „Was man nicht sehen kann, das gibt es auch nicht!“ Die beschränkte Sichtweise des Kängurus hat potentiell tragische Konsequenzen für Horton, den Bürgermeister und alle in Hu-Heim.
Aber ist es deswegen der Schurke? Martino ist sich da nicht so sicher: „Es ist ideologisch verblendet, aber es ist kein echter Bösewicht“, findet er. „Es mag verbohrt sein, aber es ist nicht böse.“
In einer Schlüsselszene, in der das Känguru voll und ganz den Tyrannen herauskehrt, schreit es aus Leibeskräften eine wahre Gardinenpredigt darüber heraus, dass so etwas wie Hu-Heim unmöglich existieren könne – eine der Szenen, in der das außerordentliche Stimmtalent und das komische Timing der legendären Carol Burnett voll zum Tragen kommen, die dabei voll in ihrer Rolle aufgeht. Zu Burnetts unzähligen Fans gehören auch Jim Carrey und eine große Mehrheit der Crew von „Horton hört ein Hu!“. „Carol hat ein mächtiges Organ“, sagt Hayward über Burnett, zu deren unvergesslichen Szenen in ihrer langjährigen Fernsehshow auch ein „Tarzanschrei“ gehörte, der so etwas wie den Vorboten zu ihrer Känguru-Rolle darstellt. „Das Känguru ist völlig außer sich“, sagt Burnett: „Ich fand es sehr befreiend, wenn man aus vollen Leibeskräften herumbrüllen darf und auch noch dafür bezahlt wird!“
Was den schlechten Charakter des Kängurus betrifft, weist Burnett darauf hin, dass „man eine Figur nicht als böse empfindet, wenn man den Bösewicht spielt. Der Schurke hält sich nicht für böse. Er sieht das Gute – er fühlt sich im Recht, und wenn nur jeder seiner Meinung wäre, dann wäre die Welt in Ordnung.“
„Das Känguru ist ein Kontrollfreak und ganz schön starrsinnig“, gibt Burnett durchaus zu: „Es regiert den Dschungel mit eiserner Faust. Es hat seinen Sohn Rudy zu lange in seinem Beutel behalten; es hat ihn einfach nicht ausziehen lassen.“ Wenn sich andere Teenager schon als Gefangene ihrer Eltern vorkommen, hat einer wie Rudy wirklich Grund zur Beschwerde...!
Der übelste Scherge des Kängurus ist Vlad Vlad-I-Koff, ein riesiger Adler mit zerrupftem, öligem Gefieder und einem großen, zerfurchten Schnabel. Er spricht mit einem starken russischen Akzent. Vlad ist kein böses Genie – er ist einfach nur böse. „Vlad bewegt sich wie eine Echse oder wie eine Fledermaus“, sagt Jimmy Hayward: „Er handelt immer instinktiv. Diese Figur ist eine wilde Mischung aus popkulturellen Anspielungen. Er ist wie ein Gangster mit dicker Goldkette, der in einem rotbraunen Trainingsanzug herumläuft.“
Will Arnett („Arrested Development“), der Vlad spricht, nennt seine Figur „eine ganz eigene Spezies. Er ist ein gefährlicher Typ, ein Auftragskiller. Er ist pseudo-hip – er ist lächerlich weit hinter der Zeit zurück, aber er denke, er sei das letzte Wort in Sachen Hipness.“
„Mich ziehen Figuren an, die von sich selbst überzeugt, aber kreuzdämlich sind“, fügt Arnett hinzu: „Das ist einfach eine tolle Kombination. Nicht um damit zu leben, aber für die Zwecke der Komödie. Im echten Leben ist das eine ziemlich traurige Kombination. Ich liebe solche Leute, die auftrumpfen und dabei keinerlei Gespür dafür haben, was für eine lächerliche Figur sie abgeben.“
Vlad ist vielleicht nicht der hellste, aber auch so stellt er für Horton und Hu-Heim eine Bedrohung dar. Vlad kann wie ein Kampfjet zwischen den Bäumen hindurchsausen – man hört fast den Lärm der Düsentriebwerke – und in einer mitreißenden Szene jagt er Horton quer durch den Dschungel. „Wir haben das Ganze wie in einem klassischen Horrorfilm aufgezogen“, sagt Hayward: „Es geht dabei nicht blutig zu, und wir haben auch keine Schockeffekte. Aber das Ganze hält die Balance zwischen Gags und plötzlichen Überraschungen.“
Das Oberhaupt des Wickersham-Clans ist Yummo, gesprochen von Tony-Gewinner Dan Fogler, der, um doppelt Spaß zu haben, auch dem Stadtratsvorsitzenden von Hu-Heim seine Stimme lieh. Fogler genoss beide Rollen, aber näher am Herzen lag ihm letztlich doch Yummo: „Ich komme aus Brooklyn“, erklärt er, und Yummo ist Brooklyn, er ist tough und kennt sich aus auf der Straße.“
An Gegenspielern herrscht für Horton kein Mangel. Aber er hat in Nümpels auch einen Freund und Verbündeten: die Maus Morton, der seinem übergroßen Freund gegenüber die Rolle der Stimme der Vernunft einnimmt. „Du redest mit einem Kleeblatt, und das ist nicht gut“, lässt der clevere Nager Horton wissen. Seth Rogen („Beim ersten Mal“, „Superbad“), einer der profiliertesten jungen Komödienschauspieler und -autoren, verleiht dieser Rolle seine typische, leicht verzerrte Weltsicht: „Morton lässt sich vielleicht zu sehr von Gruppendruck leiten. Er ist ein wenig neurotisch und gar nicht so sehr er selbst.“
In Hu-Heim, während der Bürgermeister versucht, die Bevölkerung von der drohenden Gefahr zu überzeugen, ist seine Frau Sally, die 97-fache Mutter, unterdessen damit beschäftigt, den Haushalt so reibungslos wie möglich am Laufen zu halten. Die anscheinend ganz mühelose Art, mit der sie ihren Haushalt, der ständig aus allen Nähten zu platzen droht, führt, wird alle Eltern im Publikum amüsieren; auf jeden fall ging es Steve Martino so: „Ich habe zwei Kinder zuhause, und es ist schon eine Herausforderung“, sagt er: „Und jetzt stelle man sich einmal vor, man hätte 97 von der Sorte!“
Der „Saturday Night Live“-Star Amy Poehler – im wirklichen Leben verheiratet mit Vlad alias Will Arnett – macht aus ihr eine sympathische Figur, die ihrem Ehemann sein fahriges Benehmen vorhält, aber immer mit viel Verständnis und Sinn für Humor.
„Durch Amy wirkt die Figur echt und von heute, aber mit einer ironischen Ader dabei“, sagt Martino. Poehler fügt hinzu: „Ich habe in meiner Karriere viele unterschiedliche Irre gespielt – viele Charaktere mit extremen Stimmungsschwankungen. Sally dagegen ruht in sich selber. Sie sorgt auf eine ganz liebe Art und Weise dafür, dass ihr Mann nicht die Bodenhaftung verliert. Und das muss sie auch, weil faktisch sie das Oberhaupt dieser riesigen Familie ist. Aber jetzt macht sie sich schon Sorgen um ihn: Kann es sein, dass er einen Knacks abbekommen hat so dass er nun so aufgescheucht herumrennt und vor dem Ende der Welt warnt?“
Ungeachtet von Sallys Zweifeln läuft etwas falsch in Hu-Heim. Um Beweise für seinen Verdacht zu finden, sucht der Bürgermeister Hilfe bei Dr. Mary Lou LaRue, der abgedrehten, aber äußerst beschlagenen Wissenschaftlerin der Hu-Universität. Dr. LaRue trägt eine Brille mit Gläsern wie Flaschenböden, sie hat eine wilde lila Haarmähne auf dem Kopf und ein Defizit im Sozialverhalten. Alles, was für sie zählt, ist die Wissenschaft. Isla Fisher, die die ganze Bandbreite ihres Faches von Komödien wie „Die Hochzeits-Crasher“ bis zu Dramen wie „Die Regeln der Gewalt“ beherrscht, merkt an, dass Mary Lou der einzige Hu ist (vom Bürgermeister abgesehen), die „wirklich versteht, was die Ursachen für die plötzlichen Klimaveränderungen in Hu-Heim sein könnten (die ja dadurch hervorgerufen werden, dass Horton mit den Hus durch den Dschungel von Nümpels flüchtet). Sie ist die erste, die sich von der Furcht des Bürgermeisters vor dem Weltuntergang anstecken lässt.“ Isla Fisher, die es auf eine Körpergröße von 1,58 Meter bringt, fügt hinzu: „Die Aussage, dass ein Mensch ein Mensch ist, egal wie klein, hat für mich eine ganz besondere Bedeutung.“
Von den Gelehrten zu den nicht ganz so Hellen: Willkommen bei den Wickershams, einer Affenhorde mit einer vom Menschen nur allzu bekannten Mob-Mentalität. „Erst sind sie nur eine Bande von lustigen Typen“, sagt Hayward. „Sie sind keine richtigen Bösewichter. Aber als Horton in Schwierigkeiten kommt, können sich die Wickershams keinen größeren Spaß vorstellen. Sie leben auf der dunklen Seite der menschlichen Natur.“