Wie die Heldin eines Jane-Austen-Romans musste Regisseurin Robin Swicord bei den Dreharbeiten von Der Jane-Austen-club mit ihren Schauspielern und ihrem Team einfallsreich, clever und liebenswürdig umgehen – und Spaß dabei haben. Es gab einen straffen Zeitplan, ein schlankes Budget und ein großes Ensemble, dessen Mitglieder viel Leinwandzeit teilten. Angesichts dessen brauchte diese geistreiche Schilderung von Liebe und Freundschaft in unserer heutigen Zeit, damit sie toll aussehen und wahr klingen würde, unbedingt eine lebensechte Atmosphäre, die sich harmonisch, produktiv und authentisch anfühlte. „Meine wichtigste Aufgabe bestand darin, eine Umgebung für das Zusammentreffen dieser großartigen Schauspieler zu schaffen und für die Chemie zu sorgen“, sagt Swicord. „Wir arbeiteten sehr hart und schnell, aber wir behielten immer eine spielerische Haltung dabei. Vor dem Dreh machten wir ein paar Theaterübungen, die den Ensemble-Charakter bilden sollten, und wir nannten uns selbst die SMUJies – ,Slightly Mentally Unhinged Janeites‘ (,mental leicht verwirrte Anhänger von Jane‘) – und trugen die entsprechenden billigen T-Shirts. Ich folgte der ,Vertrau’ auf Dein Bauchgefühl‘-Regel beim Casting und so hatte ich am Ende eine Gruppe sehr sympathischer Schauspieler. Die Produktion brachte wirklich Spaß.“
Jimmy Smits, der viele Filmproduktionen erlebt hat, stimmt zu: „Ich habe mich seit langer Zeit nicht mehr so entspannt an einem Set gefühlt und das habe ich bei allen Schauspielern beobachtet. Ich denke, das wird auch in großem Maße auf der Leinwand herüberkommen.“
Mit nur sechs Wochen Vorbereitungszeit und dreißig Drehtagen stellte Swicord sicher, dass ihre Schauspieler so viel Zeit wie nur irgendwie möglich für Proben bekamen, damit sie sich mit ihren Figuren und untereinander wohl fühlten. „Die Proben vor Beginn der Dreharbeiten waren wichtig für die Verfeinerung des Drehbuchs und das Arrangement“, erinnert sich Swicord. „Dieses Drehbuch ging nicht den gewöhnlichen Weg des Entwicklungsprozesses im Studio mit Story-Meetings, die manchmal ein Skript ausdünnen können. Sony Pi??ctures Classics liebte das Original-Buch, gab meiner Adaption grünes Licht – und wir waren auf und davon. Also wurde die Arbeit mit den Schauspielern die Grundlage. Ich sah mir an, wo die Dialoge glatt liefen und wo Schauspieler zögerten oder sich unwohl fühlten oder wo sie eine weitere Zeile oder eine Bewegung brauchten. Ich nahm diese Elemente auf und Korrekturen vor. Selbst nachdem wir damit begonnen hatten, zwölf Stunden am Tag zu drehen, plante ich immer noch eine Stunde für Proben am Morgen ein, weil ich wusste, dass wir die Zeit mit besseren Performances und weniger Takes wieder gutmachen würden.“
In der Tat – wie Kathy Baker staunt: „Robin hatte jeden Tag einen guten Tag“ – was so viel heißt wie dass der sehr volle Tages-Zeitplan immer erfüllt wurde. „Das ist ein Rekord!“
Als Erstlings-Regisseurin (trotz ihrer zwanzigjährigen Erfahrung beim Film als gefeierte Drehbuchautorin) wurde Swicord von einem erstklassigen Produktionsteam unterstützt, angefangen von dem bekannten Produzenten John Calley, dessen produktive Filmographie seine Liebe für die Entdeckung und Pflege von Regietalenten beweist, bis hin zu einer technischen Crew, „die echt zu allem bereit war“, wie Swicord bescheinigt. „Der Film war mit erstaunlichen Filmemachern von höchstem Niveau gesegnet. Wir – eine Low-Budget- Filmproduktion mit einem sehr ambitionierten Drehplan – konnten vor allem deshalb all diese Leute kriegen, weil wir in und in der Nähe von Los Angeles drehten, wo die besten Filmteams der Welt zu Hause sind, die auch nichts dagegen haben, wenn sie nach der Arbeit heimgehen und in ihren eigenen Betten schlafen können.”
Ein Mitglied der Crew war allerdings sehr weit von zu Hause fort: Kameramann John Toon verpflichtete sich, seine Farm in Neuseeland zu verlassen. Swicord beauftragte ihn im Laufe eines vierstündigen Telefonats. „Ich habe mit John Toon, der extra hier rüberkam und diesen Film drehte, den Jackpot geknackt. Er willigte sogar ein, in meinem Haus bei meiner Familie zu wohnen, um Geld zu sparen.“
Swicords Bestreben, ein authentisches Stück Leben zu kreieren, bestimmte ihre Wahl des Kameramannes. „Ich wollte, dass der Look des Films etwas sehr Reales hat – er sollte zeigen, wie wir heute leben, so wie uns Jane Austen ein detailgenaues Porträt vom täglichen Leben der Menschen zu ihrer Zeit lieferte. Ich bewunderte Johns Kameratechnik bei Glory Road (Spiel auf Sieg, 2006) und Sylvia (2003), weil er dem Zuschauer das Gefühl vermittelt, er wäre als unmittelbarer Beobachter direkt ins Geschehen involviert. Er erfand eine Kamera-Einstellung, die noch ein bisschen freier, einer menschlichen Bewegung ähnlich war – kaum bemerkbar, nicht so ruckartig wie mit der Handkamera, aber auch nicht so sanft wie mit der Steadicam. Er verwendet sehr viel natürliches Licht, was dieses Gefühl der Unmittelbarkeit noch verstärkt.“
„Budget-Beschränkungen bedeuten, dass man in Eile ist und dass man keine Chance auf Nachdrehs hat, wenn etwas schiefgeht“, merkt John Toon außerdem an. „Es wird aber nichts schiefgehen, wenn man eine Einstellung hinbekommt, mit der es immer gut aussieht.“
Eine Anekdote, die Swicord schildert, zeigt, wie Regisseurin und Kameramann diese gewisse Einstellung fanden, die für Effektivität und starke Performances sorgte: „Wir drehten die Szene, in der sich Trey und Prudie gerade im Auto vor der Schule küssen wollen, als sie ihren Ehemann kommen sieht. Es ist eine angespannte Szene. John Toon und ich hatten den Plan erarbeitet: zunächst intime Einzelaufnahmen von der Seite und auch vom Rücksitz mit Blick über die Lehnen; dann eine Fahrt durch die Frontscheibe für den Point-of-View-Shot auf den herannahenden Dean.
Als wir die Close-up-Einzelaufnahmen im Auto drehten, hatten sich die Schauspieler gerade aufgewärmt. Als wir die Kameras durch die Frontscheibe richteten, wurden sie wirklich gut – da entstand eine wirklich gute Chemie. Ich flüsterte John zu: ,Wir werden die Einzelaufnahmen wiederholen‘ – was einen nochmaligen Aufbau von Licht und Kameras bedeuten würde. Er sagte: ,Nein, nein, wir gehen nicht noch mal zurück‘. Und ich sagte: ,Du wirst mir in diesem Fall vertrauen müssen!‘ Und in Warp-Geschwindigkeit begannen alle damit, sich noch einmal aufzubauen, wir drehten schnell und fielen nicht zurück und ich bekam die Einzelaufnahmen, die ich wollte. Das war eine kleine Unterrichtsstunde in Regieführen für mich: Nicht die nahen Einzelaufnahmen als erstes drehen, immer mit etwas anderem aufwärmen! Am nächsten Tag sagte Tooney: ,Wir werden mit einer Totalen anfangen, alles klar?‘„
Swicord entwickelte genauso effektive Arbeitsbeziehungen auch zum Rest ihres Teams. „Produzentin Julie Lynn kann ganze Armeen führen. Ihr Sohn war zum Zeitpunkt der Dreharbeiten gerade zwei Jahre alt und wir waren uns einig: Wer Mutter ist, schafft alles. Ich brauchte jemanden, der wenig Geld auf einen weiten Weg schicken konnte und der an meiner Seite stehen würde und ein zweites Paar kreativer Augen hatte. Außerdem ist sie Anwältin und bewahrte uns vor finanziellen und rechtlichen Problemen aller Art!“
Rusty Smith, der Ausstatter, stattete Swicords Kurzfilm The Red Coat (1993) vor über zehn Jahren aus. „Mittlerweile ist er ein großer Big-Budget-Designer, aber er sagte, dass es für ihn erfrischend wäre, mit unserem bescheidenen, realistischen Rahmen zu arbeiten und diese Figuren mit knappen Mitteln zum Leben zu erwecken. Bei einem Ensemble-Cast muss der Zuschauer alle Figuren sehr schnell durch ihre Wohnungen und Kleidung und ihre Umgebung kennenlernen. Rusty war genial darin, die perfekten Locations zu finden, die zu den Figuren passten und für verschiedene Szenen genutzt und wieder verwendet werden konnten. Rusty fertigte Zeichnungen von jeder Location an und ich kaufte ein Set von Fisher-Price-Figuren. Ich ließ die Schauspieler aussuchen, welche sie sein wollten und bewegte sie hin und her, um den treffenden Hintergrund zu finden.“
Diese detailgenaue Authentizität wurde im Laufe der Dreharbeiten noch erweitert. „Unsere Requisiteurin Meg Everist ließ zum Beispiel mal einen Korb mit Bügelwäsche auf einem Tisch stehen, den man in der Einstellung gar nicht sehen kann. Aber die Schauspieler konnten ihn sehen und das brachte in das Leben ihrer Figuren noch ein bisschen mehr Realität. Ich rege mich gerne darüber auf, wenn Filmfiguren in Häusern leben und sich auf eine Art und Weise kleiden, die einfach über das Ziel hinausschießt und lächerlich wirkt. Ich saß mit Kostümdesignerin Johnetta Boone zusammen und malte mir aus, wo jede von diesen Figuren tatsächlich shoppen würde. Dort kaufte Johnetta dann ihre Klamotten. Wenn man eine Lehrerin wie Prudie ist, mag man ja vielleicht Stil haben, aber nicht unbedingt viel Geld.“
Für den Schnitt von Der JANE-AUSTEN-cLUB suchte Swicord überraschend nach einem Cutter mit Actionfilm-Erfahrung. „Wenn sich der Buchclub trifft und es zu Streitereien und Spannung kommt und Handlungsstränge aufeinanderprallen, behandelte Maryann Brandon das Ganze wie eine Actionszene, schnitt die Witzeleien und scharfen Erwiderungen und bedeutungsschwangeren Blicke und kreierte eine Eigendynamik. Wir wollten nicht einfach einen statischen Haufen plappernder Leute in einem Raum. Ihre Action-Ansprüche zahlen sich in der Dynamik aus.“
Auch die Schauspieler schenkten dem Projekt gemeinschaftliche Wärme und Großzügigkeit. „Jeder fühlte sich inspiriert, etwas extra zu geben. Emily Blunt kam zu den Lesungen mit den Schauspielern, als wir Trey casteten – ich wählte Kevin Zegers vor allem deshalb, weil er sie erröten ließ. Emily bezahlte die Kosten für eine Perücke, weil sie das Gefühl hatte, dass Prudie diesen ordentlichen französischen Bob tragen sollte und sie konnte sich wegen ihres nächsten Jobs nicht die Haare schneiden lassen. Wir konnten uns aber keine Perücke leisten. Maria Bello war die erste Hauptdarstellerin, die wir gecastet haben. Sie war jeden Tag da, um ihren Text zu lesen. Sie kochte Pasta für alle. Keiner schlief in seinem Wohnwagen – sie kamen alle zusammen, um zu proben, und gaben alles.“
Swicord fährt fort: „Die Schauspieler retteten sogar die Lage in unserem einzigen, wirklich nervenaufreibendem Angstmoment: Wir casteten Kathy Baker als Sky, Prudies Mutter, und Kathy sagte: ,Ich spiele Sky, aber in Wahrheit bin ich die geborene Bernadette.‘ Ein Licht ging uns auf und ich besetzte sie um als Bernadette. Aber die Schauspielerin, die wir dann für Sky casteten, musste in letzter Minute absagen. Buchstäblich zwei Tage, bevor Skys Szenen gedreht werden sollten, sagte Lynn Redgrave, die in Los Angeles mit ihrer One-Woman-Show war, für die Rolle zu. Es war ein großer Akt der Großzügigkeit. Sie spielte für uns zwei Tage und eilte an den Abenden zurück zu ihrer Bühnenshow.“
Swicord spricht voller Wärme und Bewunderung von all ihren Schauspielern. „Sie sind ein gescheiter Haufen. Ich wusste, dass Hugh Dancy ein Intellektueller ist – er ist ein solcher Bücherwurm. Aber er ist auch wahnsinnig lustig, was ich gar nicht erwartet hatte. Ich habe ein wundervolles Foto von allen Schauspielerinnen, die herumstehen und plaudern. In der Mitte sitzt Hugh mit diesem Buch und die Hände aller Schauspielerinnen liegen leicht auf seinem Kopf und Schultern wie auf einem geliebten Haustier. Ich kann all die wundervollen Seiten an diesem Cast gar nicht alle aufzählen, weil ich fürchte, dass ich jemanden auslassen würde. Amy Brenneman, Maggie Grace, Jimmy Smits, Marc Blucas – sie sind großartige Schauspieler, denn sie sind smart und warmherzig und großzügig.“
Swicord fasst die befriedigende Erfahrung der Regie ihres ersten Kinofilms mit einem Zitat von Jane Austen zusammen, der Muse, die in den Herzen der Filmemacher immer während der Dreharbeiten dabei war: „In einem Brief an ihre Nichte beschreibt Austen das Schreiben: ,Ein kleines Stückchen (zwei Zoll) von Elfenbein, an dem ich mit einer Bürste so fein arbeite, hat wenig Wirkung bei viel Arbeit.‘ Einen Film zu drehen ist Welten entfernt von einer Jane Austen, die metaphorisch eine Elfenbeinschnitzerei bearbeitet. Aber wir verfolgen dennoch alle die gleiche Sache: Wir wollen Geschichten erzählen – von unserem Leben und von unseren Gefühlen über Liebe und Freundschaft.“