In Ihrem Bestreben, die wundersamen und wild imaginierten Welten des Dr. Seuss wiederzugeben, zwangen die Filmemacher die Animation und die optischen Täuschungen weit über die normalen Grenzen der sonst geltenden physikalischen Gesetze hinaus.
Sie verwendeten Knautsch-und-Zerr-Techniken, um Horton und den Bürgermeister zu extremen Gesichtsausdrücken und Bewegungen zu treiben. In der traditionellen 2-D-Animation verleiht Knautschen und Zerren den Figuren Elastizität und Beweglichkeit. Hayward, Martino und die Künstler, Animatoren und Techniker von Blue Sky waren angetreten, diese Technik auf ein neues Niveau zu heben.
Man kann wohl an kaum einer Szene besser demonstrieren, wie wirkungsvoll ihre Knautsch-und-Zerr-Techniken waren, als an jener, in der Horton (mit dem Klee im Schlepptau) sich anschickt, eine tiefe Schlucht auf einer langen, klapprigen Hängebrücke aus Bambusstäben zu überqueren. Zur selben Zeit, als der Bürgermeister den Zahnarzt besucht, der gerade im Begriff ist, ihm eine Injektion aus einer riesigen Spritze zu verpassen. Hayward und Martino blenden zwischen diesen beiden äußerst prekären Situationen hin und her und erschaffen so eine dicht strukturierte Szene von Ursache und Wirkung – jede Bewegung von Horton hat eine ähnliche (oder besser: ähnlich verrückte) Wirkung auf den Bürgermeister.
In dieser Szene nutzten die Filmemacher ihre Knautsch-und-Zerr-Technik auch, um Hortons Rüssel aufzublasen – der 5000-Kilo-Elefant glaubt, als unerschütterlicher Optimist, dass Luft „leichter“ als alles andere ist und nimmt an, dass er einfach wie ein Luftschiff über die Schlucht hinwegschweben kann. Unnötig zu erwähnen, dass seine Erwartungen nicht wirklich erfüllt werden. Während Horton, mit aufgeblähtem Leib herüberstolpert und bei jedem Schritt die Brücke weiter zerlegt, landet die Spritze schließlich im Arm des Bürgermeisters statt in seinem Mund. Auch hier nutzten die Filmemacher wieder die Gelegenheit, die Animation zu übersteigern, in dem sie den gepieksten Arm des Bürgermeisters auf zehn Meter Länge streckten. Als der Bürgermeister aus der Praxis flieht, verpasst seine verlängerte und kraftlos herumschlenkernde Extremität mehreren Passanten eine Ohrfeige.
Die Ehre, auf die Idee für diese Szene gekommen zu sein, gebührt Jim Carrey, sagt Hayward: „Jim fragte: Wenn ein Elefant seine Welt auf einem Staubkorn herumtransportiert, was wäre der unangenehmste Ort, an dem der Bürgermeister sich aufhalten könnte?“, erinnert sich Hayward. „Nachdem er zunächst etwas mit Elektrowerkzeugen vorgeschlagen hatte, stellte er die Frage: Was wäre, wenn der Bürgermeister beim Zahnarzt ist – und der mit einer Betäubungsspritze hantiert?“
Die Knautsch-und-Zerr-Technik verwendeten die Animatoren auch für einen Verwischungs-Effekt, wenn zum Beispiel eine Figur so schnell läuft, dass ihre Beine verschwimmen und es so wirkt, als würden sie sich verdoppeln oder verdreifachen.