Jimmy Hayward und Steve Martino waren entschlossen, während des ganzen Prozesses, Dr. Seuss’ Schöpfung aus Feder- und Pinselstrichen in 3-D zu übertragen, der künstlerischen Vision und speziellen Magie von Dr. Seuss’ Welt und seinen Figuren treu zu bleiben. Grund genug, die Geisel Library an der University of California in San Diego zu besuchen, wo seine sämtlichen Zeichnungen archiviert sind. Auf der Suche nach Anregungen für Seuss’sche Entwürfe gingen die Filmemacher das komplette Material durch, einschließlich seiner handschriftlichen Notizen. Steve Martino: „Mich haben besonders manche seiner Skulpturen beeindruckt, denn sie gaben uns eine Richtung vor, wie er seine Schöpfung dreidimensional umgesetzt hätte. Einige dezente Hinweise auf Farbe, Form und Oberflächenbeschaffenheit haben wir direkt in den Film aufgenommen.“ Martino weiter: „Wir haben uns beim Wühlen im Archiv richtig in seine Denkweise hineingesteigert. Sein Werk wirkte richtig ansteckend, und wir begannen bald, in seiner visuellen Sprache zu reden. Wenn wir etwa digital das Haar eines Hus kämmten, fragten wir uns: Wie könnten wir es im Seuss-Stil machen? Sich in seiner Welt zu bewegen, hat unsere Phantasie immer wieder neu entfacht.“
Aus dem mühevoll zusammengetragenen Material aus den Archiven entwickelte Martino einen Stilkatalog, der als Fundament für die zu schaffende dreidimensionale, realistisch ausgeleuchtete Filmwelt diente. „Wir konnten wie mit einer Kamera durch unsere 3-D-Welt, die wir gerade bauten, fahren und sie bis ins Detail erforschen“, sagt Martino.
Seuss hatte seinen Spaß daran, Leute mit kleinen Details und schrägen Designs in seinen Zeichnungen zu überraschen. Diese Details in ihrer lustigen Eigenart zu übernehmen und glaubhaft zu machen, dass sie funktionieren, war der Schlüssel dazu, sie ins Reich der Computeranimation zu übertragen. Die Filmmacher nannten ihre Handlungsweise dabei „Seuss’sche Logik“ – ein Prozess, der dafür sorgte, dass jede noch so verrückte technische Spielerei tatsächlich funktionsfähig erscheint.
In gewisser Weise ähnelt das winzige Hu-Heim auf seinem Staubkorn natürlich schon unserer alltäglichen Welt: Leute gehen zur Schule oder zur Arbeit oder sie kaufen ein. Aber eine Arbeitsstelle zu haben, kann in Hu-Heim auch bedeuten, dass man den ganzen Tag auf dem Sofa liegen und Bonbons essen muss.“
Auch die Transportmittel von Hu-Heim sind ziemlich verrückt – und dabei doch nachvollziehbar. Die mehrstöckigen Straßen der Stadt sind voll von Sockenmobilen, Rollerblades auf Stelzen und Einrädern, um nur einige der ungewöhnlichen Arten sich fortzubewegen zu nennen. „Musste jemand irgendwohin, dann war es unsere Aufgabe, seinen Weg so interessant und lustig wie nur möglich zu machen“, sagt Martino. Das schon erwähnte Sockenmobil – ein Auto mit vier Beinen, die in dicken Socken stecken – war eines der Lieblingsstücke der Filmemacher, ideal für den Bereich um ein Krankenhaus oder eine Bücherei herum – überall dort, wo es möglichst leise zugehen soll. Sehr beliebt war auch das Bettmobil: „So etwas würde es einem morgens viel leichter machen“, sagt Hayward: „Man könnte noch ein wenig auf dem Weg zur Arbeit lesen oder ein wenig Schlaf nachholen.“
Für wen Sockenmobil oder Bettmobil noch zu althergebracht klingen, der könnte es ja einmal mit Jo-Jos Riesenzwille probieren, mit der er sich Zugang zu einem alten Observatorium verschafft, das in der Geschichte eine bedeutsame Rolle spielt. Als erstes setzt sich Jo-Jo auf ein Einrad, das mit der Gerätschaft verbunden ist, dann tritt er rückwärts, als ob er gleich gegen die Wand fahren wollte, dann ergreift er einen Hebel und zieht ihn bis zum Anschlag zurück, woraufhin er hoch in die Luft hinauf geschossen wird bis zum unteren Ende einer Hängeleiter...
Und wie wäre es mit etwas Ausgleichssport, einer Runde Tennis zum Beispiel? Auch hier sind Phantasie und Spaß gefragt. „Dr. Seuss nahm niemals den kürzesten Weg von A nach B, also haben wir uns überlegt, dass die Hus garantiert nicht auf einem normalen Tennisplatz spielen würden, sagt Hayward: „Wir haben uns gesagt: warum erhöhen wir nicht die eine Hälfte des Platzes und verbinden die beiden Hälften mit einer dieser verrückten Treppen?“
Die Schwerkraft ist kein gewichtiges Thema in Hu-Heim, wo enge Wendeltreppen ohne Geländer bis in den Himmel ragen und wo die Hus ständig die Wände riesiger Gebäude hinauflaufen. „Man kann sich in Hu-Heim nicht verletzen“, erklärt Hayward: „Denn sich wehzutun macht keinen Spaß.“
Auch wenn Hayward, Martino und ihre Teams eigene Entwürfe schufen, wollten sie doch auch immer die Zuschauer das originale Seuss-Gefühl spüren lassen: „Wir haben hart daran gearbeitet, zu einem authentischen Gesamteindruck zu kommen, der dem entspricht, was Leute aus den Büchern erinnern“, erklärt Martino. Seuss’ ursprüngliche Hus waren käferähnliche Kreaturen mit runden Köpfen. Um die Figuren ausdrucksstärker zu machen, erfanden die Filmemacher diese Charaktere neu und verliehen ihnen eine größere Spannbreite an Mimik und Bewegungen der Augenbrauen.
Die Filmemacher bauten auf dem minimalistischen Nümpels auf, wie Seuss es in seinem Buch angedeutet hatte. Art Director Thomas Cardone erläutert: „Seuss hat in seinen Zeichnungen große Flächen einfach weiß gelassen, zum Teil einfach, um den Text dort unterzubringen. Das heißt, wir konnten uns gar nicht an einen Seuss-Dschungel als Vorlage halten, weil er ihn gar nicht bildlich ausformuliert hat.“ Das Nümpels des Films ist denn auch wie kein Dschungel, den wir jemals gesehen haben; er strotzt vor riesigen wogenden Farnwedeln, blauen Gebüschen und gigantischen Palmen, deren Baumkronen wie Frisuren aussehen.
Doch auch hier war Seuss die Hauptinspirationsquelle. „Wir mussten diesen Weißraum irgendwie füllen“, erklärt Steve Martino: „Wir hielten uns an Seuss’ ungewöhnliche Farbpalette für den Dschungel: rot, blau und andere seltsame Farben“ – das völlige Gegenteil des üppigen Grüns, das man normalerweise erwarten würde. „Jedes einzelne Blatt in Nümpels hat das besondere Seuss-Flair, zum Beispiel asymmetrische Kurven und kleine Muster im Geäder.“ Und Cardone fügt hinzu: „Wenn man sich einen Seuss-Baum anschaut, wird einem immer auffallen, dass er zu einer Seite hin schwerer ist und auch aus allen Blickwinkeln anders aussieht.“