Da das Wort „hört“ so herausgehoben im Filmtitel und in der Storyline vorkommt, ist es kein Wunder, dass das Sounddesign und die Filmmusik zwei ganz besonders wichtige Elemente des Films waren. „Die grundsätzliche Vorgabe der Geschichte ist, dass die beiden Hauptfiguren einander nie begegnen – sie können sich bloß gegenseitig hören“, führt Hayward aus. „Beide sind gezwungen, das zu glauben, was sie hören. Und wenn das keine Grundlage für ein tolles Sounddesign ist, dann weiß ich es auch nicht!“
Sounddesign und Musik so eng wie möglich miteinander zu verweben, war dem Talent des zweimaligen Oscargewinners Randy Thom („Die Unglaublichen“, „The Right Stuff“) überlassen, dessen Arbeit als Sounddesigner schon eine Bandbreite von Filmen wie „Jäger des verlorenen Schatzes“ bis zu „Ratatouille“ umfasst – und dem Komponisten John Powell, zu dessen Arbeiten die Filmmusiken zu „Shrek“, „Happy Feet“, „Ice Age 2: Jetzt taut’s“ und den drei „Bourne“-Filmen gehören.
Thom und Powell begannen bereits extrem früh im Entstehungsprozess des Films zusammenzuarbeiten. „John und ich haben über ein Jahr vor dem angepeilten Filmstart ein Brainstorming mit den Regisseuren zusammen gehabt“, sagt Thom: „Uns allen war klar, dass der Film eine echte Spielwiese sein würde, was den Klang betraf. Es ist immer ein Genuss, wenn man seine Töne mit einem Komponisten teilen kann, und unsere Arbeit bestand darin, die beiden Bereiche so weit wie möglich miteinander zu verschränken.“
Thom ging das Wagnis ein, die Ohren des Publikums für eine andere, neue Klangwahrnehmung zu öffnen – und es dazu zu bringen, einfach zu glauben, dass eine mikroskopisch kleine Person und ein Fünf-Tonnen-Elefant einander hören können. Der erste Kontakt von Horton und dem Bürgermeister enthält komplexe Übergänge von einem Ton zum anderen. Während das Staubkorn durch die Luft segelt, hören wir die Hilfeschreie der Hus. Die Filmemacher springen zwischen Horton – dessen übergroße Ohren die „mikroskopischen“ Klänge winziger Stimmen vom Staubkorn auffangen – und dem plötzlich vom Boden abgehobenen Hu-Heim hin und her, wo wir die überraschten Schreie der Hus in voller Lautstärke hören.
Um Kontakt mit den Urhebern der leisen Töne aufzunehmen, ruft Horton „Hallo!“ in Richtung des Staubkorns. Wir folgen der Schallwelle, wie sie sich – ganz wie ein Raumschiff im Landeanflug auf die Erde – auf das Staubkorn zu bewegt. Sie trifft auf den Klee, durchdringt die Wolkendecke, verschwindet in einem riesigen Luftschacht, rast durch ein Labyrinth von Rohren – und dringt schließlich aus einem Abflussrohr außerhalb des Büros des Bürgermeisters.
Während die Welle ihren Weg durch die Atmosphäre nimmt, moduliert Thom sie auf verschiedene Weisen, indem er ihre Tonhöhe verändert oder indem er ihr einen an- und abschwellenden Klang verpasst – als Gegenstück zum Bild der Schallwelle.
Bei der Reise durch das Abwasserrohr fügt Thom noch einige metallische Klirr- und Knarr-Geräusche hinzu, die das andauernde „Hallo!“ begleiten.
Es ist ein wunderbarer Gag für das Publikum – und für Horton ein überwältigender Moment der Erkenntnis: „Wir sind mitten in einem unglaublichen kosmischen Zusammentreffen“, ruft Horton dem Bürgermeister zu: „Zwei völlig gegensätzliche Welten, deren Wege sich auf wundersame Weise kreuzen! Meine Welt ist riesig, deine ist winzig, und trotzdem konnten wir Kontakt aufnehmen!“
In der großartigen Schlusssequenz des Films steht der Ton im Mittelpunkt, wenn sämtliche Hus mit allen möglichen Gegenständen, die Lärm machen können, zusammenkommen, um in der großen Welt gehört zu werden um so ihren sicheren Untergang abzuwenden. Wie aus einem Munde schreien alle: „Wir sind hier! Wir sind hier!“ Die entscheidende Hilfe kommt schließlich aus einer unerwarteten Richtung: von Jo-Jo, dem Sohn des Bürgermeisters, der zu der vielschichtigen, die ganze Stadt umfassenden Symphonie noch die Töne seines Sinfonofons beisteuert – ein kurioses Musikinstrument, das er aus lauter Fundsachen gebastelt hat.
Zur selben Zeit, als das Team dem Film den letzten Schliff verpasste, fragte sich Audrey Geisel, die Ehefrau des verstorbene Schöpfers dieser magischen Welten, was ihr Mann wohl dazu gesagt hätte, dass „Horton hört ein Hu!” nun zu einem großen Animationsfilm wird. „Er hätte wahrscheinlich gesagt“, meint sie, „dass der Film so groß werden musste, weil Horton einfach selbst schon so groß ist und er ein so großes Herz hat!“